Wissen

Wollen wir die digitale Todesstrafe?

Mein wöchentlicher Kommentar im Zeit.de-Blog Kulturkampf.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Die Digitalisierung stellt das traditionelle Urheberrecht vor eine große Herausforderung. Seit Jahren tobt daher ein politischer Krieg um die richtigen Rahmenbedingungen. Zehn Jahre nach Start der ersten Tauschbörse Napster ist immer noch keine Lösung in Sicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass man immer nur gehofft hat, der Geist des Kopierens würde wieder zurück in die Flasche gehen? Was gab es nicht alles für Verschärfungen: Alleine in Deutschland wurde in den letzten Jahren das Urheberrecht gleich zweimal an das “digitale Zeitalter” angepasst. Dazu kam das Durchsetzungsgesetz, was Rechteinhabern mehr zivilrechtliche Sanktionsmöglichkeiten gebracht hat. Wovon auch gerne Gebrauch gemacht wird, um neue Geschäftsmodelle auf der Grundlage von Massenabmahnungen zu entwickeln.

Einen Schritt weiter geht Frankreich. In einem erneuten Anlauf hat das französische Parlament das umstrittene HADOPI 2 – Gesetz beschlossen. Das Verfassungsgericht hatte den ersten Versuch zurück gewiesen. Mit dem HADOPI 2 Gesetz soll ein “zivilisiertes Internet” durchgesetzt werden, was Nicolas Sarkozy als Zielrichtung definierte. Die neue zu schaffende HADOPI-Überwachungsbehörde (Haute autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur Internet) soll zukünftig in Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern Tauschbörsennutzer verfolgen. Beim ersten Mal erwischen gibt es eine Warn-E-Mail, bei der Wiederholung einen blauen Brief und beim dritten Mal soll dann das Internet gekappt werden. Das Internetverbot soll bis zu einem Jahr gelten, dazu sind Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro und maximal zwei Jahre Gefängnisstrafe geplant. In Grossbritanien sind ähnliche Massnahmen in der Planung.

Das muss man sich mal vorstellen: Für das nicht-kommerzielle Tauschen von Musik oder Filmen soll französischen Bürgern bei einer Wiederholung für bis zu einem Jahr das Internet entzogen werden. Natürlich gilt das für den Anschlussinhaber. Wenn die Kinder Tauschbörsen nutzen und dabei erwischt werden, kommt eben die ganze Familie in den fragwürdigen Genuss, gemeinsam vom digitalen Leben ausgeschlossen zu werden.

Ein Modell für Deutschland?

Die Lobbyisten der Rechteindustrie fordern dies seit zwei Jahren auch für Deutschland. Die CDU hatte die Forderung, die Internet-Zugänge sollen bei Rechtsverstößen notfalls gesperrt werden, für ihr aktuelles Wahlprogramm vorgesehen. Der Satz wurde aber kurz vor Schluss wieder entfernt, weil die öffentliche Kritik zu laut wurde. Nun steht die Forderung nur noch zwischen den Zeilen im Programm. Allerdings steht der französischen Lösung auch deutsches Recht im Weg. Juristen haben aber schon Möglichkeiten vorgestellt, wie Internetsperrungen bei Urheberrechtsverletzungen in Deutschland möglicherweise rechtskonform durchgeführt werden könnten. Wie sich die FDP in dieser Frage aufstellt, ist noch unklar. Auch sie schreibt in ihrem Wahlprogramm von einer Verschärfung des Urheberrechts.

Die Forderung, Tauschbörsennutzern das Internet zu sperren, ist irrsinnig, unverhältnismässig und unvernünftig. Und darüber hinaus gibt es zahlreiche ungelöste Problemstellungen:

1. Hier wird eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung gefordert, ohne jegliche Überprüfung auf Rechtsstaatlichkeit und mit Umgehung jeglicher rechtsstaatlicher Instanzen.
2. Die von den privaten Ermittlern übermittelte IP-Adresse muss nicht unbedingt die richtige sein.
3. Die Sanktion trifft den Anschlussinhaber und nicht unbedingt den Rechtsverletzter.
4. Es gibt bereits strafrechtliche und zivilrechtliche Ansprüche für Rechteinhaber. Ohne jegliche Evaluation der neuen Maßnahmen soll jetzt sofort noch mehr durchgesetzt werden.
5. Kunden verlieren das Vertrauen in ihre Provider. Provider werden zur Verantwortung gezogen und sollen als Kontrollinstanz agieren.
6. Was ist mit Triple- und Quadruple-Play-Anschlüssen? Wird dann auch das Telefon gekappt?
7. Was ist bei Irrtümern? Falsche Zuordnungen von IP-Adressen zu Anschlussinhabern kommen vor, Zahlendreher passieren. Wer haftet? Wer ist Ansprechpartner?
8. Die Eskalationsstufe trägt nicht dazu bei, dass die Frage gelöst wird, wie Kreative im digitalen Zeitalter vergütet werden können.

Im Jahre 2009 vom Internet ausgeschlossen zu werden, kommt einer digitalen Todesstrafe gleich. Vernünftiger wäre es, neue Technologien und den medialen Wandel zu umarmen und innovative Geschäftsmodelle dafür zu entwickeln. Und den Künstlern ist sicherlich durch Rahmenbedingungen wie einer Kulturflatrate besser geholfen, als wenn die eigenen Fans vom Internet ausgeschlossen werden. Wo sollen sich die Fans denn sonst über (neue) Musik und Künstler informieren?

Update: Gerne könnt Ihr Kommentare posten, was Ihr von der Metapher „digitale Todesstrafe“ haltet. Der Begriff wurde im vergangenen Jahr erstmals von Jérémie Zimmermann und Erik Josefsson als „Digitale Guillotine“ eingeführt, um Internetsperrungen zu beschreiben. Manchen ist er zu heftig. Auf Twitter kam schon der Vorschlag, statt dieser Metapher lieber „digitale Einzelhaft“ zu verwenden. Was sagt Ihr?

88 Kommentare
  1. Es gibt dann eine einfache Möglichkeit zu 99 % der „digitalen Todesstrafe“ zu entgehen: Keine Musikdateien mehr zu klauen, sondern dafür legal zu zahlen. „Innovative Geschäftsmodelle“ gibt es genug, in der Musikindustrie arbeiten nicht nur gehirnamputierte Amateure.

  2. Offene Fragen über Fragen, Experten warnen, Rechtsstaatliche Bedenken. Das kommt mir bekannt vor. Bei Zensurla zum Beispiel.
    Beschlossen wurde es trotzdem, und im nachwahltaglichen Frust kann ich mir dir FDP auch hier nur sehr schwer als Retter der Digitalen Freiheit vorstellen…

  3. Die Frage ist auch, was wichtiger ist, der Zugang zum Internet der fuer viele heute essenziell ist oder Urheberrecht? Ich fuer meinen Teil, bin auf das Internet komplett angewiesen. Wenn ich keinen Internetzugang mehr bekommen duerfte, waere das fuer mich mit einem Arbeitsverbot gleichzusetzen und gleichzeitig mein Privatleben extrem schaedigen. Ist das etwas,w as wir als Gesellschaft in kaf nehmen wollen, um evtl zu verhindern, dass etwas illegal kopiert wird? Ein Erfolg dieser Bestrafung steht zudem auhc in den Sternen, da der klevere Raubkopierer immenroch wissen wird, wie er sicher an sein Material kommt.

