Krise der MeinungsfreiheitDie Beleidigten

Schon wieder geht die Polizei auf einer Demonstration wegen einer angeblichen Beleidigung des Bundeskanzlers gegen einen jungen Menschen vor. Solche Maßnahmen beschränken die Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Eine Analyse.

  • Markus Reuter
Schild mit der Aufschrift "Merz an die Front"
Schilder wie dieses gab es auf mehreren Demonstrationen gegen die Wehrpflicht. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Stefan Trappe

8. Mai 2026, in München demonstrieren junge Menschen gegen die Wehrpflicht. Eine 20-jährige Schülerin trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Friedrich stirb doch selber an der Ostfront!“. Unter Einsatz von Gewalt und sogar Schlagstöcken bahnen sich Polizist:innen einen Weg zu der Schülerin, um ihre Personalien aufzunehmen. Das Plakat stellt angeblich eine Beleidigung des Bundeskanzlers dar, die Polizei verkündet später, ein Ermittlungsverfahren gegen die Schülerin einzuleiten.

Man muss kein Jurist sein, um zu sehen, dass es sich hier wohl kaum um eine Straftat handelt. Es ist weder eine Beleidigung noch eine gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung noch eine Bedrohung des Kanzlers. Es ist der patzige Spruch: „Geh doch selber an die Front“ – um die Konsequenz ergänzt, was Wehrpflicht und Militärdienst nämlich ultimativ bedeuten können: im Krieg zu sterben.

Wir sehen hier eine zugespitzte, klare und harte Kritik daran, dass die Regierung über das Leben, Schicksal und im Zweifelsfall den Tod von jungen Menschen entscheidet. Es ist eben nicht der mächtigste Mann des Landes, der bei einem Militäreinsatz sterben wird, sondern es sind die jungen Menschen, die er dorthin schickt.

Keine Straftat

Ronen Steinke hat in der Süddeutschen Zeitung (€) den Fall eingehend analysiert. Er schreibt:

Der Kontext ist wichtig. Wie immer bei Äußerungen. Und eine Debatte, die von Krieg und Frieden handelt, also letztlich von Leben und Tod, wird unweigerlich immer einen anderen sprachlichen Klang haben als eine Debatte, die von Kultur- oder Steuerpolitik handelt. Das darf sich – darauf weist das Bundesverfassungsgericht in seinen Entscheidungen immer wieder hin – natürlich nicht nur in der Sprache der Regierenden spiegeln, die etwa von „Kriegstüchtigkeit“ sprechen. Sondern auch in der Sprache der Kritiker dieser Regierung. Auch sie müssen nicht zartere Worte wählen. Man darf die Dinge, die einen umtreiben und besorgt stimmen, schon beim Namen nennen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei gegen Wehrpflicht-Proteste mit Härte vorgeht. Die Berliner Polizei hat im März bei einer Schüler-Demo bei einem 18-jährigen das Plakat „Merz leck Eier“ konfisziert, die Personalien des Jungen aufgenommen und Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der „Gegen Personen des politischen Lebens gerichteten Beleidigung, üblen Nachrede und Verleumdung“ eingeleitet.

Chilling Effect

Auch wenn die repressive Aktion nach hinten losging und zahlreiche Memes, Wiederholungen, Remixe und Songs auslöste, die millionenfach verbreitet wurden, ist die Message an Protestierende klar: Wir prüfen jedes eurer Plakate und gehen gegen euch öffentlichkeitswirksam und notfalls auch mit Gewalt vor. Passt auf, was ihr tut.

Aus Perspektive von Meinungs- und Versammlungsfreiheit passiert dabei das, was man im englischen „Chilling Effect“ nennt. Solche repressiven Maßnahmen führen in der Regel dazu, dass Menschen davor scheuen, zu sagen, was sie sagen wollen, weil sie Konsequenzen fürchten. Die Maßnahmen haben also beschränkende Auswirkungen auf die Freiheit aller. Im deutschen Sprachgebrauch spricht man auch von Abschreckungseffekten und Einschüchterung.

Moderne Majestätsbeleidigung

Die Fälle der Einschränkung der Meinungsfreiheit auf Demonstrationen reihen sich eine in eine generelle Tendenz zur Verschärfung im Umgang mit Meinungsäußerungen. Sie geschehen vor dem Hintergrund einer Verschlechterung des Debattenklimas und einer Zunahme von  Hass, Hetze und Desinformation, die mit dem Erstarken der rechtsradikalen AfD zusammenhängt.

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So wurde der Paragraf 188 des Strafgesetzbuches im Zuge dieser Entwicklung und unter dem Eindruck der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke durch einen AfD-Anhänger im Jahr 2020 verschärft und um den Straftatbestand der Beleidigung erweitert. Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung, die sich gegen Personen des politischen Lebens richtet kann damit härter bestraft werden als die Beleidigung oder Verleumdung normaler Bürger:innen.

Gesetze, die bestimmte Personengruppen höherstellen als andere, gibt es auch im Zusammenhang mit tätlichen Angriffen auf Vertreter:innen der Polizei und neuerdings auch von Rettungsdiensten. Derartige Regelungen stehen im Konflikt mit der Idee eines Rechtsstaates, der die Gleichbehandlung aller Menschen ja als einen elementaren Grundsatz hat.

Zurück zu den Beleidigungen: So richtig und wichtig die Absicht gewesen sein mag, beispielsweise Kommunalpolitiker:innen vor den zunehmenden rechtsradikalen Angriffen in Schutz zu nehmen, so falsch hat sich die Sache in der Realität entwickelt. Das Gesetz wird seit der Einführung rege genutzt. Schon im Jahr 2021 waren es 748 Fälle, im Jahr 2023 dann schon 2.598  und im letzten Jahr 4.792 Ermittlungsverfahren.

Das liegt laut Ronen Steinke auch daran, dass die Schwelle, was als Beleidigung gilt, bei den Betroffenen, aber auch Polizei und Justiz in den letzten Jahren offenbar deutlich niedriger geworden ist. Die Fälle harmloser Plakate auf den Demonstrationen, aber ebenso die Verfolgung von „Beleidigungen“ wie „Lügenfritz“ oder „Lackaffe“ zeigen diese Tendenz. Die Sensibilität ist nicht nur auf Friedrich Merz beschränkt: Der Grünen-Politiker Robert Habeck ließ die Bezeichnungen „Vollpfosten“ und „Schwachkopf“ verfolgen, auf „Du bist so 1 Pimmel“ gegen den Hamburger SPD-Innensenator Andy Grote löste eine Hausdurchsuchung aus und auch die rechtsradikale Alice Weidel nutzt den Paragrafen munter.

