Zensur, Abmahnungen und das Abschalten von Internetanschlüssen. Bei der Durchsetzung ihrer Urheberrechte scheint den Lobbyorganisationen wirklich jedes Mittel recht.
Die schwedische Urheberrechtslobbyorganisation „Black Market Watch“ setzt nun in einem Papier (PDF, schwedisch) noch einen drauf. Sie fordert laut TorrentFreak nicht nur eine Haftung und Mithilfe von Internet-Zugangs-Anbietern bei der Durchsetzung von Urheberrechten, sondern auch, dass die Urheberrechte gleich vom Betriebssystem durchgesetzt werden. Hierzu steht im Papier:
Weitere Player, die ein großes Potenzial und die Fähigkeit besitzen, Piraterie zu begrenzen, sind die Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft, welche die wichtigsten Betriebssysteme für Computer und mobile Geräte produzieren.
Ginge es nach der Lobbyorganisation, sollten diese Unternehmen aufgefordert oder per Gesetz gezwungen werden, die Downloads von urheberrechtlich geschütztem Material direkt zu blockieren. Hierzu will die Organisation bei der EU Druck ausüben, da Schweden als einziger Staat nicht ausreiche, um so etwas durchzusetzen.
Positiv verweisen die Lobbyisten in diesem Zusammenhang auf Absatz 7b im Microsoft Services Agreement, welcher unter anderem auf das Verhindern von raubkopierten Spielen abzielt. Dort heißt es:
Wir sind berechtigt, Ihre Version der Software automatisch zu überprüfen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass wir die Dienste bereitstellen können, Softwareupdates oder Konfigurationsänderungen ohne Ihnen hierfür Gebühren zu berechnen herunterladen können sowie die Dienste, einschließlich jener, die Sie am Zugriff auf die Dienste, am Spielen von gefälschten Spielen oder an der Nutzung unerlaubter Hardware-Peripheriegeräte hindern, aktualisieren, verbessern und weiterentwickeln können [..]
Verbraucherschützer: „Nur noch an den Kopf fassen“
Alexander Sander, Geschäftsführer von Digitale Gesellschaft e.V., kommentiert den Vorstoß von „Black Market Watch“:
Betriebssysteme entscheiden zu lassen, welche Inhalte legal oder illegal sind, ist die absolute Perversion privatisierter Rechtsdurchsetzung. Dass neben Netzsperren und Geoblocking nun auch derartige Lösungen ins Spiel gebracht werden zeigt, dass die Film- und Fernsehindustrie noch immer nicht daran interessiert ist, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Statt auf Innovationen im Netz zu setzen, verschwendet man Ressourcen und Kapital, um neue repressive Vorschläge in die politische Debatte einzubringen. Bei derartig abwegigen Vorschlägen kann man sich nur noch an den Kopf fassen.