  4. Noch ein interessanter Nahctrag: Auf http://twit.tv/ war letzte Woche ein Franzose, der zu dme Tehma erzaehlt hat, dass er einen der verantwortilchen Politiker auf das Tehma angesprochen habe. Die Antwort war wohl „Alles war gut bevor wir das Internet hatten. Wir brauchen das Internet nicht“. Da sieht man was fuer eine Einstellung da teilweise vertreten wird. Solche Leute haben in der Politik nichts verloren.
    „Alles war gut bevor wir Strom hatten. Wir brauchen den Strrom nicht“ – Nebenbei bemerkt, wuerde ich lieber auf Strom verzichten als auf das Internet (auch wenn diese Kombination technishc nicht machbar ist)

  5. Klaro werden Kopierer immer Wege finden an ihre Sachen zu kommen – wenn ich dann noch an die ganzen Leute denken, die von ihrem Router keine Ahnung haben oder nen Cleveren Nachbarn. Dazu passend eine Politik die die Tragweite der Maßnahme verkennt („Was ist nochmal ein Browser“).
    Da fehlt einach ne offene Debatte um den Status Urheberrecht… Musik ist heute quasi überall und für jeden dar – so schwindet halt der Respekt vor der geistigen Arbeit, es wird zur Massenware

  6. Der Tod kann schneller kommen als euch lieb ist…
    Gegeben die Annahme euere Handyakku ist leer, die MI sperrt euren Inet/Voip (naked Dsl) Anschluss.
    Ihr wacht nachts schweißgebadet mit stechenden Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit und Todesangst auf, kurz vorm Herzinfarkt.
    Ist jetzt Worst case aber was soll der sch.???

  7. Hi,

    in bezug auf den sinnlosen und unverhältnismässigen Aktionismus könnte man auch noch anmerken, dass z.B. Tobit Software ganz legal eine Internet Radio Software verkauft (und auf der letzten IFA mit einem riesigen Stand beworben hat), mit der man via VDSL aus dutzenden Sendern gleichzeitig Titel aufnehmen und automatisch sortieren kann. Und wo man schon dabei ist, wäre wohl auch an der Zeit, diese öffentlichen Bibliotheken mit digitalem Medienverleih und Kopierautomaten dicht zu machen…

    Bis auf ein einigen digitalen Analphabeten ist doch mittlerweile jedem klar, dass dieses ganze einseitig verschärfte Urheberrechte heute sowieso längst leer läuft. Vielleicht sollte man das vor der nächsten Verschärfung mal deutlicher öffentlich artikulieren…

    Ich denke auch, dass sich die Jugend nicht durch die Piratenpartei angesprochen fühlt, weil sie sich ohnehin nicht darum kümmert, wer da was ins Urheberrecht schreibt…

    mfg.

  8. @4
    Ich bin Student und der Anschluss unserer WG läuft auf meinen Namen. Auch wenn ich kein Filesharing betreibe, könnte mich die digitale Todesstrafe (den Begriff finde ich übrigens sehr passend, denn ein großer Teil meines Lebens spielt sich über das Internet ab) auch erwischen. Ich kann nicht 3 andere Mitbewohner durchgehend kontrollieren. Mal abgesehen von der praktischen Durchsetzbarkeit würde ich mich dabei wohl auf dünnes juristisches Eis begeben. Mach mir doch mal einen Vorschlag wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Den Anschluss auf jemand anders melden? Wenn die anderen so denken haben wir dann gar kein Internet mehr.

    Die Musikindustrie soll ihre Forderungen gerichtlich durchsetzen wenn sie begründete Anhaltspunkte hat. Ansonsten soll sie sich zum Beispiel überlegen wie man eine Diskographie einer Band die seit 30 Jahren existiert an den Mann bringen kann ohne dass sie gleich 150€ kostet. Während ich 10€ für ein neues Album ganz in Ordnung finde, ist das bei einem 20 Jahre alten Album einfach nur unverschämt.

  9. Musik illegal kopieren ist eine Straftat. Das ist richtig. Zu schnell fahren auch.
    Und auch hier kann man den Lappen verlieren – gut, wenn der Schuldige eindeutig geklärt wurde.
    Und nur in extremen Fällen.
    Und nur ein paar Monate.
    Doch diese Verhältnismäßigkeit wird hier völlig vergessen.
    Und DAS stinkt mir gewaltig!

    Digitale Todesstrafe finde ich schon griffig. Aber da der erste ja schon geweint hat, weil es ja nicht endgültig ist, schlage ich etwas anderes vor. In Verbindung damit, dass kein Schuldiger gefunden werden muss, die Familie mit bestraft wird und mich das ganze schon ans Händeabhacken bei Dieben im Mittelalter erinnert:

    Dititale Sippenhaft

  10. Eine ernsthafte Frage dazu, da ich juristisch nicht sehr bewandert bin.
    Gibt es ähnliche Einschränkungen nach anderen Straftaten? Darf ein Ladendieb im Einzelhandel arbeiten (was wohl in etwa dem Sachverhalt entsprechen würde)?
    Gibt es ähnliche Maßnahmen für schlimmere Straftaten, z.B. Einschränkungen für Vergewaltiger oder Mörder? Wenn nein, wie wird das begründet? Wenn ja, wie wird da bisher die Verhältnismäßigkeit ausgelegt?
    Wenn es z.B. für Wirtschaftsbetrüger oder Bankräuber keine nachträgliche Einschränkung ihres Berufs- und Privatlebens gibt, dann sehe ich eine solche für Filesharer als schwer begründbar an.
    Wenn sie nicht mal für Gewaltverbrecher existiert, muss es ja einen Grund im Grundgesetz geben.

  11. @4.
    Es gibt sogar noch eine bessere Möglichkeit dem zu entgehen. Totalboykott, so lange bis ich mich nicht mehr als Verbrecher beschimpfen lassen muss, wenn ich eine DVD kaufe oder irgendwelche digitale Enteignungen wie z. B. bei Blue-Ray akzeptieren muss.

    So lange werden die „gehirnamputierten Amateure“, die Kundengängelung und künstliche Kriminalisierung für sinnvoll halten keinen Cent von mir sehen.

  12. Zum Begriff: „Digitaler Hausarrest“ oder „Digitaler Platzverweis“ trifft es besser, zwischen „Rübe ab“ und „WLAN aus“ ist ja nun doch ein beträchtlicher Unterschied. Man sollte nicht durch Übertreiben der Begrifflichkeit vom Kern der Botschaft ablenken.

  13. @John Hurt: Erstens klauen die Leute keine Musikdateien, sie kopieren sie und das ist schon mal ein entscheidenter Unterschied. Zweitens, und das möchte ich in der Form mal von Marcel Weiss übernehmen: „Wenn nicht genügend Leute bereit sind, für eine Leistung Geld zu bezahlen, dann kann man diese als Piraten, Diebe, Geizkragen beschimpfen, das ändert aber nichts an der folgenden simplen Tatsache: Der Anbieter hat es nicht geschafft, etwas anzubieten, für das andere Geld ausgeben möchten.“

    Und die „innovativen Geschäftsmodelle“ inklusive der Anwendungsbereiche würde ich gerne hören, ich lasse mich auf dem Sektor gerne belehren.

  14. Digitale Fußfessel, Elektronische Zwangsjacke, Internet-Knebel, Zugangs-Sterilisierung, Kommunikations-Kastration, Amputation o.ä. trifft es eher. Niemand wird ohne Internet zum Tode verurteilt – Verstümmelungs-Methaphern oder ein Vergleich mit Freiheitsberaubung passen besser. Hat noch jemand Ideen für überzeugende Begriffe oder Slogans?

  15. Selbst wenn man mal Sippenhaft und Hinwegsetzen über rechtsstaatliche Grundsätze außer Acht lässt: Ist nicht offensichtlich, dass das Aussperren aus dem Internet ohnehin verfassungswidrig wäre, weil es eine absolut unverhältnismäßige Einschränkung der Rezipientenfreiheit darstellt?

    Was den Begriff „digitale Todesstrafe“ betrifft: Der wirkt natürlich etwas übertrieben, ist aber angesichts der von der Gegenseite verwendeten Begriffen wie „Raubkopie“ oder „Diebstahl geistigen Eigentums“ durchaus treffend.

