Die Bilder von prügelnden Polizisten, die in Katalonien auf Wähler einschlagen und Wahlurnen beschlagnahmen, gingen um die Welt. Doch die Maßnahmen der spanischen Zentralregierung gegen die Durchführung des Referendums waren nicht nur auf der Straße und in den Wahllokalen spürbar, sondern auch im Internet.
Die digitale Bürgerrechtsorganisation X‑Net aus Barcelona hat einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die spanische Regierung rund um das Referendum 140 Webseiten blockierte, darunter nicht nur Angebote der katalanischen Regionalregierung wie referendum.cat. Für 25 der Webseiten liegt auch eine Bestätigung des Zensur-Monitoring-Projektes OONI vor.
Um Kontrolle über die katalanische Domain-Registrierungsstelle .cat zu bekommen, führte die Guardia Civil eine Razzia durch, beschlagnahmte Computer und nahm einen Mitarbeiter fest. Nach Auskunft von X‑Net ist dieses Vorgehen gegen eine Registrierungsstelle in der Europäischen Union ein Novum.
Am Wahltag selbst blockierte der spanische Staat eine Seite, auf der die Wahllokale eine App zur Durchführung der Wahl abrufen konnten. Die App mit dem Register sollte sicherstellen, dass die Menschen nur einmal wählen konnten. Die Organisatoren des Referendums hatten wegen der zu erwartenden Repressionen gegen Wahllokale den Wählern erlaubt, auch abseits von ihrem Wohnort zu wählen.
Internetverbindungen gekappt?
Im Bericht gibt es auch Hinweise darauf, dass am Wahltag Internetverbindungen gekappt wurden. Laut dem Bericht wurde in vielen Wahllokalen die Wählerregister nach Abschaltung des Internets über Mobiltelefone geroutet. Auf der Straße skandierten Menschen „Geht in Flugzeugmodus“, um die belasteten Netze zu schonen, damit die Wallokale arbeiten konnten.
Das von der spanischen Zentralregierung und Gerichten für illegal und verfassungswidrig erklärte Referendum konnte wegen der zahlreichen Gegenmaßnahmen nicht nach den üblichen Wahlstandards durchgeführt werden. Am Ende konnten dennoch mehr als 2,2 Millionen von 5,3 Millionen Wahlberechtigten wählen, sie entschieden sich mit etwa neunzig Prozent für die Unabhängigkeit.
