Laudatio zum UmweltMedienpreis

Rezo hat ein kleines Meisterwerk geschaffen

Rezo hat demonstriert, was in der Umweltpolitik der Regierungsparteien schiefläuft. Millionen Menschen sahen seinen gut recherchierten und unterhaltsamen Beitrag über die Klimakrise. Dafür gewinnt er den UmweltMedienpreis. Die Laudatio.

Rezo in seinem Video "Zerstörung der CDU"
Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ wurde mittlerweile über 16 Millionen Mal angesehen. Alle Rechte vorbehalten Screenshot: Youtube/Rezo ja lol ey

Die Deutsche Umwelthilfe zeichnet mit dem UmweltMedienpreis journalistische Leistungen zu den Themen Energiewende, Umwelt-, Natur-, Verbraucherschutz und Umweltgerechtigkeit aus. In diesem Jahr gewann Rezo den Preis in der Kategorie Online.

Der 18. Mai 2019 gleicht einer Zäsur. Der Youtuber Rezo veröffentlichte an diesem Tag ein 55 Minuten langes Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“. Dann wurde es auf vielen Ebenen interessant. Es wurde eine Woche, in der viele Menschen über 40 das erste Mal realisierten, dass es dieses Youtube gibt und das dort womöglich auch eine neue, in Teilen politische Öffentlichkeit entstanden ist, ohne dass man es in den vergangenen Jahren mitbekommen hätte.

Rezo hatte zwar als sogenannter Influencer bereits ein riesiges Publikum, er war aber zumindest dem politischen Berlin kaum bekannt. Wie eigentlich alle Youtuberinnen und Youtuber, außer den paar, die mal zu Promo-Zwecken von der Kanzlerin eingeladen wurden.

Youtube spielte aber bereits zwei Mal im netzpolitischen Diskurs eine größere Rolle. 2012 mobilisierten Youtuber ihr junges Publikum, um gegen das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA auf die Strasse zu gehen. Wir freuten uns über die Unterstützung aus der Youtube-Welt, die 100.000 meist sehr junge Menschen bei Minustemperaturen auf die Strasse brachte. Schon damals war das politische Berlin überrascht, dass es eine Parallelwelt im Netz zu geben schien, wo sich junge Menschen eher informierten als im Fernsehprogramm ihrer Eltern und Großeltern.

Ein intelligenter Rant in Videoform

ACTA wurde verhindert und Youtube galt wieder sehr lange als unpolitisch. Parteien bemühten sich, irgendwie dort präsent zu sein. Die Zugriffszahlen bei Partei-eigenen Angeboten wie CDUTV ließen Parteistrategen aber ahnen, dass es dort nichts zu holen gab. Was aber vor allem mit den angebotenen Inhalten und nicht mit den Möglichkeiten zu tun hatte.

Rezo selbst fiel mir das erste Mal im März dieses Jahres auf. In der Debatte um sogenannte Uploadfilter im Rahmen der EU-Urheberrechtsreform hatte er ein interessantes Video mit dem Titel „Ich entlarve Propaganda zu Artikel 13“ aufgenommen. Das hat bisher 988.074 Aufrufe. Dort beschäftigte er sich mit den Spins der Urheberrechtsverschärfungslobby, die auf Unterstützung vieler Medien wie der FAZ zählen konnte, die ein gemeinsames wirtschaftliches Interesse hatten.

Das Video fand ich spannend: Er argumentierte gut und informiert und letztendlich war das in Videoform das, was wir viele Jahre als Blogger in Textform kommuniziert hatten: Es war ein Rant. In Videoform. Aber kein flacher Rant, sondern intelligent gemacht und mit viel Wut zwischen den Zeilen darüber, wie etablierte Medien vermeintlich neutral in die Debatte eingriffen, um ihre wirtschaftlichen Eigeninteressen als Allgemeinwohl zu verkaufen.

Zwei Monate später sah ich dann „Die Zerstörung der CDU“. Ich war beeindruckt. Das war ein noch besserer Rant, dazu 55 Minuten lang und über verschiedene Themen. Die Untätigkeit der regierenden Parteien bei der Bewältigung der Klimakrise spielte dabei die größte Rolle. Persönlich war ich etwas traurig, im Nachspann lesen zu müssen, dass das Thema Ausbau der Massenüberwachung leider aus Zeitgründen nicht umgesetzt wurde. Seitdem hoffe ich auf ein Nachfolger-Video.

Vor allem aber hatte Rezo ein kleines Meisterwerk geschaffen, das eindrucksvoll zeigte, wie man Videokultur dazu nutzen kann, einen politischen Standpunkt zu vertreten. Und dabei noch die Zuschauenden 55 Minuten lang am Bildschirm zu fesseln. Das Video ging wenige Tage durchs Netz und dann wurde es richtig interessant.

Der Resonanzboden wurde größer, weil die CDU als Regierungspartei vollkommen überfordert war, diese Kommunikationsform zu verstehen und das Video als das anzusehen, was es war: Ein Standpunkt, ein Meinungsbeitrag. Gut recherchiert und vor allem für jüngere Menschen in einer zeitgemäßen Art aufbereitet.

Auf einmal waren Klimathemen cool

Der neuen CDU-Parteivorsitzenden Annegret Kamp-Karrenbauer hatte niemand erklärt, dass im Kontext von Youtube das Wort „Zerstörung“ einen argumentativen Meinungsbeitrag meint, womit man einen klaren Standpunkt vertritt.

Was mich positiv überraschte: In der Kritik ging es vor allem um Stilfragen und eine Art Generationenkonflikt. Ältere Menschen aus Politik und Medien hatten wenig Verständnis dafür, was und wie er kommunizierte. Aber was nach vielen Überprüfungen durch Wissenschaftler und Journalisten klar wurde, und Rezo hatte es Faktencheckern mit einer langen Liste an Quellen auch einfach gemacht: Seine Ausführungen hielten einer Überprüfung stand. Vor allem bei den Klimafragen. Die CDU stand in Fragen des Umgangs mit der Klimakrise ziemlich blank da.

In Kombination mit den aufkommenden Protesten der Fridays-for-Future-Bewegung wurde „Die Zerstörung der CDU“ ein weiteres bedeutendes Puzzlestück in der Sensibilisierung und Mobilisierung vieler, vor allem junger Menschen gegen die Klimakrise. Klimafragen waren auf einmal cool, was auch an der Darreichungsform von Rezos Video und seiner Vermittlung lag. Die Wut vieler, vor allem junger Menschen fand eine weitere Kanalisierung über Greta Thunberg und die vielen Fridays-for-Future-Aktivistinnen und -Aktivisten hinaus.

Ein Schock ging durch das Willy-Brandt-Haus

Eine zeitlang versuchten CDU-Spindoktoren verzweifelt, Rezo irgendwelche Hintermänner und -frauen anzudichten. Aber egal, welchen Spin man versuchte, es klappte einfach nicht. Weil hier ein unabhängiger junger Mensch mit viel Überzeugung und Recherche auf seinem Kanal seinen Standpunkt deutlich und klar formuliert hatte. Durch die Reaktionen der CDU wurde es dann tatsächlich eine kleine Zerstörung. Die Regierungspartei sah ganz schön alt aus. Da freute sich noch die SPD, dass sie nicht ganz so schlimm wie die CDU in dem Video angegangen wurde, und vor allem geschickter und umarmender auf die Kritik einging.

Wenige Tage später konnte man dann deutlich fühlen, wie ein Schock durch das Willy-Brandt-Haus ging. Zusammen mit vielen anderen bekannten Youtube-Stars und Sternchen hatte Rezo einen Nicht-Wahlaufruf für die drei Regierungsparteien der Großen Koalition in Videoform aufgenommen. Und dieses Video zwei Tage vor der Europawahl veröffentlicht.

Sofort kamen wieder die gleichen Reaktionen: Darf der das überhaupt? Na selbstverständlich! Warum sollte es auch einen Unterschied geben, wenn Youtuberinnen und Youtuber gemeinsam einen Wahlaufruf formulieren, wenn doch Dschingis Khan für die CDU oder Günther Grass für die SPD mobilisiert?

