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Auf den PunktAlle Bundestagsfraktionen machen verbotene Öffentlichkeitsarbeit.

  • Martin Schwarzbeck

Liebe Leser*innen,

wollt ihr wissen, was die Lieblingssnacks der FDP-Parlamentarier sind? Oder was Olaf Scholz zu Silvester gekocht hat? Nun, die Social-Media-Abteilungen der FDP- und SPD-Fraktion scheinen zu glauben, dass das Menschen interessiert. Sie haben kürzlich Beiträge dazu veröffentlicht. Obwohl die Öffentlichkeitsarbeit der Fraktionen laut Abgeordnetengesetz in den sechs Wochen vor der Wahl einen besonderen parlamentarischen Anlass braucht.

Die Fraktionen finanzieren ihre Öffentlichkeitsarbeit mit Steuergeld, die Höhe ihrer Bezuschussung bestimmen sie selbst. Die PR-Beschränkung soll die Wettbewerbsposition fraktionsloser Parlamentarier schützen und die von Parteien, die nicht im Parlament vertreten sind.

Wir haben Verstöße gegen das Abgeordnetengesetz auf den Social-Media-Auftritten aller im Bundestag vertretenen Fraktionen und Gruppen beobachtet und eine kleine Statistik daraus geschnürt. Fast jeder dritte Post war offenbar illegal. Welche Fraktionen mutmaßlich am häufigsten gegen das Gesetz verstoßen, steht in unserem Text.

Ich hoffe, ihr habt so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Zählen.

Martin

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Zähe VerwaltungsdigitalisierungNormenkontrollrat will föderale Hürden überwinden

Die Verwaltungsdigitalisierung kommt nur zäh voran. In einem Gutachten adressiert der Normenkontrollrat eine der größten Hürden: „Aufgabenzersplitterung“ infolge des Föderalismus. Dieses Problem ließe sich lösen, so das Gremium. Auch ohne eine „übergroße Staatsreform“.

Liberties-StudieSo steht es um die Aufsicht des Digital Services Act

Seit fast einem Jahr ist der DSA in Kraft. Das hat die Grundrechteorganisation Civil Liberties Union for Europe zum Anlass genommen, sich die nationale Umsetzung des EU-Digitalgesetzes näher anzusehen. Deutschland schneidet im Vergleich mit anderen EU-Ländern nicht schlecht ab.

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Es hätte das legislative Kronjuwel einer progressiven Regierung werden können: Das Transparenzgesetz sollte die demokratische Kontrolle stärken und die Digitalisierung der Verwaltung voranbringen. Doch Innenministerin Nancy Faeser legte ihren Fokus lieber auf Überwachung als auf Transparenz. Ein Kommentar.

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Über die Autor:innen

  • Martin Schwarzbeck
    Darja Preuss

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042


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