NPP 181 zu Lieferdiensten: Wenn die App der Boss ist

Chris Köver und Markus Reuter sprechen mit Joanna Bronowicka, Soziologin an der Europäischen Universität Viadrina. Sie hat zahlreiche Interviews mit Fahrerinnen und Fahrern in Berlin geführt – und erzählt im dieses Mal englischsprachigen Podcast, warum Menschen bei den Firmen anheuern, wie sie versuchen, den Algorithmus auszutricksen und den Arbeitskampf gegen die Konzerne organisieren.

Foodora-Fahrer auf Rad von hinten
Fahrer:innen für Lieferdienste: besonders autonom oder besonders ferngesteuert? Vereinfachte Pixabay Lizenz Bild von Kai Pilger auf Pixabay


Aus der Stadt sind sie nicht mehr wegzudenken. Aus der Nahrungskette vieler Stadtbewohner:innen ohnehin nicht: die Fahrerinnen und Fahrer mit den charakteristischen Styroporboxen auf dem Rücken, die für Start-ups wie Deliveroo, Foodora oder Lieferando Burger, Salat oder Pho-Suppe ausliefern.

Bislang dominierten das türkise Deliveroo und das pinke Foodora das Stadtbild. Foodora wurde nun für fast eine Milliarde Euro an den niederländischen Wettbewerber hinter Lieferando verkauft. Die Fahrer:innen tragen seither das Lieferando-Orange.

Arbeitskämpfe und die App austricksen

Besitzverhältnisse ändern sich, während die Wettbewerber den Markt unter sich aufteilen. Was sich kaum verändert: die Arbeitsbedingungen der Fahrerinnen und Fahrer. Sie arbeiten teils frei (Deliveroo), teils angestellt (Lieferando). In beiden Fällen ist ihr Ansprechpartner jedoch eine App. Diese teilt ihnen mit, wo sie Essen abholen und abliefern sollen, welche Route sie dafür am besten nehmen und wie gut sie dabei im vergangenen Monat abgeschnitten haben.

Damit Essen dabei möglichst schnell bei möglichst zufriedenen Kund:innen ankommt, wird all das von einem Algorithmus im Hintergrund koordiniert. Nach welchen Kriterien dieser Aufträge verteilt oder Bewertungen vornimmt – darüber können Fahrer:innen nur mutmaßen.

Studie über neue Form der Arbeit

Joanna Bronowicka
Joanna Bronowicka Alle Rechte vorbehalten privat

Wie das genau funktioniert und wie es die Fahrer:innen beeinflusst, darüber sprechen Chris Köver und Markus Reuter mit Joanna Bronowicka, Soziologin an der Europäischen Universität Viadrina. Sie hat zahlreiche Interviews mit Fahrerinnen und Fahrern in Berlin geführt und erzählt, warum diese so gerne bei den Firmen anheuern, wie sie versuchen, den Algorithmus auszutricksen und sich im Arbeitskampf gegen die Konzerne zu organisieren. Der Podcast ist dieses Mal auf Englisch.

Klar ist schon mal: Egal wie kritisch man die Arbeitsbedingungen sieht, wer sich mit den Fahrer:innen solidarisieren will, sollte lieber dickes Trinkgeld geben statt die Apps zu boykottieren.

Shownotes

NPP ist der Podcast von netzpolitik.org. Hier ist der Link zum Download von NPP 181 als mp3-Datei. Ihr könnt den Podcast auch als OGG-Datei herunterladen oder bei Spotify abonnieren. Wie immer freuen wir uns über Kommentare, Wünsche und Verbesserungsvorschläge. Und wir freuen uns über Bewertungen auf den üblichen Podcast-Portalen, denn mit vielen guten Bewertungen steigt die Sichtbarkeit.

Eine Ergänzung
  1. und zack, deliveroo gibt auf. email von heute


    Subject: Goodbye – for now
    Date: Mon, 12 Aug 2019 10:19:21 +0000
    From: Deliveroo

    mit diesem Schreiben möchte ich Dich darüber informieren, dass
    Deliveroo mit Ablauf des 16. August leider nicht mehr in
    Deutschland tätig sein wird. Diese Entscheidung war nicht einfach
    und ist uns nicht leicht gefallen.

    Bei Deliveroo ist unser Ziel, den weltbesten Essenslieferdienst
    zu schaffen, Herzstück davon ist es, den Kunden, Fahrern und
    Restaurants einen herausragenden Service zu bieten. Wo wir das
    nicht auf einem Level durchführen können, den wir erwarten und
    den Du verdienst, sind wir nicht tätig. Deshalb wird Deliveroo
    sich jetzt darauf konzentrieren, seine Aktivitäten in anderen
    Märkten auf der ganzen Welt auszubauen.

    Vielen Dank, dass Du bei Deliveroo bestellt hast, es war uns ein
    Genuss, Dir großartiges Essen von den vielen herausragenden
    Restaurants in Deutschland zu liefern.

    Unser Service wird bis zum 16. August ganz normal verfügbar
    sein.

    Wenn Du noch Guthaben auf Deinem Deliveroo Konto hast, erstatten
    wir es Dir am 19. August auf Dein Bankkonto. Je nach Bank kann es
    5-10 Tage dauern, bis der Betrag auf Deinem Konto eingeht.

    Wir danken Dir noch einmal dafür, dass Du Deliveroo beauftragt
    hast und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

    Das Deliveroo Team.

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