Dieser Artikel ist mehr als 1 Jahr alt.

Auf den PunktDas BKA ist kein Entfesselungskünstler.

  • Chris Köver

Liebe Leser:innen,

BKA-Chef Holger Münch sprach auf der Herbsttagung davon, die Gesichtserkennung seiner Behörde „weiter zu entfesseln“. Gemeint sind Szenarien, wie sie zur Überführung der als RAF-Terroristin verhafteten Daniela Klette führten: ein biometrischer Abgleich von Fahndungsfotos mit Bildern auf Social Media.

Dabei liest sich der Beitrag unseres Autors Matthias Monroy, als müsste da überhaupt nichts mehr entfesselt werden. Schon heute haben deutsche Ermittlungsbehörden ein automatisiertes Gesichtserkennungssystem der Extraklasse, mit dem sie Aufnahmen automatisch mit mehr als 7 Millionen Bildern in ihren Datenbanken abgleichen können. Die Treffgenauigkeit ist so hoch, dass menschliche Spezialist:innen des BKA in dieser Hinsicht arbeitslos werden.

Anders als der große Magier Harry Houdini kann sich das BKA glücklicherweise nicht selbst von seinen Fesseln befreien. Das müsste die Bundesregierung tun. Versucht hat die Ampel das in einem ersten Anlauf, der jedoch im Bundesrat gescheitert ist. Den unionsgeführten Ländern war er nicht entfesselt genug. Sie würden sich am liebsten auch noch von den Fesseln des Europarechts und des internationalen Völkerrechts befreien und Geflüchtete an den Grenzen zurückweisen. Jetzt soll es noch vor der Wahl einen neuen Anlauf geben.

Wer oder was dann am Ende noch entfesselt wird, werden wir berichten.

Habt eine gute Woche.

Chris

Unsere Artikel des Tages

Gegen digitale SpaltungGlasfaser statt gläserne Bürger

Während immer mehr Überwachungsgesetze auf dem Tisch landen, haben viele Bürger:innen nicht einmal funktionierendes Breitband. Wie lässt sich digitale Spaltung verhindern? Damit Infrastruktur nicht nur nach den Wünschen der Industrie geht, braucht es eine starke zivilgesellschaftliche Stimme.

„Ein digitales Gefängnis“Wie die serbische Regierung die Zivilgesellschaft ausspioniert

Amnesty International enthüllt, dass Journalist:innen und Aktivist:innen in Serbien in erheblichem Ausmaß mit Staatstrojanern wie Pegasus und NoviSpy ausgespäht werden. In der Kritik steht neben der serbischen Regierung die Firma Cellebrite, zu deren Kunden auch deutsche Behörden gehören.

Neues BKA-SystemPolizeiliche Gesichtserkennung geht steil

Die Zahl von Abfragen und Gespeicherten im BKA-Gesichtserkennungssystem nimmt weiter zu. Ein Upgrade mit einer Fehlerrate nahe Null macht 50 Lichtbildexpert:innen arbeitslos. Nur die KI-Verordnung der EU ist noch im Weg.

Polizei GelsenkirchenWenn das Stadion zum Politik-Schauplatz wird

Gelsenkirchens Fußballclub Schalke 04 ist wichtig für die Stadt und seine Fans. Dabei gibt es reichlich Auseinandersetzungen mit der Polizei, die das für öffentlichkeitswirksame Maßnahmen nutzt – ob Fotofahndung oder harsche Pressemitteilungen.

Stirb langsamWarum es mit X nun zu Ende geht

Soziale Netzwerke sind wegen des Netzwerkeffekts nur schwer totzukriegen. Doch dem Twitter-Nachfolger X von Elon Musk droht nun genau das. Wie konnte das passieren? Welche Plattformen könnten die Nachfolge antreten? Eine Analyse über Aufstieg und Fall sozialer Netzwerke.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Über die Autor:innen

  • Chris Köver
    Darja Preuss

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Migration, biometrische Überwachung, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und -Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award und dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter