Was vom Tage übrig blieb: Y0K-Kaiserzeit-Bugs, Kennzeichnungspflicht für Tweets und Breitband für die Friedhofskapelle

Privatsphäre kostet Geld, Japan hat eine Zeitumstellungsherausforderung, manche Tweets sind wohl kennzeichnungspflichtig, eine leere Friedhofskapelle bekommt subventioniertes Breitband, rechte Internet-Hetze hat sich schon wieder in tödliche Gewalt verwandelt. Und dein Laptop ist immer noch eklig. Das und vieles mehr in den interessantesten Links des Tages.

Das verregnete und kalte Wochenende sieht man dem aktuellen Ausblick gar nicht an.

The Devastating Consequences of Being Poor in the Digital Age (New York Times)
Armut darf nicht die Preisgabe der Privatsphäre bedeuten, urteilt die New York Times in einem Kommentar. Doch genau diese Gefahr droht gleich zweifach: Sozioökonomisch benachteiligte Menschen werden einerseits durch Behörden immer stärker algorithmisch gestützt kontrolliert und überwacht. Zugleich müssen sie damit rechnen, auf Ausbildung und Jobchancen zu verzichten, wenn ihre Online-Existenz nicht nachvollziehbar (oder zu schlecht kuratiert) ist.

Das Jahr-1-Problem (Golem)
Anfang Mai wird in Japan der Kaiser wechseln. Damit ändert sich in dem Land auch die Zeitrechnung und die Kalender werden auf Jahr 1 zurück springen. Doch während das ganze Land in tagelanger Feierlaune schweben wird, sind IT-ler:innen schon jetzt am Schwitzen: Die Zeitumstellung in IT-Systemen könnte zu Bugs und Datenverlusten führen.

Sind Tweets, in denen auf eine Paywall verlinkt wird, kennzeichnungspflichtig? (internet-law.de)
Dieser juristischen Frage geht der Blogeintrag des IT-Anwalts Thomas Stadler nach, da es widersprüchliche Meinungen bei Journalist:innen und Jurist:innen gegeben habe. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Tweets und Postings von Medien und Journalist:innen, die direkt auf eigene kostenpflichtige Inhalte verweisen würden, deutlich machen müssten, dass es sich um kommerzielle oder werbliche Hinweise handele.

Breitband nur für Friedhofskapelle (ZDF)
Breitbandausbau Made in Germany: Während in Steinfurth in Mecklenburg-Vorpommern eine nur spärlich genutzte Friedhofskapelle – als öffentliches Gebäude – einen subventionierten Breitbandanschluss bekommt, schauen die Bürger anschluss- und fassungslos durch die Finger. Eine Bonus-Pointe liefert das knapp drei Minuten lange Video ganz zu Ende.

Google Gives Free Security Keys to Activists, But Not if You’re in Iran or Syria (Motherboard US)
Wenn sich Journalist:innen oder Aktivist:innen treffen, können sie Sicherheitsschlüssel von Google Titan verwenden, um ihre Accounts sicherer und damit schwieriger hackbar zu machen. Recherchen von Motherboard zeigen nun, dass dieser Service jedoch nicht für Länder wie Syrien, Iran oder Nord Korea verfügbar ist. Dabei wäre es besonders in solchen repressiven Staaten notwendig, dass Journalist:innen und Aktivist:innen sich und ihre Arbeit möglichst gut schützen können.

How to Clean Your Filthy, Disgusting Laptop (New York Times)
Tastaturen sind richtige Dreckschleudern, nicht nur wegen der bösen Worte, die gerne darauf getippt werden.

The Liking Dead: Bald mehr Tote als Lebende auf Facebook? (Heise Online)
Zukünftig könnte es wohl mehr Tote als Lebende auf Facebook geben, denn wenn jemand verstirbt, bleibt sein Account in aller Regel bestehen. Die Forscher, die dies in einer Studie untersucht hatten, kommen zu dem Ergebnis, dass zum Ende des Jahrhunderts mehr Tote als Lebende in dem Sozialen Netzwerk sein könnten und fordern deswegen eine Diskussion, wie mit den Daten von Verstorbenen umgegangen werden soll.

Rape victims among those to be asked to hand phones to police (BBC)
Sie wollen eine Vergewaltigung anzeigen? Dann bitte erst mal Telefon an die Polizei rüberreichen. So läuft es zumindest neuerdings in England und Wales, wo Opfer von Verbrechen der Polizei jetzt Zugriff auf ihr Telefon und all die darauf enthaltenen Informationen erteilen sollen. Ist natürlich freiwillig, aber ohne Blick ins Telefon kommt es wahrscheinlich nicht zur Strafverfolgung, also irgendwie auch nicht freiwillig. Was sich die Polizei davon genau erhofft, ihr unklar, denn dass Frauen häufig vor einer Vergewaltigung schon konsensuellen Sex mit ihrem Vergewaltiger hatten, ist bekannt. Solche Infos sagen also null darüber aus, ob eine Vergewaltigung tatsächlich stattfand oder nicht. Dazu müsste man eher den Menschen glauben, die davon berichten.

Facebook’s Ad Archive API is Inadequate (Mozilla)
Die Internetkonzerne Facebook, Youtube und Twitter haben sich vor der Europawahl im Mai dazu verpflichtet, sämtliche politische Werbung auf ihren Plattformen in einem Transparenzregister zu veröffentlichen. Allerdings ist das Ergebnis in der Praxis noch etwas ungenügend, urteilt die Mozilla-Stiftung in einem Blog-Post. Sie zählt am Beispiel Facebooks auf, warum der automatisierte Abruf der Werbedaten via API nicht an die Versprechen der Firma herankommt. Das Ziel, durch Transparenz bei politischer Werbung gegen Desinformation vorzugehen, wird damit deutlich erschwert.

Ignore The Poway Synagogue Shooter’s Manifesto: Pay Attention To 8chan’s /pol/ Board (Bellingcat)
Rund einen Monat nach dem rechten Terroranschlag im neuseeländischen Christchurch – und nur eine Woche nach dem ISIS-Massaker in Sri Lanka – kündigte wieder ein Täter sein mörderisches Vorhaben im 8chan-Sumpf an. Diesmal hatte es der Täter auf eine Synagoge im kalifornischen Poway abgesehen, er tötete eine Frau und verletzte drei Personen. Ähnlich wie der Christchurch-Attentäter verbreitete er zuvor ein „Manifest“ auf der Naziplattform, der angekündigte Live-Stream auf Facebook scheiterte offenbar an Inkompetenz. Das sich klar abzeichnende Muster sei beängstigend, bemerkte auch Charlie Warzel.

Why Won’t Twitter Treat White Supremacy Like ISIS? Because It Would Mean Banning Some Republican Politicians Too. (Motherboard US)
Apropos Rechte im Internet: Twitter unternimmt offenbar deswegen nur wenig gegen rechtsextreme Hetze auf seiner Plattform, weil das auch konservative US-Politiker und ihr Umfeld treffen würde. Das berichtet Motherboard unter Berufung auf Insiderquellen, offiziell streitet das Unternehmen diese Darstellung ab. Auf die USA ist diese Problematik nicht beschränkt. Auch in Europa bedienen sich rechte Politiker gerne einer Sprache, die aus Giftmülldeponien wie dem „politischen“ Teil von 4chan stammen könnte – zuletzt verteidigte etwa der österreichische Vize-Bundeskanzler Heinz-Christian Strache die rechtsextreme Verschwörungstheorie eines angeblichen „Bevölkerungsaustauschs“.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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