Merz widerspricht Ermittlungen nicht

Die Einschränkungen der Meinungsfreiheit geschehen nicht nur auf Demonstrationen, sondern, wie Ronen Steinke in seinem Buch und einem Gastartikel bei netzpolitik.org beschrieben hat, auch im Internet. Generell scheint es mittlerweile ein Schieflage zu geben, welche die Meinungsfreiheit über das Mittel der Beleidigung und hier speziell den §188 einschränkt und einschüchernde Effekte hat.

Durch Recherchen verschiedener Medien kam schon im vergangenen Jahr heraus, dass Merz seit 2021 – noch als Oppositionsführer der Union – zahlreiche Strafanträge wegen mutmaßlicher Beleidigungen gegen ihn gestellt hat. In mindestens zwei Fällen führten diese zu Hausdurchsuchungen.

Die Strafanträge sind laut der Recherchen anfangs auf Initiative von Merz entstanden. Seit Merz Kanzler ist, lässt er quasi von Amts wegen ermitteln, indem er den Ermittlungen nicht widerspricht. Die „Welt“ geht davon aus, dass Merz vor seiner Amtszeit als Unions-Chef Hunderte Strafanträge gestellt hat.

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Ein netzpolitik.org vorliegendes Dokument der Kanzlei Brockmeier, Faulhaber, Rudolph, die Merz in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter vertreten hat, untermauert diese Schätzungen mit fortlaufenden Fallnummern. Zwischen Mai und Dezember des Jahres 2025 sind laut Informationen des nd etwa 170 Strafanzeigen wegen Beleidigung des Bundeskanzlers gestellt worden.

Machtgefälle ignoriert

Hier läuft ein Instrument, das Politiker:innen vor Hass und Hetze schützen soll, mittlerweile vollkommen aus dem Ruder. Natürlich müssen sich auch Politiker:innen nicht alles gefallen lassen und bei Bedrohungen hört jeder Spaß auf. Dennoch sollte man bei Beleidigungen auch das Machtgefälle, die Privilegien und die Reichweite der Beteiligten berücksichtigen.

Was sind ein einsamer pensionierter Wüterich im stillen Kämmerlein oder ein 18-jähriger Schüler im Vergleich zum Bundeskanzler? Wer hat hier welche Handlungsoptionen? Und kann es nicht sein, dass viele der heutigen Nutzer:innen gar nicht mehr den Unterschied zwischen dem privaten Raum, der Kneipe, dem Gespräch mit Kollegen – und dem Post auf Bluesky oder Facebook an 128 Follower:innen sehen? Ist diese Öffentlichkeit wirklich gleichwertig, mit der, die ein Spitzenpolitiker herstellen kann?

Das alles sind Fragen, die sich diejenigen stellen sollten, die strafrechtlich gegen Beleidigungen vorgehen.

Der Eifer, den Merz bei der Verfolgung von Beleidigungen zeigt, passt jedenfalls gut in eine Zeit der autoritären Verschiebung, in der sich die Bundesregierung von Rechtsradikalen vor sich hertreiben lässt und selbst die Axt an der demokratischen Zivilgesellschaft ansetzt.

Die verlogenen Freunde der Meinungsfreiheit

Ausgerechnet die rechtsradikale AfD versucht sich nun auf das Thema draufzusetzen und sich als Kämpferin für die Meinungsfreiheit zu inszenieren. Sie fordert die Abschaffung des Paragrafen 188 StGB. Dabei ist klar, dass die Partei selbst immer wieder gegen die Meinungs- und Pressefreiheit vorgeht, indem sie beispielsweise mit Hass und Häme gegen Journalist:innen agiert.

Kritische Berichterstattung zur AfD führt bei verschiedenen Medien regelmäßig dazu, auch in E‑Mails und Leserkommentaren hier bei netzpolitik.org, dass Autor:innen beleidigt, eingeschüchtert und mit dem Tod bedroht werden. Ein Eintreten für die Meinungsfreiheit sieht anders aus und wer rechtsradikale Regierungen im Amt sieht, ob nun in den USA, Polen oder Ungarn, der weiß, dass die Meinungs- und Pressefreiheit von diesen als Erstes attackiert wird.

Die AfD-Position ist dabei heuchlerisch. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel hat selbst hunderte Anzeigen nach dem Paragrafen 188 gestellt, den sie jetzt wieder abschaffen will. Und auch der AfD-Mann Stephan Brandner, der in der gestrigen Bundestagssitzung den Paragrafen heftig kritisierte, ließ mit eben jenem zuletzt einen Rentner verfolgen, der ihn „Schrumpfpimmel“ genannt hatte.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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56 Kommentare zu „Die Beleidigten“


  1. Bob Härber

    ,

    Wow, es wird vielleicht langsam doch Zeit, den Parteien der Mitte zu (ver)danken, jeden Wert demokratischer Freiheiten mit der Abrissbirne zertümmert zu haben.
    Die Massnahmen gegen Kritiker, Kriegsgegner, Oppossitionelle oder jene, welche von dem Parlament ggf. in einen Bewaffneten Kampf beordert werden könnten, nehmen Ausmaße an, wo es tatsächlich nicht mehr wirkt, in einer Demokratischen Bundesrepublik Deutschland zu leben.
    Wirkt eher wie Autokratische Republik Absurdistan, selbst jeder ehemalige Stasi MA und Inoffizielle MA’s verstehen die Welt nicht mehr und Ihre damaligen Vorgesetzten hätten davon wohl nur geträumt, was zur Zeit in Deutschland geschieht.


    1. Arno Nym

      ,

      So so, die BRD ist also schlimmer als die ehemalige DDR, die Menschen an der Grenze abknallte, Andersdenkende in Gefängnissen folterte, ihnen den beruflichen Werdegang vorschrieb oder verbot und ihnen die Kinder im Rahmen von Zwangsadoptionen wegnahm, damit die bei den neuen „Familien“ auf Staatslinie gebracht werden. Aber sonst geht es Ihnen gut, oder?


      1. Thorsten Gorch

        ,

        Nein, Endstadium DDR ist absolut nicht vergleichbar, aber die Ansätze in der ideologischen Behandlung bei politischen Dissens sind die Gleichen. Als gelernter DDRler sehe ich da durchaus Parallelen, zwar bei weitem nicht in der Quantität oder Qualität, aber die dahinter stehende Denke unserer Regierigen / politischen Kaste erzeugt einen sehr ähnlichen Effekt: Mucke auf und stell Dich gegen das offizielle Narrativ und Du wirst „Spezialbehandelt“. zwar noch auf extrem niedrigen Level, aber so was entwickelt sich wenn da nicht sofort maximal entschieden interveniert wird.

        Zurück zum Thema: Nicht fürs Vaterland im Schützengraben verrecken zu wollen Ist scheinbar nicht kompatibel mit den Träumen der aktuellen blackrott Regierung.

