Auf den PunktJetzt ist die Zeit der Law-and-Order-Fans.

  • Martin Schwarzbeck

Liebe Leser*innen,

die Zeit nach Anschlägen ist eine, in der Law-and-Order-Fans aufblühen. Jetzt können sie ihre Themen vorwärts bringen, der Polizei und den Geheimdiensten neue Befugnisse verschaffen und die Bürgerrechte einschränken. Das hat sich beispielsweise gezeigt, als nach dem 11. September 2001 die weltweite Sicherheitsarchitektur auf ein bis dato unbekanntes Niveau gehoben wurde.

Und so haben sich auch nach dem Anschlag auf den Berliner CSD bereits erste Politiker*innen mit Rufen nach mehr Überwachung zu Wort gemeldet. Mein Kollege Timur kritisiert das neben vielem anderen zu Recht. Denn die polizeiliche Datenerhebung und ‑auswertung schreckt überzeugte Extremisten nicht ab. Die sind ja im Zweifelsfall nicht nur bereit, ihre Freiheit, sondern sogar ihr Leben für ihre Sache zu opfern. Da kommen auch 1.000 KI-gestützte Kameras nicht gegen an.

Im Gegenteil ist es ja sogar so, dass die freiheitlich orientierte Gesellschaft durch solche Hardliner-Maßnahmen geschwächt wird, ganz wie es sich die Extremisten wünschen. Stattdessen wäre ehrliche Klarheit angebracht: So lange wir Freiheit leben, sind wir als Gesellschaft vulnerabel. Solche Angriffe auszuhalten, ohne sofort die Grundrechte einschränken zu wollen, würde – im Gegensatz zu den totalitären Ansätzen – von tatsächlicher Stärke zeugen. Diese Stärke brauchen wir jetzt.

Viel Spaß beim Lesen

Martin

Unsere Artikel des Tages

Forderungen nach CSD-AnschlagSchamlose Heuchelei

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin ist der Schock groß. Doch die Reaktionen der führenden CDU-Politiker lassen sich leicht als bloße Heuchelei entlarven. Ein Kommentar.

BreakpointRoboter-Republik

Wenn Politiker:innen nicht mehr selbst reden, sondern Maschinen für sich sprechen lassen, mangelt es ihrem Auftritt an Authentizität. Doch gerade die macht einen Teil ihrer Legitimität aus. Denn in einer Demokratie sollten wir von Menschen repräsentiert werden, nicht von Robotern.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von Golem vom 27. 07. 2026

Eine Sicherheitsforscherin hat eine Lücke bei der offiziellen Gebets-App des Papstes aufgedeckt, durch die persönliche Daten der rund 720.000 Nutzer:innen abrufbar waren. Erst ein halbes Jahr nach Meldung haben die Betreiber die Sicherheitslücke geschlossen.

Ticker-News von Gadget Review vom 27. 07. 2026

In Cape Coral im US-Bundesstaat Florida sollen Müllwagen mit KI-Videoüberwachungssystemen auf ihren Fahrten verwilderte Rasenflächen, abblätternde Farbanstriche und illegal gelagerten Müll erfassen. Andere US-Städte planen ähnliche Überwachungssysteme.

Ticker-News von n+1 vom 27. 07. 2026

Sie nennen sich „Luddites“ und veranstalten „Ludd parties“. Ein Besuch bei den Ludditen von New York City, die sich gegen die sozialen Folgen und die faschistische Ausrichtung der großen Tech-Konzerne wehren, nicht aber gegen Technologie an sich.

Ticker-News von epicenter.works vom 27. 07. 2026

Die österreichische Datenschutzbehörde hat den Einsatz von automatisierten Gesichtsabgleichen durch die Polizei für rechtswidrig erklärt. Betroffen ist offenbar jeder Fall seit 2020 auf Grundlage des österreichischen Sicherheitspolizeigesetzes.

Ticker-News von Ars Technica vom 27. 07. 2026

Nach dem neuen „AI Kill Switch Act“ könnte die US-Regierung künftig KI-Unternehmen auffordern, ihre Tools abzustellen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf legten Kongressabgeordnete am Donnerstag vor. Anlass sei der jüngste Vorfall um OpenAIs Sprachmodelle gewesen.

Über die Autor:innen

  • Martin Schwarzbeck

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042

    Foto: Darja Preuss


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe eine Ergänzung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert