NPP 182 zu Freier Software: Public Money, Public Code?

Software, die wir alle schon längst mit Steuergeldern bezahlt haben, sollte frei sein. Deshalb setzen sich Matthias Kirschner und Katharina Nocun für mehr Freie Software (nicht nur) in der öffentlichen Verwaltung ein. Im Podcast erklären sie, warum Freie Software ein Erfolgsmodell ist, was wir aus dem LiMux-Fail in München lernen können und was das Ganze mit Gewaltenteilung zu tun hat.

Eine junge Frau steht vor einer blau leuchtenden Kunstinstallation und streckt ihren Arm danach aus.
Technologie zum Anfassen: Freie Software gibt Menschen die Freiheit, Software zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Josh Hild


Kaum etwas ist für Staaten so wichtig wie ihre Souveränität. Warum aber machen sich Regierungen und Behörden bei ihrer IT-Infrastruktur dann so abhängig von den Produkten kommerzieller Anbieter? Und warum wird Software, die durch Steuergelder von uns allen finanziert wird, nicht als Freie Software veröffentlicht, die von allen genutzt werden kann?

Darüber sprechen wir in der Folge 182 unseres Netzpolitik-Podcasts NPP mit Matthias Kirschner und Katharina Nocun. Matthias ist Präsident der Free Software Foundation Europe. Katharina ist Publizistin und Netzaktivisitin. Beide haben an der Kampagne „Public Money, Public Code“ mitgewirkt, die für mehr Freie Software in der öffentlichen Verwaltung wirbt.

Die beiden erklären, was man eigentlich genau unter Freier Software versteht und warum sie nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus demokratischer Perspektive viele Vorteile mit sich bringt. Außerdem klären sie über weit verbreitete Mythen zu Freier Software auf, bringen Licht ins Dunkel um den viel diskutierten LiMux-Fail der Stadt München und sprechen über das große Vorbild Barcelona.

Am Ende des Podcasts steht – neben Anregungen, was wir alle und die Politik tun können – ein Zitat des antiken Philosophen Augustinus von Hippo: „Denn jede Sache, die durch Mitteilung an andere nicht verliert, besitzt man nicht, wie man soll, solange man sie nur selber besitzt, ohne sie wieder an andere weiterzugeben.“

Shownotes:

NPP ist der Podcast von netzpolitik.org. Hier ist der Link zum Download von NPP 182 als mp3-Datei. Ihr könnt den Podcast auch als OGG-Datei herunterladen oder bei Spotify abonnieren. Wie immer freuen wir uns über Kommentare, Wünsche und Verbesserungsvorschläge. Und wir freuen uns über Bewertungen auf den üblichen Podcast-Portalen, denn mit vielen guten Bewertungen steigt die Sichtbarkeit.

Eine Ergänzung
  1. Danke, dass Ihr euch für dieses Thema einsetzt!

    Als Anregung, nicht als Kritik an euren persönlichen Meinungen: als es in Richtung „Geistiges Eigentum sollte es eh nicht geben…“ abbog, habt ihr mich (als Softwareentwickler, der auch findet, dass die öffentliche Hand mit OSS arbeiten sollte) völlig verloren. Es ist nichts neues bei Software, dass die Nutzung eingeschränkt wird. Mit einem Buch, das ich kaufe, darf ich auch nicht alles machen, ich darf es nicht nachdrucken. Gleiches gilt für Musik, Filme usw.

    Es ist auch völlig unnötig, das Urheberrecht als Ganzes in Frage zu stellen, um sich für OSS in der Verwaltung einzusetzen! Die GPL setzt auch das Urheberrecht voraus, nur dadurch kann sie ja den Nutzern vorschreiben, abgeleitete Werke auch wieder unter die GPL zu stellen.

    Was ich mir entsprechend noch gewünscht hätte (vielleicht in einer nächsten Folge), wäre, dass Ihr genauer auf die Frage der Finanzierung der Entwicklung dieser OSS-Software eingehen würdet. Ihr tut irgendwie so, als würde es die Software schon geben. Bei Software ist das Teuerste, sie zu entwickeln. Eines der Hauptprobleme, die ein Einsatz von OSS verhindern, scheint mir doch zu sein, dass die proprietären Softwarefirmen den öffenlichen Kunden dafür die Finanzierungsmöglichkeiten bieten, die die brauchen.

    Wenn die Stadtverwaltung X eine spezielle Lösung für ihr Problem Y braucht, dann wird ein Softwareunternehmen, das proprietäre SW anbietet, ihnen anbieten, eine Lizenz zu kaufen, und die Entwicklung finanziert sich dadurch, dass das Unternehmen hofft, dass auch andere Stadtverwaltungen oder sonstige Kunden die SW kaufen. Dieses Aufteilen der Entwicklungskosten (und nicht zuletzt auch das Freihalten der ersten Kunden vom Risiko) funktioniert nur, wenn das Unternehmen einzelne Lizenzen verkaufen kann, also mit proprietäter SW.

    Sinnvoll wäre dagegen, dass die interessierten Städte die Entwicklungskosten gemeinsam aufbringen, dann kann man die Entwicklung als OSS machen lassen. Das ist natürlich am Anfang viel teurer als einzelne Lizenzen zu kaufen, aber längerfristig halt, wie Ihr ja sehr anschaulich dargestellt habt, sinnvoller und wahrscheinlich günstiger. Nur wie bringt man das mit öffentlicher Haushaltsplanung überein?

    Wenn Ihr mal auf diesem Problem weiter rundenken würdet, dann fände ich das sehr nützlich für das Thema. Die Idee mit den Fonds finde ich z.B. interessant, habe aber nicht so ganz verstanden, wie das funktionieren soll, wer da einzahlt und wer darüber entscheidet, was mit den Geld gemacht wird.

    Genug Stoff für eine Folge 2… :-)

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