Auf den PunktDie EU vertraut auf KI bei der Terror-Bekämpfung.

  • Tomas Rudl

Liebe Leser:innen,

wenn etwas an der neuen Anti-Terror-Strategie der EU-Kommission auffällt, dann ist es das Vertrauen in Künstliche Intelligenz. Ob Forschung oder Polizei-Praxis, die Richtung gibt Brüssel klar vor: „Algorithmische Profilerstellung und vorhersagende Polizeisysteme“, wie es die Digital-Aktivistin Chloé Berthélémy auf den Punkt bringt, sollen in großem Stil einziehen.

Auf einer einsamen Insel befindet sich die Kommission damit nicht. Der Trend hat weltweit Polizeien und Geheimdienste erfasst, die nach immer größeren Datenbergen und KI-gestützten Analysetools wie jenen von Palantir verlangen. Diese Berge könnten drastisch anwachsen.

Nicht nur soll etwa Online-Gaming stärker ins Visier geraten, die Kommission will auch die Überwachung von Fluggästen künftig auf See- und Landverkehr ausweiten. Was sonst noch in der neuen Strategie steckt, könnt ihr bei uns nachlesen.

Wir bleiben dran.

Tomas

Unsere Artikel des Tages

Sex, Banking, ToiletteIntime Aufnahmen aus Metas Kamera-Brille landen in Nairobi

Manche Nutzer:innen der Überwachungsbrille filmen sich beim Sex. Das und vieles mehr landet wohl auf den Bildschirmen von Arbeiter:innen in Kenia, die im Auftrag von Meta die „KI“ trainieren. Mehr als 30 von ihnen haben schwedischen Journalist:innen ihre Erfahrungen geschildert.

Fahrplan für InteroperabilitätEU erweitert ihre Datenbanken mit Gesichtserkennung

Die EU-Behörde eu-LISA arbeitet weiter daran, Fingerabdrücke und Gesichtsbilder zu vernetzen. Nach Einrichtung einer Superdatenbank werden jetzt noch mehr Systeme angeschlossen. Dazu gibt es einen neuen Fahrplan bis 2030.

Neue StrategieEU setzt auf Künstliche Intelligenz gegen Terror

In ihrer neuen Anti-Terror-Strategie setzt die EU-Kommission stark auf KI-gestützte Datenanalysen und Vorhersagen. Neben dem Blick in die digitale Glaskugel will sie unter anderem auch mehr Uploadfilter einsetzen – und Online-Gaming stärker ins Visier nehmen.

ÜberraschungAusschuss stimmt gegen freiwillige Chatkontrolle

Der Justiz-Ausschuss des EU-Parlaments hat die Verlängerung der freiwilligen Chatkontrolle abgelehnt. Liberalen und Grünen geht das Gesetz zu weit, Christdemokraten geht es nicht weit genug. Nächste Woche stimmt das Parlament im Plenum darüber ab.

Forschende schlagen AlarmStaaten sollen Social-Media-Verbote stoppen

Regierungen und Parlamente weltweit sollen ihre Pläne für Social-Media-Verbote nicht weiter verfolgen. Das fordern mehr als 400 Forscher*innen aus 29 Ländern in einem offenen Brief. Sie wollen zuerst prüfen, ob Alterskontrollen überhaupt wirksam und sicher sind.

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Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von Phys.org vom 04. 03. 2026

In Kalifornien sind kürzlich Regeln gegen Luftverschmutzung gescheitert, weil sich so viele Menschen dagegen ausgesprochen haben. Doch über 20.000 negative Stellungnahmen waren KI-generiert: Mit CiviClick, der „ersten und besten KI-gestützten Graswurzel-Plattform“.

Ticker-News von Die Zeit vom 04. 03. 2026

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lässt Buchhandlungen mit dem Haber-Verfahren durch den Verfassungsschutz überprüfen. Mit diesem Mittel werden auch schon zivilgesellschaftliche Organisationen durchleuchtet.

Ticker-News von UK Parliament vom 04. 03. 2026

Das britische Oberhaus will Besitz und Verbreitung von Pornos verbieten, die sexuelle Beziehungen zwischen Stiefverwandten zeigen. Auf vielen Porno-Plattformen zeigen Videos fiktive Szenarien rund um vermeintliche Stiefeltern und Stiefgeschwister.

Ticker-News von BBC vom 04. 03. 2026

Nach dem Aufschrei über den Deal zwischen OpenAI und dem US-Kriegsministerium gesteht CEO Sam Altman Fehler ein. OpenAI-Produkte sollten nicht „absichtlich“ US-Bürger*innen überwachen, erklärt der Konzern.

Ticker-News von BBC vom 04. 03. 2026

Kontrolle statt Privatsphäre: Im Gegensatz zu Instagram oder Facebook Messenger will TikTok keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für private Chats einführen. Der Konzern hält es für sicherer, wenn Angestellte mitlesen können.

Ticker-News von Science Media Center vom 04. 03. 2026

Forschende fanden keine messbaren Effekte politischer Facebook- und Instagram-Werbung auf das Ergebnis der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten 2020. Fachleute ordnen die Studie als methodisch gut ein, mahnen aber zur Vorsicht bei der Deutung.

Ticker-News von ARD vom 03. 03. 2026

Ab 3. März soll eine Software abendliche und nächtliche Verkehrs- und Wettermeldungen auf ARD-Popwellen einsprechen. Die sogenannte KI soll dabei die Stimmen der Moderator*innen imitieren.

Ticker-News von The Guardian vom 03. 03. 2026

Das Vereinigte Königreich will herausfinden, was Social-Media-Entzug mit Minderjährigen macht. Eine Testgruppe aus 150 Jugendlichen soll den Konsum auf eine Stunde am Tag reduzieren. Anlass ist die Debatte über ein Mindestalter und Alterskontrollen.

Ticker-News von taz vom 03. 03. 2026

Wenn es um die Impressumspflicht bei Websites geht, haben die Länder keinen Einfluss. Bremen hat aber nun die Pflicht abgeschafft, dass auch bei Volksbegehren oder auf Flugblättern eine private Anschrift stehen muss. Künftig reicht eine Adresse, unter der man erreichbar ist.

Ticker-News von taz vom 03. 03. 2026

Die taz hat sich Warnungen von Verfassungsschutzämtern angeschaut, dass auch bei den diesjährigen Landtagswahlen Manipulationsversuche durch Desinformation stattfinden könnten.

Über die Autor:innen

  • Tomas Rudl
    Darja Preuss

    Tomas ist in Wien aufgewachsen, hat dort für diverse Provider gearbeitet und daneben Politikwissenschaft studiert. Seine journalistische Ausbildung erhielt er im Heise-Verlag, wo er für die Mac & i, c't und Heise Online schrieb.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Bluesky


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