Liebe Leser*innen,
am Sonntagmorgen habe ich eine Sprachnachricht bekommen: „Es geht los“. Ich bin sofort zum Kottbusser Tor geradelt. Dort wurde gerade die berlinweit erste Kamera zur dauerhaften polizeilichen Videoüberwachung des öffentlichen Raums aufgehängt. Ich habe dann den Kabelstrang, an den die Kamera angeschlossen wurde, einmal um den Block verfolgt. Alle paar Meter hingen Kabel heraus – offensichtlich um weitere Kameras anzubinden. Zudem finden sich an dem Strang an vielen Stellen auch massive Scheinwerfer, mit denen die Polizei wohl die Gegend ausleuchten kann.
Das Areal rund um den Kotti wird künftig total überwacht. Die Bilder können von Polizist*innen eingesehen werden, außerdem kontrolliert eine Software permanent das Verhalten aller Abgebildeten. Ich fühlte mich wie in einer Dystopie. Das Berlin, in das ich mich einst verliebt hatte, wirkte plötzlich sehr fern.
Mit wehmütigen Grüßen
Martin

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