Liebe Leser*innen,
Berlin war lange Zeit die Stadt der Freaks und Freigeister. „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin“ – an diesem Spruch von 1876 war bis vor kurzem noch was Wahres dran. Wer anderswo zu schräg war, passte hier meist ziemlich gut rein.
Aber Berlin hat sich verändert. Das Kapital hat die Stadt im Würgegriff. Die Mieten werden unerschwinglich, die letzten Brachen mit Beton-Monumenten bebaut. Die Freiräume, in denen besondere Menschen sein konnten, wer und wie sie wollten, fallen einer nach dem anderen weg.
Und jetzt verändert sich auch noch die Grundhaltung der Stadt. Weg von: Jede*r macht, was sie*er will – und das ist auch gut so. Hin zu: Wer auffällig ist, macht sich verdächtig. Denn Berlin hat einen massiven Kahlschlag der Bürgerrechte veranstaltet. Seit dieser Woche gilt ein neues Polizeigesetz und das erlaubt es den Ordnungshütern, was zuvor in dieser Stadt undenkbar war: Videoüberwachung des öffentlichen Raums, auch von Drohnen aus, KI-gestützte Verhaltensscanner und Gesichtersuche, Palantir-artige Datenanalysen, Staatstrojaner und etliches mehr.
Es ist eine Zeitenwende. Weg von der Freiheit, hin zur Kontrolle. Sie macht mir Angst.
Viel Spaß beim Lesen
Martin

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