Öffentlichkeit

Journalistenverbände: Polizeigewalt gegen Reporter auf dem G20

Die Polizei steht wegen ihres Einsatzes beim G20-Gipfel in Hamburg in der Kritik. Beamte haben mehrfach Pressevertreter verbal und körperlich angegangen und in ihrer Berichterstattung behindert.

Fotograf auf dem G20-Gipfel. Im Hintergrund ein Beamter eines Sondereinsatzkommandos. CC-BY 2.0 Thorsten Schröder

Beschimpfungen, Drohungen und Tritte waren nicht die einzigen Übergriffe, welche die Polizei auf Pressevertreter rund um den G20-Gipfel in Hamburg verübte. In mindestens einem Fall richtete ein Beamter von eingesetzten Spezialkräften sein Gewehr auf einen Pressefotografen. In anderen Fällen entzog das Bundeskriminalamt Pressevertretern ihre offizielle Akkreditierung.


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Der Chefreporter der Bild-Zeitung beobachtete folgendes auf der Straße:

Das Verhalten der Polizisten löst bei Journalistenverbänden Empörung aus. Cornelia Haß, die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), sagt: „Es kann nicht sein, dass Journalistinnen und Journalisten von den Einsatzkräften an der Ausübung ihres Berufs gehindert werden. Die Öffentlichkeit muss sich ein differenziertes Bild von der Situation in Hamburg machen können. Die Freiheit der Berichterstattung muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.“ Die dju plant, gerichtlich gegen die Akkreditierungspraxis des BKA vorzugehen.

Hendrik Zörner, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, fragt: „Hat die Polizei gezielt Jagd auf Journalisten rund um den G20-Gipfel gemacht?“ und verweist auf den Fall von Flo Smith, einem Fernsehjournalisten, dessen Team von der Polizei mit Pfefferspray bedroht wurde. Zörner forderte in einem offenen Brief vom BKA Aufklärung über Polizeigewalt und über die Entziehung von Presseakkreditierungen durch die Behörden.

Martin Hoffmann vom European Centre for Press & Media Freedom sagt, das Verhalten zeige, dass Polizisten in Journalisten eine Bedrohung sehen würden. Er fordert, dass in der Ausbildung von Polizisten die Rechte von Journalisten besser verankert werden.

Update:

Arnd Henze von der Tagesschau nennt in seinem ausführlichen Artikel

44 Kommentare
  1. Natürlich sehen die Behörden in Journalisten eine Bedrohung. Schließlich könnten diese auch negativ über sie berichten. Das muss doch mit allen Mitteln verhindert werden. Was will man von einer Polizei erwarten, die keine Skrupel hat, Gerichtsurteile zu ignorieren und missachten. Andererseits sind Polizeibehörden immer auch ein Spiegel der regierenden Politik und Politiker. Nimmt es diese mit der Verfassung aka Grundgesetz nicht so genau (um es einmal höflich auszudrücken), spiegelt sich das auch im Denken und Handeln der Polizeibehörden wider. Ein Blick in die Geschichte bietet dafür genügend Beispiele.

    1. Ach Geschichte!
      Nach der nächsten Wahl, werden dank der Bildungspolitik der GroKo, neue Geschichtsbücher veröffentlicht, so das die aktuelle Regierungspolitik nicht mehr mit der Regierungspolitik von Adolf bzw. Erich (letzterer war ja nie ein Thema nach der Wende) verglichen werden kann!
      Wer aus der Geschichte lernen und somit ein Terrorist werden möchte, darf auch in Deutschland Geschichte studieren!
      Aber wo soll man das erlernte Lehren, da die Bildungspolitik der GroKo keinen Wert mehr auf Bildung einer auf Wissen fundierenden eigenen Meinung legt?

  2. Es kann auch nicht sein, dass die Einsatzkräfte von den Journalisten an der Ausübung ihres Berufs gehindert werden und dadurch andere Menschen in Gefahr gebracht werden.

    Schön, dass die Berichterstattung hier so einseitig ist. Hab mehr von euch erwartet, Netzpolitik.

    1. Wo wurden Polizisten von Journalisten bei den Demos in Hamburg, in welchem Fall speziell, an der Ausübung ihres Berufs (was wäre das eigentlich so genau, ist mir in deiner Argumentation unklar), gehindert?

      Die Exekutive ist aufgrund des ihr zugesprochenen Gewaltmonopols zu äußerst maßvollem Einsatz dieser angehalten und rechtlich verpflichtet. Polizei muss, aufgrund des extremen Ungleichgewichts, in jedem Fall das stets mildeste Mittel wählen.
      Journalisten betreiben einer durch ein hohes Grundrecht besonders geschützten Beruf. Die freie unbehinderte Ausübung ihrer Tätigkeit ist einer der wesentlichen Grundpfeiler der Demokratie. Andere Rechte müssen da ggf. zurücktreten, solange sie rechtlich nicht gleichstellt sind (das kann man sicher noch breiter ausführen).
      Welche Situation, Bezug wie oben, also belegte Beispiele, hat also die Ausübung von Gewalt gegen Journalisten als Träger eines der höchsten demokratischen Grundrechte gerechtfertigt?

      1. Gladbecker Geiseldrama anyone?

        Das war doch der Präzedenzfall.

        Schau Dir doch die Fälle auf Video an. Die Bild-Journalisten stehen da rum, wo es gefährlich ist, mit Tunnelblick und der Kamera auf den scharfen Sachen. Werden ihnen Weisungen gegeben sich zu entfernen, fangen sie an rumzudiskutieren mit Polizisten. Unbeteiligte Schaulustige oder Demonstranten mischen sich ein. Wenn sie neben Steinewerfern filmen kommen sie sich unbeteiligt vor, werden aber ggf. bedroht, wenn man sie für Spitzel oder Nazis hält. Sie filmen Steinwerfer und denken „alles friedlich hier“. Sie werden Teil der Masse, mit der sie embedded sind, übernehmen den Sermon der Lautis in ihre Gedanken usw. In Extremsituationen hast du oft so eine Art Stockholmsyndrom. Das wird aber alles gar nicht reflektiert.

