Demokratie

zerotrollerance: Endlich Hilfe für sexistische Twitter-Trolle!

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Wir alle kennen sie, wir alle lieben sie – nicht! Trolle! Diese sich bevorzugt auf Twitter, Facebook, Foren oder den Kommentarspalten von Blogs und Zeitungen aller Art herumtreibenden, pöbelnden Nervensägen, die man am besten nicht weiter beachtet. Never feed the Troll! Aber Ignoranz hilft auch nicht weiter – vor allem wenn sie in Scharen auftreten und mit ihren sexistischen Beleidigungen alles was nicht männlich und/oder hetero ist beleidigen, belästigen und bedrohen, ist der Spaß lange vorbei. Die Plattformen selbst kommen mit den Trollen nicht besonders gut zurecht:

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„We suck at dealing with abuse and trolls on the platform and we’ve sucked at it for years,“ schreibt Twitter CEO Dick Costolo in einem internen Memo.

Höchste Zeit also das selbst in die Hand zu nehmen, dachten sich die Aktivisten von Peng!, einem Kollektiv, dass für seine bunten Polit-Aktionen im Stile der Yes Men bekannt ist (Google-Hoax, AstroTV-Hack, Cinema for Peace).

Anti-sexist trolls strike back!

Das Peng! Collective erstellte eine Liste mit sexistischen Trollphrasen wie „attention seeking whore“, „die stupid bitch“ oder „feminazi“, wie sie auf Twitter leider viel zu oft verwendet werden. Im nächsten Schritt crawlten sie Twitter nach den Phrasen ihrer Liste und konnten so ca. 10’000 Profile identifizieren die auf Twitter ein brutales, sexistisches und gewalttätiges Verhalten aufweisen. Ihre sexistischen Tweets werden die nächsten sechs Tage von einer Schar aus 160 zurücktrollenden Twitter-Bots mit einer Videobotschaft beantwortet. Dafür wird eines der sechs Videos aus dem Zero Trollerance Programm verwendet – einer einfachen Sechs-Schritt-Anleitung mit kurzen „therapeutischen“ Ratschlägen und Inspirationen zur Überwindung ihres Sexismus und zur Verbesserung ihres online und offline Lebens.

Diese kann man sich auf zerotrollerance.guru anschauen – und als Troll sein eigenes und das Leben seiner Mitmenschen verbessern. Endlich ein Programm für Trollaussteiger. Erdacht wurde das Aussteigerprogramm von langzeit Guru Adler King – gemeinsam mit Ex-Trollen.

With my help even you can become a decent human being!
Adler King hilft! (Bild: Peng!)

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10 Kommentare
  1. Hat schon ein wenig von Überwachung und die Beschränkung auf „männlich, hetero“, was auch nur irgendwie hergeleitet/vermutet sein kann, ist selbst sexistisch. Kleiner, hinkender Vergleich: Piloten dürften die aber nach hier (gestern?) verbreiteter Meinung noch werden. Wo zieht man wann eine Grenze, was verwerflich ist und was nicht?

    1. Tja, wo zieht man die Grenze… ich denke, das ist unmöglich. Ich mein, es hat immer diskriminierende Witze gegeben. Früher waren’s die Ostfriesen, die Polen, Mantafahrer, Blondinen… solange es bei einem Witz bleibt und man einen solchen auch als solchen erkennt und entsprechend behandelt, sehe ich diesbezüglich kein Problem. Mein Gott, was hält Frauen davon ab, Männerwitze zu erfinden? Ist doch nicht ernst gemeint. Wer einen Witz ernst nimmt, hat ganz andere Probleme.

      Wenn es aber um ernstgemeinte Beleidigungen geht, persönliche Attacken, die nur dazu dienen, die angegriffene Person zu diskreditieren (aus welchen Gründen auch immer; Geschlecht, Religion, Hautfarbe, politische Einstellung, Fußballverein…), dann hört der Spaß auf.

      Allerdings ist der Übergang zwischen Witz und Angriff nicht so hart, wie man sich das wünschen würde. Ich hätte vorgeschlagen, die Grenze dort zu ziehen, wo lustig (gemeint) pauschalisiert wird. Ein Witz pauschalisiert (bedingt) lustig. „Wie viele Ostfriesen braucht man…“, „Wie fängt eine Blondine…“ – Es wird niemand konkret persönlich angesprochen und niemand wird dazu gezwungen, sich diesen Schuh anzuziehen. Es gibt im Ausland sicherlich auch zig Witze über Deutsche und trotzdem bin ich nicht beleidigt. Jenseits dieser Grauzone zwischen Witz und Angriff befinden sich aber auch Pauschalisierungen, die eben nicht lustig (gemeint) sind. „Alle Deutschen sind Nazis“ – dagegen wehre ich mich schon. „Alle Linken sind idealistische Spinner“ – auch das ist ein untragbarer Angriff auf breiter Front. „Alle Moslems sind Terroristen“ – selbes Spiel. „Achmed, the dead Terrorist“ hingegen zum Beispiel ist wiederum eine witzige Pauschalisierung, Satire, die in meinen Augen okay ist und erlaubt bleiben muss. Sowohl im Bezug auf Religion als auch auf Geschlecht, sexueller Orientierung, ja, auch Hautfarbe und Herkunft. Satire meint nicht, was sie sagt. Satire überspitzt Zynismus und das muss sie dürfen…

      Lange Rede, kurzer Sinn: es ist faktisch nicht möglich, eine Grenze zu ziehen, die klar absteckt, was politisch korrekt ist und was nicht. Es bleibt nur entweder alles zu akzeptieren oder alles zu ächten.

      Da Prohibition aber noch nie funktioniert hat und wir eigentlich doch schon im Kindergarten gelernt haben, dass Ignorieren oftmals besser funktioniert, weil’s dem Angreifer die Genugtuung der oftmals sinnlosen Gegenwehr verwehrt, stimme ich dafür, alles zu akzeptieren… und es dann als Selbstdisqualifikation des Angreifers zu ignorieren. Das mag schwer sein, aber ich halte es für effektiver.

    2. Wow, „selbst sexistisch“, das ging ja schnell. Passend waere ja an der Stelle der Aufruf, sich mal ueber Machtstrukturen klar zu werden, aber „privilegien checken“ ist in der Fefe-Bubble ja mittlerweile auch verbrannt.

      *seufz*

  2. Das Programm passt ganz ausgezeichnet zu der Mob-Mentalität auf Twitter. Eine echte Diskussion ist „by Design“ ohnehin nicht möglich, deshalb müssen sich beide Seiten halt auf reißerische Sprüche, schnelle Urteile und einfach zu verstehende, vorgefertigte Meinungen beschränken. Nur so macht man auf sich aufmerksam, ein Paradies für Trolle. Die Faszination solcher Medien bleibt mir ein Rätsel.

    Ob eine virtuelle Rasterfahndung von selbsternannten Ordnungswächtern die Situation verbessern kann? Und was passiert, wenn jemand zu Unrecht an den Pranger gestellt wird? Die ganze Aktion scheint mir etwas fragwürdig. Kann man beleidigende Beiträge denn nicht einfach melden und löschen lassen?

  3. Waow, „Poe’s law“ bei der Arbeit. Entweder jemand hat xkcd’s „Listen to yourself“ auf Twitter umgesetzt ( https://xkcd.com/481/ ), oder jemand parodiert die (wie in anderen Kommentaren angesprochenen) sehr einseitigen Bestrebungen „Sexismus“ auf Twitter einzudämmen. Ich interpretiere die Aktion dann mal als Satire.

    Und was den tatsächlichen Kampf gegen Trolle betrifft … ich würde den Kommentaren zustimmen — „feminazi“ ja, aber nicht #killallmen, „stupid bitch“ aber nicht „stupid asshole“? Und wenn man sich ansieht, dass Trolle sadistischen „Spaß“ haben wollen und sich das einfachste Opfer suchen (siehe “Trolls just want to have fun” by Erin E. Buckels, Paul D. Trapnell, and Delroy L. Paulhus oder http://www.organizingcreativity.com/2014/10/everyday-online-sadism/ )? Dann sind solche (bzw. die realen) Aktionen Blut im Wasser. Als Troll würde ich die Champagnerkorken knallen lassen. Yeah, Reaktion. Und yeah, ganze Gruppen trollen und gegeneinander aufhetzen. Ich halte es da lieber mit Ebner-Eschenbach „Wer in die Öffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten und keine zu fordern.“, oder mit „I love free speech. I also love ignore, mute, and block.“

  4. Ein Video und 3 Bücher auf Amazon werden via Twitter verlinkt, niemand nähme Notiz.
    Ein „Aktivistenkollektiv“ klatscht nun auf das Gleiche tolle Labels wie „Feminismus“ und „Kampf gegen sexistische Trolle“ drauf, und die geneigte Blogosphäre und Presse ist komplett ausser sich?

    Es kommt wohl bei „Aktivismus“ wirklich nur noch auf die Form an, Inhalte werden überbewertet.
    Ergebnisse offenbar auch, denn wer kein AHDS hat, könnte sich erinnern, dass Peng! quasi gestern noch mit AstroTV beschäftigt war. Die findet man weiterhin ungestört hier http://www.astrotv.de/de/livetv/live-stream/

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