Auf den PunktEs gibt Menschen, die Videokameras attackieren.

  • Martin Schwarzbeck

Liebe Leser*innen,

wenn ich über Kameras schreibe, reagieren Menschen, beispielsweise in den Kommentaren, oft mit fantasievollen Ideen für Gegenmaßnahmen. Sticker auf die Linse, Ziegel darauf fallen lassen, mit Ketchup bespritzen. Eine Person erzählte, sie habe früher oft Luftschlangenspray benutzt, um den Geräten die Sicht zu nehmen. Eine andere schilderte ihren Traum, eine EMP-Pistole zu bauen, die einen elektromagnetischen Impuls aussendet, der Kameras wahlweise stört oder zerstört. Und eine teilte mir mit, wie oft sie bereits Kaugummi auf Kameralinsen appliziert hatte.

Im Rahmen der darauf folgenden Recherche habe ich erfahren, dass die Betriebseinschränkung von Videoüberwachungsanlagen als Aktionsinstrument in sozialen Bewegungen bereits eine gewisse Tradition hat. Dazu habe ich recherchiert, wo in Deutschland der rechtliche Unterschied zwischen dem Zerstören und dem Abdecken einer Kamera liegt.

Um sich gegen Kameras und die beispiellose Welle KI-gestützter Überwachung zu wehren, muss man aber gar nicht zu so handfesten Maßnahmen greifen, der Widerstand lässt sich auch symbolisch ausdrücken. Zum Beispiel mit einem Besuch der Anti-Überwachungs-Demo am 13.6. in Berlin.

Würde mich freuen, euch da zu sehen!

Martin

Unsere Artikel des Tages

Widerstand gegen KamerasMit Kaugummis, Laserpointern und Brecheisen

Menschen wehren sich nicht nur mit Petitionen und Demos gegen den Ausbau des Überwachungsapparats, sondern auch ganz handfest. Wir zeigen die Geschichte des Widerstands gegen Videoüberwachung sowie die Rechtslage, wenn Kameras das Licht ausgeht. Und wir haben mit einem Menschen gesprochen, der für seine Attacken vor Gericht stand.

UN-Report zu KI-UmweltkostenGut gemeint, schlecht gerechnet

Ein neuer UN-Report warnt vor dem wachsenden Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren aufgrund des KI-Booms. Doch statt auf die Verantwortung von Tech-Konzernen zu pochen, gibt er Tipps für Nutzer:innen, wie sie ihr Verhalten ändern könnten. Eine vertane Chance, kritisieren Forscher:innen.

Automatisierte FalschmeldungenBKA meldet Kinderpornografie, die keine ist

Das Bundeskriminalamt wirft einem Hosting-Unternehmen vor, strafbare Kinderpornografie zu verbreiten. Es geht um zwei legale YouTube-Videos. Die Polizei hat die Inhalte offensichtlich nicht geprüft. Erst nachdem wir nachfragen, gibt das BKA den Fehler zu. Der Fall zeigt grundlegende Probleme.

TrugbildSchöne (un-)heile Welt

Der Online-Einkauf ist in jeder Hinsicht billig geworden. Schwindeleien gehören zum Geschäft und machen das Vertrauen in die Welt kaputt. Opfer kann jeder werden – auch ich.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von LTO vom 08. 06. 2026

Das Landgericht Frankfurt verhängt ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Facebook-Konzern Meta, weil dieser gerichtliche Löschungsanordnungen nicht unverzüglich umgesetzt hat.

Ticker-News von UN News vom 08. 06. 2026

Social Media für Kinder zu verbieten, sei kein Ersatz dafür, Plattformen sicherer zu gestalten, schreibt der Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk. Sein Kommissariat hat kürzlich Leitlinien für die Sicherheit von Kindern im Netz veröffentlicht.

Ticker-News von Brussels Times vom 08. 06. 2026

„Smarte“ Überwachungsbrillen von Meta zeigen auch auf dem europäischen Kontinent, für was sie sich besonders gut eignen: Frauen heimlich filmen und belästigen, wie der öffentlich-rechtliche Sender RTBF aus Belgien recherchierte.

Ticker-News von Queer.de vom 08. 06. 2026

Drei Bundesländer fordern Nachbesserungen am Selbstbestimmungsgesetz. Um Missbrauch zu verhindern, wollen sie festlegen lassen, unter welchen Voraussetzungen Standesämter die Änderung des Geschlechtseintrags verweigern können.

Ticker-News von Golem vom 08. 06. 2026

Ein Schüler verklagt das Unternehmen Omnilert, dessen KI-gestütztes Waffenerkennungssystem an seiner High School im US-Bundesstaat Tennessee versagt hatte. Der 17-Jährige war 2025 bei einer Schießerei in seiner Schule verletzt worden.

Ticker-News von The Guardian vom 08. 06. 2026

Der britische Premierminister Keir Starmer fordert Google und Apple dazu auf, innerhalb von drei Monaten technische Lösungen zu implementieren, damit Kinder auf Smartphones keine Nacktbilder versenden oder erhalten können. Andernfalls drohen rechtliche Verpflichtungen.

Ticker-News von heise online vom 08. 06. 2026

Die schwarz-rote Koalition hat sich offenbar auf den Rechtswissenschaftler Moritz Hennemann als Nachfolger der Bundesdatenschutzbeauftragen Louisa Specht-Riemenschneider geeinigt. Hennemann sieht etwa die Datenschutzgrundverordnung als „Innovationshemmnis“.

Ticker-News von 11KM-Podcast vom 08. 06. 2026

Elon Musk und der Konzern Tesla: Über Whistleblower, systematisches Vertuschen und Verheimlichen der Risiken des Tesla-Autopiloten, irreführende Werbevideos und wie Hacker Unfallopfern dabei halfen, Tesla-Unfälle und gelöschte Daten zu rekonstruieren.

Ticker-News von Postbank vom 04. 06. 2026

Menschen in Deutschland schätzen ihre Internet-Nutzung mit rund 67,4 Stunden pro Woche etwas geringer ein als im Vorjahr (71,8 Stunden). Das zeigt die Postbank Digitalstudie 2026. Am meisten online sind demnach Berliner:innen.

Ticker-News von n‑tv vom 05. 06. 2026

Google will sich auch ins nicht-digitale Ökosystem einmischen. In den US-Staaten Florida und Kalifornien will der Konzern Millionen nicht fortpflanzungsfähige Stechmücken aussetzen, um deren Population zu verringern. Projektname: Debug.

Über die Autor:innen

  • Martin Schwarzbeck

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042

    Foto: Darja Preuss


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe eine Ergänzung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert