Liebe Leser*innen,
am Wochenende war ich auf einer Freiluft-Party im Park. Auf der Tanzfläche hat jemand eine Videodrohne fliegen lassen. Wenn deren Bilder im Netz landen, kann die Polizei mit ihrer neuen Gesichtersuchmaschine – einem von mehreren geplanten KI-Überwachungstools – bald identifizieren, wer hier war. Ein Tanzender hat dann das Gerät aus der Luft gepflückt, ausgeschaltet und weggelegt. Ich musste an Ozzy Osbourne denken, der einst angeblich bei einem Konzert eine Fledermaus aus der Luft schnappte, um ihr den Kopf abzubeißen.
Die Menschen auf der Tanzfläche haben gejohlt und geklatscht. Dann kam der Drohnenbesitzer angestürmt und versuchte, sein Gerät zu finden. Er verkündete unaufhaltsam, dass es ja wohl okay sei, auf dem Fest Drohnenaufnahmen zu machen.
Immer mehr Menschen filmen andere, die dem nicht eindeutig zugestimmt haben. Sie kreieren ein Machtungleichgewicht. Sie nehmen den Abgebildeten ungefragt biometrische Daten ab. Und die können sich – innerhalb des legalen Rahmen – nicht wirklich wehren, höchstens den Platz räumen oder sich vermummen.
Am Ende hatte der Kamerajäger übrigens noch Erbarmen mit dem zunehmend weinerlichen Ex-Drohnen-Führer. Er verriet ihm, wo er das Gerät finden kann.
Viel Spaß beim Lesen!
Martin

Schreibe eine Ergänzung!