        1. Hallo André, naja, ich denke es macht Sinn sich auf den gegebenen Kontext, G20 in Hamburg, zu beschränken. Mir ist da bis jetzt kein Fall bekannt, wo dort ein Journalist Polizei wissentlich und absichtsvoll behindert hätte.
          Allerdings lassen sich außerordentlich viele Berichte über Angriffe auf und Behinderungen der Arbeit von Journalisten, sexistische Beleidigungen, Missachtung durch die Polizei finden. Den Berichten nach haben sich betroffene Journalisten jederzeit ausgewiesen oder/und trugen ohnehin deutlich erkennbare Kennzeichnungen. Die beschriebenen Situation zeigen, meiner Ansicht nach, auch keine Extremsituationen.
          Der Punkt mit den Verweisungen der Polizei ist tatsächlich einer. Allerdings muss, in einer Demokratie, Polizei auch in kritischen Situationen, aufgrund ihrer enormen Machtbefugnis, eine Beobachtung respektieren, solange diese nicht zwingend das Leben der Polizisten oder Dritter gefährdet.
          „Stockholmsyndrom“ finde ich begrifflich nicht wirklich passend. Würde dir aber soweit zustimmen, dass auch Journalisten aus der Rolle der neutralen Beobachter fallen können, wenn sie in die gleiche bedrohte Lage geraten wie Umstehende.

          1. Zur Akkreditierung hat ja Thilo Jung die Fragen gestellt
            https://www.youtube.com/watch?v=PDPNXlvDLiE

            Scheint mir auch ziemlich unproblematisch, wenn 1% der Journalisten nicht zugelassen werden aus Sicherheitsbedenken.

            Ich meine, wir haben ja nicht nur Journalisten, sondern auch politische Aktivisten von links und rechts, welche die Journalistenmaske aufsetzen. Man denke nur an die alt.right Bilderberg-„Journalisten“, die berichten wollten, allerdings nur von der Demo. Solche Leute dürften sich auch akkreditiert haben. Da hätte ich wohl Sicherheitsbedenken.

            Nun kann man sagen, man traut dem BKA nicht, aber es gab ja schon andere lustige Sachen. Ich war mal bei einem Konzert in die Philharmonie der BpB zu 25 Jahre Deutsche Einheit – Land der Freiheit oder so eingeladen und wir, d.h. ca 30%, kamen nicht rein aus Sicherheitsgründen, weil der Minister sprach, die Leute waren stinksauer, darunter Diplomaten, ein greiser Japaner, den man stehen ließ, bei einigen MdB wurde dennoch eine Ausnahme gemacht, der Rest wartete eine Stunde und wurde dann fortgeschickt. Das BKA hatte offenkundig die Daten von einigen Teilnehmern versemmelt. Ich geh nicht davon aus, dass irgendeiner von uns ein Sicherheitsrisiko für die Musik war. Die Verantwortliche der BpB für die Misere versprach uns zu einer Ersatzveranstaltung im September zu laden. Das haben sie peinlicherweise auch vergessen. Zur Datenweitergabe an das BKA habe ich beim Datenschutzbeauftragten der BpB angefragt und nie eine Antwort erhalten.

    2. @Markus, der bewusst so organisierte Gipfel, hat die Menschen in Gefahr gebracht, nicht die Journalisten, die über die Missstände berichteten!

  3. Nicht nur wurden anscheinend Sanitäter mit dem „Gebrauch der Schusswaffe“ bedroht, nach Aussagen des Hamburger Ermittlungsausschusses und des Grundrechtekomitees (das die Demos beobachtet hat) hat die Polizei auf mehreren Demos in Hamburg Sanitäter und Ersthelfer bei der Versorgung schwer Verletzter behindert, sie mehrfach bedroht, mit Pfefferspray besprüht, sie geschlagen und brutal aus einem kenntlichen Sanitätswagen geprügelt.
    Das alles nach dem kurz zuvor ein Gesetz durch den B-Tag lanciert wird, das selbst leichte Widerstandshandlungen, aber auch Notwehrhandlungen gegenüber Polizisten, Feuerwehr und Medizinischem Personal unter hohe Haft- und Geldstrafen stellt.
    Das moralische Gewicht der Kampagne waren immer die. zu Recht zu schützenden. Helfer, Sanitäter, Ärzte, Krankenhelfer, Feuerwehrpersonal.
    Gerade diese Polizei, die sich selbst vor Angriffen schützen will, ist ausgerechnet die, die (nicht nur) jene brutal zusammenschlagen, die Ihnen die moralisch-rechtliche Basis dafür lieferten ein völlig überzogenes Gesetz zu erreichen.

    Es geht mir hier ausdrücklich nicht um eine Bewertung des weiteren Handelns der Polizei im Gesamtzusammenhang, dass ich ebenso als widerlich empfinde, wie das Handeln der Hamburger Politik, der Bundespolitik und der widerlichen Leute, die Menschenleben während der Riots gefährdet haben und sinnlos Autos und Geschäfte zerstört haben.

  4. Ist ja schön, aber was für eine Art von Journalisten waren das, und zweitens warum müssen Journalisten und Schaulustige mit Handy die Arbeit der Polizei behindern? Jeder normale Mensch zieht sich zurück, wenn es gefährlich wird. Jeder Bildjournalist sucht manisch die Gefahr und steht im Einsatz im Weg. Die Antwort zu „aus dem Weg“ ist nicht „Ich bin Presse“, sondern Folge zu leisten.

    BKA Akkreditierung fürs PK entzogen ist auf einer anderen Ebene. Das ist überhaupt nicht problematisch, dass Journalisten nicht akkreditiert werden, solange eine Berichterstattung gewährleistet ist. Was für Journalisten waren es überhaupt? Es ist doch eine alte Taktik immer diese wir Gruppe aufzumachen, wir Journalisten, und dann soll der Spiegel Reporter mit dem Journalisten des Fachblatts „Revolutionären Kampfes“ solidarisch sein, wenn ihm die Akkreditierung entzogen wird.

    Einige Freunde von mir sind Kriegsreporter. Wenn Dir gesagt wird, geh da nicht hin, dann gehst du da nicht hin. Wenn Du mit den Rebellen embedded bist, ist es dein Berufsrisiko, dass ein Luftschlag dich ausschaltet. Journalisten dürfen nicht menschliche Schutzschilde sein und dürfen sich nicht gemein mit einer Gruppe machen, in der sie gerade unterwegs sind. Es fehlt in der Tunnelsituation immer der Blick fürs ganze. Wo Gewalt passiert, da fokussierst du dich instinktiv drauf. Ich jedenfalls sehe unglaublich viele Journalisten, denen Distanznahme unglaublich schwer fällt.

