Netzpolitik

„Wir hacken alle überall“: US-Präsident erlaubt und führt Hackerangriffe auf der ganzen Welt

Die USA haben ein offensives Cyber-Angriffs-Programm, dass Ziele auf der ganzen Welt angreift und hackt. Das geht aus einer präsidialen Direktive zum Cyberspace hervor, aus der der britische Guardian zitiert. Demnach hat Präsident Obama hat einen Plan angefordert, um hochrangige potentielle Ziele zu identifizieren, gegen die die USA offensiv vorgehen können.

Im November letzten Jahres berichteten wir, dass Präsident Obama ein geheimes Dekret unterzeichnet hat, dass dem Militär erlaubt, offiziell fremde Netzwerke anzugreifen. Im Januar wurden ein paar „Talking Points“ dazu bekannt. Nun veröffentlicht Glenn Greenwald die geheime Original-Verordnung: Presidential Policy Directive/PPD-20 (leider nur auf DocumentCloud). Hier der Bericht dazu: Obama orders US to draw up overseas target list for cyber-attacks.

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Darin geht es um „Offensive Cyber Effects Operations (OCEO)“, die „einzigartige und unkonventionelle Möglichkeiten bieten, nationale Ziele der USA auf der ganzen Welt voranzutreiben, mit wenig oder gar keiner Warnung an den Gegner und mit möglichen Auswirkungen von subtil bis schwer beschädigend“. Obama hat sich gleich Ziele für diesen neuen Möglichkeiten geben lassen:

Der Verteidigungsminister, der Direktor Nationale Nachrichtendienste (DNI), und der Direktor der CIA … sollen zur Genehmigung durch den Präsidenten durch den Nationalen Sicherheitsberater einen Plan vorbereiten, der potenzielle Systeme, Prozesse und Infrastruktur identifiziert, gegen die die Vereinigten Staaten offensive Cyber-Operationen (OCEO) etablieren und pflegen soll.

Eine „Geheimdienst-Quelle mit umfassenden Kenntnissen der National Security Agency“ (Update: Edward Snowden) sagte Greenwald:

Wir hacken alle überall. Wir wollen gerne einen Unterschied machen zwischen uns und den anderen. Aber wir sind in fast jedem Land der Welt.


Kein Wunder also, dass chinesische Behörden sagen, dass sie auch permanent aus Amerika gehackt werden.

Der Journalist Glen Greenwald hat damit zum dritten Mal in einer Woche einen großen Scoop über amerikanische Dienste geliefert, nach der Vorratsdatenspeicherung und der massenhaften Netz-Überwachung der NSA. Die New York Times hat einen lesenswerten Bericht über den Blogger bzw. Journalisten, der sich als „Aktivist und Verteidiger“ bezeichnet.

Auch an Greenwald und den Guardian kann man spenden. Immerhin macht er wichtige, mutige Arbeit. Nur die Originaldokumente von Verizon und PRISM könnte er noch veröffentlichen. Falls die wer hat, wir tun das gerne.

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19 Kommentare
  1. Ich bin schon etwas älter, aber mich beunruhigen diese Nachrichten dennoch enorm. Denn wie schützt man sich davor als Windows- oder Mac-Anwenderin? Reicht die Firewall? Reicht es, wenn man z.b. kein Facebook oder Cloud-Dienste verwendet? Was kann man persönlich für wirksame Schutzmaßnahmen umsetzen, dass man es diesen Bürger-Ausverkäufern schwer macht?

    Und überhaupt stellt sich die Frage, wie man die Firmen und möglichst viele Menschen überhaupt, wieder zu Zivil-Courage bewegen kann, damit dem endlich Einhalt geboten wird. Überhaupt kann ic halle jungen Menschen nur bitte, sich zu engagieren! Anscheinend haben viele der Älteren versagt. Wir brauchen eine neue Politik. WIr brauchen eine eine weitgehende Entmachtung der Geheimdienste. Wir brauchen mehr Demokratie – und weniger Überwachung! Wir brauchen mehr Solidarität – und weniger Spaltung. Wir brauchen mehr Recht, weil es alles ist, was einen Staat legitimiert.

    Die Staaten haben sich indes auch im Westen nicht nur hinsichtlich dieser Aspekte in höchstes Unrecht gegen ihre Bürgerschaften gesetzt. Brauchen wir womöglich ‚unseren Frühling‘, um uns von diesen korrupten Regierungen und ihren Helfershelfern zu lösen?