    1. @Namespace INvader: Derzeit geht die Debatte in Deutschland in die Richtung, dass der französiche Ansatz verfassungswidrig wäre. Einige Juristen vertreten aber die Meinung, dass dies dadurch umgangen werden könnte, indem die Provider einfach mit AGB-Tricks ohne Behörde wie in Frankreich den Internetanschluss kappen sollen. Alternativ gibt es die Forderung der GVU, doch einfach den Internetanschluss so zu drosseln, dass man nur noch Mails empfangen und etwas surfen kann. Dabei bleiben natürlich die oben beschriebenen Problemstellungen.

  16. Digitale Einzelhaft trifft es nicht ganz bzw. nicht immer. Bei „Familienanschlüssen“ ist das dann ganz schnell Sippenhaft.

    Abgesehen davon ist es reiner Wahnsinn, so etwas zu tun. Man stelle sich nur mal vor, jemand klaut etwas in nem Laden und bekommt dann neben dem Hausverbot in diesem Geschäft
    * ein generellen Einkaufsverbot (in allen anderen Geschäften!),
    * ein Leseverbot und -weil es so schön ist –
    * ein Kommunikationsverbot.

    Das wäre die Hölle. Und bezahlen darf man dann den Anschluss auch noch. Super Idee. Wirklich. Im Besten fall gibt es dann noch eine ISP-Schufa, und man bekommt bei keinem Anbieter mehr Internet….

    Das wird mit großer Sicherheit die nächste Verfassungsklage, an der sich Tausende beteiligen. Und diesmal bestimmt mehr als 32k!

  17. @namespace Invader: die Todesstrafe ist international geächtet. Das ist der Unterschied.

    Die ganze Thematik kann scheinbar nicht im Rahmen des aktuell geltenden Gesetzes geregelt werden, sowohl was die Strafverfolgung als auch was das Urheberrecht betrifft.

    Ich finde die französische Lösung auch nicht gut – halte sie aber auch nicht für praktisch umsetzbar. Weder dort noch hier. Schließlich müsste man dafür meinen Wlan-Zugang am Rechner verplomben. Ansonsten nehme ich mein Handy als Modem. Oder nutze den Zugang des Nachbarn. Und was ist, wenn mein Internetzugang von meiner Firma bezahlt und zur Verfügung gestellt wird?
    Das ist doch alles hilflos und zwar an allen Fronten. Lösungen hab ich aber auch nicht.

  18. Ich finde die Metapher „digitale Todesstrafe“ sehr passsend. Vor allem, wenn man für ein Jahr abgeklemmt werden soll. Danach kommt man sich bestimmt vor wie ein Höhlenmensch. Von daher ist man dann auch schon so gut wie tot, zumindest informationell.

    Was mich bewegt ist die Frage nach der Durchführbarkeit. Da versucht man an einem Ende ein freies WLAN in Berlin aufzubauen und auf der anderen Seite dann sowas. Schizophrenie?

  19. Hi,
    im Prinzip stirbt man digital ab und kann man anderen nicht mehr kommunizieren. Insofern ist es Tod. Als Bestrafung wird daraus Todesstrafe, auch wenn der Begriff natürlich sehr kämpferisch ist. Trifft er es aber.

    Aber eine Sache frage ich mich immer wieder: Was ist denn, wenn ich in meiner Firma sitze und File-share. Habe ich dann meine Firma in den Ruin getrieben, weil das IT-Unternehmen keinen Internetzugang mehr hat? LOL

    Gruß
    Cornelius

  20. Die Frage ist ja, ob „Digitale Todesstrafe“ als Begriff eine Wirkung wie „Nackt-Scanner“ entfalten könnte oder ob es eher wie „Stasi 2.0“ zu drastisch für eine breite Öffentlichkeit ist.

    Ich finde, die Todesstrafen-Methapher passt als Begriff schon insofern nicht, als dass der Internetsperren zeitlich begrenzt sind.

    Die Alternative Einzelhaft oder Isolationshaft passt inhaltlich wieder weniger das es ja mehr ein Ausschließen, als ein Einsperren ist.Daher als Vorschlage eventuell „Digitales Exil“, „Digitale Verbannung“ oder ein anderer Begriff der „Gesellschaftsausschluss“ prägnanter zusammenfasst.

  21. @Oliver: Geben Sie ruhig Ihr Geld für Drogen, McDonalds, Benzin, Party oder was auch immer aus… Ich werde es jedenfalls weiterhin in Kunst & Kultur wie in Bücher, Platten, DVDs, Konzerte, etc. investieren, da ich mir davon einen größeren Gegenwert verspreche und sonst etwas in meinem Leben vermissen würde.

    @Matterofeffect: Also ich habe irgenwie nicht den Eindruck, dass die Menschen kein Interesse mehr an Musik, etc. haben… eher im Gegenteil.
    Und wenn Sie jetzt peinlicher Weise illegale Machenschaften als Grund hier anführen, warum immer weniger Menschen für Kultur bezahlen, verdrehen Sie damit ja wohl Ursache und Wirkung.

    @Manziel: Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie auf die Problematik Ihres „Sonderfalls“ hinweisen. Das sollte in einem solchen Fall natürlich geklärt werden. Ich hoffe das Sie in einer WG wohnen, wo Sie ihre Mitbewohner nicht ans „Messer liefern“… Eine Lösung für das Problem habe ich nicht. Aber wenn ich mit einem fremden Auto einen Unfall baue, trifft die Hauptschuld dann letztendlich auch nicht den Eigentümer. Ich meine ja auch gar nicht, dass dieses oben beschriebene Modell die Ideallösung ist, doch habe ich irgenwie das Gefühl, dass hier die Opfer/Täter-Rollen eklatant durcheinander geraten sind…

    1. @Oliver: Geben Sie ruhig Ihr Geld für Drogen, McDonalds, Benzin, Party oder was auch immer aus…

      Ich gebe mein Geld für keins der erwähnten Dinge aus, aber sehr entlarvend, dass es direkt wieder in Beleidigungen endet. Wenn man keine Argumente hat …

      Ich werde es jedenfalls weiterhin in Kunst & Kultur wie in Bücher, Platten, DVDs, Konzerte, etc. investieren, da ich mir davon einen größeren Gegenwert verspreche und sonst etwas in meinem Leben vermissen würde.

      Und damit auch direkt oder indirekt in neue Abspielschutzverfahren, DRM Gängelungen, Kriminalisierungslügenkampagnen und Kundenabmahnverfahren – natürlich nur für die ehrlichen Kunden. Ich persönlich kann da keinen Mehrwert für mich oder die Gesellschaft feststellen.

  22. Also zum ausgerufenen Wettbewerb: dafür gibt es mMn schon ein Wort, nennen wir es also „digitale Isolationshaft“. „digitale Todesstrafe“ macht es vielen Leuten zu einfach – die müssen dann nicht mehr argumentieren, sondern können sich an diesem Ausdruck hochziehen.

    Zum Thema: Ich gewinne auch langsam den Eindruck, einige Politiker würden das Internet am liebsten wieder abschaffen, weil es sich eben nicht so leicht reglemtieren lässt wie z.B. der Straßenverkehr. Das ganze Netz zu verstehen und an einigen Punkten zu reglementieren ist mühsam und fast alle bisher vorgetragenen Vorschläge gehen in die falsche Richtung, weil sie Regeln aufstellen wollen, die einen Klick weiter schon nicht mehr gelten müssen.

    Ein „deutsches demokratisches internet“ mit Mauer, Zäunen und Verboten wird es hoffentlich nicht geben, sonst diskutieren wir bald auch noch über einen „digitalen Schießbefehl“.

  23. Ich finde auch die vorher genannten „Digitaler Hausarrest“ oder „Digitale Verstümmelung“ ganz gut. Ansonsten würde „digitale Entmündigung“ bzw. „Entrechtung“ auch ganz gut passen.

  24. Privileg, kein natürliches Recht

    Historisch und natürlich hat jeder Mensch das Recht, Informationen, über die er verfügt, beliebig zu vervielfältigen und zu verbreiten. Mit dem Urheberrecht haben diese Inhaber ihres natürlichen Rechtes aufs „Kopieren“ die Vereinbarung getroffen, dieses Recht für einen begrenzten Zeitraum nicht in Anspruch zu nehmen, damit der Urheber an der alleinigen Verwertung verdienen kann. Es sind besonders herausragende Profiteure dieser Regelung, die versuchen, Urheberrecht als „Durchsetzung vom Recht am geistigen Eigentum“ umzudefinieren, um dieses Privileg immer weiter auszuweiten. Dabei ist „geistiges Eigentum“ die groteske Vorstellung von einer Welt, in der es möglich (oder überhaupt wünschenswert) ist, dass jemand auf unbestimmte Zeit die totale Kontrolle über die Verbreitung einer Information behält.

    „Piraterie“, „Diebstahl“ und „Raub“ sind also in Zusammenhang mit „Urheberrechtsverletzung“ als Propaganda zu werten. Es ist ein Trugschluss, dass Justiz und Gesetzgebung alles dafür tun müssen, um dem Urheberrecht Geltung zu verschaffen, weil es eben kein natürliches Recht ist, sondern ein Privileg. Selbstverständlich muss dieses Privileg gerechtfertigt werden (als Anreiz für Urheber scheint es beispielsweise eine ganze Zeit lang funktioniert zu haben) und wenn sich (wie sich jetzt durch das Aufkommen der digitale Kopie abzeichnet) herausstellt, dass die Kosten zur Durchsetzung den Nutzen des Privilegs übersteigen, dann kann und muss man sehr wohl über Alternativen diskutieren.

    So lange das Märchen vom „geistigen Eigentum“ in der öffentlichen Debatte als „gegeben“ und „selbstverständlich“ hingenommen wird, ist auch kein Umdenken bei der Politik und weiter Teile der Bevölkerung zu erwarten. Diese effektive Gleichsetzung von „echtem“ (also klassisch physikalischem) Eigentum, und „geistigem Eigentum“ erzwingt die kompromisslose Durchsetzung und konsequente Auswertung des Urheberrechts und verhindert jegliche vernünftige Diskussion.

  25. Die Moral von der Geschicht:

    Lasst uns bewusst radikale und überzogene Begriffe wie „digitale Todesstrafe“ benutzen, um ein Nachdenken über die Begriffswelt der Gegenseite („Raub“, „Diebstahl“, „Eigentum“) anzustossen.

  26. @34: Du hast vergessen auf meine Anfrage einzugehen.

    Ferner habe ich mit keinem Wort gesagt, dass die Leute nicht mehr an Musik interessiert sind. Es muss auch nicht immer Filesharing sein, das den Tonträgerabsatz verschiedener Labels schmälert. Ich kaufe mittlerweile sehr bewusst Musik, meist nicht bei Majors, oft Second Hand oder bei Labels und Künstlern, die auf ihre Fans zukommen anstatt sie zu verklagen, hat sich ja auch bewährt.
    Ich verstehe auch nicht von welchen illegalen Machenschaften du redest. Ich wiederhole mich ungern, deswegen bitte einfach noch mal weiter oben nachlesen oder wahlweise den Wikipedia Artikel über Marktwirtschaft nachschlagen.

  27. @Matterofeffect:
    http://www.amazon.de
    www2.deutschegrammophon.com
    etc.

    Das Filesharing und CD-Burning nicht der Hauptgrund für den Rückgang war und ist, ist meiner Ansicht nach ein Mythos… Soviel zu illegalen Machenschaften… Auch wenn es sicher noch eine Menge anderer Gründe gibt. Das Problem ist, dass analog zu den Phonographenherstellern in den 1920er-Jahre wichtige Vertriebskanäle von Branchenfremden Unternehmen besetzt sind.. Anstatt von RCA oder CBS haben jetzt iTunes, Amazon, etc das sagen und die Musikindustrie ist zum reinen Inhaltslieferanten degradiert worden… Größtenteils aus eigenem Versagen.

    Ich kaufe auch fast nur noch Second Hand oder kleine Labels…

    Vielen Dank für die Belehrungen… Werde dann mal Wikipedia anstatt Adam Smith oder Karl Marx lesen… Wenn es immer so einfach wär…

    @Sie sind aber auch nicht gerade freundlich. Viel Erfolg noch mit Ihrer „Totalverweigerung“. Sie werden es brauchen.

  28. Echt super – ich sehe jetzt schon die ersten unwissenden WLAN-Besitzer mit offen konfiguriertem Netz solche Mahnmails bekommen, weil sich irgendein Witzbold ins WLAN gehängt und munter (und straffrei – was in diesem Fall ja mal total an dem Gesetz, so sinnfrei es ist) MP3s lädt…

  29. Amazon ist ein Versandhaus und die Deutsche Grammophon gehört seit 98 zu Universal und die haben genau welches innovative System entwickelt? Das wäre mir dann zwischen den ganzen Klagen garnicht aufgefallen.

    Von Hauptgrund war nicht die Rede, das mit den illegalen Machenschaften verbleibt daher ungeklärt.

    Marx und Smith kann ich leider nicht empfehlen, weil sowohl im 18. als auch im 19.Jahrhundert das Internet quasi eine verschwindend geringe Rolle gespielt hat. Dennoch fänden beide wohl die aktuellen Entwicklungen nicht besonders begrüßenswert, das nur als Vermutung.

  30. @44. Darillian:

    In diesem Fall würde ich als Laie aber sagen, dass der WLAN Besitzer dann Pech gehabt hat. Wenn ich mein Auto offen und mit Schlüssel irgendwo abstelle trifft mich für eventuell enstandenen Schäden, die ein Dieb verursacht hat als Halter ja auch eine Mitschuld. Wenn der das Auto im Parkverbot abstellt und es abgeschleppt wird bin ich der Dumme und muss zahlen, weil ich nicht aufgepasst habe.

  31. @ John Hurt

    Als Jemand der Musikhören seit gut 25 Jahren als Haupthobby hat und darüber über die Jahre mehrere 1000 Tonträger angesammelt, würde ich jenen, die behaupten der Rückgang läge einzig am Filesharing/Cd brennen (Private Sicherungskopie ist bei Nichtkopiergeschützten Medien übrigens genauso legal, wie die Mixtapes, die ich früher von der Schallplatte erstellt habe) deutlich widersprechen

    Schlicht sind die Ansprüche der Kunden höher geworden und die gebotene Qualität niedriger
    (Nicht nur musikalisch bezüglich Füllstücken, oft auch tontechnisch, als Musikfreund dürften Begriffe wie Loudnesswar und intersample overs ja bekannt sein)

    Desweiteren sind viele nicht bereit in den Rechten eingeschränktes Material zu kaufen, weder als Download noch als Tonträger
    Kopiergeschütztes boykottiere ich seit jeher, unter anderem, weil mein (hochwertiger) CDP damit nicht selten Probleme hat ;)
    Ich müsste also eine illegale Kopie erstellen um überhaupt in den Genuss der Musik zu kommen – das ist ein Unding

    Zu legalen Downloads: Es kann sicher nicht den Kunden angekreidet werden, dass die MI-Riesen den Einstieg in die digitalen Welten im grossen und ganzen verpennt haben und auch nur in wenigen Fällen mit kommerziellen Qualitätsangeboten einen Mehrwert bieten (da wäre positiv zb Linn zu nennen, die Downloads in Masterqualität anbieten)
    Im grossen und ganzen muss man nach Flac (also unkomprimiert) allerdings noch suchen, zumindest mein Eindruck.

