Liebe Leser*innen,
es ist schon toll und auch bewegend, wenn ein Problem, zu dem man selbst seit Jahren recherchiert und arbeitet, plötzlich überall Thema Nummer 1 ist. Man schaut dann in den Tagesthemen zu, wie der Moderator den Begriff „digitale Gewalt“ verwendet, als sei es nie anders gewesen. Man läuft verwundert an der Titelseite von Springer-Medien vorbei, die sich nun offenbar ebenfalls als Vorreiter im Kampf gegen Gewalt an Frauen sehen. Man steht mit Tausenden von Menschen am Brandenburger Tor und am Abend ist es in sämtlichen Medien. Es ist alles etwas surreal.
Zu verdanken haben wir diesen Sturm an Aufmerksamkeit der Schauspielerin und Aktivistin Collien Fernandes, die ihre Geschichte öffentlich gemacht und damit für eine deutschlandweite Debatte zu sexualisierten Deepfakes und digitaler Gewalt gesorgt hat.
Nach den Veröffentlichungen im Spiegel ist über das Wochenende der Druck auf die Politik so groß geworden, dass das Bundesjustizministerium seinen lang angekündigten Gesetzentwurf zu digitaler Gewalt jetzt schon in dieser Woche vorlegen will. Was bisher dazu bekannt ist, deutet darauf hin, dass damit auch die Strafbarkeitslücken zu bildbasierter Gewalt endlich geschlossen werden sollen.
Das ist einerseits überfällig und andererseits wird es bei weitem nicht reichen. Wie können wir Betroffene besser unterstützen? Wie für einen echten Systemwechsel sorgen, was Gewalt gegen Frauen angeht? Ich bin zu gleichen Teilen hoffnungsvoll und vorsichtig, was den weiteren Verlauf angeht. Werden wir es schaffen, den Druck aufrechtzuerhalten und Veränderungen durchzusetzen, die Betroffenen wirklich helfen? Wir sollten es zumindest versuchen.
Bleibt kämpferisch
Chris

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