    Ich fühle mich wie im Schock angesichts der vielen Dinge, die unsere Zivilisation bedrohen. Wir verkaufen unsere Gesellschaft an die Raffgier, unseren Frieden an die Kriegslust der immer gleichen Profiteure und Mörder – und nun umfängt uns ein orwelsches Szenario gegen das sich Stasi 2.0 wie ein Kindergarten ausnimmt?

    Nein, das will ich nicht! Sowas dürfen wir alle nicht wollen! Die Geschichte mahnt uns, dass wir dagegen aktiv werden müssen. Weil es sind unsere Staaten, unsere Demokratien, unsere Bürgerlichkeit, um die wir gerade von Verbrechern am Geist der Demokratien beraubt werden. Das dürfen wir nicht zulassen!

    Liebe Grüße, Gertrude

    1. Danke!

      Einen vollständigen Schutz dagegen gibt es nicht (außer: PC wegwerfen). Windows und Mac OS sind nicht ausreichend sicher, mit anderen gängigen Betriebssysteme sieht das ähnlich aus. IT-Sicherheit wird nun mal mit jedem bisschen Code schwieriger. Manche empfehlen, Linux zu verwenden – dort werden Sicherheitslücken meist früher gefunden und schneller geschlossen, dafür ist der Source Code online, was es den Hackern leichter macht. Ob man damit sicherer ist, weiß ich nicht – jedenfalls wird der Code bei Linux von viel mehr Entwicklern korrekturgelesen.

      1. PC wegwerfen ist sicherlich keine akzeptable Lösung. Ich würde eher das Gegenteil vorschlagen: einen PC vor der Müllkippe retten und den als Zweit-PC ohne Internet-Verbindung für privat/geheim-Krams benutzen.

        Das kann man dann evtl. auch über ein lokales Netzwerk machen, aber da muss man halt darauf achten, dass da wirklich keine Internet-Verbindung zustande kommen kann.

  2. Gerüchten zufolge hat die NSA bereits eine Abteilung „DVDS“ eingerichtet. Aufgabe wird es sein, die Daten der deutschen Vorratsdatenspeicherung auszuwerten, hauptsächlich von Interesse sind: wo kauft Daimler nur diese herausragenden Teile ein, von wem lässt BMW seine tollen Autos entwickeln und mit wem steht Siemens in Verkaufsverhandlungen. Aber auch andere Daten, die es etwa ermöglichen deutsche Politiker und Verwaltungsbeamte davon zu überzeugen, dass sie besser machen, was die USA will, sind von Interesse. Die USA wird sich dabei, wenn es denn raus kommt, auf die von der FDP durchgesetzte Ermächtigung zur Bestandsdatenauskunft berufen.

    Und wie man hört ist der Anwalt der Bundesrepublik Deutschland, ein gewisser Herr Friedrich, häufiger in dieser Abteilung anwesend um von den NSA-Strategen gebrieft zu werden, wie er das mit der VDS am besten realisieren kann. Der erste Befehl der NSA an den deutschen Vertreter soll gewesen sein, bei der EU-Kommission dafür zu sorgen, dass die BRD wegen der VDS verklagt wird, er soll dann immer höhere Strafsummen in den Raum stellen, weitere Eskalationsschritte sind geplant …

  3. Man darf nicht vergessen, das unsere Regierung ganz heiss auf die VDS ist. Naja und die USA ist auch ganz stark an das Projekt INDECT (wie ihr betitelt Verschwörungsquatsch) Interessiert. Ich freu mich schon auf euren Artikel, wenn es dann soweit ist. Dem Frosch im Wasser wirds auch immer wärmer. Hoffe ihr irrt euch nicht so wie zum Thema Drosselcom, was ja auch erst ein Gerücht war und ihr nicht darüber berichten wolltet. Immer erst warten bis das Kind ins Brunnen gefallen ist. Die Bestandsdatenauskunft hat euch ja auch wenig Interessiert. Warum jetzt
    so ein Aufschrei bei diesem Thema? Was ist eurer Meinung daran
    schlimmer?

  4. Interessant ist der Satz:“…infrastruktur identifiziert, gegen die die Vereinigten Staaten offensive Cyber-Operationen (OCEO) etablieren und pflegen soll“.
    Maßnahmen die auf die Beschädigung oder Zerstörung fremder Infrastruktur abzielen sind nach Internationalem Völkerrecht, Krieg. Da die Angreifer keine Nationalitätskennzeichen tragen, sind alle an dieser Aktion Beteiligten -Inklusive Obama- irreguläre Kombattanten. Mal abgesehen von der fehlenden Kriegserklärung.
    Ich denke die Obama Regierung leitet damit eine Entwickelung ein die ich für sehr Besorgnis erregend halte.

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