        Wenn Polizei und Justiz (StA ist halt politische abhängig) das als verwerfliche Majestätsbeleidigung unseres Gottkanzlers und seiner Regierung sehen sind sie auf der Seite der Gegner welche die Jugend tot im Schützengraben sehen wollen in finaler Konsequenz.

        Das verachte ich zutiefst, solche Leute sind nicht mehr meine Mitbürger.


        1. Anonym

          ,

          So ein Geschwurbel schaltet die Redation als Ergaenzung frei?


          1. Thorsten Gorch

            ,

            Wenn man keine Argumente hat nennt man es halt Geschwurbel.

            Immer schön in der eigenen Blase leben, da ist es wohlig.


  2. Nicht ganz up to date: sowohl in Ungarn als auch in Polen (seit 2024!) ist es mit den rechten als Regierung vorbei ✌🏻


    1. Markus Reuter

      ,

      Das ändert ja nichts daran, dass man sieht, was diese Regierungen getan haben als sie an der Macht waren.


  3. Anonym

    ,

    Der Bundeskanzler schickt niemanden in den Krieg, die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Und da gehen im Ernstfall dann auch nicht nur die jungen Menschen hin.

    Aber Haltung ist wohl wichtiger als Kenntnis der Materie.


    1. Thorsten Gorch

      ,

      Nicht ganz korrekt, was für Aufgaben hat unser Lieblingskanzler im Verteidigungsfall?

      „…Die Exekutive wird insgesamt gestärkt (Artikel 115f und i). Besonders der Bundeskanzler bekommt mehr Macht, indem die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte mit Verkündung des Verteidigungsfalls automatisch auf ihn übergeht (Art. 115b). … “

      https://www.bundestag.de/parlament/grundgesetz/gg-serie-14-verteidigungsfall-634560


      1. Anonym

        ,

        Eben: die Feststellung des Verteidigungsfalls erfordert eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Verteidigungsfall heisst, der Krieg ist hier, und die Bundeswehr hat den Auftrag, ihn zu fuehren.


      2. Anonym

        ,

        Wie immer hilft der Blick ins Gesetz: Das gilt im Verteidungsfall, den mit Zweidrittelmehrheit das Parlament, zur Not der Gemeinsame Ausschuss, und im absoluten Notfall die Realitaet der Kampfhandlungen auf deutschem Boden feststellt. Danach braucht der Bundeskanzler niemanden in den Krieg senden, der Krieg ist dann hier.

        GG Artikel 115a

        (1) Die Feststellung, daß das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht (Verteidigungsfall), trifft der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates. Die Feststellung erfolgt auf Antrag der Bundesregierung und bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen, mindestens der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages.

        (2) Erfordert die Lage unabweisbar ein sofortiges Handeln und stehen einem rechtzeitigen Zusammentritt des Bundestages unüberwindliche Hindernisse entgegen oder ist er nicht beschlußfähig, so trifft der Gemeinsame Ausschuß diese Feststellung mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen, mindestens der Mehrheit seiner Mitglieder.

        (4) Wird das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen und sind die zuständigen Bundesorgane außerstande, sofort die Feststellung nach Absatz 1 Satz 1 zu treffen, so gilt diese Feststellung als getroffen und als zu dem Zeitpunkt verkündet, in dem der Angriff begonnen hat. Der Bundespräsident gibt diesen Zeitpunkt bekannt, sobald die Umstände es zulassen.


  4. Anonym

    ,

    Dieses Vorgehen radikalisiert Menschen erst recht und genau deswegen gehört § 188 StGB endlich abeschafft. Es wird zunehmend auch von Rechten instrumentalisiert. Wenn es den Paragraphen nicht mehr gibt, dann nimmt man solchen Mächten auch den Nährboden.

    Man stelle sich auch mal vor was ein Donald Trump mit § 188 so alles gemacht hätte. Die USA kann froh sein.


  5. Anonym

    ,

    Ausgerechnet Merz, der mit populistischen Sprüchen diskriminiert, aber sofort Anwälte losschickt. Schönes Beispiel, wie abgehoben manch Politiker mittlerweile agiert.

    Wird als der Kanzler in Erinnerung bleiben, der der AFD im Bund zur Mehrheit verhalf, ganz ohne die Brandmauer anzutasten. Die CDU wurde sozusagen ausgemerzt.

    Wehrpflicht macht natürlich Sinn. Wo soll das Kanonenfutter für kriegsgeile Despoten, wie Putins Nordkoreaner in der Ukraine, sonst herkommen.


    1. Anonym

      ,

      Frage Dich nicht, was Du für Dein Land tun kannst. Frage Dich, was Dein Land für Dich tun soll.

      Schließlich schuldet der Staat jedem Freiheit, Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben, und zwar bedingungslos.


  6. Rapheth

    ,

    Volksverhetzung

    Der Begriff Hassrede lässt sich schwer definieren, im englischen Sprachraum steht er in etwa für Aufwieglung oder Volksverhetzung und wird z.B. nicht für Kontroverse Positionen zum Thema Migration benutzt. Indem man in Demokratien politische Debatten durch Kampfbegriffe wie „Hass und Hetze“ von vorne herein einzuschränken versucht, erzieht man Wutbürger, die ihrerseits keine Argumente zählen lassen.


    1. Anonym

      ,

      Diese Kampfbegriffe sind wichtig, denn damit kann man den Bogen zur „digitalen Gewalt“ schlagen, auf die man dann staatliche Repression durch Strafverfolgung ansetzt.

      Meinungsfreiheit ist die Freiheit, eine Meinung zu haben, von äußern ist nicht die Rede 8)


  7. Michael Schöfer

    ,

    Der Charme aus der Sticht der Polizei und Staatsanwaltschaft ist ja, dass die moderne Majestätsbeleidigung (§ 188 StGB) keinen Strafantrag des vermeintlich Beleidigten mehr benötigt, die Beamten können vielmehr bei besonderem öffentlichem Interesse, das von ihnen natürlich selbst festgestellt wird, von sich aus mit der Strafverfolgung beginnen. Der vermeintlich Beleidigte braucht bloß nicht zu widersprechen. Was das Bundesverfassungsgericht zur Meinungsfreiheit sagt, ist dann zunächst irrelevant, dessen bisherige Rechtsprechung wird beharrlich ignoriert.

    Ich bin kein Jurist, aber im § 188 StGB gibt es einen Passus, der m.E. oft übersehen wird: „…und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren…“ Laut Gesetzestext müssen für die Strafbarkeit drei Bedingungen erfüllt sein: erstens die Beleidigung, zweitens die öffentliche Verbreitung und drittens das erhebliche Erschweren des öffentlichen Wirkens. Aber wie kann ein Facebook-Kommentar wie „Lügenfritz“ oder das Plakat „Friedrich stirb doch selber an der Ostfront!“ das politische Wirken des Bundeskanzlers ERHEBLICH ERSCHWEREN? Das ist doch vollkommen absurd.


