Überwachung

Überwachung: Wie viel sich aus simplen Verbindungsdaten herauslesen lässt

Während deutsche Politiker eine Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung fordern, belegt eine Studie, wie viele sensible Informationen in scheinbar harmlosen Metadaten stecken. Von Beziehungsgeflechten bis hin zu Gesundheitsproblemen findet sich allerhand in den Verbindungsprotokollen.

Über zwei Ecken miteinander verbundene Teilnehmer.

Selbst scheinbar harmlos klingende Metadaten, die von Anruflisten oder SMS-Nachrichten stammen, verraten erschreckend viel über derart überwachte Nutzer. Das bestätigt eine weitere, Ende 2013 gestartete Studie der Universität Stanford, die das Kommunikationsverhalten von 823 freiwillig teilnehmenden Nutzern mit Hilfe der Android-App MetaPhone analysiert hat.


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Wie bereits die ersten Ergebnisse nahelegten, ließen sich einzelne Nutzer „trivial einfach“ identifizieren, ob sie sich in einer Beziehung befanden und wenn ja, mit wem. Auch ohne Zugriff auf GPS-Daten oder Mobilfunkmasten konnten die Forscher meist die ungefähre Wohnadresse ermitteln, indem sie auf öffentlich verfügbare Informationen aus Google- oder Yelp-Suchabfragen zurückgriffen. Zudem war es in vielen Fällen möglich, sensible Informationen herauszufinden, beispielsweise ob bestimmte Nutzer Gesundheitsprobleme hatten, schwanger waren oder Schusswaffen besaßen.

Politiker – hierzulande etwa die der CDU/CSU – sollten sich die Ergebnisse der Studie zu Herzen nehmen und solche Instrumente nicht einfach durchwinken, mahnen die Forscher, da es sich dabei um keine besonders effektive Geheimdienststrategie („intelligence strategy“) handeln würde. Schließlich können beispielsweise Terroristen derartige Überwachungsmaßnahmen leicht unterlaufen, während um unschuldige Bürger ein zunehmend engmaschigeres Überwachungsnetz gespannt wird, das in keinem angemessenen Verhältnis zu den ausgehebelten Grundrechten steht.

The results of our study are unambiguous: there are significant privacy impacts associated with telephone metadata surveillance. Telephone metadata is densely interconnected, easily reidentifiable, and trivially gives rise to location, relationship, and sensitive inferences. In combination with independent reviews that have found bulk metadata surveillance to be an ineffective intelligence strategy (7, 8), our findings should give policymakers pause when authorizing such programs.

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5 Kommentare
  1. Politiker – hierzulande etwa die der CDU/CSU – sollten sich die Ergebnisse der Studie zu Herzen nehmen und solche Instrumente nicht einfach durchwinken, mahnen die Forscher

    Das sollten sie wirklich bald tun, solange sie noch Abgeordnete sein dürfen.

  2. Politiker sind wie keine Klnder, denen man erklärt das die Herdplatte heiß ist. Erst wenn sie sich die Finger verbrannt haben, glauben sie es.
    Andererseits hat es nicht geschadet, wenn sie mal etwas auf die Finger bekommen haben. Also die Politiker!

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