Auf den Punkt: Chatbots plaudern Geheimnisse aus.

  • Tomas Rudl

Liebe Leser:innen,

je weiter KI-Chatbots in den Alltag vieler Menschen einziehen, umso mehr gehen Hemmungen verloren, solchen Tools intime Details aus dem eigenen Leben offenzulegen. Das hat seinen Preis: Mal werden die Daten für das KI-Training genutzt, mal landen sie vor Gericht – und mal bei der Werbeindustrie, die diese sensiblen Informationen versilbert. Carla Rochel berichtet über eine Studie aus Spanien und erklärt, wie und welche Daten in Werbeprofilen landen.

Derweil liefert Chris Köver ein Update zur Gesichter-Suchmaschine PimEyes. Eigentlich sollte die KI-Verordnung solche biometrischen Datenbanken verbieten, doch das Unternehmen macht einfach weiter. Das ist möglich, weil sich die zuständigen Aufsichtsbehörden bislang bemerkenswert handzahm verhalten. Wohl auch, weil die Bundesregierung selbst solche Drittanbieter-Dienste für die Strafverfolgung nutzen will.

Schöne Grüße

Tomas

Unsere Artikel des Tages

Urteil zu Betrugswerbung: „Es ist nicht mehr diese plumpe Masche von früher“

Im Rechtsstreit zwischen Finanzfluss und Meta hat das Landgericht Frankfurt geurteilt: Der Social-Media-Konzern steht in der Verantwortung für betrügerische Anzeigen. Im Interview erklärt Finanzfluss-Gründer Thomas Kehl, warum er geklagt hat und was das Urteil bedeutet.

Beschlagnahme bei der ZEIT: Recherchematerial hat in Ermittlungen nichts zu suchen

Dass die Hamburger Polizei allen Ernstes Redaktionsräume der Zeit durchsuchen wollte, ist ein Frontalangriff auf die Pressefreiheit. Journalistisches Rohmaterial hat in den Händen von Staatsanwälten und Polizeien nichts verloren. Wenn wir das durchgehen lassen, erschüttern wir das Vertrauen in die Presse. Ein Kommentar.

Gesichtersuchmaschine PimEyes: Ein Verbot, das niemand durchsetzt

Seit mehr als einem Jahr verbietet die EU bestimmte Formen biometrischer Gesichtsdatenbanken. Doch die Suchmaschine PimEyes macht einfach weiter. Die zuständige Bundesnetzagentur hält sich bedeckt – und die Bundesregierung laviert gar um das Verbot herum.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von Reuters vom 14. 10. 2026

Die Bildagentur Getty Images hat 2,1 Milliarden US-Dollar an Schulden angehäuft und nun Insolvenz angemeldet. Zuvor scheiterte der Versuch, mit Shutterstock zu fusionieren. Neben der Schuldenlast machte der Bildagentur generative KI zunehmend das Leben schwer.

Ticker-News von Zeit vom 14. 10. 2026

Als Minderheitsaktionär steigt US-Chiphersteller Nvidia bei der französischen Gesundheitsplattform Doctolib ein. Dies soll die Entwicklung von KI-Produkten vorantreiben, hofft das Unternehmen.

Ticker-News von heise online vom 14. 10. 2026

Das Digitalministerium widerspricht Medienberichten, es habe sich aus der strategischen Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral AI und dem deutschen IT-Riesen SAP zurückgezogen. Die Vereinbarung ließe sich gar nicht kündigen, da kein Rahmenvertrag vorliege.

Ticker-News von ABC vom 14. 10. 2026

Australiens Premier Albanese appelliert an Anbieter sozialer Medien, den für Anfang Dezember geplanten Livestream einer US-Militärexekution nicht zu übertragen. Zur Not werde die Regierung einschreiten.

Ticker-News von Le Monde vom 14. 10. 2026

Frankreichs Außenminister Barrot wirft X‑Chef Musk vor, europäische Spitzerpolitiker:innen online zu belästigen. Mit dem Blick auf die Wahl im kommenden Jahr würden die „Feinde der Demokratie alles unternehmen, um uns zu destabilisieren“.

Ticker-News von The Media Line vom 13. 10. 2026

Die NSO Group, Herstellerin der Spähsoftware Pegasus, hatte laut Ermittlern Zugriff auf sensibles Überwachungsmaterial der polnischen Anti-Korruptionsbehörde. Premier Tusk spricht von einem „Verbrechen gegen den Staat“ und meinte damit auch die PiS-Vorgängerregierung.

Ticker-News von MDR vom 13. 10. 2026

Ein IT-Sicherheitsvorfall in der Gemeinde Tangerhütte in Sachsen-Anhalt ist wohl der erste bekannte Fall eines KI-Angriffs auf eine Kommune in Deutschland. Der MDR rekonstruiert den Angriff und zeigt die Folgen für andere Kommunen auf.

Ticker-News von Mother Jones vom 13. 10. 2026

US-Kriegsminister Hegseth will eine Hinrichtung live übers Internet streamen. Die Methode findet Anklang in Teilen der Tech-Branche, etwa beim Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale und bei Palmer Luckey, der am Militär-Startup Anduril Industries beteiligt ist.

Ticker-News von heise online vom 13. 10. 2026

Ein österreichischer Schüler, der sich weigerte, seine „smarte“ Brille im Unterricht abzusetzen, darf wieder in die Schule. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht. Die Schule hatte ihn zuvor suspendiert.

Ticker-News von Politico vom 13. 10. 2026

Bundeskanzler Merz drängt gemeinsam mit Italien und Belgien darauf, in der EU eine „Notbremse“ einzuführen. Diese soll neue EU-Gesetze verhindern, sollten sie die Wettbewerbsfähigkeit Europas bedrohen. Zudem soll die Deregulierung schneller voranschreiten.

Ticker-News von noyb vom 13. 10. 2026

Die Wiener Datenschutz-NGO noyb hat Änderungsanträge von EU-Abgeordneten für mehr oder weniger Datenschutz untersucht. Ergebnis: Konservative wollen das Grundrecht unterm Strich eher schwächen, Grüne, Sozialdemokrat*innen und Linke eher stärken.

Ticker-News von Verdi vom 13. 10. 2026

Die Deutsche Journalist:innen-Union der Gewerkschaft Verdi warnt vor der geplanten Geheimdienstreform: „Für die Bundesregierung ist das Beichtgeheimnis tabu, aber das Redaktionsgeheimnis verhandelbar. Das ist mit der Pressefreiheit nicht vereinbar.“

Ticker-News von taz vom 13. 10. 2026

Selbstregulierung der KI-Branche „wird nicht funktionieren“, sagt IT-Ethikprofessorin Judith Simon im Interview. Sie sorgt sich nicht davor, dass KI die Menschheit ausrotten wolle, sondern „dass Menschen sich zu stark auf die Ergebnisse von KI verlassen, ohne sie zu prüfen“.

Ticker-News von Bundesnetzagentur vom 13. 10. 2026

Das Porto der Deutschen Post für Briefe könnte ab Januar 20,35 Prozent teurer werden, so die Bundesnetzagentur. Die Post, Wettbewerber oder Verbraucherschutzorganisationen können die geplante Entscheidung bis zum 30. Oktober kommentieren.

Über die Autor:innen

  • Tomas Rudl

    Tomas ist in Wien aufgewachsen, hat dort für diverse Provider gearbeitet und daneben Politikwissenschaft studiert. Seine journalistische Ausbildung erhielt er im Heise-Verlag, wo er für die Mac & i, c't und Heise Online schrieb.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Bluesky

    Foto: Darja Preuss


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