Der Präsident der französischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, Christian Estrosi, hat angekündigt, gegen die Verbreitung von Bildern in sozialen Medien zu klagen, wenn die Bilder Polizeimaßnahmen gegen Burkini-Trägerinnen zeigen. Er begründet diesen Schritt damit, dass die Aufnahmen der Polizeiaktion angeblich schon zu Beleidigungen und Drohungen gegen die Polizeibeamten geführt hätten, die auf den Bildern zu erkennen sind. In mehr als zwei Dutzend Badeorten Frankreichs ist das Tragen der körperverhüllenden muslimischen Schwimm-Mode verboten worden.
Hintergrund für die Ankündigung des konservativen Politikers sind Fotos, die gestern um die Welt gingen. Sie zeigen, wie eine Frau in Nizza von vier Polizisten am Strand gezwungen wird, Kleidung abzulegen. Es handelt sich bei der Kleidung allerdings nicht einmal um einen Burkini. Die Frau bekam einen Strafzettel und entfernte sich dann vom Strand, berichtet der Fotograf selbst. Die Bilder lösten weltweit Verwunderung und Empörung aus.
Cannes: les photos de la honte et de l’ignominie! Que fait la gauche des libertes et droits humains? #burkini pic.twitter.com/cOVlYjR9Ub
— Philippe Marlière (@PhMarliere) 23. August 2016
In sozialen Medien sind weitere Bilder und Videos solcher Polizeimaßnahmen aufgetaucht, die sich offenbar auch gegen Kopftuchträgerinnen ohne Badeabsicht richteten. Teilweise würden die Polizeimaßnahmen von rassistischen Übergriffen von Passanten begleitet, berichtet The Intercept. Ab Donnerstag befasst sich das höchste Verwaltungsgericht Frankreichs mit dem Fall, berichtet der Guardian. Eine Menschenrechtsorganisation hatte gegen die Kleidungsvorschriften geklagt.
Update 16.08.2016:
Das Gericht hat das Verbot zumindest in einem Ort gekippt, das könnte aber als Präzedenzfall Auswirkungen auf die anderen Orte haben.