      1. Ich denke es ist unreflektiert, was Du über „Rechte von Journalisten“ schreibst. Jeder Journalist recherchiert normalerweise, versucht sich ein Bild der Lage zu gewinnen. Das kannst Du aber nicht vor Ort. Polizisten sind für solche Einsätze trainiert. Anarchisten sind es auch, wissen wie sie untertauchen und zuschlagen können, enthemmen andere mitzutun.

        Weil Polizisten uniformiert sind, wirst Du mit denen nicht zur Wir-Gruppe. Du wirst von Propaganda beschallt. Du hast private politische Sympathien. Du bist per Definition nicht nah der Objektivität, wenn Du mittendrin bist, realisierst das aber nicht. Du hältst dich für sakrosankt, weil Du ja Presse bist. Du kommentierst, die Polizei habe die Situation nicht unter Kontrolle, bleibst aber trotzdem vor Ort. Es passieren komische, emotionalisierende Dinge. Es gibt einen tribalen Sog, das was Canetti Masse nennt, der Dich aufnimmt. Du und viele Leute um dich rum sind desorientiert und traumatisiert.

        Das passiert auch Profis. Beispiel, ein Freund von mir hatte einen Shellschock in Gaza, da war eine Granate eingeschlagen und filmte im Kreis, er hat auch einen leichten Autismus. Da kam eine prominente RTL-Kriegreporterin A. R. an den Ort mit ihren Leuten. Sie fragte ihre Begleiter, warum der Typ sie filme. Daraufhin wurde mein Freund von der Hamas einkassiert und in einer Art gruseligen Folterstation gebracht…

        Anderes Beispiel: zwei Radfahrer vor mir abbiegend werden von einem Wagen an der Kreuzung erfasst. Die eine quer über den Wagen geschleudert. Lauter Leute aus den umliegenden Geschäften treten auf die Straße, alle fokussiert auf das Unfallopfer, reden wirres Zeug. Keiner kümmert sich um die Sicherung der Unfallstelle, der Straße. Die Leute wollen das Opfer bewegen, was mir total gefährlich scheint. Ich beschäftige eine Frau damit Decken zu holen. Alle mit einer Art traumatisierten Tunnelblick. Instinktiv weiss ich, ich muss jetzt das tun, was keiner tut, dahin schauen wohin keiner schaut. Die Unfallstelle sichern und dokumentieren, Warndreieck usw. Die total schockierte Autofahrerin, die sie angefahren hat, checkt nicht, dass es ihr Fehler war. Später kommen Rettungsdienst und Polizei. Lauter durch die Situation traumatisierte Leute, die nichts gesehen haben konnten, stehen rum und stören den Einsatz und machen falsche Zeugenaussagen, die die Radfahrerin belasten.

        Nächstes Beispiel: 1. Mai letztes Jahr, ich wurde zufällig Zeuge, wir liefen als Nichtteilnehmer vom Waffelladen heim gegenläufig zum hoch disziplinierten Demozug, wie das C&A Gebäude aus dem nichts heraus entglast wurde, ein kleiner Trupp stürmte mit Bengalos rein, Nebel wurden Richtung Polizei geworfen. Wir flüchteten uns hinter die Polizei. Dann flogen andere Sachen Richtung Polizei. Die Polizei blieb sehr professionell und kontrolliert. Was im nachhinein seltsam war, dass ein RT Kamerateam die Situation an der Ecke filmte, aber so, dass ich stark davon ausgehe, dass die genau vorher darüber informiert waren, dass hier was passieren würde. Genau das haben wir auch beim G20. Journalisten, die gemeinsame Sache machen. Wenn ich den Namen des RT Journalisten kennen würde, der für die Bilder da verantwortlich war, würde ich als BKA ihn nicht akkreditieren.

        Was ist nun das Gefährliche an der Situation für Verbände des Journalismus? Ich denke mangelnde Distanz. Wenn jemand ein Problem mit dem Polizeieinsatz hat, kann er sich ja beschweren und seine Sicht festhalten. Warum müssen sich jetzt andere mit ihm gemein machen bevor überhaupt alle Sachverhalte nach den Regeln der journalistischen Kunst recherchiert sind? Was waren das für Journalisten? Waren es überhaupt Journalisten oder Aktivisten mit Presseausweis, die hier nur gegen die Polizei agitieren wollen? Gibt es andere Zeugen? Was sagt die Polizei, der betreffende Polizist, der im Einsatz war usw. Warum muss man jetzt ohne Recherche eine Kampagne für Pressefreiheit fahren und die Agitation gegen die Polizei stützen?

        Wenn Du Dir das Bildmaterial anschaust, dann siehst Du zahlreiche Fehler der Journalisten und „Bürgerreporter“, z.B. mangelndes Gefahrenbewusstsein und ein subjektiver Blick in einer unklaren Situation. Polizisten sind trainiert und organisiert und auch für deine Sicherheit als Journalist verantwortlich, und dafür dich aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Wenn Dich jemand als Journalist mit der Waffe bedroht, mag das krass sein und mag auch falsch sein. Aber es ist ein hartes, unmissverständliches Zeichen, dass Du aus Sicht der Polizei gerade am falschen Ort bist, also entweder im Weg stehst, den Einsatz behinderst, oder anderweitig Grenzen überschreitest oder neben dir stehst. Kann natürlich sein, dass die Polizei verhindern will, dass Du Polizeifehlverhalten festhältst oder der Polizist selbst ein Rad abhat. Deeskalation heißt dann einfach erst mal Folge zu leisten.

        1. Ich habe gehört, das es einige Beteiligte gab, die Beauftragt wurden, um Ausschreitungen zu organisieren, evtl. sollte man mal in dieser Richtung recherchieren?

        2. Was du hier, neben einigen Anekdoten, sagst ist: Vertraut auf die Polizisten, wenn etwas schief läuft verpisst euch, ihr könnt euch nur aus der Ferne ein Bild machen, nicht von der Straße aus. Da muss man dann das glauben, was die Polizei behauptet. Dass die Polizei gerade was solche Großveranstaltungen angeht nicht gerade die Ehrlichkeit in Person ist wissen wir, Gott sei Dank, und vor allem wegen der Journalisten die sich ein Bild vor Ort gemacht haben und nicht im Pressezentrum darauf gewartet haben, dass sie von den polizeilichen Sprechern in diesem Fall angelogen wurden.

