Kreativer Protest: Hunderte demonstrieren gegen Preisverleihung an Peter Thiel

Gegen die Verleihung des Axel Springer Awards an den rechten Oligarchen Peter Thiel haben in Berlin hunderte Menschen demonstriert – eine Person sogar bei der Preisverleihung selbst. Sie kritisierten Thiels Rolle beim Aufbau einer autoritären Gesellschaft und die Beteiligung seiner Unternehmen in Kriegen.

  • Esther Menhard
  • Markus Reuter
Menschen protestieren als Gandalf verkleidet vor dem Springer-Gebäude. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie "Thiel mir das Lied vom Tod", "Dit is mir alles zu Thiel" oder "Zu Thiel des Bösen"
Menschen als Gandalf verkleidet protestieren gegen Peter Thiel vor dem Springer-Hochhaus. – CC-BY-SA 4.0: netzpolitik.org

Hunderte Menschen haben am Donnerstagabend gegen den Axel-Springer-Award, den autoritären Ideengeber Peter Thiel und dessen Unternehmen in Überwachungs- und Rüstungsindustrie demonstriert. Der Milliardär Thiel bekam vom Axel-Springer-Verlag am Abend einen Preis verliehen. Begründet hatte dies der Verlag unter anderem damit, dass Thiels Überwachungskonzern Palantir eines der wichtigsten Unternehmen unserer Zeit „für die Resilienz von Demokratien“ sei. Thiel und Palantir werden allerdings weithin als Gefahr für die Demokratie wahrgenommen.

Höhepunkt der Demonstration, bei der auch zahlreiche Menschen gegen die Beteiligung von Thiels Unternehmen im Gaza-Konflikt protestierten, war eine Gandalf-Modenschau. Die Demonstration vor dem Axel-Springer-Haus stand unter dem Motto „Thiel shall not pass“ („Thiel darf nicht durchkommen“) – eine Anspielung auf ein Zitat der Figur Gandalf aus dem Herrn der Ringe. Der Zauberer Gandalf kämpft in diesem Epos für das Gute; Thiel hingegen benennt seine Firmen gerne nach Gegenständen und Figuren des Buchs.

„Blanker Hohn“

Maximilian, Sprecher der Demonstration, kritisiert gegenüber netzpolitik.org, dass Thiel „nichts als Verachtung für demokratische Institutionen und letztlich auch für Menschenleben übrig“ habe. Es sei blanker Hohn, dass er heute so einen Preis bekomme. Produkte von Thiels Unternehmen seien in Kriegen bei der Automatisierung des Tötens und hierzulande bei der Überwachung der Bevölkerung beteiligt.

„Sicherheit wird nicht dadurch geschaffen, dass wir Polizei immer neue Spielzeuge in die Hand geben“, so der Sprecher weiter. Sicherheit in Gesellschaften würde nicht dadurch geschaffen, dass man beim Sozialstaat immer weiter kürze, sondern im Gegenteil in diesen investiere.

Ähnliches sagt Lea, die beim Protest gegen Thiel auf der Straße war: „Palantir ist ein System, das die Demokratie aushöhlt. Zum Protest hierher zu kommen, schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Man merkt, man ist nicht allein mit diesem Gedanken. Palantir und der Einfluss auf unsere Demokratie ist nicht normal.“

Protest sogar auf der Bühne bei der Preisverleihung

Die Veranstalter sprachen von 400 Teilnehmenden auf der Kundgebung vor dem Springer-Gebäude. Die Berliner Polizei hatte die Preisverleihung mit einem Großaufgebot und hunderten Metern Absperrgittern abgesichert. Doch selbst das hat einen Protest auf der Preisverleihung selbst nicht verhindern können.

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Denn offenbar gab es auch eine Aktion im Axel-Springer-Haus selbst. Laut einem Foto, das der Table-Briefings-Chefredakteur Michael Bröcker auf X verbreitete, ist eine Person auf der Bühne vor Mathias Döpfner und Peter Thiel zu sehen, die ein Transparent mit der Aufschrift „They know that we know that they lie“ („Sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen“).

Auf unsere kurzfristige Presseanfrage zum Vorfall haben Springers Presseabteilung und die Berliner Polizei noch nicht geantwortet.

Update 25.9. – 09:15 Uhr:
Die Berliner Polizei bestätigt gegenüber netzpolitik.org, dass der Sicherheitsdienst von Springer eine Person der Polizei übergeben habe, die vorgehabt hätte, ein Transparent zu zeigen. Gegen die Person laufen Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch.

Menschen posieren als Gandalf auf einem Laufsteg.
Auf dem Laufsteg stellen sich queere Gandalfe Peter Thiel entgegen. – CC-BY-SA 4.0: netzpolitik.org

Auch DJV kritisiert Preisverleihung

Schon vor der Kundgebung fand am Nachmittag ein Teach-In zum Thema Tech-Faschismus statt. Dabei sprachen unter anderem der Karlsruher Wissenschaftler Christopher Coenen sowie Enno Park, Rainer Rehak und Katika Kühnreich. Sie lieferten den ideengeschichtlichen, philosophischen und theoretischen Hintergrund, warum Peter Thiel und der Tech-Faschismus eine Bedrohung für demokratische Gesellschaften darstellen.

Kühnreich sagte gegenüber netzpolitik.org: „Dass Peter Thiel, der sich explizit gegen demokratische Gesellschaftsformen ausspricht, diesen Preis verliehen bekommt, muss öffentlich kritisiert werden.“ Es sei ebenso ein Skandal, dass der Springer-Verlag einen solchen Preis verleiht – und damit ein Medienunternehmen, das nach internationalem Einfluss sucht, mit seinen Publikationen Stimmung macht und Kampagnen gegen ihm Unliebsames treibe.

Schon am Tag zuvor hatten Aktivist:innen mit einem Banner vor dem Springer-Gebäude gegen Überwachung durch Palantir protestiert. Eine Sprecherin des Bündnisses „Sicherheit ohne Überwachung“ bezeichnete Technologien wie Palantir als „zutiefst antidemokratisch und auf eine umfassende datengestützte Kontrolle der Gesellschaft gerichtet“.

Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte die Preisverleihung. Thiel sei einer der wichtigsten Förderer von US-Präsident Donald Trump. Der wiederum hat gerade mehrere Medien aus dem Weißen Haus ausgeschlossen, darunter auch Axel Springers Politico. „Das passt nicht zusammen“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

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Aktivist:innen halten ein Transparent mit der Aufschrift "Sicherheitspaket verhindern - gegen Palantir & Co."

Thiel als Ideengeber der Rechten

Der Protest kommt nicht ohne Grund: Peter Thiel ist einer der wichtigsten Ideengeber der amerikanischen Rechten, er unterstützt Donald Trump und hat die Karriere des US-Vizepräsidenten JD Vance massiv gefördert. Thiels Weltbild ist, so kritisierte der Historiker Volker Weiß gegenüber dem ZDF, letztlich eine faschistische Dystopie: Eine kleine Elite von Tech-Oligarchen, die sich auch noch theologisch rechtfertige, habe die technischen Werkzeuge in der Hand, um Massen global zu kontrollieren.

Springer-Chef Mathias Döpfner beschreibt Thiels Rolle hingegen so: „Neben seinem unternehmerischen Wirken hat Peter Thiel die öffentliche Debatte über Innovation, Freiheit und die Zukunft westlicher Gesellschaften geprägt.“ Den Überwachungskonzern Palantir nannte Döpfner gegenüber der dpa eine „Schutzmacht der Demokratie“.

Der Milliardär Döpfner ist mit Milliardär Thiel familiär und über Netzwerke verbunden. So arbeitete Döpfners Sohn Moritz als Chief of Staff bei Thiel Capital, Thiel investierte laut Medienberichten 50 Millionen in Moritz Döpfners „Döpfner Capital“. Diese wiederum investierte in das Kampfdrohnen-Startup Stark Defence, in das auch Peter Thiel investiert hat.

Der Axel-Springer-Verlag, der in den letzten Jahren stark in die USA expandiert ist, sucht mit dem Preis offenbar die Nähe der US-Oligarchen. Der Verlag hat mit dem Award in der Vergangenheit viele Tech Bros ausgezeichnet, unter ihnen Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk und Sam Altman.