    1. Anonym

      ,

      Die Frage ist ja auch, ob das vor Gericht standhält. Aber da ist die Einschüchterung ja schon passiert.


    2. Anonym

      ,

      Ja, wenn es so einfach wäre: Ihn einfach als Drecksfritz bezeichnen, und dann kann er Deutschland nicht mehr schaden. Ihn von seinem öffentlichen Wirken abzuhalten ist eigentlich eine Bürgerpflicht, so schlimm ist das.


  8. Anonym

    ,

    „Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen“ – ja aber dann soll er es doch bitte jetzt endlich auch ertragen. Dabei die Klappe zu halten ist optional, aber dennoch gewünscht.


  9. Joachim

    ,

    Auf ein Plakat einer Schülerin „Friedrich stirb doch selber an der Ostfront!“ mit Gewalt oder sogar Schlagstöcken zu reagieren, ist vollkommen daneben. What’s wrong with you?

    „Friedrich“ ist ein Symbol für die Regierung und auch für die EU. „Ostfront“ nimmt Bezug auf den frei drehenden Putin und dem mörderischen Krieg in der Ukraine als reale Gefahr für ganz Europa. Die Aufforderung „stirb doch selber“ mahnt unsere Mitverantwortung für diese Situation an. In der Tat kann man die Frage stellen, welche Verantwortung Europa und der Westen hier tragen. Wie kam es dazu, dass wir nun massiv aufrüsten müssen? Welche Alternativen gibt es?

    Sieben Worte spannen das und noch viel mehr auf. Und der Staat reagiert mit alle seiner Macht und ist beleidigt. Mit dieser Reaktion beleidigt der Staat sich selbst und Demokratie gleich mit. Das ist peinlich. Merz sollte als Bundeskanzler die Größe haben, das zu unterbinden. Die hat er offenbar bisher nicht gezeigt.

    Wäre ich Satiriker, so würde ich nun fragen, was das Gegenteil eines großen Manns ist? Ein kleiner W…? Doch ist das noch Satire oder eine Beleidigung? Ich glaube, ich lass das besser. Selbstzensur.

    Moment, es klingelt gerade…


    1. Anonym

      ,

      „Welche Alternativen gibt es?“

      Das ist eigentlich einfach zu beantworten. Aufrüsten. Eigenständig ohne Notwendigkeit irgendeiner Intervention der USA abschrecken zu können. Die Ukraine eigentständig unterstützen zu können. Unabhängigkeit weitestegehend jeglicher fossiler Brennstoffe erreichen.

      Ab da können wir über unsere Rolle im Dann sprechen. Ich würde noch unterscheiden, welche Rolle „der Westen“ (mit oder ohne USA?) bei der Invasion Russlands in der Ukraine spielt. Die USA sind Schutzmacht gewesen, und sind zwar zögerlich, aber immerhin maßvoll, ihrer Verantwortung nachgekommen. Haben die USA irgendwas provoziert? Vielleicht. Inzwischen Wurst, kann man nichts mehr dran machen. Können wir Russland machen lassen? Klares Nein.

      Wo gibt es jetzt Spielraum? Wo sind Russlands Angebote oder Russlands Akzeptanz für irgendwas mit Sinn? Kaum existent. Russland spielt „Trumpfkarten“. Sagt das Konzept „Regime Security War“ noch irgendwem was? Man vergleiche mal mit Iran. Männer starten Sachen, Effekte sind z.T. Eigentständig, wobei die USA etwas dran drehen könnten (abhauen z.B.).


      1. Joachim

        ,

        Die Frage nach Alternativen mit dem Status Quo zu beantworten ist keine Alternative. Es sind spätestens nach der Annektion der Krim Fehler durch den Westen, durch die EU gemacht worden. Wir hätten Möglichkeiten gehabt, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Doch wie die USA sind wir eigenen kurzfristigen Interessen gefolgt. „Hätte hätte Fahrradkette“ entbindet die Entscheider damals wie heute jedoch nicht von ihrer Verantwortung.

        „Friedrich stirb doch selber an der Ostfront!“ ist der Protest dagegen, die Dinge einfach weiter laufen zu lassen. Es ist die Weigerung, für Politiker zu sterben, die es verkackt haben und Alternativlosigkeit predigen. Man müsse wehrhaft werden um den Feind die Stirn bieten zu können?

        Hallo? Ist die EU nichts? Sind 800Mio Menschen nichts? Aber alle Russen sind böse? Und Ukrainer alle korrupt? Einzig wir sind die mit dem Heiligenschein? Ozeanien gegen Euroasien und Neusprech?

        Ja, wir haben uns in eine nahezu ausweglose Situation bringen lassen., von den irren Despoten dieser Welt. Wenn Trump von „nuke them“ spricht, dann kann einem Bange um die Welt werden. Verantwortung? Nein, der Typ ist einfach genau so krank wie Putin.

        Alternativen? Sartre meinte, man kann sich nicht nicht entscheiden. Das bedeutet aber auch, Merz, Pestorius oder gar Trump, Putin können nicht für mich entscheiden. Es ist meine eigene Verantwortung. In diesem Sinn und in einem komplett demokratischem Sinn sage ich „NEIN“. Jemand muss es tun, in einer Demokratie.

        Alternativen sehe ich immer noch, ganz praktisch. Aber dafür ist jetzt hier kein Platz mehr. Ihr dürft mich aber gerne fragen, auch wenn das nicht ganz topic ist.


        1. Anonym

          ,

          > Sartre meinte, man kann sich nicht nicht entscheiden.

          Das bloße Verharren in einer Situation oder das bewusste Nicht-Handeln kann auch eine aktive Entscheidung sein. Gleichwohl muss auch das verantwortet werden, darum kommt man nicht herum. Nichts tun kann unter Umständen aber eine kluge und respektable Entscheidung sein, vor allem dann, wenn es sich um Dilemmata handelt, oder es eine zufriedenstellende Lösung oder Entwicklung noch nicht gibt.

          Klug kann es auch sein, dem Gegner den ersten Handlungsschritt zu überlassen, z.B. den Krieg zu beginnen. Nur so vermeidet man es, Aggressor genannt zu werden, und das Recht zur Verteidigung zu erlangen.


        2. Anonym

          ,

          Aufrüstung ist nicht per se weiterlaufen lassen. Der Eindruck wird seitens Kampagnen erzeugt, und die Gefahr besteht auch, doch geht es hier offensichtlich darum, Russland aufzuhalten. Das ist real. Russlands Gesprächsbereitschaft bzgl. Europa ist offensichtlich nicht real vorhanden.

