Vorreiter, Verwaltung und politischer RückhaltWie Open Source in die Schulen kommt

Schulbildung macht mündig, Open-Source-Software ebenfalls. Ob aber an den mehr als 30.000 deutschen Schulen Open Source eingesetzt wird, hängt oftmals von drei Faktoren ab. Das zeigen erfolgreiche Beispiele in Lübeck und im Harz.

  • Gastbeitrag
Gastbeitrag, Marcel Roth
Bildschirme in einem Computerraum, die alle einen einen lächelnden Cartoon-Pinguin mit Entenfüßen und einem Entenschnabel zeigen
So sieht Open Source an Schulen aus: Tux, das offizielle Maskottchen des freien Linux-Kernels. – Alle Rechte vorbehalten: Marcel Roth

Das Katharineum ist ein altes Backsteingebäude mitten in der Lübecker Altstadt. An der Eingangstür des Gymnasiums: das Schild für ein Handyverbot. Und an den Wänden im Foyer steht eine Reihe silberfarbener Einsen und Nullen – der Binärcode für das Schulmotto „Trau dich.“

Der stellvertretende Schulleiter am Katharineum ist Frank Poetzsch-Heffter. Er ist Lehrer für Mathe, Geographie und Informatik. Und Poetzsch-Heffter ist Open-Source-Fan. Für ihn ist klar, welches Betriebssystem auf den Rechnern im Gymnasium läuft. „Die Schüler sollen auf Linux arbeiten. Damit können sie sehen, dass es andere Betriebssysteme gibt und dass sie Software auch zu Hause installieren können, die hier in der Schule läuft“, sagt Poetzsch-Heffter.

Vor 25 Jahren hat er die Schulkonferenz an der Lübecker Schule von der Open-Source-Idee überzeugt. Damals seien alle froh gewesen, dass sich jemand diesem „Digitalen“ annahmen, sagt Poetzsch-Heffter. Seit 20 Jahren haben alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler eine schuleigene E‑Mail-Adresse. An den meisten anderen Schulen in Lübeck gilt das erst seit fünf Jahren.

Erfolgsbedingungen 1: Vorreiter

Am Katharineum war das eine jahrelange Arbeit für Poetzsch-Heffter: Internetanschluss organisieren, WLAN, Server, Switches, Drucker und Computer einrichten und pflegen. Die Zahl der Nutzenden ist dabei größer als in kleinen Unternehmen: 860 Schülerinnen und Schüler und 70 Lehrkräfte hat das Katharineum. Informatik wird hier in der fünften und siebten Klasse unterrichtet. Es gibt 120 Laptops als Klassensätze und 30 Arbeitsplätze im Computerraum. Sie alle müssen pünktlich ab 8 Uhr einsatzbereit sein. Kein Update soll den Unterricht ausbremsen. Um all das kümmert sich Poetzsch-Heffter nicht allein.

Der Computerraum ist in einem Gebäudeteil aus dem 13. Jahrhundert untergebracht. Die Rechner dort haben die Schülerinnen und Schüler der Computer-AG konzipiert, zusammengebaut und eingerichtet.

Die zeigen sich begeistert. „Ich finde Open-Source wichtig, weil man damit eine Art Unabhängigkeit hat“, sagt eine Schülerin, „Die Software, die wir verwenden, ist frei, oft kostenlos und ohne Werbung – das passt wie die Faust aufs Auge für eine Schule.“

Ein Mensch im grünen Pulli steht vor einem Monitor in einem Computerraum, im Hintergrund sind weitere Monitore
Von Open Source überzeugt: Frank Poetzsch-Heffter.

Wie viele Schulen Open Source so ganzheitlich nutzen wie das Lübecker Katharineum, weiß niemand: Kein einziges deutsches Bildungsministerium, kein Landkreistag, kein Städte- und Gemeindebund erhebt entsprechende Zahlen.

Bei IT an Schulen zeigt sich der deutsche Bildungsföderalismus: Lehrkräfte sind beim jeweiligen Bundesland angestellt, das ihnen auch Dienstgeräte geben kann. Wie gut und sinnvoll die digitale Ausstattung der Schulen ist, hängt maßgeblich von der Finanzkraft der Schulträger ab. Manche Länder haben den Breitbandanschluss für Schulen finanziert und stellen auch Lernplattformen zur Verfügung. Alles, was im Schulgebäude passiert, ist jedoch Aufgabe der Schulträger: Gemeinden, Landkreise oder eben kreisfreie Städte kümmern sich um die Geräte von Schülern, Hausmeistern, Sekretariatskräften und sozialpädagogischem Personal.

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Ob an ihren Schulen dann auch Open Source eingesetzt wird, hängt dann aber stark von Vorreitern wie Frank Poetzsch-Heffter ab.

Erfolgsbedingungen 2: Stadtverwaltung und IT-Dienstleister

In Lübeck hat die Stadtverwaltung eine eigenständige IT-Abteilung nur für ihre Schulen. Tobias Stahl, der sie leitet, hat acht Mitarbeitende. Sie planen und konzipieren die IT; die Stadtwerke Lübeck betreibt sie. Tobias Stahl ist ausgebildeter Informatiker. Er ist selbst Open-Source-Fan und sagt, seine Netzinfrastruktur basiert zu großen Teilen auf Linux. Das sei einfacher zu händeln.

Aber von den insgesamt 56 Schulen, die Stahl betreut, haben sich nur drei für Open Source entschieden. In den meisten Schulen stehen Windows-Rechner: „Wir haben noch nicht die lübeckweit funktionierende Open-Source-Lösung, die auf dem gleichen Niveau funktioniert, wie es die Lehrkräfte der anderen Schulen erwarten.“ Support gibt es deshalb nur für Schulen, die auf Windows setzen.

Ein Mensch mit Bart und Sakko vor einem Bildschirm, der ein Stadttor zeigt.
Tobias Stahl leitet eine IT-Abteilung eigens für Schulen bei der Lübecker Stadtverwaltung.

Für Tobias Stahl ist das Katharineum das kleine gallische Dorf, die Open-Source-Ausnahme. Er muss sich um IT in Konzerngröße kümmern: um 35.000 Nutzer, 8.000 iPads, mehr als 5.000 Windows-Laptops, PCs und interaktive Displays. Ihr Betrieb ist mit Windows teurer als mit Linux, vermutet der IT-Mann: „Über den Daumen gepeilt kann es sein, dass wir auf ein Viertel der laufenden Betriebskosten kommen, wenn man einen reinen Linux-Client mit einem Windows-Client vergleicht.“

Dabei kann Stahl nicht einmal auf alle Clients – Endgeräte – in seinem Netz zugreifen. Weil die Lehrkräfte als Angestellte des Landes Schleswig-Holstein von dort ihre Geräte bekommen. Mit denen müssen sie sowohl ins Netz der Landesverwaltung kommen als auch in das Netz, das Lübeck betreibt. Schleswig-Holsteins Landesregierung rühmt sich derzeit zwar für Open Source – aber für die Geräte der Lehrkräfte gilt das nicht. Auf ihnen läuft Windows oder Apples Betriebssystem MacOS. „Pragmatisch, aber aufgeschlossen“, nennt Schleswig-Holsteins Bildungsministerium diesen Umgang mit Open Source.

Ob des Katharineum in Lübeck auch zukünftig Open Source bleibt, steht für Frank Poetzsch-Heffter nicht fest: „Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Schafft es der Schulträger bis zu meinem Ruhestand nicht, ein Linux-System zentral für Schulen anzubieten, dann läuft es vermutlich nicht mehr lange.“

Poetzsch-Heffter glaubt, Schulen würden von sich aus kaum sagen, dass sie gern Linux hätten. Land und Schulträger müssten es anbieten. Für ihn ist klar: Mit dem Rückenwind von Stadtverwaltung und IT-Dienstleister hat Open Source weitaus größere Chancen an den Schulen.

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Erfolgsbedingung 3: Politische Rückendeckung

300 Kilometer südlich in Sachsen-Anhalt setzt der Landkreis Harz für seine Schulen komplett auf Open Source. Die Schul-IT dort leitet Martina Müller. Sie hat sechs Mitarbeitende. Mit einem Dienstleister betreuen sie rund 11.000 Geräte für 17.000 Nutzer – und das in 33 Schulen an 43 Standorten.

Eine Person mit langen Haaren steht vor einer Treppe in einem Schulgebäude
Martina Müller leitet die Schul-IT im Landkreis Harz.

Die Schüler haben eine E‑Mail-Adresse und einen Cloud-Speicher, der es ihnen ermöglicht, von überall auf ihre Arbeit zuzugreifen. Die Laptop-Klassensätze bestehen aus gebrauchten Business-Laptops.

Müller sagt, an drei Pilotschulen wurden drei verschiedene Open-Source-Systeme ausprobiert: „Linux-Muster“, „Puavo“ von „Opensys“. „Nach einem Jahr haben wir uns mit Lehrkräften und Schülern zusammengesetzt und uns für eine Lösung entscheiden.“ Am Ende hat sich der Landkreis Harz einen Vertrag mit für „Puavo“ abgeschlossen. Für alle Schülergeräte, den Benutzerkonten, Cloud‑, Videokonferenz‑, Datensicherung- und E‑Mail-Lösungen zahlt er pro Jahr derzeit 700.000 Euro. „Im industriellen Umfeld ist das ein Spottpreis“, sagt Frederik Kramer, Wirtschaftsinformatiker an der Hochschule Harz.

Eine Person bedient einen Computer, der Bildschirm zeigt ein Terminal.
Bildungsalltag am Katharineum: Ein Schüler richtet einen Server ein.

Während der Pilotprojekte hat Müller die Kosten gegenübergestellt. “Und zwar die korrekten Microsoft-Lizenzen, nicht die Lizenzen von eBay für 1,99 Euro!” Damit hätten Schulen tatsächlich gearbeitet. “Ohne Benutzerverwaltung, ohne Management. Das reinste Chaos.” Für den Landrat vom Landkreis hat Martina Müller dann einen Ordner vorbereitet. “Ich bin super aufgeregt zu unserem Landrat gegangen. Der wollte den Ordner überhaupt nicht sehen.” Er habe nur gefragt, ob es funktioniere, ob die Schulen zufrieden seien und ob es günstiger sei als das, was wir bisher machen. “Und als ich bei allen drei Punkten genickt habe, hatte ich sein Okay.”

Das ist zwar noch keine aktive politische Rückendeckung, die bewusst und mit mehr Ressourcen einen Wandel an deutschen Schulen anstrebt. Bis es soweit ist, braucht es aber zumindest solche Offenheit und das Vertrauen – in die Open Source Community und in einzelne engagierte Menschen.


Einen Überblick über Open Source an Schulen zubekommen, ist schwer. An einer noch laufenden Online-Umfrage zur Infrastruktur an Schulen haben bislang mehr als 300 Menschen teilgenommen. Sie sind naturgemäß Open Source interessiert, berichten aber trotzdem, dass an den meisten Schulen Windows eingesetzt wird. Weitere Ergebnisse:

  • Setzen Schulen Open Source ein, geht das überwiegend auf die Initiative einzelner Lehrkräften zurück.
  • Als Gründe für den Open Source Einsatz werden vor allem die günstigeren Kosten angegeben.
  • Viele glauben, dass Vorbehalte bei Lehrkräften und Schulleitungen den Open Source Einsatz hemmen.
  • Damit Open Source funktioniere, braucht es die Rückendeckung von Schulleitungen und Schulträgern.

Interessierte können hier an der Umfrage teilnehmen.


Marcel Roth ist Redakteur und Reporter bei MDR Sachsen-Anhalt. Für seine Recherche wurde er vom Nina Grunenberg Recherchestipendium gefördert. Es wurde ermöglicht durch den Nina Grunenberg Recherche Grant, den Schöpflin Stiftung, Wübben Stiftung Bildung und ZEIT Bucerius Stiftung finanzieren. Das Netzwerk Recherche ist Kooperationspartner und unterstützt die Autor:innen über ein Mentor:innenprogramm in der Recherche.

Über die Autor:innen

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    Gastbeitrag, Marcel Roth

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13 Kommentare zu „Wie Open Source in die Schulen kommt“


  1. Ulrich Kürpick

    ,

    auch in vielen „Backbone Anwendungen“ wird nonWindows verwendet. Der Grund: Keine überflüssigen Programmbestandteile und keine „Spionagesoftware“

    Klein und knapp und ohne Schnörkel ist die Wahl. Läuft flüssiger und benötigt weniger Energie. Also keine Verschwendung und das bedeutet Nachhaltigkeit!


  2. Sven Gomber

    ,

    Bin ich der Einzige der bei der Umfrage permanent in einer Schleife landet und nie zum Ende kommt?


    1. Marcel Roth

      ,

      Ohje. Bei der Umfrage war der Tarif ausgelaufen. Jetzt funktioniert sie wieder! Sorry


  3. Bit-te-1-Bit und das gute XUNIL

    ,

    Ulrich Kürpick: Genau so ist es. Und wie in diesem Artikel schon vor fünfeinhalb Jahren in 176 Kommentaren heiss diskutiert wurde,

    https://netzpolitik.org/2021/microsoft-teams-oder-nichts/

    … wollte schon damals ein Schüler eine Lanze für Open Source an seiner Schule brechen, ganz zu schweigen von den realisierbaren Projekten (s. unten Verweis in auf die entsprechenden Netzpolitik-Artikel), die man schon vor 15 Jahren locker hätte realisieren können. Aber nicht nur in der Physik gibt es das Gesetz der Trägheit der Masse …

    https://netzpolitik.org/2005/linuxtag-2005-linux-macht-schule/

    https://netzpolitik.org/2020/interview-wie-freie-software-die-menschen-im-badischen-buehl-begeistert/

    https://netzpolitik.org/2020/mit-linux-rechnern-zur-digitalen-nachhaltigkeit/

    https://netzpolitik.org/2015/freies-e-book-open-source-und-schule-warum-bildung-offenheit-braucht/


  4. Deniz M.

    ,

    Ich finde den Open-Source-Gedanken grundsätzlich nicht falsch. Aber ich halte es für problematisch, wenn Schulen daraus eine Art Gegenmodell zur realen Arbeitswelt machen.

    Am Ende verlassen Schülerinnen und Schüler die Schule nicht in eine ideale Open-Source-Welt, sondern in Unternehmen, Behörden, Agenturen, Kanzleien, Praxen und Verwaltungen, in denen Windows, macOS, Microsoft 365, Adobe, Teams, Outlook, Excel, PowerPoint und ähnliche Standardlösungen dominieren.

    Natürlich ist es sinnvoll, Kindern digitale Mündigkeit, Datenschutz, offene Standards und technisches Grundverständnis beizubringen. Aber digitale Bildung darf nicht daran vorbeigehen, womit Menschen später tatsächlich arbeiten müssen. Wer ausschließlich oder überwiegend auf alternative Systeme setzt, läuft Gefahr, Kinder gut gemeint, aber praxisfern auszubilden.

    Schule sollte nicht zum kostenlosen Trainingslager einzelner Konzerne werden. Aber sie sollte genauso wenig aus ideologischen Gründen an der Realität des Arbeitsmarkts vorbeilehren.


    1. Bit-te-1-Bit und das gute XUNIL

      ,

      Deniz M.: Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu – Schule sollte nicht praxisfern agieren.

      Das Problem ist, dass die hier und vor fünf Jahren diskutierten Ansätze seit Beginn der digitalen Ära von der Politik vollkommen ignoriert wurden und zu einem erheblichen Teil noch werden.

      Die in meinem letzten Kommentar erwähnten Links belegen, dass das Etablieren quelloffener und datenschutzfreundlicher Systeme schon vor 15 bis 20 Jahren möglich war. Die Schulen sind nicht schuld, wenn sie nun quasi als Vorreiter dies nachholen möchten. Es liegt an Politik, Wirtschaft und Verwaltung, dies aus reiner Bequemlichkeit und Hörigkeit gegenüber US-Konzernlobbyisten versäumt zu haben.

      Die von erwähnten Programme lassen sich unter Linux übrigens im Handumdrehen durch entsprechende Pendants ersetzen, die zudem weitaus ressourcenschonender konzipiert sind.

      Fazit: Wir könnten auf allen gesellschaftlichen Ebenen in Sachen IT längst sicherer und unabhängiger unterwegs sein. Zum Glück deutet sich, wenn auch viel zu spät, eine Trendwende an.


    2. marit

      ,

      In Münster in Westfalen hat der Rat der Stadt 2021 je ein personalisiertes Apple Tablet pro Kind ab der 8. Klasse „beschlossen“. Seitdem nutzen die Kids daueronline dieses große Apple Telefon mit AppleCloud als default Speicher und kritzeln mit einem „Pen“ in Goodnotes und wischen PDFs schlechter Scans der Lehrer als Kopie aus dem Schulbuch hin und her. Tastaturen – Fehlanzeige.

      Ein guter Informatikunterricht oder das Erlernen des Arbeiten mit LibreOffice wäre sicher hilfreicher im Hinblick die Entwicklung und Bildung der Teenager.


      1. Samisdata

        ,

        Ich habe in den letzten Jahren Schüler*innen aus so ziemlich jeder weiterführenden Schule hier in meiner Stadt betreut (Nachhilfe).
        Und ich teile diesen Eindruck.
        Subjektiver Eindruck: für jede Person, die kompetent und produktiv mit dem Gerät umgeht (Split Screen, saubere Handschrift mit Pen, Text/Zahlenblöcke so verschieben, dasss Korrekturen und Ergänzungen gut eingefügt werden können, gut sortierte Dokumente) gibt es drei andere, die für jeden Blick auf den Aufgabenzettel oder ein Handout aus dem Unterricht etwa 1–2 Minuten im Gerät/iserf/untis/goodnotes/downloadorder/emails herumwursteln.
        Und die gucken pro Nachhilfeinheit nicht nur einmal auf den „Zettel“.

        Digitale Geräte vertiefen noch die Kompetenzkluft: wer sich als Jugendliche® organisieren kann, nutzt die Geräte zur Arbeitserleichterung und Zeitersparnis, die anderen ergänzen den losen Zettelhaufen im Rucksack mit Chaos auf dem Tablet und vertrödeln noch mehr Zeit mit rumwühlen und sich Ablenken.

        Am Ladegerät müssen die Geräte dabei sowieso dauernuckeln. Ich kann nicht in die Klassenzimmer gucken, aber ich vermute, das für die Sitzplatzwahl mittlerweise die Steckdosennähe als Kriterium ganz weit oben steht.

        Ich warte ja auf den ersten Skandal, wo ein Kid auf dem Smartboard aus Versehen statt der Hausaufgabe die nsfw-Privatbilder (wie früher in der Bravo…) anzeigt.

        Wenn die KMK mal dazu was hilfreiches machen würde, dann sollten sie mal einen Rahmenlehrplan digitale Kompetenzen verabschieden.

        EDIT: Es gibt offenbar einen 10 Jahre alten Beschluss der KMK: Kompetenzen in der digitalen Welt. Sieht auf den ersten Blick sehr sinnvoll aus, dazu komplett software/herstelleragnostisch (also MS-frei). Vermutlich wird der deshalb kaum beachtet. Schade, da stehen die wichtigen Dinge tatsächlich schon drin.


    3. Mittelwert

      ,

      Kinder lernen an Schulen nur genau dieselben „Standardlösungen“ kennen, die sie vielleicht von zu Hause und die Eltern von der Arbeit kennen, sodass im Berufsleben dann auch nur die Software genutzt wird, die angeblich alle schon kennen. Aus meiner Sicht gibt es kein gutes Argument dagegen, diesen unseligen Kreis zu durchbrechen.

