Indien

  • : OOXML auf Eis
    OOXML auf Eis

    Teilsieg für OOXML-Kritik: Vorerst wird die geplante Spezifikation nicht veröffentlicht, und damit nicht gültig, berichtet heise:

    Aufgrund der vier Einsprüche von Mitgliedsstaaten gegen die Normierung von Microsofts Dokumentenformat Office Open XML (OOXML) durch die Internationale Organisation für Normung (ISO) und die Internationale elektrotechnische Kommission (IEC) werden die beiden Genfer Standardisierungsorganisationen die überarbeitete Spezifikation zunächst nicht veröffentlichen. Die Publikation der geplanten Norm ISO/IEC DIS 29500 könne gemäß den Regeln der Einrichtungen erst erfolgen, wenn das Ergebnis der Widersprüche bekannt sei, teilt die ISO mit.

    Zwar ist OOXML im Prinzip schon abgesegnet, aber das Dokumentformat bleibt zumindest in der jetzigen Form überflüssig und schädlich – es wurde ja im bisherigen Schnellverfahren noch keine abschließend gültige Fassung der 6000 Seiten umfassenden Spezifikation veröffentlicht.

    Dr. Deepak B. Phatak aus der indischen technischen Normierungskommission hat einen offenen Brief formuliert, der klarstellt, warum Indien (wie Venezuela, Brasilien, Südafrika) Einspruch eingelegt hat: „Es sei nicht einmal klar, welche Norm nun aus dem Schnellverfahren herausgekommen sei, heißt es darin etwa. Die Annahme eines unausgegorenen Standards bedeute, dass über lange Zeit höchstens Implementierungen von Microsoft selbst zu erwarten seien und von einem offenen Prozess nicht die Rede sein könne.“ übersetzt heise.

    Der Brief ist bei Groklaw abgedruckt; ich finde diesen einen Punkt am spannendsten: OOXML soll als ‚legacy-free’ Konvertierungsformat funktionieren, das alte Dateien lesen, aber neue Dateien ohne Merkmale der alten Dateiformate schreibt. Damit würde das de-facto-Monopol gebrochen, das allein Microsoft bilden kann, weil es qua Manpower und Marktinteresse die weiche und unpräzise Spezifikation technisch implementieren kann. Er beschreibt es so:

    vii) … Our view was that the backward compatibility is only useful to ensure that a legacy document with deprecated features can be read by a conforming implementation and can then be correctly migrated to the new standard, or to ODF through interoperability. While a number of other countries have a very large number of documents presently in Microsoft proprietary format, Indian situation is not comparable since most of the Indian documents are still in the paper form and would get digitized over the coming decade. We believed that going forward, India would benefit by having only the new features of OOXML in our documents, if one chooses to use products conforming to this standard eventually after it gets adopted by India. This requirement was expressed by us, along with others, as an important concern at the LITD 15 meeting held just before the BRM. Microsoft agreed to change its disposition to state that such deprecated features will NOT be present in documents, which are freshly created, including those, which are migrated.

    Es bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Sitzungen, wenn die Details abschließend abgearbeitet sind, sich nicht wieder 22 von 32 Mitgliedern der Stimme enthalten. Dann könnte diese Pause in der Sache etwas bringen. Wer es noch nicht getan hat, kann unterdessen dem EU-Parlament zeigen, dass er/sie Offene Formate unterstützt.

    10. Juni 2008 4
  • : Google bleibt weiter böse
    Google bleibt weiter böse

    Wie Techcrunch berichtete, hat Google einen seiner Orkut-User an die indische Polizei ausliefern geholfen. Aus dem Ursprungsartikel bei Express India:

    You can have an opinion about anyone in a free country like India, even someone as important as Sonia Gandhi, but if you are not careful about the way you give expression to it, you could land in serious trouble.

    This is precisely what happened to 22-year-old IT professional Rahul Krishnakumar Vaid from Gurgaon, Haryana who was arrested by the Pune police for posting derogatory content about Congress chief Sonia Gandhi and Mahatma Gandhi on an orkut community named — “I hate Sonia Gandhi”. […]

    Vaid was charged under section 292 of Indian Penal Code and section 67 of the Information Technology Act because he created a profile and then posted content in vulgar language about Sonia Gandhi in the community.

