ePrivacy-Verordnung

Digitalunternehmen fordern strengere Regulierung

Die Europäische Union vertrödelt seit über drei Jahren die Verabschiedung strengerer Regeln für den Schutz der digitalen Kommunikation. Eine Gruppe von datenschutzfreundlichen Firmen drängt nun die EU-Staaten und die neue Kommission, endlich zu handeln.

Briefkästen an einer Wand
Unsere Kommunikation im Netz sollte rechtlich ebenso geschützt sein wie jene per Brief, findet eine Gruppe datenschutzfreundlicher Firmen CC-BY-NC 2.0 ubrog

Eine Gruppe von datenschutzfreundlichen Unternehmen hat die Europäische Union dazu aufgerufen, endlich zeitgemäße Regeln für den Schutz der digitalen Kommunikation zu verabschieden. Dafür brauche es eine möglichst starke Version der lange erwarteten ePrivacy-Reform. „Durch eine starke ePrivacy-Verordnung wird der Wettbewerb und die Innovation im digitalen Binnenmarkt gestärkt“, heißt es in einem diese Woche veröffentlichten offenen Brief von Unternehmen der Articl8-Gruppe an die EU-Gesetzgeber.

Die ePrivacy-Verordnung soll die rund zwei Jahrzehnte alten EU-Regeln für Privatsphäre in der digitalen Kommunikation auf den neuesten Stand bringen. Sie soll eine Art digitales Briefgeheimnis schaffen, das Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gleichermaßen vor kommerzieller Auswertung schützt wie konventionelle Telefonanrufe. Auch soll die Reform nach Vorschlägen von EU-Kommission und Parlament viele Formen von Tracking auf Webseiten über Cookies untersagen und Privatsphäre zur Standardeinstellung in Browsern machen.

Die ePrivacy-Reform müsse Europa dabei helfen, „sich von einem Markt zu entfernen, der von datenhungrigen, dominanten Firmen kontrolliert und verzerrt wird“, heißt es in dem offenen Brief. Unterzeichnet haben ihn unter anderem die Suchmaschine Startpage, der AdBlocker-Hersteller eyeo und das datenschutzfreundliche Analytics-Tool Piwik Pro.

Bereits 2017 legten die EU-Kommission und das EU-Parlament die Reformvorschläge vor, bisher hat eine Mehrheit der EU-Staaten die Pläne allerdings im Rat blockiert. Auch unter der finnischen Ratspräsidentschaft konnte zuletzt keine Einigung erzielt werden.

Verlage gegen „Taliban-Datenschutz“

Mit ihrem Schreiben wenden sich die unterzeichnenden Organisationen gegen das in der Digitalwirtschaft vorherrschende Narrativ, es schade der Innovationskraft Europas, wenn Menschen mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten bekämen. Starken Widerstand gegen die ePrivacy-Pläne gibt es von den Datenkonzernen Google und Facebook, aber auch aus der Verlagsbranche. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner bezeichnete die Vorschläge schon mal als „Taliban-Variante des Datenschutzes“.

Die Lobby-Beobachter von Corporate Europe Observatory kritisierten in der Vergangenheit den großen Einfluss von Verlegern und Datenlobby auf den Rat. Im jüngsten Fortschrittsbericht der finnischen Ratspräsidentschaft heißt es folgerichtig, bestehende Geschäftsmodelle seien „nicht zu untergraben“ – damit wird der Datenschutz weiterhin kommerziellen Interessen von Konzernen untergeordnet.

Dagegen wendet sich die Articl8-Gruppe und weist darauf hin, dass strengere Datenschutzregeln eigentlich eine Stärkung von Verlagsangeboten im Netz bedeuten. Denn wenn Werbenetzwerke wie jenes von Google Nutzer:innen nicht mehr durch das ganze Netz verfolgen könne, lasse das weitaus mehr Spielraum für klassische kontextbasierte Werbung, wie sie etwa Nachrichtenseiten bieten könnten.

Die ePrivacy-Reform dreht sich indes unter der neuen Kommission von Ursula von der Leyen weiter im Kreis. Eine Ankündigung des neuen Digitalkommissars Thierry Breton, die Kommission ziehe den Vorschlag ganz zurück, widerrief seine Sprecherin binnen weniger Stunden. Die neue kroatische EU-Ratspräsidentschaft hat in ihrem Arbeitsprogramm angekündigt, die „Diskussion um die Hürden“ für ePrivacy fortzuführen und eine „angemessene Lösung“ zu finden.

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