Nach Kritik: Evernote-Mitarbeiter sollen Notizen doch nur nach Opt-In lesen können

Die Betreiber der Notiz-App Evernote gehen auf Kritik an geplänten Änderungen beim Datenschutz ein. Eigentlich sollten Nutzer dem Unternehmen ab 2017 standardmäßig erlauben, bestimmten Mitarbeitern Einsicht in ihre Inhalte zu gewähren. Jetzt sollen sie wenigstens explizit gefragt werden.

Foto: CC0 via unsplash/Charlote Coneybeer

Evernote rudert zurück: Doch keine standardmäßige Erlaubnis zur Einsicht in Notizen vorgesehen.
Foto: CC0 via unsplash/Charlote Coneybeer.

Das US-amerikanische Unternehmen Evernote verschiebt eine für Ende Januar 2017 angekündigte Änderung der Datenschutzrichtlinien seiner gleichnamigen Notiz-App. Ursprünglich war geplant, dass Nutzer dem Unternehmen ab 23. Januar standardmäßig erlauben sollen, Notizen durch Mitarbeiter einsehen zu lassen. Im Zuge der Verbesserung des „Machine-Learnings“ sei es unvermeidbar, dass ausgewählte Mitarbeiter auch den Inhalt einzelner Notizen zu sehen bekommen, so Evernote.

Mit den neuen Maschinenlernprozessen soll automatisiert erkannt werden, woran Nutzer gerade arbeiten, um ihnen passende Features und Inhalte vorzuschlagen sowie die anwendungsinterne Suche zu verbessern. Wer die Möglichkeit Widerspruch genutzt hätte (Opt-Out), wäre von diesen potenziellen Produktverbesserungen ausgeschlossen worden.

Protest wirkt

Nach heftiger Kritik von Nutzern und Medien rudert das Unternehmen nun zurück. In einem Blogpost hat Evernote-Geschäftsführer Chris O’Neill angekündigt, die Datenschutzbestimmungen in den kommenden Monaten nochmal überarbeiten zu wollen. Man habe zudem nicht den Eindruck erwecken wollen, man kümmere sich nicht um die Privatsphäre der eigenen Kunden:

We announced a change to our privacy policy that made it seem like we didn’t care about the privacy of our customers or their notes. This was not our intent, and our customers let us know that we messed up, in no uncertain terms. We heard them, and we’re taking immediate action to fix it.

Anders als geplant sollen alle Nutzer von den erhofften Vorteilen durch den neuen „Machine-Learning“-Einsatz profitieren – unabhängig davon, ob sie den Einblick in ihre Notizen zulassen oder nicht. Es soll dann nur noch als Opt-In möglich sein, Mitarbeitern Einsicht in die eigenen Notizen zu gewähren, um Evernote bei der Verbesserung des Maschinenlernens zu unterstützen.

Standardmäßig keine Verschlüsselung

Wie der Blog Lifehacker bemerkt, sollten Nutzer sich dennoch bewusst machen, dass alle Notizen aufgrund mangelnder Standardverschlüsselung für das Unternehmen potenziell einsehbar bleiben. Die Datenschutzbestimmungen sehen dies für die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden oder Fälle vor, bei denen Evernote annimmt, dass Nutzer die Geschäftsbedingungen verletzen. Wie man zumindest einzelne Inhalte innerhalb von Evernote verschlüsseln kann, erklärt das Unternehmen auf seiner Hilfeseite.

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