    Gulli fasst die Rechtfertigung so zusammen: Google denunziert, Inder wird verhaftet:

    Zum Verhängnis wurde Vaid, dass er in seinem Profil die Adresse seines Google-Mailaccounts angegeben hatte. Anhand dieser konnte seine Identität festgestellt werden. Eine Polizeieinheit nahm ihn am Freitagabend fest und flog ihn von seinem Heimatort Haryana ins ca. 1200 Kilometer entfernte Pune, wo er Samstag dem Haftrichter vorgeführt wurde. Dort gab er an, Sonia Gandhi tatsächlich zu hassen. Über das mögliche Strafmass seiner Handlung wäre er sich aber nicht im Klaren gewesen. Bis Mittwoch bleibt Vaid in Untersuchungshaft. Sollten die Vorwürfe gegen ihn bestätigt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 100.000 Rupien (ca. 1.500 Euro).

    Im November hatte Rachel Whetstone, PR-Beauftragte von Google im offiziellen Blog der Suchmaschine erläutert, inwieweit sie ihr „Do no evil“-Konzept in Einklang mit nationalen Gesetzen bringen wollen, wenn man an die lokal geltenden Grenzen der Meinungs- und Redefreiheit stößt:

    In einigen Fällen ist es ganz einfach. Wir haben zum Beispiel ein produktübergreifendes Verbot gegen Kinderpornographie, die in nahezu allen Ländern illegal ist. Aber wenn es zu politischem Extremismus kommt, ist das nicht so einfach. Verschiedene Länder ziehen verschiedene Schlüsse, wie man mit diesem Thema umgeht. In Deutschland gibt es ein Verbot zur Verherrlichung von Nationalsozialismus – also entfernen wir Nazi-Inhalte von allen Produkten unter Google.de (unserere Domain für deutsche User). Die Geschichte anderer Länder macht es besonders sensibel, bestimmte Themen anzusprechen oder zu kritisieren. Und wieder andere Länder glauben, dass die beste Art und Weise, Extremisten zu diskreditieren ist, den öffentlichen Vortrag ihrer Argumente zu erlauben. (Eigene Übersetzung)

    [via gulli.com]

    19. Mai 2008 5
  • : Microsoft verkaufte Software aus steuerlichen Gründen?
    Microsoft verkaufte Software aus steuerlichen Gründen?

    Angeblich hat Microsoft in Indien versucht, Steuern zu sparen, indem sie angaben, ihre Software zu verkaufen und nicht etwa mit einem Lizenzvertrag dem Kunden zu vermitteln.
    Irgendwie kamen die indischen Behörden aber nicht drumherum, zu bemerken, dass die Microsoft-Produkte nur so in Lizenztexten schwimmen. Mehr dazu über BoingBoing.

    4. April 2008
  • : Netzpolitik-Podcast: Lawrence Liang über Piraterie
    Netzpolitik-Podcast: Lawrence Liang über Piraterie

    Lawrence Liang ist Piraterie-Forscher beim Alternative Law Forum in Bangalore / Indien. Er findet Piraterie ökonomisch gar nicht schlimm, wie man das immer von den Rehteinhabern hört. Sie sei sogar hilfreich, nicht nur auf lokalen Märkten und in Entwicklungsländern. Dieses Interview habe ich mit ihm am Strand von Dubrovnik während des iSummit gemacht. (Daher gibt es manchmal strandspezifische Hintergrundgeräusche). Er beschreibt den ökonomischen Effekt von Piraterie im Allgemeinen und besonders beim Geistigen Eigentum, wie Microsoft mit Piraterie eine Monopolstellung erreichen konnte, warum starke Geistige Eigentumsrechte schlecht für Innovation ist und wie Hollywood und Bollywood auf Piraterie aufgebaut wurden. Etwas geht es auch noch um Indien. Insgesamt ist das Interview ein bunter Strauss an Themen. Hört es Euch an.

    Das Interview ist 25 Minuten lang und auf englisch. Es liegt als MP3 (22MB) und als OGG (18MB) vor.

    Weitere Texte von Lawrence Liang:

    A Guide To Open Content Licences (PDF)
    Copyright/Copyleft: Myths About Copyright.
    The Black and White (and Grey) of Copyright

    22. Juni 2007 7
  • : Indien: Mit Fingerabdrücken gegen Raubmorde?
    Indien: Mit Fingerabdrücken gegen Raubmorde?

    In Indien startet jetzt ein Pilotprojekt biometrischer Identifizierung im öffentlichen Bankenwesen, wie Silicon.de berichtet: Pilotprojekt für Geldautomaten mit Fingerscan in Indien.

