Öffentlichkeit

Microsoft würde Netzzensur unterstützen

Der Deutschlandfunk hat den Microsoft Deutschland Chef Achim Berg zum IT-Gipfel befragt und dabei ging es auch um Zensursula: „Mit Sicherheit der richtige Weg“ .

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Heinlein: Wie schädlich sind denn vor diesem Hintergrund die aktuellen Debatten um Online-Durchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung, oder eben auch Internet-Sperren für Ihre Branche?

Berg: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Das heißt, ich muss mich im Internet auch an gewisse Regeln halten. Das haben einige etwas durcheinandergeworfen mit Meinungsfreiheit. Das ist aber nicht das Gleiche. Ich muss mich an Recht und Gesetz halten und das hat im Internet genauso zu gelten wie auch im realen Leben.

Heinlein: Wenn Sie Bundespräsident wären, würden Sie dieses Gesetz unterschreiben?

Berg: Ich würde es aus einem Grund unterschreiben, und zwar nicht, weil es unbedingt jetzt hilft, den Zugang zu erschweren, sondern es geht darum: Ich zeige sehr plastisch, auch wenn es Kleinigkeiten sind, dass ich mit Kinderpornografie nichts zu tun haben möchte und dass ich das auch aktiv blocke. Dass es natürlich Spezialisten gibt, die das umgehen können, vielleicht sogar sehr einfach umgehen können, das ist ein Thema. Aber es geht mir hier mehr um Symbolcharakter.

Hier ist die MP3.

[Danke an Justus und Stefan]

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45 Kommentare
  1. „Aber es geht mir hier mehr um Symbolcharakter.“ — Darum geht es auch in diesem nutzlosen Gesetz. Wir implementieren eine Millionen Schwere Infrastruktur (Die ja niemals irgend wann missbraucht wird wie die menschliche Historie zeigt) um ein Symbol zu setzen. GZ! #bullshit

  2. Widerlich. Innerlich windet der sich wahrscheinlich wie ein getretener Wurm, aber nach außen hin biedert er sich der Politik an. Ich vermute, um nichts anderes geht es. Akzeptanz bei den Herrschenden = mehr verkaufte Windoofs-Lizenzen.

  3. „Spezialisten, die das umgehen können“ … das tut ja weh. Manchem Politiker älteren Semesters mag man das ja noch als Uninformiertheit durchgehen lassen, aber vom Deutschlandchef eines Softwareriesen ist das bewusstes Verdrehen von Fakten. Genau wie der Rest des Interviews sehr nach „Wir verbessern unser Image durch blödsinnige, aber kurze und eingängige Parolen“ klingt.

  4. Die Aussage, dass man Meinungsfreiheit nicht mit Rechtsfreiheit verwechseln sollte, finde ich eigentlich ganz gut. Hin und wieder (nicht hier, aber an anderer Stelle) könnte man wirklich den Eindruck gewinnen, dass einige sich mit dieser Unterscheidung schwer tun.

    Die Aussage „Ich zeige sehr plastisch, auch wenn es Kleinigkeiten sind, dass ich mit Kinderpornografie nichts zu tun haben möchte und dass ich das auch aktiv blocke.“ spiegelt aber genau das wieder, was Urselchen im Sinn gehabt hat: wer nicht dafür ist hat wohl was mit Kinderpornographie zu tun. Bei Hr. Berg hat diese Kampagne also schon gewirkt…

  5. Sollte ein „Microsoft Deutschland Chef“ nicht irgendwie Ahnung von Technologie haben? Seine Aussage kommt mir genauso so sinnentleert vor, wie die mancher Politiker.

  6. Ah meine Lieblingszeile.
    „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“.
    Und gleich noch in der ersten Zeile. Ich bin beeindruckt!

    Und bevor jetzt jeder Apple Fanboy anfängt auf Microsoft rumzuhacken frage ich mich ganz schlau ob die Apple-Chefs das nicht auch so sehen wenn jemand sie fragen würde.