    Schneller sind da die Netlabel, die mittlerweile eben zu Hauf sowohl musikalisch, als auch klanglich und auch noch bezüglich Kompression qualitativ vorne liegen – und das auch noch in den meisten Fällen zum erst mal freien Gebrauch
    (Freiwillige Bezahlung ist natürlich auch möglich und erwünscht, und wenn mir ein Künstler gefällt honoriere ich das auch – will ja, dass da auch noch Musik nachkommt)

    Wenn ich meinen eigenen Musikkonsum betrachte, dann ist der Anteil an CC – lizensierter Musik in den letzten 1-2 Jahren deutlich angestiegen, liegt zeitweilig gut bei der Hälfte

    Statt wenigstens im Ansatz mit der Entwicklung im Netz Schritt zu halten, einfach die Gesetze verschärfen zu wollen, empfinde ich nur noch als hilflos und wenig ernstzunehmen, zumal scheinbar die verklärte Meinung herrscht, dass alles was getauscht wird, auch gekauft werden würde – dem ist sicher nicht so und war auch noch nie so
    Als Jugendliche hab ich auch eher Radiomitschnitte gemacht oder bei Freunden Tapes aufgenommen, hatte insofern mehr (Raub) Kopien als Originale. Das ist natürlich einfacher geworden, deshalb ist das aber beileibe nix neues. Die Jugendlichen in meinem Umfeld, die auch tauschen haben übrigens in den meisten Fällen immer noch mehr Originaltonträger als der durchschnittliche Jugendliche in meiner Jugend hatte. Von kleinen Labels kaufen die nämlich auch, sind schliesslich ihre Bands (vom ganzen Merch mal abgesehen – ich schätze insgesamt liegen die Ausgaben für Konzerte, Tonträger und drumherum bei vielen höher)
    Die Leiden eines Dieter Gorny interessieren natürlich die wenigsten ;)

  32. „Digitale Todesstrafe“ ist genau das richtige Wort, denn ihre Auswirkung ähnelt einem „bürgerlichen Tod“ in der Onlinewelt. http://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerlicher_Tod

    Die Gegenseite bedient sich außerdem des gleichen Stilmittels der Übertreibung, wenn sie von „Raukopien“ spricht, obwohl dabei weder etwas gestohlen noch Gewalt angewendet wird, sondern gegen das Urheberrecht verstoßen.

    Auch der Begriff „Softwarepiraterie“ hat nichts mit gewalttätigen Seeräubern zu tun, soll aber derlei Assoziationen wecken.

    Netzaktivisten sollten also keine falsche Zurückhaltung üben, sondern mit denselben harten Bandagen kämpfen; der Begriff „digitale Todesstrafe“ ist ein griffiger Kampfbegriff, den man nicht verwässern sollte.

  33. Digitale Guillotine trifft es besser und wird auch in Deutschland verstanden. Die Umschreibung ist auch etwas unverbindlicher, da man mit einer Guillotine eben nicht nur Hälse durchschneiden kann, sondern auch andere Dinge: Salami, Möhren, und eben auch Internetkabel.

    Genau das dürfte auch der Hintergrund der Formulierung sein: es wird eben nicht der Kopf vom Rumpf getrennt, sondern der User vom Internet.

  34. Zum Begriff: Digitale Todesstrafe trifft es nicht, da es eine Massnahme auf Lebenszeit suggeriert. Man kann aber wenigstens von „digitaler Einzelhaft“ als auch von „digitaler Sippenhaft“ reden, und gerade letzteres ist definitiv nicht rechtsstaatlich.

    1. Im schnelllebigen Informationszeitalter kommt eine Zeitspanne von einem Jahr einer Ewigkeit gleich, weshalb der Begriff „Digitale Todesstrafe“ doch recht treffend ist.

  35. „Digitale Todesstrafe“ ist zu krass.
    Ansonsten inhaltliche Zustimmung von meiner Seite.
    Aber bitte nicht „Technologie“ schreiben, wenn „Technik“ gemeint ist!

  36. Diese Entwicklungen zeigen nach wie vor: unser Rechtssystem und das Rechtsverständnis vieler Politiker und sonstiger Personen die „Verantwortung“ tragen ist vollkommen unterentwickelt.

    Es bleibt die Frage wer hier die treibenden Kräfte sind: die Unvermögenden oder die vorsätzlich Dummen.

    Ich finde übrigens „Analoghaft“ recht clever @ 15

  37. „Digitale Sippenhaft“ ist gut, „Digitale Todesstrafe“ ebenso, auch wenn letzteres eine endgültige Maßnahme suggeriert. Allerdings suggerieren „Raubkopie“ und „Internet-Piraterie“ ja auch Körperverletzung, vorgehaltene Waffe, Plündern und Brandschatzen.

    Wie soll das eigentlich kontrolliert werden? Deep Packet Inspection? Was ist mit Proxy-Servern? Was ist, wenn mir jemand ein Mail schickt und ich es runterlade? Was ist mit Verschlüsselung, wird die dann verboten? IP-Spoofing? TOR?

    Alles Quatsch. Die Musikindustrie hat genauso wie die Zeitungsverlage verpeilt, neue und innovative Wege zu gehen. Man hätte das neue Medium nutzen, den Zwischenhandel umgehen, sich das Geld für Verpackung, Vertrieb und Booklets sparen und deswegen kostengünstige Angebote unterbreiten können. Dazu eine Infrastruktur schaffen, die es erlaubt, ihr Produkt direkt ihrem Kunden zu verkaufen, eine Kundenbeziehung einzugehen, den Kunden kennenzulernen und direkt anzusprechen.

    Stattdessen sind sie auf die Barrikaden gegangen und kriminalisieren ihre Kunden seit 10 Jahren. Und Apple macht jetzt eben die Milliardenumsätze (3,5 Mrd $ mit iTunes in 2008).

    Aber wahrscheinlich waren sie alle zu sehr damit beschäftigt, das ganze Geld, das sie verdient haben, als sie ihre ganzen Platten nochmal als CDs verkauft haben zu zählen und darin zu baden.

  38. Meine Nachbarinnen, beide 24, sind technisch nicht unbedingt versiert. Bis ich Sie darauf hingewiesen habe, war ihr WLAN ohne Passwortschutz. Ich konnte ohne Probleme von meiner Küche in ihr WLAN – sowie vemrutlich jeder andere Nachbar über, unte rund neben ihnen.

    Selbe Personekonstellation, andere Anekdote:

    Eine der beiden war einmal bei uns oben als ihr Internet nicht ging und ich habe ihr erlaubt über ihren Laptop in unser WLAN zu gehen. Drei Monate später habe ich gemerkt, dass sie seitdem immer automatisch in unser Netz eingeloggt hat. Das war ihr einfach nicht bewusst und ich hatte nicht daran gedacht darauf zu achten als sie gegangen ist.

    Beruflich bin ich aufs Internet angewiesen.

    Dass Frankreich solche Maßnahmen tatsächlich beschließt ist extrem beunruhigend – vor allem weil ich unseren schwarz/gelben Pappnasen in Sachen Internet mittlerweile auch jeden Blödsinn zutraue.

  39. Nun, wen soll der Begriff erreichen? Eigentlich paßt ja sowas wie LANarrest oder Lanhaft (nein, nicht lachhaft) recht gut – wird aber wohl nur von denen verstanden, die eh schon wissen worum’s geht.

    Oben sind schon einige schöne Kandidaten aufgetaucht (#20, #22). Und #24 hat Recht – Raubkopie ist so gesehen ein echter Agitprop Knaller.

    Netzexil, Netzarrest, Netzverbannung, Netzmaulkorb? Zwangsvollstreckte Klausur? Zwangsklausur?

    Gut verstanden würde sicher was aus dem Wortfeld Führerschein, aber da fürchte ich kommen Wortmonster raus.

  40. @Franse: 100 % Zustimmung! Ich habe nur gemeint, dass Filesharing/CD-Burning/Tauschen mit ein Hauptgrund war, dass zwischen 2001 und 2004 der Markt sich fast halbiert hat, d.h. fast die Hälfte weniger Menschen ihr Geld für Tonträger ausgegeben haben. Natürlich gibt es da noch viele andere wichtige Gründe.

    Ich, der auch seit 20 Jahren Musik als sein Lebensmitelunkt ansieht, an die 10.000 Original-Tonträger zu Hause hat und selbst einige aufgenommen hat, kann leider nur wenig Mitleid mit Leuten aufbringen die wiederhohlt in dieser Beziehung straffällig werden…

    Ich bin nicht die Musikindustrie, sehe sie eher als mein Feind, als mein Freund an, nur machen sich das viele hier mit ihrem Bashing viel zu einfach…

  41. Als Antwort auf Worte wie „Raubkopierer“ und „Piraterie“ halte ich den Begriff „digitale Todesstrafe“ durchaus für angemessen. Zumal „Three Strikes“ auch ein Euphemismus ist.

  42. Gerade als ich die Kommentare hier las kam mir eine Idee von der ich so bisher noch gar nichts las. Folgende Idee hab ich.

    Die großen Plattenlabels schließen sich zusammen und gründen ein Downloadportal für Musik.
    Wer nun Zugriff auf diese Musik haben möchte, der meldet sich dort an und überweist, sagen wir 100€ an die Portalbetreiber die dieses Geld wie eine Bank verwalten. Der Kunde hat nun die Möglichkeit entweder die Musik umsonst herunterzuladen oder eine bestimmte Geldmenge, die er selbst festlegt für Musikstücke/Alben zu bezahlen. Sollte er nicht bezahlen wollen, behält er auch seine 100€ er kann sich auch sein Geld zurückzahlen lassen oder noch mehr überweisen. Die Musikindustrie verdient doppelt daran, einerseits an den Menschen die für die Musik zahlen und andererseits an jedem der sich neu anmeldet und 100€ mitbringt, das die Musikindustrie dann Gewinnbringend anlegen kann.

    Gibts sowas schon? Hat das schon irgendjemand zu Ende gedacht? Würde das helfen? Ist mir ein Denkfehler unterlaufen?

    Beste Grüße

  43. ich finde ‚todesstrafe‘ sehr polemisch, aber: ich wohne in der provinz, was in dieser hinsicht mindestens der diaspora entspricht. dsl wird hier vor frühestens märz nichts werden, und so behelfe ich mir mit einem umts-stick, der aber – und auch nur bei guten ausbreitungsbedingungen – lediglich gprs/edge hergibt. von streams bleibe ich ausgeschlossen, videos kann ich vergessen. wenn ich mich auf seiten wie diese beziehe, halte ich beides für wichtige instrumente zur meinungsbildung. manchen kommentar verkneife ich mir, weil es einfach zu lange dauert, bis er gesendet wird. in der provinz ist das sicher schlimmer als in der stadt, da kann ich mir, wenn’s ganz dicke kommt, noch einen anderen hotspot suchen, obwohl auch das nicht ideal ist. hier wäre ich jedoch vom ‚richtigen leben‘ völlig abgeschnitten. diese digitale nicht-teilhabe löst ein grosses gefühl der ohnmacht aus (am wahlabend z.b. fiel mein netz um kurz nach 19 uhr aus; was meint ihr, wie man sich dann fühlt?!). ja, all das empfinde ich schon als eine art einzelhaft. ‚todesstrafe‘ ist ein schreckliches wort. aber ein besseres fällt mir auch nicht ein: es ist griffig und für eine öffentliche debatte in diesem kontext bestens geeignet.

    wer flächenländer kennt, weiss, wie lang hier die wege sind. viele haben eine möglichkeit gefunden, von zu hause aus zu arbeiten; ich kenne bspw. eine steuerberaterin mit zwei kindern, die fast den gesamten mandantenverkehr auf diese weise abwickelt. viele kleinere unternehmen wissen die zeitersparnis zu schätzen, die ihnen durch diese ‚kurzen wege‘ beschert wird.

    mir bereiten aber vor allem die mannigfaltigen ‚deutungsmöglichkeiten‘ durch politiker kopfzerbrechen, die in der sache nicht bewandert und anscheinend weitgehend beratungsresistent sind. wenn sie nicht in der lage sind, geltendes recht umzusetzen, wie sollen sie noch mehr gesetze/anwendungsmöglichkeiten auslegen und beherrschen?

    hin oder her – eine sanktion, die leicht zu umgehen und praktisch kaum durchsetzbar ist, rechtsstaatlichkeit umgeht, sippenhaft ermöglicht, und noch dazu den rechteinhabern nicht wirklich weiter hilft, kann und darf nicht sein. egal, wie sie heisst.

  44. „Digitale Todsstrafe“ ist meiner Meinung nach zu hoch gegriffen,da man das Internet noch! nicht zum Überleben braucht.
    Deshalb halte ich den Begriff „digitale Isolationshaft“ für zutreffender.

  45. @John Hurt:
    Es ist natürlich einfach, sich hinzustellen und zu sagen: Die bösen Raubkopierer sind Schuld. Die Frage ist nur, wie es sein kann, dass andere Märkte, die in direkter Konkurrenz zur Tonträgerindustrie stehen und ebenfalls digital kopierbare Medien verkaufen, diese Probleme nicht haben.

    So ist der DVD- und Videomarkt von 2002 – 2004 um 500 Mio. € in Deutschland gewachsen, was lustigerweise ziemlich genau dem Betrag entspricht, um den der Tonträgermarkt im gleichen Zeitraum geschrumpft ist. Und Videospiele wachsen auch seit mehreren Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten. Die kann man auch alle kopieren. Und trotzdem wird dafür Geld ausgegeben.

    Aber dass das eigene Produkt vielleicht im Vergleich zu anderen Produkten nicht besonders gut ist, nene, das kann ja gar nicht sein. Fiktiver Plattenmogul: „Wir waren schon immer super, und wir waren schon immer toll und wir sind auch immer noch toll. Denn wo wir sind, da ist vorne. Da ist die kulturelle Avantgarde. Wir machen nur weniger Umsatz, weil wir bestohlen werden. BESTOHLEN! Weil wir nämlich ganz tolle neue Produkte verkauft haben 2008, wie Metallica, ACDC, Udo Lindenberg, Die Ärzte und Coldplay, um nur mal die Hälfte der Jahrescharts aufzuzählen.“

    Und wenn unsere Bürgerrechte erstmal weg sind, und die Musikindustrie immer noch keinen Umsatz macht, was dann? Dann ist es zu spät.

    Der Markt bestraft Versagen. Nur leider wollen das weder Warenhäuser, noch Verlage, noch die Musikindustrie wahrhaben, dass man irgendwie selber schuld sein könnte und lieber mal in die Puschn kommen sollte statt wie ein kleines Kind nach Papa Staat zu heulen.

  46. Das ist dermaßen sinnfreier Schrott. Auf solche Ideen können einfach nur Konservative kommen. Dass Frankreich in Sachen Atom- und Internetpolitik eines der rückständigsten Länder weltweit ist, ist bekannt. Aber dass sich zunehmend deutsche Politiker eine solche Politik zum Vorbild nehmen zeigt doch ziemlich eindeutig, dass die Union genau die Politik macht, von welcher ihr am meisten Geld gezahlt wird: Atomlobby, Musikindustrielobby, generell Wirtschaftslobby. Diese Partei(en) ist doch nur noch eine Marionette von Wirtschaftsmächtigen. Ein Witz.

    Ich als Student kann genau so übers Uni-Wlan ins Netz. Zudem wohne ich in einer WG. Einfach allen das Netz kappen weil einer runterlädt? Lächerlich! Da merkt man, dass das Wort „konservativ“ mit „inkompetent“ und „korrupt“ gleichzusetzen ist. Das ist keine reflektierte Politik mehr. Das ist einfach nur noch heillos verblödet und mittelalterlich.

  47. @_Fin_: Nochmal: Ich bin nicht die Musikindustrie! Ich stimme Ihren Ausführungen zu. Nur denke ich halt, dass Filesharing/Burning/Tauchen einen großen Anteil am Untergang der Musikindustrie hat und die Schuld nicht nur bei den Unternehmen zu suchen ist. Ich kaufe auch kaum neuere Musik, aber nicht aus dem Grund weil ich mir diese illegal besorge, sondern weil sie größtenteil schlecht, teuer und anmasend ist.

    Zeiungs- und Zeitschriftenverlage haben doch auch mit ähnlichen Problemen zu käumpfen…

    Ich seh das nicht Erfolg des Internets an. Sondern wir zerstören damit auch einen Teil unserer Kutur… Auch wenn ich das nur aus eigennützigen Motiven so sehe, da ich als Geisteswissenschaftler und Musiker nie von dem Leben werde, was mich interessiert und mir Spaß macht. Stattdessen darf ich für einen Hungerlohn Exeltabllen hin- und herschieben…
    Vielen Dank auch.

  48. „Digitale Guillotine“ hätte als Begriff einige Vorteile: Es klingt das ‚kappen‘, ‚abhacken‘ mit, und es klingt die drastische ‚Todesstrafe‘ mit (die mir im Begriff ‚digitale Todesstrafe‘ etwas zu drastisch erscheint).
    Vor allem hat der Begriff aber den Vorteil, dass er klar auf Frankreich gemünzt ist. Die Übertragung einer wie auch immer gearteten Guillotine in deutsche Lande wirkt, so to speak, landesfremd, der Begriff beschränkt das Vorgehen also semantisch auf Frankreich.

  49. @John Hurt (64)

    Ich finds schon nett, dass Du mir 100% zustimmst, obwohl wir diametral anderer Ansicht sind ;-)

    Vielleicht ists nicht ganz durchgekommen, aber meines Erachtens ist eine Urheberrechtsreform längst überfällig und zwar eine, die den neuen Möglichkeiten entspricht und nicht jeden Musikhörer erst mal unter Generalverdacht stellt, statt mit Qualitätsverbesserung mit kruden Drohgebärden daherkommt
    Zu den Absätzen der leidenden MI erschien schon 04 ein netter Artikel bei Heise erschienen
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17076/1.html
    (Das Radioheadalbum, welches im Letzten viertel 07 zum freien Download stand hat sich übrigens 08 1,4 Millionen mal verkauft…nur mal als Beispiel, wie es auch gehen kann – dafür muss dann aber eben die Qualität stimmen.)

    Desweiteren sehe ich hier kein „leichtgemachtes“ MI-Bashing, sondern „schwere“ Unverhältnismässigkeit in deren Forderungskatalog ;-)

    Den Begriff digitale Sippenhaft finde ich passend

  50. Hach ist das schön.:-) Das Beispiel Radiohead beweist leider genau das Gegenteil. Denn ohne Jahrzehnte lang massiv von der Major-Musikindustrie aufgebaut worden zu sein, wären sie zu diesem Marketing-Gag nie in der Lage gewesen. Unbekannteren Musikerin wie mir wäre das nie gelungen. Außerdem war die Aktion eine reine Werbungmassnahme für den späteren CD-Release. Dies hat die Band in vielen Interviews selbst bestätigt. Gekauft hat das digitale Radiohead Album dann trotzdem keiner…

    http://www.welt.de/kultur/article1338850/Mehrheit_lud_Radiohead_im_Internet_umsonst_runter.html

    Urheberrecht reformieren schön und gut. Bisher habe ich keine überzeugenden Konzepte gesehen. Ich finde die starke Stellung des Urhebers im deutschen Recht (beispielsweise im Vgl. zum amerikanischen Recht) eigentlich ziemlich Positiv.

  51. @John Hurt

    Gerade unbekanntere Künstler sollten sich Netlabel annehmen eben genau um bekannter zu werden, und es sind auch nicht wenig eher unbekanntere Künstler, die mit dem Urheberrecht nicht zufrieden sind, weil es auch sie selbst bevormundet und beschneidet
    (Ich weiss nicht, wie intensiv Deine Beschäftigung mit der Gema bisher war)

    Der Link von Heise bezieht sich nicht auf Radiohead, Dein Statement ist aber dennoch interessant

    „Gekauft hat das digitale Radiohead Album dann trotzdem keiner…“

    Wenn 38% keiner sind, dann bin ich ja beruhigt, schliesslich hat dann ja auch keiner in diesem Land CDU gewählt ;-)

  52. Ich finde manche Kommentare echt seltsam. Nur weil ein zugegeben großer Prozentsatz der Internet-Nutzer illegales Filesharing betreibt ist es also ok immer restriktivere Gesetze zum Thema Internet zu verabschieden und pauschal jeden Internet-Nutzer unter Generalverdacht zu stellen? Das letzte mal als ich nachgesehen habe war sowas in Deutschland noch nicht möglich. Ok – die Urheberrechtsindustrie scheint gute Lobbyarbeiter zu haben. Zu schade das normalen Bürgern und ihren Sorgen eine solche Lobby fehlt. Das Internet wird NICHT mehr weggehen – die Leute werden ihr Verhalten NICHT mehr ändern selbst wenn man ihnen drakonische Strafen androht, oder wieso wächst das Filesharing von Jahr zu Jahr obwohl die verdachtsunabhängige Verfolgung immer schärfer wird? Man muss sich Tatsachen stellen und entsprechende Lösungen finden. Obwohl – wir können ja auch erstmal jeden Bürger für Filesharing verurteilen bis jeder einzelne seine Unschuld beweisen kann… das wäre meiner Einschätzung nach die Ideallösung der Industrie… *kopfschüttel*

    Zum Begriff „Digitale Todesstrafe“ – wir waren nicht diejenigen die damit angefangen Begriffe zu verdrehen und Übertreibungen in den normalen Sprachgebrauch zu übertragen… find ich also gut und bin schon gespannt wie die Industrie das toppen will…

  53. @Franse: Das mit Radiohead bezog sich nicht auf den Heise Link, sondern auf ihr Radiohead Beispiel. Klar haben das noch einige gekauft (Vgl. CDU) aber kostendeckend war es trotzdem nicht… (Vgl. FDP)

    Wenn es um Bekanntheit geht: da kann man im Internet vielleicht noch was machen, auch wenn ich glaube, dass man bei 220 Mio MySpace-Accounts schon mal den Überblick verlieren kann… Aber damit Geld verdienen, so dass es zum Leben reicht? denke nicht. Hat dann zumindestens den Vorteill, dass man wieder Musik macht, weil es einem um die Sache an sich geht und nicht darum Rockstar zu werden und Millionen zu verdienen… Trotzdem glaube ich, dass auch die Qualität darunter leidet… Ich als Musiker will Musik machen, nicht Marketing, Label-Arbeit, Tonengenier, Booker, Konzertveranstalter, etc… das lenkt mich eher ab und in diesen Bereichen bin ich nicht so gut… Klar kann man das mit Laptop, Netlabel, Mypace & Co. schon auf akzeptablem Niveau selbst machen, aber denke es ist eine Illusion zu Glauben man kann dadurch richtig gut werden… Dazu braucht man Profis und die Infrastruktur der Industrie…

    Die Gema finde ich prinzipiell ok, aber bin nicht mehr in dem Saftladen… Für kleine Musiker hat der Verein mehr nachteile als vorteile und ist eher hinderlich… leider.

  54. Ich finde Todesstrafe auch etwas zu polemisch und nicht ganz passend, auch wenn ich wie die meisten hier das französische Vorgehen für völlig überzogen und ungerechtfertigt halte. Für Menschen die sich privat sehr viel via Internet mit anderen austauschen kommt ein solches Vorgehen einem digitalen Maulkorb gleich; für Menschen die neben Privatem auch noch online Geld verdienen ist es faktisch ein Berufsverbot.

    Statt solcher mittelalterlichen Maßnahmen muss das Urheberrecht reformiert werden. Nicht verschärft, sondern abgeschwächt muss es werden. Wie weiter oben schon gesagt ist aus dem früheren Urheberrecht ein Eigentumsrecht geworden bzw. soll als solches zementiert werden. Ich kann ja verstehen und finde es auch richtig das ein Künstler von seiner Arbeit leben können möchte. Ich kann jedoch nicht verstehen warum er/sie das auf 60 Jahre oder gar unbegrenzt machen sollte. Die Mehrzahl der Menschen arbeitet täglich immer aufs Neue für das zukünftige Auskommen, nur einige möchten par tout aus einmaliger Arbeit für ewig Profit schlagen. Darin sehe ich eine schwerwiegende Krankheit des Einzelnen und daraus resultierend eine der Gesellschaft.

  55. Wer sich der Folgen eines Internetausschlusses wirklich bewusst wäre, könnte ein solches Gesetz nur als totalitärer Sadist propagieren, denn außerhalb menschenverachtender Diktaturen gibt es das nicht, dass man einen Bürger von allen modernen Informations- und Mitwirkungsmöglichkeiten ausschließt.

    Weder in Frankreich noch hierzulande regieren aber totalitäre Sadisten und das führt zu einer Schlussfolgerung, die ebenfalls erschreckend ist: Viele Politiker können die Tragweite ihres Handelns überhaupt nicht mehr ermessen, sobald es um das Internet geht, weil sie selbst nur peripher mit dem Netz in Berührung kommen. Sie nutzen es bestenfalls wie den ehemaligen Videotext, lesen Onlineausgaben bekannter Zeitungen oder schlagen etwas in der Wikipedia nach; schlimmstenfalls bekommen sie es von ihrer Sekretärin ausgedruckt.

    Das Internet ist für sie nur eine neuartige Variante älterer Medien, und ein Verzicht darauf wäre allenfalls eine lästige Unbequemlichkeit, aber kein herber Verlust. Sie können sich im Traum nicht vorstellen, dass andere Menschen im Internet ihr Geld verdienen, ihre Einkäufe tätigen, Behördengänge und Korrespondenz erledigen, Freunde treffen, Beziehungen aufbauen, Diskussionsrunden führen, Seelsorge betreiben und empfangen, politisch tätig sind, Hobbys pflegen, ihre Finanzen verwalten, Reisen planen, Tickets besorgen, Hintergrundinfos recherchieren – kurz gesagt all die Dinge tun, die zu einem normalen Leben dazugehören.

    Es stimmt, dass man all dies früher auch ohne Internet tun konnte, aber für die jüngere Generation spielen sich viele Dinge, die früher offline gängig waren, heute notwendig im Netz ab. Die Menschen aus seiner Twittertimeline, seiner Onlinegaming-Gruppe oder seinem anonymen Selbsthilfeforum kann man nicht einfach anrufen, um ihnen zu sagen, dass man sich künftig in Ullis Bierstube treffe, weil man selbst nicht mehr ins Internet dürfe. Und wer sich wieder auf Zeitungskontaktanzeigen beschränken wollte, müsste schon gerontophil sein. Auch der Lieblingsblog erscheint nicht plötzlich in einer gedruckten Kioskausgabe und die Aufträge, die man über Xing akquirierte, kommen ebensowenig durch einen Zettel am Schwarzen Brett zustande wie eBay-Verkäufe.

    Meine Urgroßeltern kamen blendend ohne Telefon, Rundfunk, Auto, Fahrrad und Girokonto aus. Sie haben nicht viel von der Welt mitbekommen, mussten nicht reisen, haben sich weitgehend selbst versorgt. Ende des 20. Jahrhunderts wäre eine solche Lebensweise kaum noch möglich, das sehen auch unsere Politiker ein, denn ein Fernseher gilt beispielsweise als unpfändbar.

    Anfang des 21. Jahrhunderts ist in Deutschland ein Leben ohne Internet undenkbar und unwürdig. Wohlgemerkt nicht für die Alten, genauso wie viele Großmütter ein Leben lang ohne Führerschein ausgekommen sind, aber für die neue Generation gelten andere Maßstäbe, sie leben in einer neuen Welt, die sich mit der alten noch überschneidet, aber grundverschieden ist.

    Würde man den alternden Hadopi-Verfechtern den Briefkasten abmontieren, Telefon, Radio, TV und Auto nehmen und ihre sämtlichen Schreibutensilien entfernen, würde es ihnen langsam dämmern, was ein Ausschluss aus dem Internet für die jüngere Generation bedeutet.

  56. @John Hurt
    Hmm, wenn 38% von 1,2 Millionen bei durchschnittlichen 6 Dollar direktvermarktet nichtmal kostendeckend für einen Download sind, dann sollte man vielleicht mal über die Ausgabenseite nachdenken.
    Mir fehlt da tatsächlich das Mitleid
    (Von den 1,4 Mill verkauften Alben schon im ersten Jahr nach Erscheinen mal abgesehen)

    Aus dem reinen Runterladen kann man nicht schliessen, wer ernsthaftes Interesse an der Musik hat, denn das entspricht erstmal nur dem intensiveren Reinhören. Im Plattenladen ist man trotz vollständigem Hören ja auch noch nicht verpflichtet zu kaufen – die Rechnung, dass ja die Mehrheit nicht bereit wäre eine Leistung zu bezahlen ist dementsprechend konstruiert – die MI hätte aber natürlich gerne, dass man blind und unkritisch kauft ;-)

    Um auf einem Netlabel zu publizieren ist übrigens nicht Grundvorraussezung keinen Booker, Manager, Toning usw zu konsultieren ;) genausowenig wie Liveauftritte kostenfrei sein müssten und die Musik für Umme…
    Magnatune ist imho ein gutes Beispiel, wie es auch gehen kann
    Es will hier ja niemand das Urheberrecht ganz abschaffen, legidlich in vernünftige und verbraucherfreundlichere Bahnen lenken,
    Ich denke, da besteht bei Dir noch etwas informativer Nachholbedarf

    @manka
    Yepp, die Laufzeiten sind im Grunde schon unglaublich, wenn man als Vergleich mal die max 25 Jahre im Patentrecht dagegenhält

  57. @Franse: Selbst die 25 Jahre des Patentrechts finde ich nicht mehr angemessen. Wenn man sich mal überlegt was in 25 Jahren heutzutage alles passiert, wie viel technologische Entwicklung in dieser Zeit passiert… da ist das Patentierte u.U. schon nach 5 Jahren überholt…

  58. mE ist es eine Todesstrafe, eine einjährige Sperre bedeutet ebenso den Ausschluss aus der unabhängigen politischen Diskussion und auch der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
    Allein die Kommunikation mit meinen Vereinskameraden und auch mit der Kommune laufen fast nur noch online.

    Was man vielleicht dem Artikel noch hinzufügen könnte wäre Onlinebanking das dann nicht mehr möglich ist, Bücherbestellung, Abgabe der Steuererklärung, Updates der von mir erworbenen Software und so weiter. Juristisch ist das meiner Meinung nach ein schwerwiegenderer Eingriff in das Eigentumsrecht als die Urheberrechtsverletzung.

    Die aktuellen Urheberrechtsgesetze spiegeln das Denken aus dem 19. Jahrhundert wieder, Urheber künstlerischer Erzeugnisse aus der Armut und der Abhängigkeit von Mäzenen zu befreien. Mittlerweile werden damit aber nur noch die Pfründe der Vermarktungsagenturen gesichert. Die Künstler können gerade übers Internet mehr absetzen als je zuvor.
    Warum gibt es denn auch so viele erfolgreiche Ebook-Autoren die ihre Bücher über die eigene Website vertreiben?

    Das Internet schafft einen quasi transparenten Markt und viele Unternehmen die bisher von einem schlechten Informationsgrad der Käufer profitiert haben sehen jetzt ihre Geschäftsmodelle baden gehen.

    Man kann hier immer wieder Kaiser Wilhelm zitieren, der meinte:“ Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd.“
    Der Versuch überholte Dinge zwangsweise zu konservieren wird zwangsläufig scheitern.

  59. About its history: The UGG boots emerged through the first world war with Australia, and at first, CGM, a high end brand, was responsible for the actual production of UGG shoes or boots. Pittsburgh is the traditional industrial city in the united states. There a small quantity of the boots was built nike free run http://www.udsalg-nikefree

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.