    Die Erklärung, dass man mit der Biometrie-Technologie mehr Sicherheit gegenüber Raubmord, Erpressung und Korrpution schaffen wollte, klingt wahlweise ziemlich naiv, blauäugig oder sehr PR-lastig:

    Das System mit Magnetkarten und Pins sei unsicher geworden, heißt es. Bei der Landbevölkerung gebe es ein System der Korruption und Erpressung, bei dem Mittelsmänner die Barschaften der Armen durch „Hilfe beim Abheben“ noch weiter schmälerten. Auch Diebstahl und Raubmord in der Nähe der Automaten seien verbreitet, auch wenn die Ausgabemenge auf derzeit etwa 230 Dollar täglich beschränkt ist. Durch den Fingerabdruck-Scan erhoffen sich die Behörden weniger Verbrechen.

    22. Januar 2007 2
  • : NetzpolitikTV: Freie Software in Indien
    NetzpolitikTV: Freie Software in Indien

    In diesem NetzpolitikTV-Interview mit Atul Chitnis von foss.in geht es um Freie Software in Indien. foss.in ist die grösste Freie Software Konferenz in Indien und vergleichbar mit dem LInuxTag. Atul berichtet über die Verbreitung von Informationstechnologie und Linux und wie sich die Freie Software Community in Indien entwickelt.

    Das Interview ist ca. 9 MB lang und als MP4 oder im freundlichen OGG-Format in High Quality verfügbar. Oder hier als Flash:

    6. Januar 2007 3
  • : Linux verändert Indien
    Linux verändert Indien

    Ich schaffs ja wieder nicht zum 23C3, kann manches aber auch bei der Tagesschau nachlesen. Atul Chitnis hat einen Vortrag gehalten darüber, dass Linux Indiens Landschaft umgekrempelt hat: „Hacking a Country: FOSS in India“. In der ARD liest sich das so:

    In der indischen Öffentlichkeit wurde das Phänomen Linux jedoch kaum wahrgenommen, bis es Chitnis und seinen Mitstreitern 1999 gelang, einen Pavillon auf einer großen IT-Messe in Bangalur zu ergattern. Die Präsentation wurde zum Highlight der Veranstaltung im indischen Silicon Valley: In drei Tagen kamen 150.000 Interessenten, selbst die Rekrutierungsstände von US-Softwareunternehmen konnten keinen derartigen Zulauf verzeichnen.

    Spätestens seit diesem Event galt Linux in Indien als etabliert: Die Universitäten und auch die Regierung begannen sich für das Betriebssystem und die kostenlose Open-Source-Software zu interessieren. Im akademischen Bereich ist es quasi zum Standard geworden: Viele Schulen haben Linux in den Lehrplan aufgenommen, einige Universitäten verlangen sogar, dass Abschlussarbeiten in Informatik den Open-Source-Kriterien entsprechen müssen. Es gab sogar Überlegungen der Regierung, Linux bei Ausschreibungen als verbindliches Betriebssystem festzulegen – eine Einschränkung, die sogar Chitnis zu weit ging: „Wir wollten kein neues Monopol schaffen.“ Da es in Indien Dutzende Sprachen und Schriften gibt, wurden entsprechende Linux-Versionen entwickelt. Ein Nebeneffekt: Indische Informatiker wurden so zu international anerkannten Experten für die Lokalisierung von Software.

    Das zeigt exemplarisch vor welchem Paradigmenwechsel sich Microsoft immer fürchtet.

    29. Dezember 2006 8
  • : Indiens ISP blockieren Blogs großer Portale
    Indiens ISP blockieren Blogs großer Portale

    In Indien blockieren grosse ISPs wohl auf Anweisung eines Ministeriums grosse Blogportale wie Typepad, Blogspot und Geocities. Als Grund wird die Terrorabwehr genannt, da Terroristen Blogs zur Kommunikation nutzen würden… BoingBoing aggregiert im Moment verschiedene Berichte und es gibt eine Googlegroup, wo sich betroffene Blogger vernetzen.

    [Danke an Thilo per Mail]

    Update:

    Danke an Falk für den Hinweis in den Kommentaren auf die Hindustan-Times: 12 sites on Govt gag list. Anscheinend ist die ganze Filterung mehr oder weniger ein Kollateralschaden. Das Ministeriums wollte wohl zwölf „anti-indische“ Blogs filtern lassen und dabei wurden halt einfach die ganzen Dienste abgeschaltet.

    Officials defended the decision saying, „We would like those people to come forward who access these (the 12) radical websites and please explain to us what are they missing from their lives in the absence of these sites.“

    18. Juli 2006 4