          Ich stimme aber zu, dass es darum geht, Konflikte zu lösen und eine Sicherheitsarchitektur zu schaffen, mit der Leben möglich ist. Mangelnde Bereitschaft dazu wäre ein großes Problem. An Einsicht und strategischer Ausrichtung hat es nicht erst seit den grünen Männchen gemangelt, zudem hat man sich nicht von den USA emanzipieren können. Da gehört allerdings auch Ihre Frage nach den Alternativen hin, und verbindet sich mit der Frage nach der strategischen Ausrichtung, bzw. der Verweigerung zu solcher. Wenn Russland nicht mit Europa sprechen will, ist da auch nicht zu viel mit Gesprächen zu machen. Europa hat keine wirksame gemeinsame Außenpolitik, dazu aber eine Struktur, die sich ausnutzen lässt. Da sind so einige Baustellen.

          Strategisch, wenn man es durchdenkt, wäre mehr Aufklärung, Spezialkram, und Abfangraketen für alles, vielleicht gerade im Profil Deutschlands schon früher drinnen gewesen. Also etwas mehr Weltraum, Aufklärungsdrohnen, Spezialflugzeuge und Luftabwehr. Eigenentwicklung, weitestgehend.

          Wehrdienst und Anreize für Rollenübernahme auf Zeit, und vielleicht nicht immer gleich 12 Jahre, sind auch noch Themen. Ich erwarte da allerdings nicht zu viel Flexibilität (ad-hoc).

          Alternative zur Aufrüstung… auf Gaia? Wir kriegen demnächst nicht mal mehr Handelsrouten hin. Sollten wir im Zweifel Estland helfen? Lassen wir uns Europa zerpflücken? Man kommt nicht ganz umhin. Die große Alternative der Gewaltlosigkeit, erfordert Technologie die wir nicht haben, zzgl. der Befriedung aller großen Kontexte, inklusive Wirtschaft. Ob bzw. wie und wohin Resourcen für Forschung fließen, zeigt vielleicht die Zukunftswilligkeit auf.


        3. Anonym

          ,

          „Alternativen sehe ich immer noch, ganz praktisch. Aber dafür ist jetzt hier kein Platz mehr. Ihr dürft mich aber gerne fragen, auch wenn das nicht ganz topic ist.“

          Naja, Wehrpflicht und Kritik im Umkreis derer sind direkt mit der Situation verbunden. D.h. der Auslöser für den Plakatspruch ist konkret nicht die Idee „zum Spass an der Freud mal aufzurüsten und Kriege mitzumachen“, sondern der existierende Krieg, der eine Wehrpflichtdebatte bedingt. Dafür konstituierend ist, Material in Zahlen dazuhaben, die es ermöglichen, auch nur mit der Idee der Bündnisverteidigung wedeln zu können. Basics der Abschreckung. Dafür müssen wir Material und ausgebildete Leute haben, sowie eine gewisse Verteidigungsfähigkeit im Land behalten. Dafür reichen die Kräfte schon kaum hin. Eine Befürchtung kann jetzt sein, dass wir blind in Konflikte stolpern. Ironisch, dass das in der Ukraine passiert ist.

          Das ist allerdings kein Status Quo. Die Situation scheint festgefahren, wenn man in Kilometern zählt, aber die Randbedingungen, wer was wem liefert, bedingen, was passiert. Hinzu kommt der Rückzug der USA nach Gusto, so dass man Handelsrouten und Partner im Grunde selbst schützen muss. Im Iran wäre Militär zu schicken natürlich keine Lösung. Wir sind (noch) nicht die Idioten, die Soft Power als Blödsinn hinstellen, aber ohne harte Macht wird in der kommenden weltweiten Orientierungsphase, Wirtschaftsmacht nicht zu halten sein. Den Teil hatten bisher die USA gestellt, im Gegenzug zum Diktat der Sicherheitsarchitektur, zzgl. Wohlwollen bei Wirtschaftsfragen. Was wäre jetzt die Alternative zum Herstellen einer Sicherheitsarchitektur?

          Über was genau und wie, gibt es sicherlich viel Diskussionspotential. Da ist keine Frage. Wehrpflicht gefällt mir nicht sehr, aber die Weltsituation wegzudiskutieren, fällt mir schwer. Die Welt wird zunächst dunkler.


        4. Anonym

          ,

          »> Es ist meine eigene Verantwortung. In diesem Sinn und in einem komplett demokratischem Sinn sage ich „NEIN“. Jemand muss es tun, in einer Demokratie.

          Ja wie, was heißt denn das? Russland machen lassen? Was ist das Konzept? Polen hat ja eine Armee? Was begründet ein „NEIN“ und wozu sagen Sie überhaupt „NEIN“?


        5. Anonym

          ,

          Naja, da muss ich aber gehässig fragen, wo denn eine Alternative zum Herstellen einer minimalen militärischen Sicherheit sein soll? Frankreich und Polen machen lassen? Das ist der Status Quo, und wie klug ist das?

          Wenn man das im Zweifel anerkennt, wenn auch der genaue Weg zu diskutieren ist, bzw. wie weit und wohin genau, dann kann man die Diskussion über „Alternativen“ natürlich schon jetzt führen. Dummerweise ist eine Abschreckungsfähigkeit kein Selbstzweck, und damit sind vermeintliche Alternativen auch keine Alternativen, sondern im günstigen Falle Varianten von Sicherheitsarchitekturen, Außenpolitik, geopolitischer Ausrichtung?

          Zweifelt man am Prinzip der Abschreckung, muss man allerdings historisch gesehen schon mal in die Trickkiste greifen. Funktioniert das für Wirtschaftsmacht Nr. 4? Oder sogar für Europa? Die Welt geht gen Süden, dabei wird an vielen Stellen jetzt bereits mit Waffen ausgehandelt, wie wo was läuft. Wie soll man wirtschaftlich fähig bleiben, wenn man das nicht beschützen kann? Und da schließt sich der Kreis: wenn wir nicht exportieren und importieren wollen, brauchen wir einen anderen Stand an Technologie. Also bräuchte man einen transformativen Ansatz, nicht im Sinne schöner verzögernder Worte, sondern weil gleichzeitig sich z.T. widerstreben zu scheinende Maßnahmen erforderlich wären.


        6. Anonym

          ,

          Verantwortlich ist halt jetzt aufzurüsten. Wenn man dagegen ankämpft, ist man vielleicht ein bischen dumm? Denn dann geht es um die falschen Fragen.

          „Irgendwie nein“ ist nicht so viel besser als „maßvoll aufrüsten“.

