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„Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar“ – Twitter führt offenbar länderspezifische Zensur ein

Wie Jannis Kucharz von netzfeuilleton.de berichtet, führt Twitter offenbar gerade eine länderspezifische Zensur-Infrastruktur ein. Twitter hat am Donnerstag Abend in einem Blogbeitrag mit dem euphemistischen Titel “Tweets still must flow” angekündigt, zukünftig bestimmte Tweets für User in bestimmten Ländern zu sperren. As we continue to grow internationally, we will enter countries that have different ideas…

  • Florian Altherr
Dieser Tweet ist in IhremLand leider nicht verfügbar

Wie Jannis Kucharz von netzfeuilleton.de berichtet, führt Twitter offenbar gerade eine länderspezifische Zensur-Infrastruktur ein. Twitter hat am Donnerstag Abend in einem Blogbeitrag mit dem euphemistischen Titel “Tweets still must flow” angekündigt, zukünftig bestimmte Tweets für User in bestimmten Ländern zu sperren.

As we continue to grow internationally, we will enter countries that have different ideas about the contours of freedom of expression. Some differ so much from our ideas that we will not be able to exist there. Others are similar but, for historical or cultural reasons, restrict certain types of content, such as France or Germany, which ban pro-Nazi content.

Until now, the only way we could take account of those countries’ limits was to remove content globally. Starting today, we give ourselves the ability to reactively withhold content from users in a specific country — while keeping it available in the rest of the world.

Begründet wird die Filterung u.a. mit vermeintlichen Regelungen in Deutschland und Frankreich, die „pro Nazi“-Inhalte verbieten würden, was so natürlich schon mal überhaupt nicht stimmt. Es trifft stattdessen vermutlich leider eher Jannis’ Einschätzung zu, dass es bei der Maßnahme eigentlich um Länder wie China geht, zu dessen Markt sich Twitter mit dieser Selbstunterwerfung der Zensur Zugang verschaffen könnte.

Tweet: "Dieser Tweet ist in Ihrem Land nicht verfügbar"

Update: Inzwischen gibt es auch noch eine andere durchaus interessante Sichtweise, wie z.B. im Blog von NDR-Zapp dargestellt, nämlich dass durch die Änderung sogar eine Verbesserung der bisherigen Praxis bei strittigen Kommentaren eingetreten sei. Twitter müsse Postings nun nicht mehr global löschen, sondern nur noch lokal je nach nationaler Rechtslage bzw. Zensurvorgabe herausfiltern. Dadurch dass Twitter für die Filterung aber keine Geo-Lokation einsetz, sondern die jederzeit änderbare Ländereinstellung des Nutzers heranziehe, könne jeder Nutzer die jeweilige nationale Zensur leicht umgehen.

Hinzu kommt, dass Twitter keinesfalls alle Tweets blockieren will, die bestimmte Schlüsselwörter enthalten. Eine Zensurflatrate für Syrien und Co wird es nicht geben, sondern eine Fall-zu-Fall-Prüfung, der eine gerichtliche Aufforderung (“legal request”) einer autorisierten Dienststelle vorausgehen muss, auch das bestätigte die Twitter-Sprecherin Zapp gegenüber (alle Mails hier.) Twitter dreht mit dieser Politik den Zensoren in diktatorischen Regimes eine lange Nase, in dem sie sich vermeintlich an die geltenden Gesetze halten, aber genug Hintertürchen offen lassen und das Zensieren zu einer mühevollen Kleinarbeit machen

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43 Kommentare zu „„Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar“ – Twitter führt offenbar länderspezifische Zensur ein“


  1. Wuestenschiff

    ,

    Mittel- (besser kurz-)frisitg muss der Weg sowieso weg von Twitter hin zu Status.net oder ähnlichen gehen, dass die Kommunikation und Publikation der Internetgemeinde an einer Stelle zentralisiert wird ist einfach zu bedenklich schlimmer noch wenn das Unternehmen aus einem Unrechtsstaat kommt wie dies bei Twitter der Fall ist.
    Links:
    Identi.ca
    status.net


    1. Aha, also von einem zentralen Dienst zu einem anderen. Sinn?


      1. identi.ca ist ein Anbieter, der die Software »status.net« verwendet. Diese Software kann sich jeder selbst auf seinem Server installieren um so ein verteiltes Netzwerk ähnlich wie bei Jabber oder Diaspora* zu schaffen.


      2. NoName

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        Es wird Zeit für eine dezentrale Lösung eher. Die dann untereinander „Vertrauensstellungen“ aufbauen können.


