Auf den PunktDas neue Berliner Polizeigesetz sorgt für Gänsehaut.

  • Martin Schwarzbeck

Liebe Leser*innen,

Berlin bekommt ein neues Polizeigesetz. Über 700 Seiten dick ist die Novelle. Heute wurde sie im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses debattiert. Was da zur Sprache kam, kann einem ganz schön Angst machen. Das einst so liberale Berlin wird die Videoüberwachung des öffentlichen Raums massiv ausweiten. Die war hier bislang noch eher tabu.

Und als wäre das nicht genug Zeitenwende, sollen die Kameras mit einer KI-gestützten Verhaltenserkennung ausgerüstet werden. Die Polizei soll auch Überblicksaufnahmen mit Drohnen anfertigen und diese ebenfalls per KI analysieren dürfen. Zudem will der Senat der Polizei Zugang zu einer Gesichtersuchmaschine a la PimEyes verschaffen, so dass sie mühelos die Identität jeder fotografierten oder gefilmten Person abfragen kann.

Als wäre das nicht genug, soll der Berliner Polizei auch der Einsatz von Staatstrojanern erlaubt werden. Und zwar nicht nur zur Strafverfolgung, sondern auch zur Gefahrenabwehr. Sie könnte dann sogar heimlich in Wohnungen einbrechen, um die Spionage-Software zu installieren. Außerdem soll sie Informationen aus allen möglichen Quellen mit einer Palantir-artigen Software verarbeiten dürfen. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Polizei Berlin“, sagte die Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel bei der Diskussion der Maßnahmen im Abgeordnetenhaus. Die Zukunftsfähigkeit der Grundrechte muss dafür in Berlin jetzt hinten anstehen.

Viel „Spaß“ beim Lesen

Martin

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Über die Autor:innen

  • Martin Schwarzbeck
    Darja Preuss

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042


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