Respekt, Rezo!

Was bleibt: Die CSU musste erstmal einen Mitarbeiter finden, der sich die Haare färbte, um auch cool und authentisch diesen Kanal bespielen zu können. Natürlich erstmal mit der Message, sich über Umweltaktivistinnen lächerlich zu machen. Inhaltlich haben sie „Die Zerstörung der CDU“ offensichtlich immer noch nicht verstanden.

Im Giftschrank wurde auch eine schnell produzierte Antwort verschlossen, auf die sich das halbe politische Berlin schon gefreut hatte: Hey Rezo, du alter Zerstörer! (Mimik und Gestik von Philipp Amthor kann ich leider nicht nachmachen.)

Aber vor allem ist geblieben, dass sich über 16 Millionen Menschen dank Rezo ausführlich mit der Klimakrise beschäftigt haben. Wahrscheinlich hat kein anderer Beitrag zum Thema in diesem Jahr für das Thema dieses Preises eine größere Öffentlichkeit geschaffen. Respekt, Rezo! Und herzlichen Glückwunsch zum UmweltMedienpreis in der Kategorie Online.

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17 Ergänzungen
  1. Danke für den Beitrag und die tolle Rede.
    Aber die Aussage: „in der viele Menschen über 40 das erste Mal realisierten, dass es dieses Youtube gibt “ finde ich diskriminierend und ausgesprochen ignorant.
    Schon mal Zug/Straßenbahn gefahren und geguckt was die älteren Leute so auf ihren Smartphones machen?
    Und wir haben ja unlängst auch in einer Studie gesehen, dass die digital natives zwar youtube kennen, aber darüber hinaus es bei einigen dann mit der ‚computational literacy‘ auch schwierig wird. https://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/fakultaet/Institute/erziehungswissenschaft/Schulpaedagogik/ICILS_2018__Deutschland_Berichtsband.pdf
    Also bitte keine Pauschalisierungen und Generation-Bashing. Das hilft niemandem.
    viele Grüße von der Lachmoeve

      1. @ Herrn Beckedahl, dass Sie älter 40 sind, legitimiert Sie noch lange nicht Generationen-Bashing zu betreiben. Die erwähnte Aussage von Ihnen ist schlicht überflüssig und das sollten Sie sich einfach eingestehen. Wenn Sie in ihrem Umfeld solche Beobachtungen machen gut, in Deutschland leben jedoch über 80 Millionen Menschen, also bitte…

      2. Dass Heid und Lachmöve sich selbst als „role model“ für die gesamte Bevölkerung über 40 sehen, das ist ignorant. Nicht der Beitrag. Ich selbst mache viel zu oft die Erfahrung, dass jüngere Menschen als ich (und das ist die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung) zwar schon mal was von Youtube gehört haben, aber noch nie reingeschaut haben. Und sich über Paschalisierrung in diesem Beitrag zu echauffieren ist lächerlich. Es wäre schön, wenn Menschen sich öfter mit den Inhalt geschriebener Zeilen (und denen dazwischen) auseinandersetzen würden, als mit der Form des Geschriebenen. Einfach lächerlich.

  2. Ich bin deutlich über 40 (Jahrgang 1957) und habe auf Anraten meiner älterenTochter (Jahrgang 2001) erstmals überhaupt ein you-tube-Video selbst herausgesucht und angeklickt.

    Obwohl /weil (?) wir im Haushalt keinen Fernseher haben, war ich die 55 Minuten wirklich am Bildschirm gefesselt. Ich bin – auch durch die schriftliche Hintergrundinformation – noch nie so konzentriert mit Fakten und Aussagen konfrontiert worden. Meine Wut auf unsere untätigen Politiker hat sich verstärkt, gleichzeitig zeigte mir das Video aber auch die Verantwortung, die JEDER von uns in seinem kleinen Bereich erfüllen kann. Die Ausrede „was kann ICH schon gegen die Klimakatastrophe machen“ akzeptiere ich ganz einfach nicht mehr!