      3. Axie: Das schöne an den StatusNet-Installationen ist ja, dass alle Instanzen von Haus aus zusammen kommunizieren können. http://identi.ca ist die Flagship-Intallation, http://mozilla.status.net/, http://brainbird.net/ sind andere grosse Installationen, meine eigene läuft unter http://μ.davidhaberthür.ch, und diejenige von Tobias Diekershoff, der mich auf diesen Eintrag verwiesen hat, unter http://diekershoff.homeunix.net/statusnet. Wir kommunizieren alle untereinander, von Server zu Server, ohne zentrale „Leitstelle“…


      4. Danke fuer die Erleuterungen!! Siehste mal, hab ich bisher nie verstanden, was hinter identi.ca steht. Auf der HP hab ich auch irgendwie keine Infos ueber identi.ca selbst gefunden und habs dann gelassen mich weiter dafuer zu interessieren… Hoert sich so schon sehr interessant an …


  2. ordamon

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    und nu ? Twitter Account löschen ? oder was kann ich sonst noch gegen diese Microbücherverbrennung machen ?


  3. Besitzt eure eigenen Namensräume. So einfach ist das.


  4. Wenn Dienste wie Facebook/Twitter anfangen zu zensieren, und die Multiplikatoren daraufhin öffentlichkeitswirksam zu freieren (noch zu etablierenden) Diensten wechseln, wer wird gewinnen?


  5. Kann man nicht eine P2P basierte Alternative zu Twitter entwickeln ??


    1. Die gibt es schon, wenn auch nicht direkt P2P-basiert: Status.net (mit der Hauptinstallation identi.ca) ermöglicht jeder und jedem, einen Mikroblogging-Dienst zu installieren, die dann alle zusammen kommunizieren können…


      1. Status.net ist Peer to Peer, wenn jeder zu Hause seine eigene Installation hat. Mit IPv6 wird das kein Problem sein.


      2. Thomas: Ok, klar. Ich meinte „nicht direkt P2P“ in dem Sinne, dass es nicht auf den „klassischen“ P2P-Protokollen aufbaut. Von der Funktionsweise her ist es natürlich von Instanz zu Instanz.


  6. Neues von Marina Weisband: http://www.jazzcity-net-edition.de/


  7. Martin

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    Kapitalismus at it’s best.
    Ich hab ja nichts dagegen, wenn die so was machen, aber dann sollen sie bitten den Usern ein Proxy zur Verfügung stellen. Noch besser wäre natürlich einfach irgendwo in den Einstellungen eine Option welcher Staatsbürger man ist (Und man sollte das natürlich ohne Nachfrage wechseln können.).
    Aber ich sollte dann mal langsam ins Bett, ich bekomme schon wieder Tag-träume.


  8. Ihr Kommentator_innen wisst wohl alle – dass, und wohin zu wechseln ist!? Ich finde es persönlich recht schwer eine Alternative zu Twitter aufzutun, gerade auch weil sich viele Leute in anderen Hemisphären und Umständen befinden und sicherlich keine® so schnell z.B. status.net kennenlernen kann (v.a. dort auch seine Freun_innen treffen). Das Zusammentun auf Twitter geschieht bei mir und meinen Freund_innen auch nicht willkürlich – wir suchen uns thematisch, deshalb kenne ich grad keine Alternative zu diesem Dienst. Also, nach allem (Mageren) das die ‚eurozentrierten’ Kommentator_innen hier gepostet haben, kann/können wir nur abwarten was Twitter uns weiterhin „bingt“. m
    P.S. Netzpolitik.org soll von dieser, meiner Kritik absolut und deutlich ausgeschlossen sein, denn ich bin treuer FAN der Site


  9. […] verbieten würden, was so natürlich schon mal überhaupt nicht stimmt. [weiterlesen…] Tags: Twitter, Zensurabgelegt in Medien Keine Kommentare […]


  10. Dieser Kommentar ist in deinem Land nicht verfügbar.


  11. […] Seiten, z.B. netzfeuilleton.de (via netzpolitik.org), sehen diesen Schritt […]


  12. […] inkauf nimmt. Twitter zensiert nun länderabhängig seine Tweets und nennt ausgerechnet Deutschland als Beispiel für Zensurbedarf? Ist das […]


  13. […] heute sieht meine Timeline aus wie die Mailsignaturen zu seligen Echelonzeiten. #Zensurtourette shxz.de/hb #  Microblog     […]


  14. Johannes P.

    ,

    Man kann ein politisches Problem nicht technisch lösen. Die folgerichtige Antwort auf diese Zensur besteht in der konsequenten und wertungsfreien Entkriminalisierung aller Meinungen.


    1. Nicht direkt eine Antwort auf dich:

      Bin ich der Einzige, der beim Lesen von „such as France or Germany, which ban pro-Nazi content“ nur WTF dachte?

      Was geht?

      Es wird echt langsam Zeit für eine Weltregierung mit exakt gleichen Gesetzen für alle.


  15. twitterer

    ,

    Man kann die Blockade durch das Ändern der Ländereinstellungen umgehen. Darauf weißt Twitter selsbt hin:

    http://netzwertig.com/2012/01/27/regionale-sperrung-von-tweets-twitter-animiert-anwender-die-zensur-zu-umgehen/


  16. […] in seinem Artikel »Ihr Tweet ist in diesem Land leider nicht verfügbar« (siehe auch die Diskussion bei Netzpolitik) von Twitters Ankündigung derEinführung einer länderspezifschen Informationskontrollstruktur […]


  17. […] Twitter wird in Zukunft Tweets in einzelnen Länder, je nach lokaler Gesetzeslage nicht mehr anzeigen, kündigt ein Post im Twitter-Blog an. [via Netzfeuilleton, Netzpolitik]. […]


  18. […] “Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar” – Twitter führt offenb… „Begründet wird die Filterung u.a. mit Regelungen in Deutschland und Frankreich, die “pro Nazi”-Inhalte verbieten würden, was so natürlich schon mal überhaupt nicht stimmt. Es trifft stattdessen vermutlich leider eher Jannis’ Einschätzung zu, dass es bei der Maßnahme eigentlich um Länder wie China geht, zu dessen Markt sich Twitter mit dieser Selbstunterwerfung der Zensur Zugang verschaffen könnte.“ […]


  19. TWEETS STILL MUST FLOW

    Doppelplusunguter Neusprech-Auswurf, der mir ob seiner Dreistigkeit die Sprache verschlägt. Zudem delphiorakelt es schwer: eine Aufforderung? ein Bedauern? Wann sehen wir Bart Simpson diesen Satz hundertmal an die Tafel kritzeln?

    Bitte? Melde gehorsamst den nächsten 128-Zeichen-Absatz, Herr Führer!


  20. […] heißt heute die Überschrift eines Artikels von Netzpolitik.org, die wiederum netzfeuilleton.de zitiert. Sie bezieht sich auf einen Blog Artikel des offiziellen […]


  21. Edo Z.

    ,

    Man kann nicht von Twitter erwarten, den Widerstandsgeist gegen die Zensur des Staats zu entwickeln die wir selbst zum allergrößten Teil nicht haben. Es sind u.a. Länder wie Deutschland (wo es ja heisst „eine Zensur findet nicht statt“, haha) die solche Regelungen für einen Anbieter notwendig machen.

    Bestätigen ja auch andere Anbieter, siehe z.B. http://news.ycombinator.com/item?id=3516660

    „At Last.fm, Germany was the first country we had to censor our content in. If you try and view content which is deemed inappropriate by the German government (fun fact: even the list of inappropriate content is restricted)[…]“

    Also, „böse Twitter ist Zensurgehilfe ich geh jetzt nach identica“ ist das Billigste vom Billigsten, so lange man selbst in einem Land lebt wo Zensur üblich ist und nichts dagegen tut.


    1. Edo Z.

      ,

      Und netzpolitik:

      „Begründet wird die Filterung u.a. mit vermeintlichen Regelungen in Deutschland und Frankreich, die “pro Nazi”-Inhalte verbieten würden, was so natürlich schon mal überhaupt nicht stimmt.“

      Selbstverständlich stimmt das.


  22. […] einem Blogbeitrag löste Twitter gestern Abend eine Welle der Entrüstung aus. Von Zensur und der Abkehr von der freien Meinungsäußerung war schnell die Rede. Es ginge Twitter doch nur […]


  23. wetter

    ,

    Darf man in Amerika Bombenbauanleitungen verbreiten? Oder ist das da auch sowas wie ein „illegaler Inhalt“?


    1. Johannes P.

      ,

      Wieso auch? Gegen welches Gesetz verstößt denn eine Bombenbauanleitung in Deutschland?


  24. […] nationalen gesetzlichen Bedingungen entsprächen, würden geblockt. Dies wäre eine länderspezifische Infrastruktur, um Tweets zu filtern. Man begründete dies mit eben den gesetzlichen Bestimmungen, denen man […]


  25. […] netzpolitik: “Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar” – Twitter führt länderspezifische Zensur ein. […]


  26. […] hat das auf Netzfeuilleton (via netzpolitik) so interpretiert: “Dabei will man sich wohl an die jeweils lokalen Gesetze halten, so ist in […]


  27. […] Google, Twitter und Facebook ihre Monopole so weit gefestigt haben, dass diese jetzt von selber das Zensieren und Überwachen verschärfen. Jetzt kann die „Musikindustrie-Mafia“ sich zurücklehnen und in Ruhe […]


  28. Kritiker

    ,

    Ich kann ohne Twitter existieren.


    1. Ich ebenfalls. Leider hat man den Eindruck, Twitter ist unverzichtbar. Es sind 8% in Deutschland, die Twitter nutzen. Es geht einem auf die Eier, wenn man hier einen Hype vermittelt, der nicht vorhanden ist.


  29. Thomas

    ,

    zapp hat auch was zum thema geschrieben: http://zapp.blog.ndr.de/2012/01/27/twitter-verbessert-sich-und-alle-schreien-zensur/

    Demnach klingt das ganze nicht mehr so mega nach zensur… Sondern eher nach freier waehlbarkeit von system wegen!


  30. Samson

    ,

    Ihr unterstützt doch selbst zentralisierte und somit zensurprovozierende Netzwerke (Twitter und Facebook). Selbstverständlich weckt das Begehrlichkeiten bei den Machthabern. Dabei ist es übrigens egal wer da gerade die Macht inne hat.


  31. […] Netzpolitik vom 26.01.2012: “Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar” – Twitter führt offenbar länderspezifisch… […]

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