    Aber ich kann mich der Meinung hier nur anschließen. Während ich von einigen Leuten gewohnt bin, das Öffnen der Systemsteuerung als Fachwissen zu deklarieren, erschreckt es mich das es diesmal (glaube ich) ECHTES Fachpersonal das auch so sieht.

    Traurige Zeiten mit noch traurigeren Parolen.

  7. „Dass es natürlich Spezialisten gibt, die das umgehen können,“

    … sprach der Verkäufer eines eigentlich total umständlich und kompliziert zu bedienenden Betriebssystems, der dem Kunden gleich einen Kurs zum MSCE dazu verkaufte.

  8. Naja was ist schwieriger, ifconfig -xyz oder n rechtsklick auf das „Netzwerk- und Freigabe-Center“?

    Ich finde wir sollten nicht in allgemeines Windows Geflame verfallen. Fakt ist ja wohl, das keins von beiden einen zu einem „Spezialisten“ macht.

    Es ist aber schon schlimm, dass der MS-DE chef die welt so einfach darstellt.

    – Symbolcharakter
    – Nein zu KP
    – Rechtsfreier Raum

    Hm ich frage mich wer da gerade die Fäden zieht, dahär fände ich es interessant, wenn mal jemand die Verbindungen in die Politik untersuchen könnte.

    Mehr Windows-Lizenzen, also Wirtschaftliches Interesse halte ich da für garnicht mal unplausibel.

  9. Aha, soso, Symbolcharakter. Und um einer einen Symbolpolitik willen will Herr Berg eine Zensurinfrastruktur implementieren, wie sie im Falle Chinas so sehr kritisiert wird?

    Und, ja Herr Berg, das Internet IST kein rechtsfreier Raum. Hier gelten genau die gleichen Gesetze wie außerhalb. Wird man also im Internet nur um der Symbole willen kriminalisiert?

  10. passt ja wieder gut ins vorherrschende bild: microsoft der boesewicht wuerde nun auch noch netzzensur unterstuetzen…

    das der aufmacher des artikels die aussage von herrn berg im kontext anders darstellt, zeugt von bewusst einseitiger betrachtungsweise…

  11. Ben
    Dez 8th, 2009 @ 12:40

    Die Aussage, dass man Meinungsfreiheit nicht mit Rechtsfreiheit verwechseln sollte, finde ich eigentlich ganz gut.
    ———–

    Eigentlich sind die aussagen der FDP in der regel auch super!
    Nur das Problem das das was amn sagt,und das was man dann tut rein gar nix miteinander zu tun haben!

    meinungsfreihiet heißt das jemand der glaubt das es den holocaust nicht gegeben hat,das frei sagen kann!
    Das kann man in Deutschland aber nicht!

    Die Regierung und co. verwechseln fakten mit meinung!
    In deutcshland muss eine Meinung mit fakten belegt werden,ansonsten ist die Meinung potentiel eine straftat,das hat überhaupt nix mit meinungsferhiet zu tun.

    Eigentlich müsste jeder gläubige mensch der sagt das es gott gibt eingesperrt werden,wenn man das holocaust gesetzt so anwenden würde wie man gesetze in einem Rechtsstaat anwendet!

    Die existenz von gott ist nähmlcih länsgt wiederlegt,da gott wnen es ihn geben würde schon längst bden beweis seiner existenz erbracht hätte,hat er aber nicht!
    Daher läugnen die gläubigen die exsitens des urknalls,und sind damit verbrecher!

  12. Symbolcharakter vs. Kipo Raus aus dem Netz

    Microsoft hatte Zensursula zum Frühstück, wahrscheinlich aber eher andersherum, hinter dem Symbolcharakter lassen sich auch lukrative Geschäfte verstecken

    Gruß

    1. @Stefan (17):

      Ich habe einen gewissen „wissenschatftlichen Background“, das heißt, für mich gilt der Grundsatz: Eine Aussage ist nicht deswegen richtig oder falsch, weil es per Gesetz so festgelegt wurde, die Korrektheit muss wissenschaftlich bewiesen/belegt oder widerlegt werden.

      ABER: Ich respektiere das Bundesverfassungsgericht; und in diesem speziellen Fall akzeptiere auch das entsprechende Urteil, was es irgendwann mal dazu gab. Es ist nun mal eine Beleidigung und Verletzung der Menschenwürde der Überlebenden des Holocaust und der Angehörige der Opfer, wenn man behauptet, dieses grausamme Verbrechen des systematischen Massenmordes im industriellen Maßstab habe nie stattgefunden. Vielleicht können wir im Jahre 2050, wenn die Überlebenden sowie die direkten Angehörigen nicht mehr auf der Welt sind, darüber nachdenken, den § 130 StGB anzupassen; aber jetzt noch nicht.

      Achja … falls mich jemand falsch verstehen sollte: Ich bin der absoluten Überzeugung, dass der Holocaust stattgefunden hat.

  13. Ich gebe zu, dass mir nach den Kommentaren ein wenig der Mund offen stehen blieb.
    Das Gegenteil von Kunst ist gut gemeint… kann man damit jeder noch so nutzlose Gesetz rechtfertigen, wenn ein guter Wille dahinter steht? *kopfschüttel*

    Welche Bürosoftware läuft eigentlich im Familien- und jetzt Arbeitsministerium? (alle Vermutungen sind rein fiktiv und weisen keinen Zusammenhang mit tatsächlich lebenden Personen und Institutionen auf…)

  14. Herr Berg würde als lieber den Dreck im Netz lassen und symbolisch einen Vorhang vorhängen, damit man ihn nicht so schnell findet wie Ursula von der Leyen es vorhatte, anstatt wie die neue Justizministerin den Dreck zu löschen.

    Aha. Symbolisch.
    Und real würde er amtlich bekannte Kinderpornografie an Schulen durchlassen, bloss weil sie kleine Provider haben, wie UvdL und Zypries es vor hatten.

    Er hat wohl weder das Gesetz gelesen, noch die verfassungswidrige Lesungen verfolgt. Ein schöner Gipfel ist. Romantische Morgenlandfahrer fern jeder Realität.

    Deshalb kommt wohl so wenig beid en „Gipfeln“ der Frau Merkel heraus. „Über den Wipfeln ist Ruh.“ (Darf man das noch zitieren oder verbieten es die Mahnwahnmafia-Anwälte auch schon?

    Danke. Dann sind mir statt symbolischer Vorhänge reale Löschungen lieber.

  15. Die Begründung ist irgendwie… fragwürdig:
    Zitat: „Ich zeige sehr plastisch, auch wenn es Kleinigkeiten sind, dass ich mit Kinderpornografie nichts zu tun haben möchte und dass ich das auch aktiv blocke.“

    Und mit Rechtsradikalismus möchte er auch nichts zu tu haben? Und mit dem Irak-Krieg? Mit Linux? Mit sämtlichen Nicht-Microsoft-freundlichen-Seiten? Mit dem was der US-Regierung grad nicht so ganz passt?

  16. @ Philipp: (# 20.)

    Nicht mal unbedingt Ministerposten.

    Leute wie Berg eignen sich auch vorzüglich als Bundesdrogenbeauftragte.

    Da braucht man (auch) kein bzw. kaum Fachwissen, kann aber bspw. erst mal fordern, Hanfblatt-Aufkleber zu verbieten, um ein „Symbol“ gegen Drogenmissbrauch zu setzen.
    Mit dem üblichen „Erfolg“ natürlich.

  17. @Stefan (17).

    Boah. Was fürn Schwachsinn!
    Von Religionsfreiheit hast du wohl noch nichts gehört!
    Wenn ein Gläubiger also sagt, dass Gott existiert, dann ist das nicht seine Meinung sondern sein Glaube.

    Und dass die Existenz Gottes widerlegt wurde, glaubst auch nur du!

  18. Wie wäre es mit folgendem Versuch zur Generierung sarkastischen Wohlbefindens:

    1. Folgende Frage rezitieren: „Was hat sich ein Unternehmen aus einem Drittstaat überhaupt in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik Deutschland einzumischen?“

    2. Tief luftholen und anhalten.

    3. Bei Erreichen der kritischen Ironie selbsttätig ausatmen.

    Die nächste Übung ist – nachdem der Sarkasmus abtrainiert ist – diese Frage bei Veranstaltungen öffentlich zu stellen. Da gibt es bestimmt spannende Antworten.

  19. Hmm, ich finde die Überschrift zum Artikel etwas misslungen…
    Und zwar hat hier nicht Microsoft als Konzern seine Meinung zum Thema Websperren geäußert, sondern Herr Berg, der Chef der Microsoft Deutschland ist. Und in meinen Augen ist das eine Äußerung seiner persönlichen Meinung (wie auch bei Frau von der Leyen). Eben auf diese und auf die anderen Bundestagsabgeordneten bezogen würde es ja dann auch heissen: Deutschland befürwortet Netzzensur.

    Ja, leider bist auch Du Deutschland…

    1. @Jaycee: Du kannst Dir sicher vorstellen, dass in dem Interview nicht Herr Berg als Privatperson interviewt wurde, sondern als offizieller Vertreter der Firma MIcrosoft.

  20. Eine Zensurinfrakstruktur mit symbolischem Charakter gegen Dokumentationen von Kindesmissbrauch will der Herr von Microsoft? Braucht man kein Gehirn, um bei Microsoft in leitender Position tätig zu sein? Oder gehört Veralberung zur Firmenphilosophie?

  21. @markus: Ja, wenn ich deinem Argument folge, dann ist aber auch das Wort des Pressesprechers der SPD-Bundestagsfraktion die Meinung aller SPD-Mitglieder zu genau diesem Thema. Dass er in seiner Funktion als Vertreter der Firma Microsoft interviewt wurde ist zwar richtig, aber Gespräche mit anderen Mitarbeitern genau dieser Firma zum Thema haben mir persönlich aber eine andere Einstellung vermittelt. Leider ist dies wie eine Brandmarkung aller MS-Mitarbeiter, egal wie diese denken.
    Erinnert mich irgendwie an Hexenverbrennungen im Mittelalter bzw. an den Vorwurf genau an Ursula von der Leyen: Wer nicht für uns ist, ist eben gegen uns und gehört bestraft.

    Schade eigentlich, dass für die Äußerungen von Herrn Berg auch andere den Kopf hinhalten sollen…

    Auch weil ich das Gesetz und vor allem die Idee schon alleine für unsinnig halte.

    1. @Jaycee: Er ist CEO und repräsentiert in dieser Funktion MIcrosoft nach draussen. Er spricht da nicht mit seiner Privatmeinung, sondern ist das „Sprachrohr“. Microsoft-Mitarbeiter haben ihre eigene private Meinung, aber diese werden sie nicht im Namen von Microsoft öffentlich kommunizieren.

  22. Symbolcharakter? Darauf kann ich wahrlich verzichten. Vor allem auf das Symbol, welches wir mit dem Stopp-Schild aufstellen: Da wird ein Kind missbraucht und Deutschland schaut weg!

  23. Der letzte Absatz hat es in sich. Das Statement „Ich würde es aus einem Grund unterschreiben … Ich zeige … dass ich mit Kinderpornografie nichts zu tun haben möchte“ kann man im Umkehrschluss auch so lesen, dass in seinem Sinne die Motivation der/ des Nichtunterzeichner/s dieses Gesetzes gegenläufiger Natur ist.

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