Eine vergleichende Studie der University of British Columbia und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover vergleicht die strategischen Abwehrmechanismen etablierter Medien gegen „neue“ Medien und zeigt auf: Die konzertierte Lobbyarbeit deutscher Medienunternehmen für ein sogenanntes „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ weist erhebliche Ähnlichkeiten mit einem Fall auf, der beinahe 100 Jahre zurückliegt. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts versuchte Wolffs Telegraphisches Bureau, damals wichtigste deutsche Nachrichtenagentur, sich durch die Schaffung eines neuen Nachrichtenschutz-Gesetzes gegen die Verbreitung von Agenturmeldungen durch öffentliche Radiostationen zu wehren. So sollte das eigene Geschäftsmodell des Nachrichtenverkaufs an Zeitungsverlage geschützt werden.
Die Autoren der „Changing the Rules of the Game“-Studie beschreiben das Abwehrvorgehen der etablierten Medienunternehmen damals wie heute als „strategische Institutionalisierung“: Um ihr Geschäftsmodell abzusichern, versuchen etablierte Medienunternehmen aktiven Einfluss auf die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen des Medienwesens zu nehmen. Das Urheberrecht wird den Autoren zufolge in beiden Fällen unter Verwendung von Diebstahl-Rhetorik als eine Form „reaktiven Widerstands“ in Stellung gebracht. In beiden Fällen erweisen sich laut der Forscher zudem vor allem Hinweise auf eine Gefährung des öffentlichen Interesses durch ausländische Unternehmen als zielführend, um Politiker für die Etablierung neuer rechtlicher Regeln zur ökonomischen Absicherung etablierter einheimischer Medienunternehmen zu gewinnen.