          1. Lieber Dearin,

            ich denke Du hast einen Punkt. Das kann sein. Es ist nur so, dass ich zu ähnlichen Schlüssen gekommen bin wie Nightwatch_HH als ich mir Videomaterial angesehen habe. Und dann kommt ja noch hinzu, dass die Demoleute auch immer ihre eingebetteten Journalisten haben, und eine Agenda gegen die Polizei verfolgen.

            Ich bin sehr für G20 Proteste , immer mit dem Wissen dass es symbolische Veranstaltungen sind, aber ich sehe es als politische Verzettelung dieses Polizeigewalt-Opferspielchen zu machen. Nicht, dass ich an die Friedfertigkeit der Polizei naiv glaube, ein Ultra hatte mich da mal aufgeklärt, dass es eine gewissen Fluktuation aus seiner Community in die Berliner Bereitschaftspolizei gebe, und viele Bekannt von mir haben böse Erfahrungen mit Polizei auf Demos gemacht. Ich finde es nur unpolitisch, wenn es dann nicht mehr um Fußball sondern Randale, nicht um politische Inhalte sondern um Agitation gegen den Polizisten als manifesten Repräsentanten der Staatsgewalt geht.

            Seit dem Kindergarten wissen wir: Bullies (ich meine nicht „Bullen“ sondern „Bullies“) schlagen Dir nie in die Fresse ohne den Beobachterraum zu kontrollieren, und dabei zu rufen, „sei nicht so brutal zu mir“. So dass, wenn Du Dich dann wehrst oder aus der Haut fährst, andere auf seine Seite treten. Es gibt diese grandiose Eisszene in „Thank you for smoking“:
            https://www.youtube.com/watch?v=eW87GRmunMY
            „…because I am not after you. I am after THEM.“

            Nur ein Beispiel. Schau Dir mal das 451 Video, ich glaube das ist ein Format der Firebrandspezialisten von RT, an. https://youtu.be/NpriSilowOE?t=8m22s
            Erst ist auf der Hell-Demo, die Polizei greift ein und kesselt den vermummten(!) „schwarzen Block“ ein, und er betont sehr deutlich, dass die Polizei „angefangen habe“, der Lauti peitscht diese Sicht im Goebbels-Style die ganze Zeit, agitiert gegen die Polizei und wiegelt die Leute auf statt zu deeskalieren, es kommt dann auch zu Würfen gegen Polizisten und dramatischen Ausbruchsversuchen. Die Situation ist: Du bist in der Demo drin und hast Deine Perspektive, du bist irgendwie Teil der Demomasse. Du hast gar keinen vollen Überblick. Das kann ja alles so sein, aber du bist emotionalisiert und übernimmst das verengte Narrativ deiner Perspektive und die Stimmung des Ortes. Andere Situation, er macht ein Mikrostatement während martialische Polizeieinheiten den Ort unter Kontrolle haben, ihn bereits ermahnt hatten und preist auf eine absurde Art und Weise die Polizei, die so eine tolle Arbeit leistet. https://youtu.be/NpriSilowOE?t=24m25s

            Oder nehm dieses Video. Da brennt ein Wagen, die Leute laufen vollkommen ohne Risikobewusstsein ihre Wege, filmen den brennenden Wagen. Irgendwas im Wagen explodiert, Teile fliegen durch die Luft. Gehen die danach in Deckung? Nicht wirklich.
            https://www.youtube.com/watch?v=sjfoTFZYSuM

            Das ist ja auch ein Phänomen, dass man aus dem Krieg kennt, im Kugelhagel agieren Leute plötzlich ohne in Deckung zu gehen, gewöhnen sich an die Normalität, dass es um sie herum kracht. Der Essayist Canetti, von dem schon mal die Rede war, hat einmal die Formel gebracht in „Macht und Überleben“(1962), nämlich Macht durch Überleben, es sind die anderen, die betroffen sind, und das gibt Dir eine Aura der Unverletzlichkeit und Machtgefühl. Der Tod, nicht des Feindes, sondern das Überleben deiner Kameraden im Krieg, verleiht dir ein Machtgefühl! Wir fallen als Menschen in Extremsituationen in tribale Reaktionsmuster zurück, Feuer wirkt auf uns gemeinschaftsbildend als Kristall unserer Aufmerksamkeit. Die Hülle der Zivilisation in dünn. Wir haben alle Programme des Steinzeitmenschen in uns drin. Übrigens auch so ein Trump-Phänomen, je häufiger jemand Regeln unsanktioniert bricht, desto mehr Macht verleiht ihm das.

    1. Lieber André, was du hier beschreibst, nennt man nicht Journalismus sondern „Propaganda“. Du scheinst ein vollkommen verzerrtes Grundverständnis von Berichterstattung zu besitzen, wenn du Embedding oder „Akkeditierung“ als Voraussetzung für legitimen Journalismus verstehst.

      1. Nö.

        Akkreditierung bedeutet, man muss sich anmelden um in bestimmte Sicherheitsbereiche, zum Beispiel auf eine PK zu kommen. Das bedeutet automatisch, dass bestimmte Personen nicht akkreditiert werden.

        Embedding bedeutet, du folgst einer Seite, agierst mit ihrer Zulassung oder Unterstützung, und müsst höllisch aufpassen, dich nicht mit denen gemein zu machen, weil ihr ähnliche Erlebnisse durchmacht in einer Extremsituation.

        Was wir haben sind: Journalisten aller Länder und aller Qualitäten, Aktivisten/Propagandisten mit Presseausweis, rechte und linke Demotouristenjournos, Schaulustige mit Kamera usw. Ganz viel Fake News, Gerüchte, Missverständnisse, sozusagen die Fortsetzung der Randale mit medialen Mitteln. Christoph Kappes z.B. schreibt über sein Foto, dass es einen falschen Eindruck erweckte, als ob die Häuser in Brand stünden.