      Auch in meiner Schulzeit vor 2 Jahrzehnten wurde die Informationstechnische Grundbildung leider weitgehend mit Kenntnissen in MS Word, PowerPoint und ein bisschen Excel gleichgesetzt. Dabei sollten Schulen eher einen Überblick und Einblick in wichtige Arten von Werkzeugen geben (an Anwendungsprogrammen neben Text und Tabellen auch Pixel- und Vektorgraphik, am besten auch eine grundlegende Vorstellung von Datenbanken).

      Eine Schulung in den Details spezieller Softwareprodukte ist dagegen nicht Zweck der allgemeinbildenden Schulen, zumal Anwendungen (beispielsweise durch die Ribbon-Einführung in MS Office) wie auch Betriebssysteme ohnehin ständig verändert werden.

      In Schulen sollten vielmehr allgemeiner anwendbare und auf vielfältig sich verändernde Systeme übertragbare Grundkenntnisse im Vordergrund stehen.
      (Bei meiner Fahrschule beschwere ich mich ja auch nicht darüber, dass ich den Führerschein mit einem BMW gemacht habe, diese Marke aber seitdem nicht mehr zu fahren Gelegenheit hatte.)


    4. Anonym

      ,

      > Schule sollte nicht zum kostenlosen Trainingslager einzelner Konzerne werden. Aber sie sollte genauso wenig aus ideologischen Gründen an der Realität des Arbeitsmarkts vorbeilehren.

      Allgemeine Schulen hat auch nicht die Aufgabe, ein Trainingslager für den Arbeitsmarkt zu sein. Dafür gibt es die berufsbildenden Schulen.

      Wer im Schulbereich anfängt „ideologische Gründe“ anzuführen, tut dies meist selbst aus denselben.


  5. auch in österreich gibt es ein paar schulen, die linux am desktop einsetzen. eine dortige initiative (osos-austria) versucht open source software in den schulen zu verankern.
    dort werden auch einige interessante open-source-tools bzw. auch eine vorkonfigurierte desktop-musterlösung angeboten.
    mehr unter https://linux-bildung.at/


  6. Peter Pan

    ,

    Am Ende hat sich der Landkreis Harz einen Vertrag mit für „Puavo“ abgeschlossen. Für alle Schülergeräte, den Benutzerkonten, Cloud‑, Videokonferenz‑, Datensicherung- und E‑Mail-Lösungen zahlt er pro Jahr derzeit 700.000 Euro. „Im industriellen Umfeld ist das ein Spottpreis“, sagt Frederik Kramer, Wirtschaftsinformatiker an der Hochschule Harz.

    Also Hannover hat für 100 Schulen laut HAZ 350000 an Microsoft bezahlt.…Wieso dann 700000 Euro ein Spottpreis sind, erschließt sich mir nicht. Vielleicht ist Herrn Kramer nicht klar, dass man die Preise als Schulträger auch verhandeln kann. Ich will damit nicht sagen, dass es richtig ist, Microsoft zu nehmen. Nur wundere ich mich ein wenig über die Aussage von Herrn Kramer.

    https://www.golem.de/sonstiges/zustimmung/auswahl.html?from=https%3A%2F%2Fwww.golem.de%2Fnews%2Foffice-365-an-schulen-hannover-kauft-falsche-microsoft-lizenzen-fuer-324–000-euro-2604–207829.html%3Futm_source%3Dchatgpt.com


    1. Samisdata

      ,

      Hmm. In dem verlinkten Artikel geht es darum, dass die Stadt 60.000 unbrauchbare Lizenzen gekauft hat. Die waren zwar mit rechnerisch 5,40€ pro Lizenz recht billig, haben dann im Summe aber auch schon 340.000 € gekostet. Es würde mich wundern, wenn vom restlichen IT-Topf dann nur noch 10.000 an MS gehen, das reicht ja gerade eben, damit die Hausmeister der 100 Schulen ein Win11 home auf das Dienstgerät bekommt.
      Könntest du einmal Wendy mit dem Link zum HAZ-Artikel vorbeischicken?

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