Die türkische Justiz hat gegen den schwedischen IT-Berater Ali Gharavi und den deutschen Seminarleiter Peter Steudtner Anklage erhoben, sie sollen eine bewaffnete terroristische Organisation unterstützt haben. Steudtner wurde zusammen mit seinem schwedischen Kollegen und acht weiteren bekannten türkischen Menschenrechtlern am 5. Juli während eines Workshops in der Türkei festgenommen. Unter den Festgenommenen befindet sich auch die Direktorin von Amnesty International Türkei, Idil Eser. Für sechs von ihnen wurde heute Morgen die Untersuchungshaft angeordnet, darunter Steudtner, Gharavi und Eser.
Vor ihrer Verhaftung haben Gharavi und Steudtner einen Workshop über Informationsmanagement sowie Stress und Trauma gehalten. Der Workshop sollte fünf Tage dauern, endete jedoch am vierten Tag plötzlich mit einer Razzia der Polizei und der Verhaftung aller Anwesenden.
Abwegige Vorwürfe
Es sei abwegig, den beiden die Unterstützung einer bewaffneten Terrorgruppe zu unterstellen, sagt Daniel Ó Cluanaigh, Menschenrechtsberater aus Berlin und Sprecher für die Angehörigen in Deutschland in einer Pressemitteilung:
Seminare wie dieses sind gängige Weiterbildungen für Menschenrechtsorganisationen, damit sie vertrauliche Daten verwalten können, wie Zeugenaussagen zu Menschenrechtsverletzungen oder vertrauliche persönliche Informationen von Betroffenen. Wir fordern die unverzügliche Freilassung aller Menschenrechtler*innen und die Einstellung der Verfahren.
Gharavi hat für das Tactical Tech Collective gearbeitet und ist seit ein paar Jahren als freier Berater für unterschiedliche Organisationen tätig. Der 45-jährige Steudtner widmet sich seit Jahrzehnten beruflich und privat der Friedensarbeit. Dazu gehört die Beratung und Fortbildung von Fachkräften und Organisationen im Bereich ziviler gewaltfreier Konflikttransformation, unter anderem im Rahmen des Programms „Ziviler Friedensdienst“ in Ländern wie Nepal, Kenia, Mosambik und Palästina/Israel.
Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben die Verhaftungen verurteilt, darunter Amnesty International, Front Line Defenders und Hivos.