Über die Autor:innen

  • Esther Menhard

    Esther Menhard ist freie Autorin bei netzpolitik.org. Sie recherchiert zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und nimmt dazu gerne Hinweise entgegen. Von Haus aus Philosophin, interessiert sie sich für Datenethik, die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Digitalität, AdTech, Open Access und Open Source.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky

    Foto: Darja Preuss

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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8 Kommentare zu „Hunderte demonstrieren gegen Preisverleihung an Peter Thiel“


  1. In der Tat ungeheurlich, dass es einen „Axel Springer Award“ gibt. Warum wird darüber überhaupt berichtet? Wer sind noch gleich die Anteilseigner?


    1. Der Award wird von der Axel Springer SE vergeben. Deren Haupteigentümer sind seit 2025 Friede Springer und Mathias Döpfner, die zusammen 95% der Anteile halten. Die restlichen 5% liegen bei Axel Sven Springer, einem Enkel des Gründers, und der Friede-Springer-Stiftung. Aus Wikipedia, dort Quellverweise.

      Es ist das größte Medienhaus Deutschlands, eines der größten Europas, international beachtet, und damit ist das eine Nachricht.

      Und gerade weil Döpfner die Politik macht, die er macht, ist es eine Nachricht zur Einordnung.


      1. „Facebook Privacy Worms“
        Kann man auch Worms statt Award nehmen?


  2. delay.lama

    ,

    Thiel gehört wegen Menschenrechtsverletzungen für seine kruden Demokratie und Freiheits feindlichen Ansichten und Standpunkte, um nicht zu sagen Antidemokratischen Verhalten vor Gericht gezogen.
    Dieses ganze Palantir Konstrukt verstößt gegen alles was gut und richtig ist.

    Gegen den Axel Springer Verlag sollte Klage erhoben und ein unabhängiges externes Software Review angestrebt werden, am besten durchgeführt von mehreren qualifizierten Organisationen.

    Nie und nimmer ist deren abgespeckte Palantir Version welche Daten an das Unternehmen überträgt und Informationen aus angeblich „öffentlichen“ und „legalen“ Quellen zusammenführt, auswertet und beliebige Antworten liefert vereinbar mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz und Persönlichkeitsrechten.


  3. Claundia B.

    ,

    Markus Söder, aktuell Bayrischer Ministerpräsident, war bei der Verleihung des Axel-Springer-Award an Peter Thiel im Raum anwesend.


  4. Die Metamorphose des Neoliberalismus der ob der Ungleichheiten die er in 40 Jahren erzeugt hat keine Argumente mehr findet ist anscheinend ein neuer Staats Autoritarismus. Es geht dabei nicht um Rechtspopulismus sondern wohl um die Weiterfühung der ungeleichen Machverhältnisse mit anderen Mitteln. Aber noch kann man sich dagegenstellen. Das was sie , genau wie alle Autokratien am meisten fürchten dürften sind politische Vereinigungen und Journalismus. Aber beides steht unter Druck und Strukturschwäche und unter der Tatsache dass gerade digitaler Neoliberalismus dem Menschen viele Wissensformen ( zum Beispiel wie man sich politisch engagiert ..) durch Algorithmen enteignet hat. Der französische Philosoph Bernard Stiegler wusste dies alles – sein Werk zu beachten ist relevanter denn je.


  5. Klassische Mischpoke Döpfner und Thiels Verflechtungen. Für den Preisträger sind Freiheit und Demokratie nach eigenem Bekunden, nicht länger miteinander vereinbar.

    Die Bundesländer, die Thiels Software total dufte finden, sollten sich schämen. Boris Pistorius (SPD) gleich mit, für’s Absegnen von Thiels Investment in ein dt. Kampfdrohnen-Startup.

    Und Jens Spahn (CDU), für seine Teilnahmen an Thiels Bilderberg Pendant „Dialog Society“. Nicht so ein langweiliger Haushaltsausschuss, Gruß aus Sardinien.


  6. DemoWatch

    ,

    Es sollte nicht vergessen werden, dass bei dieser Demo auch übelster Antisemitismus offen sichtbar zu Tage trat und die Demoleitung sichtlich überfordert damit war. https://chaos.social/@andy_candy/117327837675465559

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