        Das Video mit dem explodierenden Auto zeigt doch das Hauptproblem in HH. Leute gehen auf die Straße, kümmern sich gar nicht um die Verwüstung, beschwingt vom Ordnungsbruch, filmen sich mit Barrikaden aus extrem unsicheren Feuern, es war ja sogar die Rede von Sprühdosen, die in Feuer geworfen wurden. Eigentlich müsste die Polizei diese Schaulustigen alle auf Distanz halten, weil sie sich in Gefahr bringen und das überhaupt nicht rallen. ..und wenn die Polizei zu den Hirnlosen sagt geh weg, berufen sie sich einige von ihnen auf die Pressefreiheit.

        Ja, man kann als Unbeteiligter einen Wasserwerfer und Polizeiknüppel abkriegen, aber warum sucht man nicht einfach das Weite, wenn da eine zugespitzte Situation ist, und man nicht zu den Randalierern gehört? Es gab ja auch den Typen der mit einem Feuerlöscher versuchte eine Barrikade zu löschen und Wasserwerfer abbekam. Einfach am falschen Ort.

  5. Selber als Hamburger ortskundig jaulte ein auswärtiger Freund mir am Donnerstag Abend die Ohren voll, wie böse und rücksichtlos denn die Polizei mit harmlosen und unschuldigen Reportern umgehen würde. Daraufhin habe ich in der Nacht mehrere Stunden damit verbracht, die verfügbaren Filmsequenzen vom Dach über dem Fischmarkt teilweise in Einzelbildern auseinander zu nehmen und diesem Freund klarzumachen, wie unverantwortlich da teilweise von Bildjournalisten, Pseudojournalisten und Möchtegernbildreportern agiert wurde. Nicht am Rande begleitend sondern mitten zwischen der Frontlinie des Fischmarktes, die Wasserwerfer vor sich, der vorrückenden Polizeikette im Weg stehend und die fliegenden Bierflaschen von hinten. Die Zusammenfassung „Tunnelblick“ von AndreR für das geilste Bild, dass man morgen auf seinem Blog veröffentlichen wollte, trifft das sehr gut, zumal ich dann eben diese Bilder am Wochenende auch im Netz gefunden haben. Technisch vielleicht ein guter Fotograf, aber eben kein Jounalist, der da hin gehört hätte.
    Es fiel hier bereits das Stichwort Gladbeck. Das ist lange her und damals waren es Jounalisten „alter Schule“, die im Weg standen. Heute sind es nicht nur diese Altform von Jounalisten, mit der die Polizei umzugehen hat. Neben etablierten Akteuren aus dem Neuland, echten Profis mit jahrzehnten Erfahrung, armselig ausgebildeten und bezahlten Lohnschreiberlingen sind es jede Menge Möchtegernjournalisten, die gerade ein WordPressblock für ihre Fotosammlung aufgesetzt bekommen und sich mit irgendeinem fragwürdigen Presseausweisschnipsel Rechte herausnehmen wollen, deren Konsequenzen und Gefahren sie, wie von Andre geschildert wurde, nicht im geringsten abschätzen können. Aus einer zweifellos technisch sehr professionell arbeitenden Amateurfotografengruppe kenne ich mehrere Beispiele, die glauben, sie könnten sich dann auch Journalisten nennen und Presserechte für sich in Anspruch nehmen. Tatsächlich sind fast alle dieser Mitspieler in solchen extremen Lagen eine Gefahr für sich selber und für das Umfeld. Das aus diesem Grunde die Hemmschwelle bei der Polizei sinkt, oder schlicht die bessere Übersicht der Polizei dazu zwingt, Zivilisten mit oder ohne echten Presserechten zwischen den Frontlinien herauszuziehen oder sie gar nicht erst dort hin zu lassen, kann ich vollkommen verstehen. Die Bemessungsgrundlage für die Polizei bei der Beurteilung von journalistischer Arbeit vor Ort ist nicht der tolle Name oder Arbeitgeber, der auf dem hoffentlich richtigen Presseausweis steht, sondern das schlechtese Beispiel, dass die Beamten vor Ort gerade erlebt haben. Der Vollprofi, der an der Seite verantwortungsvoll seine Arbeit macht, wird überhaupt nicht wahrgenommen. Die drei Idioten, die ihnen gestern Abend auf dem Fischmarkt im Bierflaschenhagel vor den Füssen herumgestolpert sind, sind dagegen sehr präsent. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, aber man sollte damit verantwortlich umgehen. Vielleicht ist nach dem grossen Abstand zu Gladbeck und der Strukturänderung der Presselandschaft an dieser Stelle ein guter Zeitpunkt mal kurz inne zu halten und sein eigenes und das Verhalten der anderen Mitspieler in seiner Berufsgruppe zu analysieren und zu reflektieren.

    Zuletzt: jeder hat sein Fachgebiet und einen Tellerand. Über den kann man sich gern mal hinaus wagen, denn sonst lernt man nichts. Angesichts der breiten Berichterstattung zu dem Thema G20, einer grundsätzlich so gern vor sich her getragenen political correctness und der Neigung dazu, nicht digital affinen Politiker und sonstigen Menschen jedes Wort auf die Goldwaage zu legen sollte man dabei nicht auf die Nase fallen, bevor man den ersten Absatz zuende geschrieben hat. Da rollen sich mir nämlich die Fussnägel genauso hoch wie das bei Euch der Fall ist, wenn Dobrindt der Bevölkerung mal wieder das Internet erklärt. -> SEKs haben spezielle Kräfte und Fähigkeiten. Sie sind nichts besonderes und nehmen auch keine Sonderbehandlungen vor, das gehört in eine andere Zeit. Sie marodieren nicht hinter der Ostfront und reissen keine Zyklon-B Dosen auf. Spezialeinsatzkommando, nicht Sondereinsatzkommando.

        1. War abzusehen, dass genau solche Kommentare kommen.
          Vielleicht mal einen Blick in dieses Video werfen: https://www.youtube.com/watch?v=MAOU2sWDz_c
          Mit einem Fokus auf die verantwortungsvollen und umsichtig handelnden Bildberichterstatter, die bei 1:03:10 unter die Räder kommen. Vielleicht auch mal die drei bis fünf Minuten davor zur Kenntnis nehmen, die zeigen, wie sich die beschriebenen Frontlinien aufbauen, zwischen die sich diese verantwortungslosen Kameraden gestellt haben, die meiner Meinung nach und in Anknüpfung an die Kommentierung von AndreR vor sich selber geschützt werden müssen.
          Das Ergebnis der objektiven Pressearbeit vollkommen ohne Tunnelblick findet man dann hier: https://www.flickr.com/photos/fabianschumann/35768610135/in/album-72157683210507743/

    1. Um Journalist zu sein benötigt man hierzulande keinen „Presseausweis“. Weder die Meinung der Polizei noch die von „Nightwatch_HH“ zur Qualität der Arbeit sind dafür in irgendeiner Weise relevant.