    Unser Famile hat (nicht nur durch dieses Video)
    – den Familienwagen abgeschafft (war sowieso ein Seelenverkäufer), jetzt nur noch Fahrrad, Bahn und ca. 1 x/Monat für ca. 3-4 Tage einen Mietwagen für Geschäfts- und Famlienfahrten
    – die Ernährung weiter umgestellt (unsere ältere Tochter ernährte sich schon vorher vegan; jetzt gibt es nur 1 x/Woche Fleisch und das direkt vom Metzger, kein 4 €/kg Schweinefleisch mehr aus dem Discounter
    – mit dem Anbau von Tomaten begonnen (unser Sohn, Jg 2000); 2020 wollen wir noch mehr von unserem Garten ausbauen
    – die Heizung in unserem EFH weiter gedrosselt. Mit selbstgestrickten Pullovern (statt 60 x /Jahr irgendwelchen Polyester-Scheiss zu kaufen) halten wir es bei 17 °C Raumtemperatur gut aus; wir kommen auf ca. 11.000 kwh Heizbedarf bei einem 180 qm-Haus (Bj. 1997)

    Danke, Rezo !

    Wir hatten versucht, Rezo über die lokale VHS zu einem Vortrag einzuladen aber bekamen von der VHS leider keine konkrete Antwort. Dafür hatte die VHS einen ganz tollen Vortrag von David Nelles & Christian Serrer „Kleine Gase – Grosse Wirkung; der Klimawandel“ vorgestellt.

    So sachlich und neutral, dass KEINE Partei da einen Ansatz zur Relativierung gehabt hätte.

    Zwei ca. 22-23-jährige Wirtschaftsstudenten haben sich ein ein für sie damals völlig neues Sachgebiet eingearbeitet, eine sehr komplexe Materie sehr übersichtlich und didaktisch hervorragend aufgearbeitet und das Ganze im Eigenverlag (!) mit bisher 175.000 Exemplaren zu je 5,00 € verkauft. Chapeau !

    Ich sehe mehr und mehr, dass wirkliche Veränderung nur durch die junge Generation kommen kann und wird. Meine drei Kinder haben statistisch noch über 70 Lebensjahre vor sich. Ich alter Sack mit einer „Restlaufzeit“ von wenigen Jahren kann nur versuchen, sie bei den Herausforderungen zu unterstützen!

  3. Erst durch Rezo habe ich angefangen mich mit dem Thema genauer auseinanderzusetzen. Wenn man anfängt zu recherchieren, merkt man erst wie komplex das Thema ist und leider auch, wie Unrecht Rezo an einigen Stellen seines Videos hat und wie einseitig er das Thema beleuchtet. Aber es war ein hervorragender Anstoß, um das Thema tiefer zu durchdringen. Ich hoffe, dass viele Menschen sich nun wirklich eingehend mit dem Thema beschäftigen und sich eine eigene Meinung dazu bilden können.

    Danke Rezo für den Denkanstoß!

    1. Schön, dass der Beitrag von Rezo zur öffentlichen Debatte des Themas auf diese Weise gewürdigt wird!
      Kleiner Hinweis: auch mit Ü40 war mir die Relevanz von YouTube Videos auch vorher bereits bekannt 😉.
      Allen Kritikern kann ich die wissenschaftliche Überprüfung vom Mailab Kanal (übrigens: öffentlichen rechtlich 😉) ans Herz legen: https://youtu.be/tNZXy6hfvhM

  4. Ich finde es ironisch und sogar fast zynisch, dass der UmweltMedienpreis ausgerechnet an einen Youtuber verliehen wird. Bei aller berechtigter Kritik an der Handlungsweise der derzeitigen Regierung: Laut einer Studie der Stanford Universität machen alle Server dieser Welt ungefähr 2% des weltweiten Stromverbrauches aus – in etwa so viel wie der weltweite (!) Flugverkehr emittiert. Die Videoplattform Youtube hat im Jahr 2016 mindestens zehn Millionen Tonnen CO2 produziert. Mittlerweile ist es 2019, sodass von einer deutlich höheren Menge auszugehen ist.
    (Vgl. dazu https://www.deutschlandfunk.de/co2-ausstoss-durch-youtube-datenvolumen-in-den-netzen.684.de.html?dram:article_id=450253)

    Angesehen und produziert werden die unterhaltsamel Clips auf bzw. durch Geräte, in deren Herstellung Länder, Menschen und insbesondere Kinder ausgebeutet werden (Vgl. dazu https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article151650363/Nach-diesem-Handyrohstoff-buddeln-Kinder-metertief.html).

    Wirksamer – und nicht kosmetischer – Klimaschutz wäre (jetzt) nur möglich, wenn wir alle unseren Lebensstandard radikal senken würden. Verzicht auf das Auto, Flugzeug, Internet, Smartphone, Amazon, Fernseher usw. Weitestgehender Verzicht auf Fisch, Fleisch, Kleidung etc.
    Wenn dies aber wirklich so umgesetzt würde, käme – da wahrscheinlich kein anderes Land auf dieser Welt diese Entwicklung kopieren wird – eine Wirtschaftskrise auf uns zu, die 1929 in den Schatten stellt. Die Ergebnisse wären: Massenarbeitslosigkeit, soziale Unruhen und sehr wahrscheinlich kriegerische Auseinandersetzungen.

    Da sich weder Rezo seine eigene (klimaschädliche) Geschäftsgrundlage zerstören möchte, noch seine Zuschauer offline gehen werden, liegt unser einziger Ausweg in neuen Technologien.
    Es wäre also durchaus sinnvoll, die aktuelle Regierung dafür zu kritisieren, dass sie viel viel zu wenig Mittel und Anreize für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellt. Angesichts der weltweiten Folgen des Klimawandels müssten hier Etats oberhalb der 100 Mrd € Grenze eingerichtet werden.

    Ebenso sollte ein UmweltMedienpreis an Menschen verliehen werden, die hierzu wirklich beitragen.

    Den UmweltMedienpreis an Rezo zu verleigen ist in etwa so sinnvoll wie die Vergabe eines UmweltVerkehrspreises an einen Piloten, der Gäste zu Weltklimakonferenzen befördert hat.

  5. Rezo’s Video „Die Zerstörung der CDU“ hat mich (49 Jahre alt) tatsächlich in Tränen ausbrechen lassen. Auch beim wiederholten anschauen bin ich immer wieder stark berührt. Die hohe Qualität der Recherche, die technische Qualität aber auch das politische Timing verdienen höchste Anerkennung. Er hat die Auszeichnung definitiv verdient. Für einen kurzen Moment hat Rezo meiner allgemeinen Resignation über die Probleme unserer Welt einen kleinen Funken Hoffnung hinzugefügt. Leider war auch dieser Lichtblick nur ein Strohfeuer im aktuellen „Tsunami der Zerstörung“ (Zitat: Dirk C. Fleck).

    1. Bevor alle den guten Rezo so in den Himmel heben, sollte ihr euch alle mal darüber Gedanken machen wie viele Tonnen CO2 dieses Video verursacht hat.
      Alle schlagen auf Autos, Flugzeuge, Landwirtschaft usw. ein, aber das „Internet“ hat heute schon den gleichen Anteil am CO2 Ausstoß wie der gesamte Flugverkehr. Prognosen sagen in 10 Jahren überholt der CO2 Ausstoß des Internets den gesamten weltweiten Verkehr.
      Somit sollten alle mal darüber nachdenken, ob nicht ständig irgendwelche Videos zu streamen schädlicher ist, als Auto zu fahren.

      1. Ich finde die Bemerkung von Anton als etwas sehr engstirnig .

        Das so ein Video auch CO2 austoß verursacht ist klar.
        Aber wie wäre die alternative . Flugblätter Drucken ? DVDs Pressen?
        Die Welt ist im Digitalen Wandel ,und dieser schafft auch vieles wieder ab und ermögtlich auch allerhand.

        Um mal den Vergleich mit Youtube zu machen , hat sich mal jemand Gedanken gemacht welchen CO2 Austoß die ganzen Bitcoin farmen erzeugen ? Und diese sind wirklich Praktisch nutzlos verheizte Rechenzeiten.

      2. Das ist schnell erledigt.

        1. Autovergleich (Fake): Also Wervevideos nur noch für die Autoindustrie? Dann muss der arme Junge womöglich noch Pizza ausfahren, oder CO2-Sauger an der Haustür verkaufen. Ach nein das geht ja nicht! Dann fährt der ja dauernd AUTO oder Kohlestrohmfahrrad… die Leute sollen sich doch die Pizza selbst holen… fahren?

        2. Autovergleich: Sofern Sie keinen 1000 Watt Rechner ausschließlich für das Viedeogucken den ganzen Tag lang laufen lassen, ist die Fahrt zum Bäcker anteilig viel viel schlimmer. Allgemein Autofahren ist viel viel viel schlimmer.

        3. Das Internet: Das Internet halbiert sich locker und mehr, wenn man unnötige Mitschnitte seitens der Behörden weglässt. Mehr Einsparungspotentiel folgt aufgrund der zu diesen Zwecken betriebenen Rechenzentren, Satelliten, U-Booten, usw. Gut, der Flugverkehr hat ähnliches Potential, es sei denn es wäre üblich, ausgerechnet dort die US-Armee nicht mit einzuberechnen.

        Mehr Text, vielleicht eine leichtgewichtige Audio+Text+Bild Präsentation statt Videos … gerne. Aber wie wäre es damit, ersteinmal die Werbung im Internet und Fernsehen zu kappen, sowie JavaScript totzureglementieren? Schnell verschleißendes Billigwerkzeug, Plastikscheiß, Kleidung… Damit wären noch einige Halbierungen drin. Ergo… hier kann man schon eine schräge Wahl treffen.

  6. Ich muss leider gestehen, dass ich auf dem Rezo-Hypetrain nicht aufgesprungen bin. Denn bei allem Respekt, aller Mühe, sein Video ist zu großen Teilen – und gerade in dem Klima-Part – nicht gut recherchiert. Die Medien schaukeln es als ein Werk á la „Wissenschaft light“ hoch, doch allein schon an Konklusionen wie „Es gibt nur eine legitime Einstellung!“ sollte klar erkennbar sein, dass kein wissenschaftlicher Anspruch besteht, sondern ein rein ideologischer.

    Es gibt ein interessantes, mehrminütiges Video von dem YouTube-Kanal „tiefer forschen“, in welchem sich der Kanalbetreiber die Quellen mal genauer ansieht. Hierbei hat er nicht mal wirklich bewertet, ob Rezos Interpretationen der Daten als solche stimmen, oder ob er generell Recht hat mit dem was er sagt, sondern einfach nur darum, ob die Quelle wirklich das sagt, was Rezo eigentlich von sich gibt (Link: https://www.youtube.com/watch?v=VXiSH73hXNM, Skript: https://rezo1.tieferforschen.de/). Um es vorwegzunehmen, von den 45 Quellen, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, beinhalten tatsächlich nur 22 genau das, was Rezo auch in seinem Video sagt. Knapp mehr als die Hälfte der Quellen sind Leerlauf. Eine Haus-, Bachelor oder Masterarbeit mit dieser Bilanz hätte man mit dem Hinweis zurückgekriegt, dass man es wohl doch mit einer Ausbildung versuchen sollte. Der Kanalbetreiber kommt zur Konklusio, dass wenn Rezos Video in der Form von einem staatlichen Sender getätigt worden wäre, er es als Propaganda bezeichnen würde.

    Ich bewerte den Angriff auf die CDU nicht grundsätzlich als schlecht, auch den Klimaaktivismus finde ich, auch wenn ich nicht zu den Apokalyptikern gehöre, durchaus sinnvoll. Ich sehe lediglich eine Gefahr darin, Leuten einfach glauben zu schenken, wenn sie ihre Sachen mit Quellen belegen, ohne dass sich irgendjemand mit diesen Quellen wirklich auseinandersetzt.

  7. Gut ge- und beschrieben wie unterschiedlich, Sicht als auch Nutzungsart des Internets gesehen werden können.
    Meine Generation ( also auch die der Politiker ) hat ( und tut ) viele Jahre das Internet nur als Verkaufplattform und „Wertschöpfungskette“ gesehen und wahrnehmen wollen.
    Dabei kann Internet viel viel mehr und es freut mich das Junge Menschen einen so intensiven
    Blick auf unsere Gesellschaft haben.
    Ob die peinlichen Reaktionen aus der Politik und ihrem Umfeld im Umgang mit Rezos Videos
    etwas verändern ? Ich hoffe es …

  8. Die Behauptung, ü40-Jährige kennen YT nicht, mag reichlich überspitzt sein. Dennoch gibt es wohl eine starke Tendenz bei der älteren Generation, digitale soziale Medien (wenn überhaupt) eher sporadisch zu nutzen und vor allem gemäß traditionellen Mustern des Medienkonsums eher als Ein-Weg-Medien wahrzunehmen. Man konsumiert als (anonymer) Nutzer einen Medieninhalt und das wars. Beides entspricht nicht dem Usus der jüngeren Generation, diese Wahrnehmung wird der Bedeutung der digitalen sozialen Medien weder in Art, Umfang, noch viraler Reichweite gerecht.
    Wie gesagt, „Tendenz“. Es gibt natürlich sehr netzaffine ü40-Jährige (nicht zuletzt unter den netzpolitik.org-Lesern), man kann natürlich auch darüber streiten, die Grenze gerade bei 40 zu ziehen. Aber es sind tatsächlich auch viele „Unwissende“ (ü40, ü50…) unterwegs.
    Jedenfalls, hier als ü40-Jähriger der YT kennt die beleidigte Leberwurst zu spielen, erscheint mir reichlich humorlos, welche Frustration wurde da denn getriggert?

    Was anderes: Rezo die Anerkennung abzusprechen, weil er für seine Meinungsäußerung das Internet nutzt, das ja weltweit einen signifikanten Stromverbrauch aufweist… gehts noch? Typisches argumentum ad hominem – wenn einem Inhalt oder dessen Wirkung nicht passt und man dem inhaltlich nichts engegenzusetzen hat, diskreditiert man die Quelle. Nur, hier geht es nicht um Rezos absolute individuelle Integrität in Klimafragen. Würde man diesen Maßstab anlegen, dürfte sich so ziemlich niemand mehr zu irgendwelchen ethischen Themen öffentlich äußern, außer man wäre tatsächlich absolut nicht von dem Thema persönlich betroffen. Aber dass man dann ja erst Recht die Klappe zu halten hat, ist ja hinlänglich bekannt.
    Mag sein, ein Metzger wirkte eher unterhaltsam als überzeugend, wenn er Veganismus propagieren würde. Aber, überspitzt formuliert, Kritik an der Klimapolitik der Regierung nur anerkennen, wenn der Kritiker als nackter, klimaneutraler Herold durch die Lande zieht und seine Botschaft mündlich verkündet? Ich bitte sie…
    Was ich da raushöre, ist Betroffenheit. Darüber, sich im eigenen (zumindest in Teilen) klima-unkritischen Lebenswandel persönlich kritisiert zu fühlen. Darüber, vom Aufforderungscharakter dieses öffentlichen Themas überfordert zu sein. Darüber, dass die eigene dissoziative Wahrnehmung für einen Moment transparenter wird und ein bisschen Unwohlsein verursacht.

  9. @Fred Stolperstein

    Nunja, Rezo hat einen akademischen Abschluss (oder zwei?) und seine Fakten zum Klimawandel wurden von Prof. Dr. rer. nat. Rahmsdorf geprüft. Mit welchem Recht kann der Herr „tiefer forschen“ eigentlich Bewertungen zu wissenschaftlichen Publikationen vornehmen?

    Wie dem auch sei, es braucht nichts zu relativiert werden, denn der ipcc-report ist bereits ein abgeschwächter Kompromiss. Fallen sie bitte nicht auf Skeptiker herein. In spätestens 10 Jahren wird es wohl der letzte Klimawandelleugner verstanden haben.

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