Überwachung

Bunter Protest beim Aktionstag gegen Videoüberwachung am Berliner Südkreuz

Mit Straßentheater und Musik haben Überwachungsgegner*innen am Berliner Bahnhof Südkreuz demonstriert. An diesem Bahnhof findet ein umstrittener Test mit Gesichtserkennung statt.

Die Proteste gegen den Überwachungstest am Berliner Südkreuz gehen weiter. Alle Rechte vorbehalten Bündnis Endstation

Das Bündnis Endstation hat am frühen Montagabend einen Aktionstag am Berliner Bahnhof Südkreuz veranstaltet, um gegen das umstrittene Pilotprojekt der Videoüberwachung mit Gesichtsscanner am Südkreuz zu protestieren. Vorbeieilende Passant*innen konnten sich zudem über Gefahren automatisierter Gesichtserkennung informieren.


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Anders als bei vielerorts verwendeter konventioneller Videoüberwachung könnten bei Gesichtserkennungssystemen Personen beobachtet, identifiziert und über verschiedene Kameras hinweg verfolgt werden, heißt es in einer Pressemitteilung. So könnten langfristige Bewegungsprofile von Personen erzeugt werden. Auch eine Verknüpfung mit anderen Daten sei denkbar, kritisieren die Überwachungsgegner*innen. Gefahren für eine freiheitliche Gesellschaft lägen auf der Hand.

Der Bahnhof Südkreuz ist ein zentraler Knotenpunkt der städtischen Infrastruktur. Viele Pendler*innen und Reisende passieren täglich die Bahnsteige. Auf den Protest hätten die meisten positiv reagiert, schreiben die Veranstalter*innen. Auch hätten Pendler*innen sich über das tägliche Spießrutenlaufen auf dem Bahnhof beschwert, um den Kameras auszuweichen.

Im Sommer dieses Jahres startete die erste Testphase einer automatisierten biometrischen Videoüberwachung am Bahnhof Südkreuz. Bundespolizei, Bundesinnenministerium, Deutsche Bahn und Bundeskriminalamt erproben ein optisches Überwachungssystem. Bis Januar 2018 wird in ausgeschilderten Bereichen die „intelligente Videoüberwachung“ getestet.

Musikalische Unterstützung gab es auch. CC-BY 2.0
Das Bündnis lehnt die Trennung in „gute“ und „schlechte“ Bürger*innen ab. CC-BY 2.0
„Überwachung: Billiger als Gefängnisse, beliebter als Erschiessen“. Die Protestierenden kritisieren hegemoniale Sicherheitspolitiken. CC-BY 2.0 Endstation Jetzt
Performance: Was Menschen zu verbergen haben. CC-BY 2.0

Weitere Informationen des Bündnisses und Berichte zur Bündnisarbeit gibt es auf der Webseite von „Endstation“. Die Fotostrecke zum Aktionstag findet ihr hier.

Am Aktionstag beteiligten sich außerdem die Gruppen Digitale Freiheit, Digitalcourage e. V., Ban Racial Profiling, #wastun, Aktion Freiheit statt Angst e. V., Hände weg vom Wedding, Anarchistisches Kollektiv Glitzerkatapult, Liste der E-Card-Kritischen sowie Seminar für angewandte Unsicherheit.

3 Kommentare
  1. Ich war für eine kurze Zeit dort, vielleicht eine Stunde. Die vielbeschilderte Performance aus dem letzten Foto fand ich sehr gut. Es fiel ins Auge, war also wirkungsvoll für meinen Geschmack. Es ist sehr verdienstvoll, dass die überwiegend jungen Leute dort die Passanten auf die Problematik aufmerksam machen.

  2. Die Büchse der Pandora ist leider schon viel zu lange offen und auch wenn alle Proteste gegen Überwachung usw. sinnvoll, richtig und wichtig sind = kurzfristig verändern werden sie nichts und wenn ich mir den Umgang mit Daten junger Menschen ansehe habe ich Zweifel daran, dass Facebook Nutzer jemals begreifen werden was Datenschutz bedeutet.

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