      1. Ich weiss, dass es dafür keinen Presseausweis braucht und ich halte das Presserecht für ein hohes Gut. Es geht hier auch nicht um meine Meinung oder die Meinung der Polizei über die Qualität wirklich Medienschaffender. Die mag mir gefallen oder auch nicht. Spielt keine Rolle.
        Was ich ausdrücken will: die Rechte, die Medienschaffenden! zustehen, um ungehindert ihre Arbeit auszuüben werden schlicht ausgehöhlt und entwertet dadurch, dass jeder Hansel, der eine Handykamera halten und die Bilder auf seinem unbedeutenden Blog posten kann inzwischen diese Rechte für sich in Anspruch nehmen nehmen will. Je weiter das Verhältnis kippt, dass sich egomanische Teilnehmer einer Veranstaltung für „ihr geiles Bild von der Veranstaltung“ in Pseudojournalisten verwandeln, die das Presserecht für ihre eigenen Zwecke und nicht für Medienarbeit missbrauchen, desto schwerer werden es die haben, für die dieses Presserecht besteht.

          1. This will definitily go wrong. But it may come……
            Wenn Du die Fähigkeit und den Willen aufgebracht hättest, meine Argumentation hier zu folgen würdest Du auch erkennen, dass ich nichts in der Richtung gefordert habe sondern nur versucht habe, die Ursachen für den Weg dorthin zu benennen.
            Für schlichte Gemüter dann gern nochmal überspitzt: wenn irgendwann von 100 Demonstranten 60 laut schreien „ich bin Jounalist“, weil es für diese Bezeichnung keine greifbare Definition gibt, dann ist das Presserecht das Papier nicht mehr wert, auf dem es gedruckt ist. Dann besteht, überspitzt, eine Demonstration nicht mehr aus Bürgern, die ihr Demonstrationsrecht leben, sondern aus einer Ansammlung von „Journalisten“, die demonstrieren. Diese Menge kann man dann im besten Fall nur wieder auf das Demonstrationsrecht „zurückstutzen“, die unbehelligte Stellung des Presserechtes wird es für diese Menge nicht mehr geben. Und damit verlieren als erste die, die dieses Recht für ihre Aufgabe und ihre Arbeit brauchen. Vielleicht habe ich da ein falsches Rechtsverständnis, aber man sollte in dieser Frage ein Recht zur Zeit ausüben. Entweder ich demonstriere, oder ich berichte unter dem Schutz eines Grundrechtes. Tue ich beides gleichzeitig bin ich nicht der Überdemonstrant und das Grundrecht in Person sondern ich bin der, der beide Grundrechte gleichzeitig aushöhlt, beschädigt und den Mächtigen die Argumentation liefert, beide Rechte entweder zu beschneiden oder willkürlich zu ignorieren.
            Ich schrieb an anderer Stelle, es bräuchte ein Innehalten und eine Selbstreflektion derjenigen, die das Presserecht in Anspruch nehmen, analog zum Gladbecker Journalistendesaster. Bei der Vielzahl an Mitspielern halte ich das selber für einen frommen Wunsch. Damit stimme ich Dir dann sehr ungern zu: Du hast den Weg vorgezeichnet. Wenn die Spieler nicht in der Lage sind, ihr Grundrecht verantwortungsvoll zu nutzen wird die Spielleitung kommen und die Regeln anpassen.

        1. Ich dachte schon, ich ziehe mir mit so einer Meinung wie der von Nightwatch_HH einen Schiefer hier ein. ich kann die Beobachtungen so bestätigen und um ganz ehrlich zu sein, den ersten Journalistenfail mit Darwin Award avancen hat ja die Kanadierin mit dem IB T-Shirt auf der Welcome for Hell Demo geliefert. Da hätte ich um einen Schlag mein Franzbrötchen verschluckt und wäre dran erstickt vor lachen.

          Ich meine, klar kann man machen, zu versuchen so die Leute zu interviewen, vor der Hafenstrasse, während so des härtesten linken Blocks überhaupt daneben steht, während die innerhalb der nächsten 30 Minuten, wie vorher „abgesprochen“/“erwartet“ verprügelt werden. In diesem Lichte würde ich gerne auch den Platzverweis mal beleuchtet haben, den sie ja klar mit ihrer Kamera dokumentiert haben. Wer auch immer den erteilt hat: Stabiler Junge, imho hast du Schlimmeres verhindert. Wer immer du bist! Danke! ich und einige andere schulden dir ein Bier. Dummerweise lässt es die Rechtslage scheinbar nicht zu.
          Ja, sie sind per Eigendefinition Journalisten, man muss ich die Frage stellen, was denn die Alternative war, nach dem die Demo eskaliert ist. – Wofür es sehr viele Vorzeichen gab – Massen bewegen sich und kommen in so Situationen halt dann auch nicht mehr mit Rationalen Entscheidungen klar. Wer auf die Karte schaut, und weiss wo die Demo Stand, wo die zwei „verwiesen“ wurden, der kann auch schliessen, das nach der Eskalation da auch alles wirklich „eskaliert“ war und kein guter Platz.
          Das dürfte ihnen auch egal sein, es wurde ja genug Material gedreht und die entsprechenden Verwerter drehen halt jetzt ihre Geschichte draus. Wenn das alles Zynisch klingt, dann vielleicht weil ich finde: Wir haben jetzt ordentlich HD Material was wieder schön in kleine, sehr coole Werbefilmchen verpackt werden kann. Was eine Anarchogruppe finanziell nicht hinbekommt (das Geld für ne ordentliche Produktion auf die beine stellen), das gibt dann die „freie“ Presse in manigfaltigen Varianten zurück. Ihr hättet die Flut von Bildern sehen sollen, als in der Schanze ENDLICH die erste Mülltone brannte. Metalevel: Fotografen fotografieren Fotografen beim fotografieren Ich bin wütend genug drüber ein Tumblr zu machen mit dem Namen https://journosejoyingriots.tumblr.com und mal alle entrückten und entzückten Gesichter zu sammeln, die man so bei Fotos von Journalisten da an der Veranstaltung gesehen hat.
          oder auch am Samstag, wo es so langsam umschlug auf der Schanze …. es waren mindestens allein 300 Journos (die zahl stell ich mal in Raum) auf dem Schulterblatt und rundrum verteilt.
          Und dann müssen ja immer alle total emotionalisiert alles sofort in die Kamera sprechen oder sofort tweeten. Das hilft dann immer auch gleich total, wenn man eh schon so ne Schnittmenge mit Aktivismus hat und dann den Content direkt vor Ort in Realtime produziert. Soll ich vom Abend noch zitieren? Oder diverse Statements mal in Pseudo Headlines einfügen. Ne Leute, ich war froh das am Montag wieder alle mit ihrem Zirkus weg waren und vielleicht mal ein Lokaljournalist ganz ruhig die Frage stellt, wie u.a. „unsere Jungs vom Block“ oder halt auch diverse Hipster da mitmischen. Ich habe heute erst mal, in alter Manier, ein Gedächtnisprotokoll angelegt.
          Das die Veranstalter des G20 dann einen recht hemmungslosen Gesinnungsjounalismus per „Derfschein“ veranstaltet, das passt doch nur zu gut ins Bild und schliesst sich der allgemeinen Kritik an. Ein bisserl lachen musste ich schon, das jetzt alle 30 oder so ihre eigene IFG Abfrage machen müssen. es hat noch nicht mal jemand „lückenlose …“ gesagt, schon wird taktiert.

          Verkauft „Aluminium“, damit macht man kein Geld mehr, der Bedarf an Aluhüten wird stark zurück gehen.

  6. Die Polizei ist dafür da, die Bürger zu schützen – alle Bürger!
    In Hamburg sah es so aus, als ob es darum geht möglichst gewaltätig gegen das Volk vorzugehen. Das Recht zu protestieren wurde von Beginn an massiv beeinträchtigt und mit teilweise brutalen Gewalt verhindert – das ist nicht die Aufgabe der Polizei.

    Die nun ablaufende Diskussion zeigt aber auch, wozu diese Bilder gebraucht werden. Absurd wird das ganze, wenn man sich betrachtet, wie sich deutsche Politiker positioniert haben, als in Kiew gewaltsam demonstriert wurde. Damals haben sie Brötchen an die Demonstrierenden verteilt.

    Die Gewalt war nicht der Skandal. Der Skandal ist die scheinbar selbstverständliche Einschränkung der Bürgerrechte durch die Polizei.

    1. Beim Maidan hörten wir täglich Merkels Warnungen an Janukowytsch, Demonstrationsfreiheit zu gewären. Die Jungs, die da mit Bergen von Autoreifen, Schusswaffen, Bulldozern gegen extrem zurückhaltende Polizisten anstürmten bis sie in Regierungsgebäude vordringen konnten wurden als Freiheitshelden stilisiert. Mir braucht kein westlicher Politiker mehr mit Gewaltverzicht kommen. Ich hoffe, dass ich den Tag der Abrechnung noch erleben werde.

      1. Du beschreibst den Unterschied perfekt. Wo war denn der Sturm auf die Bastille in Hamburg? Das war Terror und Plünderung. Am Maydan wurden Regierungsbehörden besetzt und Politiker entmachtet. Symbolgewalt hier und Revolutionsgewalt dort.

    2. > Die Polizei ist dafür da, die Bürger zu schützen – alle Bürger!

      Das ist die naive Sicht der Dinge. Das gewaltige Polizeiaufgebot sollte in aller erster Line die G20-Teilnehmer schützen. Diese Priorität wurde auch klar in diversen Pressestatements so kommuniziert. Mit anderen Worten: Was sich nicht direkt gegen die G20-Entourage richtet wandert erst mal in die Warteschleife.

      Bisherige Gipfel-Erfahrungen zeigen, dass es in der Vergangenheit noch nie einen Gipfel gab, wo nicht an irgendeiner Ecke die Gewalt eskalierte. Alle Seiten waren sich darüber im Klaren, dass auch Hamburg keine Ausnahme werden würde. Deshalb hat man sich ausgiebig gerüstet und vorbereitet, was dazu führte, dass an jeder brennenden Barriere ein mindestens ein ziviler Beamter in Reichweite stand. Insofern war die Lage stets unter Kontrolle, die Lagerfeuer wurden kontrolliert abgebrannt. Doch hinterher gibt man natürlich nicht zu, sich selbst gewärmt zu haben, sondern erhebt den Vorwurf, das Feuer hätte auf Fassaden übergreifen können.

      Schon im Vorfeld der Planungen hat man sich auf Steuerungsebene ausgiebig damit befasst, wie man Gewalt, die man nicht verhindern kann wenigstens soweit nützen und steuern kann, um die eigenen Belange zu kultivieren. Dafür gibt namentlich bekannte Lokal-Meister ihres Fachs in Hamburg. Eine gewisse Eskalation war schon immer hilfreich, harte Polizeimaßnahmen im Nachgang zu rechtfertigen und allzu liberalen Geistern das nötige Anschauungsmaterial vorzuhalten, sollte die Ordnungsmacht in einen Rechtfertigungsnotstand geraten.

      Wer sich als erster provozieren lässt, hat das Spiel verloren.

      Ziel ist es, die Gegenseite schlecht aussehen zu lassen, um sie als Sündenbock für alles verantwortlich machen zu können. So lernt man es in der Polizeiausbildung wie auch bei Aktivisten-Workshops. Wer sich zu einer Grenzüberschreitung provozieren lässt, der hat schon verloren, bevor die Auseinandersetzung begonnen hat. Jede Seite hat ihre Provokateure. Dazu gehören auch martialische Verbalnoten an die jeweilige Gegenseite, aber auch die Kunst des Weitwurfs. Sollte kein Demonstrant die hohe Disziplin ausüben wollen, so gibt es schon mal den schwarz verkleideten Beamten (Rollenspiel in der Ausbildung), der den Zögerlingen vormacht, wie es gehen soll. Hier in Deutschland? Nein, natürlich nicht. Wäre ja auch nur dann verboten, wenn man sich erwischen ließe. Die Solidarität unter Demonstrierenden geht ja bekanntlich so weit, dass sie Wurfakrobaten gerade nicht festsetzt, sondern bei der Fluch behilflich ist.

