Angriff auf das Internet – mit Methoden aus dem Netz

Nette Glosse über das Telekom-Paket in der Futurezone: Die Cracker-Taktik der Lobbyisten.

Die Taktik, mit der die Medienindustrielobby dabei vorgegangen ist, scheint eine Analyse wert zu sein, da sie den Angriff auf das Internet mit Methoden geführt hat, die aus dem Netz selbst stammen.

1. Trojaner: Die Änderungsanträge im Sinne der Medienindustrie sind trojanischen Pferden nicht unähnlich.
2. Hypertext: Die Verteilung auf verschiedene Änderungsanträge ähneln einem hypertextualen Aufbau, man muss sich das gemeinsame Framework anschauen, inklusive aller Querverweise auf andere Richtlinien und Direktiven.
3. DDOS: 1000 Änderungsanträge halfen, dass kaum noch jemand den Überblick hatte, worum es eigentlich geht.
4. Virenscanner: Das ist die „vernetzte europäische Bürgergesellschaft“.

Anstatt reflexhaft gegen die EU zu wettern, gehen Citoyens – bezeichnenderweise gibt es in der deutschen Sprache kein Wort für die aktive und kämpferische Ausprägung des Bürgertums – wie Monica Horten direkt ins System, in seinen Quellcode, werten ihn aus und fassen ihn in einer verständlichen Analyse zusammen. Dieses Debugging ist eine harte und monotone Arbeit. Aber eine, die das Netz am Leben erhält.

Die Sendung „Computer & K0mmunikation“ beim Deutschlandfunk berichtete am Samstag ebenfalls über das europäische Gesetzespaket und liess zwei EU-Abgeordnete zu Wort kommen: Privatsphärenschutz contra Unrechtsbekämpfung.

Damit ist Angelika Niebler, Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei und Vorsitzende des Industrieausschusses des Europäischen Parlaments ganz zufrieden:

„Wir wollten natürlich schon sicherstellen, dass keine ungesetzlichen Inhalte auf den Internet-Seiten zu finden sind und wollten die Provider in die Pflicht nehmen. Auf der anderen Seite wollten wir aber verhindern, dass die Provider jetzt hier die Funktion eines Staatsanwaltes übernehmen und nach Inhalten suchen. Ich denke, da hätten wir die Pflicht der Telekomanbieter auch überspannt. Jetzt haben wir einen Kompromiss gefunden, der beide Seiten zu einer engen Zusammenarbeit auffordert, und ich denke, das ist auch der richtige Ansatz.“

Rebecca Harms, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und für diese Fraktion im Industrieausschuss, hätte sich gewünscht, dass der Umgang mit möglicherweise illegalen Inhalten überhaupt nicht im Telekommunikationspaket geregelt wird, sondern dass hier auf bereits bestehende Regelungen verwiesen wird:

„Ich bin mit meiner Idee, dass wir zum Umgang mit sogenannten illegalen Inhalten nur auf die bestehende Rechtslage verweisen sollten, gescheitert. Meiner Meinung nach sollte dieses ganze Problem jetzt im Rahmen des Telekom-Pakets überhaupt nicht angefasst werden, das ist nicht die richtige Regulierung, die wir da machen, um uns mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Hier ist die MP3 dazu.

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