Crowd-RechercheDie 15.000 Augen der New Yorker Polizei

In einer großangelegten Crowd-Recherche mit tausenden Freiwilligen hat Amnesty International Kameraüberwachung in einigen Stadtteilen von New York systematisch kartografiert.

Überwachungskameras an einer belebten Straße in New York
Kameras sind in New York allgegenwärtig. (Symbolbild) – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Joerg Boethling

Die New Yorker Polizei (NYPD) hat in drei Stadtbezirken New Yorks mehr als 15.000 Kameras zur Verfügung, ergab eine Recherche von Amnesty International. Deren Videoaufnahmen könnte die Polizei nutzen, um Menschen mittels einer Gesichtserkennungssoftware zu ermitteln und zu verfolgen.

Amnesty International hat für seine Erhebung mit tausenden Freiwilligen zusammengearbeitet, welche die Kameras in den New Yorker Stadtteilen Manhattan, Bronx und Brooklyn kartografiert haben. Laut dem Bericht wurde Gesichtserkennung von der Polizei zwischen 2017 und 2020 mehr als 22.000 Mal genutzt, die Hälfte davon alleine im Jahr 2019. Amnesty geht davon aus, dass manche der eingesetzten Kameras Gesichter in bis zu 200 Meter Entfernung identifizieren können. Die Organisation sieht Gesichtserkennung als Bedrohung für die Menschenrechte und setzt sich für deren Ächtung ein.

Inwiefern die einzelnen Kameras für Gesichtserkennung genutzt werden, ist nicht bekannt. Das NYPD behauptet, die Aufnahmen nicht standardmäßig nach Personen zu durchsuchen und sie auch nicht bei Demonstrationen zu nutzen, um Teilnehmende zu erfassen. Mutmaßlich soll aber bei den Protesten zu Black Lives Matter ein Demonstrant über das Kamera-Netzwerk identifiziert worden sein. Informationsfreiheitsanfragen zu der Angelegenheit habe die New Yorker Polizei laut Amnesty International bisher nicht beantwortet.

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Crowd-Recherche gegen Überwachung

Spannend am Projekt von Amnesty ist die Vorgehensweise: Laut Amnesty wurden die Daten für „Decode Surveillance NYC“ von mehreren tausend Freiwilligen generiert. Die Freiwilligen nahmen über die Decoders-Plattform teil. Diese nutzt Mikrotasking, also die Verteilung von Kleinstaufgaben an Internetnutzer:innen, um die Recherchierenden bei Amnesty zu unterstützen.

Die Freiwilligen sahen Bilder von Google Street View. Dann wurden sie wurden gebeten, Überwachungskameras zu finden. Zusätzlich sollten die Freiwilligen festhalten, woran die Kameras angebracht waren und sie gegebenenfalls kategorisieren, etwa in Kuppel- oder schwenkbare Kameras. Im Durchschnitt brauchte jede:r Freiwillige 1,5 Minuten, um eine Kreuzung zu analysieren.

Aufgrund dieser Daten konnte Amnesty dann weiterrecherchieren. Eine an einem Mast angebrachte Kamera ließ auf eine öffentliche Kamera schließen, bei Kameras an Häusern kam auch eine private Nutzung in Frage.

Das Projekt von Amnesty zum Kartografieren von Überwachungskameras ist nicht das erste seiner Art. Seit Jahren sammeln Aktivist:innen im Projekt „Surveillance under Surveillance“ Überwachungskameras. Und bereits Ende der 90er Jahre zählte die New York Civil Liberties Union fast 2.400 Kameras in Manhattan.

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