          Wir müssen das auch nicht diskutieren. Aus meiner Sicht gibt es genug Fleisch hinter der Frontfrage, dass das gerade bei einem Politiker nicht als Beleidigung gelten darf, schon gar nicht vor Ort unter Nutzung völlig unverhältnismäßiger Mittel wie Schlagstöcke gegen Dritte.

          Es kann sein, dass hinter dem Satz vielschichtige, z.T. problematische Lanschaften geparkt wurden. Wer auch immer für Krieg argumentiert oder für Wehrpflicht, muss sich mit dem Satz arrangieren „Dann stell dich doch mal selbst an die Front, und guck mal wie sich dein Argument dann anfühlt?“, das haben Eltern früher noch so gehandhabt. Egal wie zutreffend.

          Der Satz könnte hinter sich haben (A):
          – Beleidigung (irgendwie, idk).
          – Nachkauen von rechter Propaganda.
          – Nachkauen von linker Propaganda.
          – Nachkauen von russischer Propaganda. (Jegliche Maßnahmen und Handlungsfähigkeit sabotieren.)

          Oder (B):
          – Der Wunsch nach differenzierter Betrachtung und Kommunikation, dabei erkennen lassen, dass man die Probleme der Sache wirklich durchschaut.
          – Dialektische Betrachtung.
          – Prinzipiell gegen Kriegsmittel sein. (Hier stellen sich allerdings Realismus und Naivitätsfragen, nicht so sehr wegen der prinzipiellen Position einzelner, sondern wegen der konkreten Umsetzung bei einem wirtschaftlich aktiven Staat.)
          – Der Verdacht, hier würden sich Kräfte etablieren, die dauerhafte Konflikte wollen, oder sehenden Auges in die Eskalation stolpern. (s.o.)

          Ich vergesse einiges, simplifiziere, mache zu kompliziert. Alles in allem sollte klar sein, dass „knüppelnde Polizisten“ hier nicht das Mittel sein dürfen, selbst wenn die echte Motivation unter (A) fällt.

          Wie stattdessen? Verhältnismäßigkeit waren, bessere Mittel suchen.


        7. Anonym

          ,

          „Sartre meinte, man kann sich nicht nicht entscheiden.“

          Das ist eine korrekte Aussage im Bezug auf die individuelle Entscheidungsfindung, es ist keine Aussage über die Relevanz und Wirksamkeit einer individuellen Entscheidung. Wenn eine Seite einer Konfrontation sich zur Gewalt entscheidet, kann die andere Seite diese Gewalt nicht ablehnen. Sie kann nur eigene Gewaltanwendung ablehnen, die Gewalt der anderen Seite also ohne Gegenwehr annehmen.


          1. Joachim

            ,

            Ich pick mal einen symptomatischen Satz aus den Antworten raus:

            „Wenn eine Seite einer Konfrontation sich zur Gewalt entscheidet, kann die andere Seite diese Gewalt nicht ablehnen.

            1)
            Ist es so? Ja, manchmal kann das sein und dann trifft es einen so oder so unvorbereitet. Es ist nicht möglich, sich gegen jedes Szenario zu schützen. Wenn der Angreifer dein Atomwaffenarsenal sofort vernichtet, hat die Abschreckung nicht funktioniert. Wenn der Angreifer irre ist, funktioniert Abschreckung nicht. Und Putin ist definitiv nicht richtig im Kopf.

            2)
            Der Ukraine-Krieg hat eine Geschichte. Man hätte sehr früh, noch vor dem Überfall auf die Krim, reagieren können. Uns war Gas und Öl und Geld wichtiger. Man hätte beim Überfall auf die Krim reagieren müssen. Wir haben nichts getan. Der Effekt: Putin wird bestätigt und testet im wahrsten Sinn des Wortes seine Grenzen aus. Es gab „Probleme“ in der Ostukraine. Wir haben weggesehen statt die Ukraine zu stabilisieren. Zum Beispiel wirtschaftlich, politisch usw. Putin fiel in die Ukraine ein. Wieder haben wir nichts getan, bis wir gezwungen waren Waffen zu liefern.

            Das war klasse, denn die Rüstungsprofite explodierten. Dass ausbleibende Weizenlieferungen aus der Ukraine für andere ein Problem darstellten, haben wir erst wahrgenommen, als wir das gegen Putin „moralisch“ ausnutzen konnten.

            3)
            Was man hätte tun können. Sofort nach dem Überfall auf die Ukraine hätte die UN Flüchtlingswege sichern müssen. Natürlich hätte Putin und China ein Veto eingelegt. Man hätte hier nicht locker lassen dürfen, unabhängig davon, wie das machbar ist. Man hätte sofort im westlichem Teil der Ukraine aktiv investieren müssen. Putin kann nicht einfach fremdes Eigentum zerstören. Natürlich tut er das dennoch. Doch er verliert immer mehr an Legitimation.

            Man könnte internationale Treffen in Kiev abhalten. Kiev muss zum international unverzichtbarem Treffpunkt werden. Man könnte (und müsste) die Atomkraftwerke unter internationale Kontrolle stellen. Man könnte mit dem selben Recht, das Putin sich nimmt, genau das Selbe in Abstimmung mit der Ukraine, also dann friedlich und legitimiert, machen. Man könnte die vermeintliche Ursache für Russlands Überfall in Abstimmung mit der Ukraine beseitigen und ihm seine Pseudorechtfertigung nehmen. Man könnte mal mit Indien und andere Länder reden, wieso sie Putin in einem Krieg unterstützen müssen. Es gibt Deeskalationsstrategien. Man könnte 1000 Dinge tun, wäre man nicht gierig, selbstsüchtig, opportunistisch und feige. Aber Krieg bringt ja Profit.


          2. Anonym

            ,

            Ja, „links“ lebt es sich bequem im Konjunktiv, während man die reale Arbeit den anderen überlässt.

            Weswegen man auch gar keine Wahlen gewinnen will, denn das würde einem diese Existenzgrundlage durch die anderen entziehen.


          3. Anonym

            ,

            Ich picke mal heraus: „es gibt Deeskalationsstrategien“

            Stimmt! Hat sich herausgestellt, und war z.T. nach Buch eigentlich auch klar, dass die gewählte, inzwischen historisch, nicht zur Deeskalation geführt hat.

            Man hat in gewisser Weise trotzdem dran festgehalten :p. Naja, jetzt rumpelt es schon mal in der Kiste…


          4. Anonym

            ,

            „Links lebt sich bequem (bla bla bla)“.

            Mag für einige Bereiche zutreffen, ist aber komplett insgesamt absolut Käse. Offensichtlicher Schwachsinn.

            Oder man definiert Politik allgemein weg, dann braucht es auch keine Logik mehr.


