Liebe Leser:innen,
„Unter Anleitung der Konzerne, die allzu gerne alles über uns wissen wollen, bauen wir uns nun unsere eigene Überwachungsstruktur, mit der wir uns gegenseitig ausspionieren. Im Gegenzug bekommen wir selbst ein bisschen Macht über die Menschen um uns herum.“ Dieser Satz aus der Kolumne von Carla Siepmann hing mir noch ein bisschen nach. Sie beschäftigt sich mit „Smart Glasses“, kaum von normalen Brillen unterscheidbare Aufzeichnungsgeräte, für alle mit genug Geld verfügbar und eine riesige Bedrohung für unser aller Privatsphäre. Weil plötzlich hinter jedem mit Brille einer stecken könnte, der uns filmt – und es danach auf TikTok und Co. hochlädt.
Das gibt den Filmenden vielleicht Macht. Aber es macht auf lange Sicht auch ganz schön einsam, sowohl die Überwacher als auch die Überwachten. Denn wenn ich bei jedem zwischenmenschlichen Austausch Angst haben muss, gefilmt zu werden, wen sollte ich da noch ansprechen? Wenn ich Angst haben muss, ob ich jemandem auf seine Frage nach dem Weg antworten kann, ohne unfreiwillig viral zu gehen, werden vermutlich viele gute Zufallsbegegnungen verschwinden. Das wäre am Ende ganz schön traurig.
Besorgte Grüße
anna

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