Auf den PunktMit privaten Werbedaten kann die Bevölkerung staatlich überwacht werden.

  • Markus Reuter

Liebe Leser:innen,

tagtäglich sammeln verschiedenste Apps sensible Daten über uns. Dazu gehören neben dem Standort auch Daten zur Person wie Alter, Geschlecht oder Sprache. Dass diese Daten mächtig und gefährlich sind – nicht nur für unsere Privatsphäre, sondern auch für die nationale Sicherheit -, zeichnen meine Kollegen Sebastian und Ingo seit mehr als einem Jahr in den „Databroker Files“ nach.

Die ungarische Regierung soll nun kürzlich Lizenzen für ein Überwachungsprogramm erworben haben, das Menschen mithilfe von genau solchen Daten aus der Online-Werbeindustrie überwachen und verfolgen kann. Das hat am Donnerstag das ungarische Investigativmedium VSquare berichtet – und wir heute in Deutschland. Der autoritäre Ministerpräsident Orbán will damit offenbar seine Macht zementieren. Die Enthüllungen kommen zu einem besonderen Zeitpunkt: Am Sonntag wird in Ungarn gewählt.

Der Fall zeigt einmal mehr: Die einzig sinnvolle Konsequenz aus der Schädlichkeit des Geschäftsmodells mit dem Werbe-Tracking ist ein Verbot dieser invasiven Praxis. Wir brauchen ein Ende der ewigen Profilbildung und Datensammelei über Privatpersonen. Denn private Überwachung zu Werbezwecken ist keineswegs harmlos, sie kann immer auch für staatliche Überwachung genutzt werden.

Ich wünsche Euch ein überwachungsfreies Wochenende

Markus

Unsere Artikel des Tages

Studie der MedienanstaltenDebattenkultur im Netz erodiert

Die Bereitschaft, sich an Debatten in Sozialen Medien und in Online-Kommentarbereichen zu beteiligen, sinkt. Ein zentraler Grund dafür ist die Diskursqualität, die zunehmend als negativ wahrgenommen wird, so das Ergebnis einer Studie der Medienanstalten.

Hype um Prediction Markets Wetten, dass Jesus vor 2027 zurückkehren wird

Prediction Markets sind in vielen Ländern illegal. Das Wetten auf zukünftige politische und gesellschaftliche Ereignisse wird aber immer populärer. Dabei sind die Wetten manipulationsanfällig und ethisch teilweise höchst fragwürdig.

Widerstand gegen Big Tech„KI wollen wir in unserer befreiten Welt nicht haben“

KI sei verfänglich für faschistische Ideologien und gehe mit autoritären Machtzentren einher. Große Plattformen wie ImmobilienScout24 und Doctolib machen Profit mit Grundbedürfnissen der Menschen. Zwei Aktivist*innen schlagen im Interview konkrete Schritte hin zu einer demokratischen digitalen Teilhabe vor.

GrundrechteZwei Insider berichten vom Europäischen Datenschutzbeauftragten

Wir sprechen mit Thomas Zerdick und Robert Riemann, die beim Europäischen Datenschutzbeauftragten arbeiten. Sie berichten aus dem Inneren des Amtes, wie es in Gesetzgebungsverfahren einbezogen wird und warum die Kritik am Datenschutz eigentlich eine deutsche Kritik ist. Sie erklären auch, was sie sich für die Zukunft der Behörde wünschen.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von Gouvernement vom 10. 04. 2026

Mit dem Ziel digitaler Souveränität will die französische Verwaltung schneller auf europäische IT-Systeme umstellen. Zum Beispiel: Linux statt Windows. Bis Herbst 2026 sollen alle Ministerien eine Roadmap vorlegen.

Ticker-News von heise online vom 10. 04. 2026

Zu den zwei bestehenden Aktensystemen für die elektronische Patientenakte kommt offenbar ein drittes hinzu, das zusammen mit der Beratungsgesellschaft Ernst & Young entwickelt wird. Die Hoffnung ist, dass sich damit die Stabilität der Telematikinfrastruktur erhöht.

Ticker-News von US Attorney’s Office vom 10. 04. 2026

Im US-Bundesstaat Ohio hat sich ein 37-Jähriger in einem Fall digitaler Gewalt schuldig bekannt. Unter anderem geht es um nicht-einvernehmliche sexualisierte Deepfakes. Es ist der offenbar erste Fall unter dem neuen Anti-Deepfake-Gesetz („Take It Down Act“).

Ticker-News von Axios vom 10. 04. 2026

Wer will sich einer US-Sammelklage gegen Meta wegen suchtfördernder Designs anschließen? Solche Werbe-Anzeigen auf Instagram und Facebook lässt der Konzern löschen, wie ein Sprecher gegenüber Axios bestätigte. Nach einem erfolgreichen Musterfall rollt auf Meta eine Klagewelle zu.

Ticker-News von Politico vom 10. 04. 2026

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA will Sprachmodelle für Spionage einsetzen. „Innerhalb der nächsten Jahre werden wir KI-Kollegen haben, die in alle Analyseplattformen der Agentur integriert sind“, so Vize-Direktor Michael Ellis.

Ticker-News von EFF vom 10. 04. 2026

Später als andere verlässt nun auch die einflussreiche US-amerikanische NGO für Digitalrechte EFF den Twitter-Nachfolger X. Die Sichtbarkeit eines Posts sei im Vergleich zu vor sieben Jahren um mehr als 97 Prozent zurückgegangen.

Ticker-News von Reuters vom 10. 04. 2026

Im Vorfeld des geplanten Börsengangs von OpenAI hat die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Florida Ermittlungen gegen den Konzern angekündigt. Es geht unter anderem um die Rolle von ChatGPT bei Mord oder Suizid.

Ticker-News von tagesschau.de vom 10. 04. 2026

Auf Google Maps trugen mehrere CDU-Geschäftsstellen zeitweise einen falschen Namen, in dem das Wort „Eier“ vorkam, etwa: „CDU Eiergruppe Nordrhein-Westfalen“. Im März hatte die Polizei gegen einen Schüler ermittelt, weil er den Slogan „Merz leck Eier“ auf einem Plakat gezeigt hatte.

Ticker-News von taz vom 09. 04. 2026

Das Landgericht Flensburg sieht in der Letzten Generation keine kriminelle Vereinigung. Einen entsprechenden Vorwurf gegen eine Ex-Aktivistin der Gruppe hat das Gericht nicht zur Verhandlung zugelassen.

Ticker-News von beck-aktuell vom 09. 04. 2026

Der BGH hat entschieden, dass BILD falsche Behauptungen über Helene Fischer vom Internetarchiv „Wayback Machine“ löschen lassen muss. Das LG Berlin hatte das Medium zuvor dazu verpflichtet, Berichte über eine vermeintliche Hausgeburt richtigzustellen.

Ticker-News von Neowin vom 09. 04. 2026

Zahlreiche Microsoft-Nutzer:innen berichteten im vergangenen Dezember über Spam-Probleme in ihren OneDrive-Konten. Unerwünscht geteilte Ordner konnten nicht entfernt oder als Spam gemeldet werden. Microsoft bietet bislang keine Lösung dafür.

Ticker-News von The New York Times vom 09. 04. 2026

Rund 10 Prozent der KI-Übersichten bei Google sollen Falschinformationen verbreiten. Angesichts der Menge an Suchanfragen bläst die Suchmaschine also viel Unsinn in die Welt. Und: Die Übersichten lassen sich in SEO-Manier manipulieren.

Ticker-News von Tagesspiegel vom 09. 04. 2026

Die schwarz-rote Koalition in Berlin plant eine Bundesratsinitiative, damit Lokale und Geschäfte ihren Kund:innen neben Bar- auch Karten- und digitale Zahlung anbieten müssen. Das soll unter anderem Steuerhinterziehung unterbinden.

Ticker-News von Reuters vom 09. 04. 2026

Das US-Unternehmen Deere einigt sich auf einen Vergleich in Höhe von 99 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Sammelklage in den USA über Reparaturkosten und ‑zugang. Landwirt:innen erhalten zudem für 10 Jahre digitale Werkzeuge zur Wartung und Reparatur.

Ticker-News von AI Forensics vom 09. 04. 2026

In 16 Telegram-Gruppen und ‑Kanälen hat die europäische NGO „AI Forensics“ Handel mit nicht-einvernehmlichen intimen Bildern beobachtet, auch von Minderjährigen; dahinter stünden meist junge Männer. Die EU müsse stärker regulieren.

Ticker-News von Fehrensen vom 09. 04. 2026

Social-Media-Watchblog Gründer Martin Fehrensen spricht in der ersten Folge seines neuen Podcasts mit der Autorin Ingrid Brodnig („Feindbild Frau“) über die Mechanismen hinter digitaler Gewalt und die Rolle der Plattformen.

Ticker-News von Fakten + Impulse vom 09. 04. 2026

„Soziale Medien werden zunehmend als Orte wahrgenommen, in denen konstruktive Debatten ‚kaum noch möglich sind’ und teilweise auch nicht mehr gewünscht erscheinen“, schlussfolgern die Landesmedienanstalten nach einer Untersuchung digitaler Diskursräume.

Ticker-News von CDT vom 08. 04. 2026

Mehrere Organisationen für Digitalrechte fordern Instagram-Mutter Meta dazu auf, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Direktnachrichten bei Instagram beizubehalten. Verschlüsselung sei fundamental für Sicherheit und Menschenrechte.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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