  10. Thorsten Gorch

    ,

    Schlagstock und Justiz ist das häufigste was eingesetzt wird wenn die Jugend ™ nicht so spurt wie die Politik will. Da gibt es eine lange Tradition von den Schwabinger Krawallen, über 68 oder in den 80iger und später dann z.B. im Mappus-Stuttgart usw. usf.

    Wenn es aber ums sterben fürs Vaterland wieder geht und (leider nur teile) der Jugend aufmuckt weil sie die Diskrepanz der wohlfeilen Sonntagsreden und die brutale Realität sehen gibt es halt Repression von Exekutive und Justiz (und leider z.T. Lehrerschaft) und ihnen wird abgesprochen sich auch explizit äußern zu dürfen bzw. nur so dass es nicht stört / nicht sichtbar ist.

    Wobei die aktuelle Jugend ja relativ gut davon unterrichtet wie das sterben an der Front aussieht. Die wissen auch sehr genau das sicherlich nicht die Kinder der Politiker, Rüstungsmanager, Richter und sonstiger selbsternannter Eliten sich an der Front opfern dürfen lassen sollen.


    1. Anonym

      ,

      „Mappus-Stuttgart“ im Rahmen der S21-Poteste war alles andere als eine Jungendbewegung, und der schwarze Donnerstag betraf die ganze Breite der Protestierenden. Deswegen hat Mappus die Landtagswahl dann auch verloren. BTDT.

      Ansonsten haben gerade die konservativen Eliten eine Tradition der Landesverteidigung. Klar gibt es auch da Drueckeberger, sind aber nicht die Masse. Uebrigens haben auch konservative Linke ein solche Tradition, sogar ausserhalb ihres Landes.

      Ganz abgesehen davon ist die Argumentation ohnehin sinnlos: im Verteidigungsfall treten alle Soldaten und wehrpflichtigen Maenner an, nicht nur die Jugend. Die Wehrpflicht dient lediglich der Ausbildung.

      Aber zZt ist der zumindest nach aussen tonangebende Teil der „linken“ direkt aus Life of Brian: „was hat Rom jemals fuer uns getan“. Damit ist kein Staat zu machen, und das ist den Buergern ausweislich der Wahlergebnisse auch klar.


      1. Thorsten Gorch

        ,

        Das Ziel ist im „Verteidigungsfall“ nicht mehr im Land zu sein. Ich rate den Leuten ja immer sich nach Ausbildung im Ausland mal umzusehen, gibt halt mehrere Gründe vom begonnen wirtschaftlichen Absturz Schlands (Einsteiger Jobs sind aktuell extrem rar) bis hin zur neu auferstandenen Idee vom „Sterben fürs Vaterland“ = Bundestagsparteien und final Kanzler / Verteidigungsminister die einen zum sterben schicken für ihre verfehlte Politik.

        Und ja die konservativen Misanthropen (kenne leider da auch zu viele von diesem Typ, keine Ahnung was man denen als Kind angetan hat) dienen durchaus gerne in der Armee – aber typischerweise Etappe oder sehr spezialisiert (Schiff, Luftwaffe) und nicht in den Mannschaftsgraden sondern halt die Ebenen darüber. Klar gibt ja mehr Manschaftsgrade daher schon statistisch trifft es die eher. Aber die Kommandoebene ist schon aus militiärischer Logik nicht direkt an der Front.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Todesf%C3%A4lle_der_Bundeswehr_bei_Auslandseins%C3%A4tzen


        1. Anonym

          ,

          Es lebe der Egoismus. Immerhin wissen die Wähler, was von den Solidaritätsforderungen dieser „linken“ zu halten ist…


        2. Anonym

          ,

          Es ist der Redaktion vielleicht nicht so klar, aber mit der Freischaltung solcher Kommentare macht ihr heftig Propaganda gegen „links“. Und das bei einer Leserschaft, die „rechte“ Propaganda nicht beachtet, aber „linke“ Selbstdarstellung wie hier durchaus ernst nimmt.

          Das ist ziemlich fatal. Die taz verfolgt eine ähnliche Strategie, in meinem „eigentlich eher linken“ Umfeld recht erfolgreich.


        3. Anonym

          ,

          Kann man so sehen. Aber dann nicht wundern, dass gerade die Bevölkerungsteile, die den Solidarstaat brauchen, nicht mehr „links“ wählen.

          Übrigens ist Militärdienst im Verteidigungsfall in praktisch allen Staaten üblich, und viele mit Solidarsystem haben Dienstpflichten.


        4. Anonym

          ,

          Eine rechte Standardpropagandaerzaehlung ist, dass die „linken Eliten den Wohlstand der eigenen Bevoelkerung verschenken und sie dann Stich lassen, wenn es ungemuetlich wird“. Troll?


  11. Existenzquantorenargumente

    ,

    Beleidigung ist absolut bescheuert. Wenn „geh’ doch selbst an die Front“ als Beleidigung gilt, könnten wir eigentlich schon fast den Rechtsstaat ad acta legen.

    Das muss natürlich eine andere Kategorie sein. Wiederkäuen von Propaganda, Kampagnen, oder was nicht sonst. Denn es wird ja an anderer Stelle „Antikriegspropaganda“ vom Dümmsten verbreitet, was nicht aber der Plakathalterin vorwerfe. Denn die Tatsache des Krieges in der Ukraine zu verleugnen, um zu fordern, wir sollen alle Involvierung in Europa einstellen, ist nichts anderes als äußerst naiv, bzw. russische Propaganda, und wessen sonst nicht auch noch.

    Selbstverständlich können sie fordern, sich prinzipiell nicht militärisch zu engagieren, prinzipal pazifistisch vorzugehen. Das Problem ist hier aber leider die Geschichte. Wir werfen Millionen von Menschen, potentiell auch im Baltikum ins Feuer, nachdem wir sie in die EU und in die NATO aufgenommen haben, wenn wir den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Hinzu kommt, die vertragliche Schutzrolle der USA und eigentlich auch Russlands, die als Gegengewicht zur Aufgabe der Nuklearwaffen durch die Ukraine stand. Es kommen weitere prinzipielle Argumente dazu, die auch äußerst schwerwiegend sind, ich aber mal außen vor lasse. D.h. wer von Kriegstreibern im Westen spricht, kann recht haben, was „gewisse strategisch orientierte Kreise“ betrifft, wird aber nicht recht haben, was „gewisse andere strategisch orientierte Kreise“ betrifft.

    Eigentlich ist das Post hier Whataboutism, da es um die Frage der Wehrpflicht ging. Die Frage ist, ob es zu einer technischen Diskussion kommt, oder wir den Kern einfach naiv aussparen…


    1. Anonym

      ,

      Tja , man vergleiche mal die Empfindlichkeit bei „Mikroagressionen“, „sexualisierter verbaler Gewalt“, N/M/Z/anderes‑N/usw Wort, und was sonst nicht alles Rassismus, Faschismus und andere Vorwürfe mit der Forderung zumindest der gesellschaftlichen Ächtung, aber gern auch Strafverfolgung, auslöst…


      1. Anonym

        ,

        Krieg’ ich grammatikalisch nicht ganz klar.

        Auf welchen Seiten bestehen da jetzt was für Empfindlichkeiten?

        Vergleichen wir eine „Empfindlichkeit bei Themen A/B/C“ mit „dem was eine geforderte gesellschaftlicher Ächtung oder Strafverfolgung bei Themen X/Y/Z auslöst?“

        Oder geht es darum, was Faschismus auslöst?


  12. Therapeut Gottes

    ,

    Rechte (sog. Konservative und Faschos) wollen den „Untertan“ wieder.
    Wer nicht weiß was das ist, dem empfehle ich den Begriff nachzuschlagen.
    Alles was die Rechten vorschlagen und wollen, hat das Ziel die Menschen wieder zum Untertan zu machen.
    Geld mag Autoritäre und ihre darbenden Untertanen viel, viel lieber als echte Demokraten die möchten, dass sich jeder ein Eigenheim erarbeiten kann.


    1. Bestatter Gottes

      ,

      Untertan zu sein heißt, durch die Einsicht in die eigene Unfreiheit, seine Freiheit im zugewiesenen Rahmen genießen zu können. Frei von überfordernder Verantwortung, ein bequemes Leben als Diener führen zu können. Wie ein Hund, der seinem Herrn willig und gehorsam aus der Hand frisst, und an passender Stelle ein wenig knurren und auch bellen darf, solange es gefällt.


      1. 12. Diener Gottes

        ,

        So denken auch nur Bestatter!

        Wenn man nicht auch Untertan sein kann, kann man kein Mensch sein! Das erfordert allerdings, die Wahl im einzelnen zu haben. Vgl. klassische Schriften.

        Die Gegenrichtung aus vermeintliche grenzenloser Freiheit ins Feudale hinübergeschoben zu werden, kann man an der Historie des Internets und der Unternehmen darum herum studieren. Vgl. Schriften wie „The Time Machine“.


    2. Thomas Schöffel

      ,

      Guten Morgen. ich würde mich auch als politisch rechts verorten, aber natürlich nicht als „Fascho“. Und das Untertanentum verachte ich ich ebenso als reines Mitläufertum. Leider haben m.M.n. viele die Monarchie innerlich nicht überwunden. Daß das gesamte Staatswesen vom Gefühl als Obrigkeit durchseucht ist, widert mich geradezu an. „Alle Macht geht vom Volke aus“ ist kein rechtsradikaler Spruch, sondern Grundgesetz. Daß unsere Politikerkaste sich nicht als Dienes des Volkes versteht, sondern als quasi monarchische Vorgesetzte merkt man ihnen jeden Tag an. Das sollte vom Kopf auf die Füße gestellt werden.


      1. Anonym

        ,

        Naja, und wie weit ist die Haltung unter (hohen) Beamten und Verwaltern verbreitet?

        Wenn Lobbies Einfluss darauf haben, was ist deren Haltung, bzw. Anteil?

        Offensichtlich haben z.T. Lobbies wörtlich Gesetze geschrieben, mit z.T. katastrophalen Folgen (Dieselskandal, abgehängte Konzerne, bzw. Abgehängte Menschen/Volkswirtschaft, die Konzerne machen einfach irgendwas). Das kann eigentlich nur eine Reaktion geben, nämlich das grundlegende Funktionieren des Staates (für die Menschen!) sicherzustellen, ohne auf Erpresserkonstrukte wir „internationale Konzerne“ zurückgreifen zu müssen. Ein klein wenig utopisch von hier aus, aber durchaus denkbar. Robotik, Computer, KI… wie setzt ihr euer Hirn ein?


  13. Thomas Schöffel

    ,

    Soweit mir bekannt ist, ist Beleidigung ein Antragsdelikt. D.h., daß nur der sich beleidigt Fühlende den Antrag stellen kann, einen Strafbefehl zu erwirken. Es ist keinesfalls Aufgabe der Polizei sich als Servicekräfte für Politiker zu verdingen.


    1. Anonym

      ,

      Das ist für Amtsträger zT anders, erwähnt der Artikel auch: Kanzler Merz müsste den Ermittlungen widersprechen.


      1. Thomas Schöffel

        ,

        Guten Morgen. Falls Sie rechthaben, ist es ja eigentlich noch schlimmer, denn wieso soll ein Amtsträger ein anderes, höheres Persönlichkeitsschutzrecht genießen als Sie oder ich?


        1. Anonym

          ,

          Weil er sich im notwendigen Dienst für die Gesellschaft exponiert, angreifbar macht, und zunehmend auch angegriffen wird.

          Auf Bundes- oder Landesebene ist das vielleicht fraglich, denn das sind Hochprivilegierte mit idR ausreichend Mitteln und Unterstützung, um damit umzugehen.

          Auf kommunaler Ebene ist der Mangel an Respekt vor Amt und Person ein echtes Problem und trägt zum Mangel an dringend notwendigem Personal bei.


  14. stefan

    ,

    Was ich nicht verstehe, ist, warum sich Polizisten oder Polizeigewerkschaftler dann wundern wen man von Scheißbullen redet. Fehlt da im gesamten Apparat die intellektuelle Kapazität mal darüber nachzudenken wie das eigene Handeln von Menschen außerhalb des Korps gesehen wird? Hallo, Polizei? Ist da jemand mit Anstand unter Euch?


  15. Ganz ruhig meine Herr- und Damenschaften. Zu viel Emotionen im Spiel. Ich seh es aber auch so, dass wenn wir( bzw. Deutschland) uns als moralisches/demokratisches Vorbild geben uns auch an der entsprechend hohen Messlatte messen müssen. Aber mal ehrlich: “ …Schrumpfpimmel…“. Buhahaha! Dem Mann gehört die Ehrenurkunde!


  16. Plakatsturz

    ,

    Irgendwie scheint es falsch eine Demonstration zu disruptieren um einen diskutierenswürdigen Plakatfall in der von einer Seite gewünschten (?) Richtung zu manifestieren?

    Das gehört doch hinterher diskutiert. Die einzig wahre Alternative wäre ein verbindliches wissenschaftsgetriebenes Portal, das Kampagnen und hot topocs in allen Medien trackt, an Falldatenbanken angschlossen ist, und dir zu deinem avisierten Plakatspruch einen europaweit gültigen Freischein ausstellt (nur für die nächste Demo, natürlich). OSINT quasi. Nicht also Quasint.

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