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Microsofts „Open Specification Promise“ – was meint die Community?

Microsoft hat auf der Digital ID World, die gerade in Santa Clara stattfindet, ein Versprechen abgegeben: das „Open Specification Promise“. Es beinhaltet angeblich, dass die Firma bei bestimmten technischen Spezifikationen, für die Microsoft offenbar in den USA geistige Eigentumsrechte hält, verbindlich und in alle Zukunft davon absieht, Ansprüche wie Lizenzgebühren oder anderes geltend zu machen.…

  • Ralf Bendrath

Microsoft hat auf der Digital ID World, die gerade in Santa Clara stattfindet, ein Versprechen abgegeben: das „Open Specification Promise“. Es beinhaltet angeblich, dass die Firma bei bestimmten technischen Spezifikationen, für die Microsoft offenbar in den USA geistige Eigentumsrechte hält, verbindlich und in alle Zukunft davon absieht, Ansprüche wie Lizenzgebühren oder anderes geltend zu machen.

You don’t need to sign a license or communicate anything to anyone. Just implement. Further, you don’t need to mention or credit Microsoft. And you don’t need to worry about encumbering people who use or redistribute or elaborate on your code – they are covered by the same promise.

Das ganze wurde als großer Schritt in die richtige Richtung gepriesen. Lawrence Rosen, Autor von “Open Source Licensing: Software Freedom and Intellectual Property Law”, schrieb, dass die Open Source Community damit die Entwicklungen von MS ohne Probleme in eigenen Produkten implementieren könne, weil die OSP mit Freien und Open-Source Lizenzen kompatibel sei. Auch von RedHat, Doc Searls und anderen Szene-Größen kamen entsprechende Kommentare.

Die von dem Versprechen betroffenen Technologien sind vor allem im Bereich digitales Identitäts-Management angesiedelt. Microsoft war hier vor einigen Jahren mit dem Single-Sign-On Dienst „Passport“ grandios gescheitert und bemüht sich mit dem Nachfolger „InfoCards/Cardspace“ massiv um Akzeptanz in der Open-Source-Gemeinde.

Da ich mir seit einer Weile die Entwicklungen zum digitalen Identity-Management mit Interesse ansehe und Microsoft mit Infocards/Cardspace hier hohe Erwartungen mit hohen Glaubwürdigkeits-Anstrengungen verbindet, würde mich die genaue rechtliche Bedeutung dieses Versprechens sehr interessieren. Es ist in leider in unerträglichem Legalesisch verfasst. Gibt es schon menschenlesbare Einschätzungen aus der Juristenfraktion? Bitte melden, ich wäre sehr dankbar über jedes Feedback in dieser Richtung.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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