      Wenn es ernst wird schützt die Polizei erstmal sich selbst. Dann staatliche Infrastruktur, und wenn es die Kapazität erlaubt alles Nachrangige. Dass „die Polizei dafür da sei, die Bürger zu schützen“, damit lassen sich Kinder im Vorschulalter noch beruhigen.

      1. Sollte kein Demonstrant die hohe Disziplin ausüben wollen, so gibt es schon mal den schwarz verkleideten Beamten (Rollenspiel in der Ausbildung), der den Zögerlingen vormacht, wie es gehen soll.

        Geht natürlich auch andersherum. Polizeiuniformen gibt es in jedem Kostümverleih, oder ist schnell selbstgenäht. Gefälschte Pressejacken und Uniformen von Rettungskräften sind ja schon bestätigt.

      2. > „Das gewaltige Polizeiaufgebot sollte in aller erster Line die G20-Teilnehmer schützen. Diese Priorität wurde auch klar in diversen Pressestatements so kommuniziert. Mit anderen Worten: Was sich nicht direkt gegen die G20-Entourage richtet wandert erst mal in die Warteschleife.“

        Und nun:
        Ein internes Polizeidokument bringt Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) in Bedrängnis. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hatte während der G20-Tage der Schutz des Gipfels und seiner Teilnehmer offenbar doch Vorrang gegenüber dem Schutz der Stadt. „Der Schutz und die Sicherheit der Gäste haben höchste Priorität“, heißt es im „Rahmenbefehl“ der Besonderen Aufbauorganisation „Michel“ zum Polizeieinsatz rund um den Gipfel in Hamburg.

        Und nach dem G20 sagte Olav Scholz noch „Polizeigewalt hat es nicht gegeben“. Auf welchem Planten lebt der?

  7. Wir brauchen die tausendfach verbreitete Liste der Polizei mit den Namen der gesperrten Journalisten und Journalistinnen. Eine genügt, um sie auf den Richtertisch zu legen.

    Das was interessiert ist, wer die Liste erstellt hat und welche Kriterien bei der Erstellung maßgebend waren.

    1. Allein die Tatsache, dass die Namen von JournalistInnen auf staatlichen Listen landen, lässt einen schaudern. Der Eindruck von Hofberichtserstattung drängt sich unmittelbar auf, wäre aber noch vergleichsweise harmlos.

      Es ist bemerkenswert, dass Akkreditierungen zunächst gewährt wurden, und die Betroffenen schon Zugang zum Pressezentrum hatten, und schon dort gearbeitet hatten. Erst nach Verlassen wurde ihnen der Wiedereintritt verwehrt. Während dieser Zeitspanne müssen wohl die „Erkenntnisse“ vom BKA gewonnen worden sein, auf die sich der Bundespressesprecher bezog.

      Welche Erkenntnisse könnten gewonnen wurden, die nun plötzlich zum Ausschluss führten?

      Hamburg war während des G20-Gipfels wohl die am besten überwachte Zone. Und ganz besonders auch im Bereich elektronischer Kommunikation. Man darf wohl annehmen, dass rund um den G20 die besten ihres Faches am Werk waren, und eine digitale Totalüberwachung stattfand.

      Möglicherweise haben Funkortungen dazu beigetragen, dass einzelne auf Listen landeten, möglicherweise wurde die Kommunikation mit besonderen Aktivisten überwacht, und die Kollegen hatten mit solchen überwachten Quellen Kontakt. Aber es ist auch überhaupt nicht abwegig, den Verdacht zu äußern, dass möglicherweise die elektronische Infrastruktur im Pressezentrum selbst überwacht wurde. Es ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass JournalistInnen in die staatliche Totalüberwachung geraten sind.

    1. Was schert die Betreiber und Eigentümer der „BLÖD“ wenn es Rügen vom Presserat hagelt,der Umsatz heiligt die Mitte,ist das oberste Gebot.
      Das bisschen Kritik des Presserates ,schert bei der“ BLÖD“ eh keinen,ist halt ein stumpfes Schwert und damit können die Eigentümer der „BLÖD“ seit dem Erscheinungsdatum Juni 1952 gut leben,sogar sehr gut leben,wie man bekanntlich weiß.

  8. Politisch stellt sich nach solch einem Ereignis wie immer die Frage „Who profits?“ und haben die politischen Profiteure die Eskalation in Kauf genommen und/oder womöglich noch zusätzlich befeuert, um ihre politische Macht weiter auszubauen?
    Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.
    Leidtragende sind auf jeden Fall,die Hamburger Bürger,das Demonstrationsrecht und die Pressefreiheit.

  9. Kann sein, bei Demos als politische Veranstaltung mit einer Agenda von beinahe jeder Persone glaube ich grundsätzlich niemandem, bevor er vernünftige Videos der Gesamtsituation zeigt.
    Bei sovielen Reportern und angeblichen Drohungen hat doch bestimmt jemand mal was aufgenommen?
    Das würde doch Auflage ohne Ende bringen.

    Insgesamt kann ich einige Aktionen der Polizei nicht nachvollziehen, allerdings gibt/gab es häufig keinen Gesamtkontext und Propaganda (verkürzte+verzerrte Berichterstattung mit Intention) gibt es schon zu Genüge.
    Die Auflösung der Welcome Hell Demo war für mich unergründlich, ferner gab es dazu bis jetzt keine Pressemitteilung. Auf der anderen Seite sind sämtliche Videos (mir bekannten Videos) dazu gekürzt auf die Auflösung und man sieht die Rückseite der Demo nicht wirklich.

    Bitte liefert doch nicht nur Vorwürfe, das ist ja wieder Polittheater mit keinen Fakten.

    1. Ich habe leider kein Video von der „Rückseite“, etwas Recherche könnte aber eine webcam am Fischmarkt zu tage fördern, die hat den scheiss evtl noch wo rumliegen. Da gibt es alle minute 1 Bild. Noch dazu war die Kamera vorher aufgestellt und sicher nicht „parteiisch“.

  10. Liebe Polizisten und Polizistinnen,
    auch wenn ihr hierarchisch organisiert und -berufsbedingt- autoritätshörig/autoritätsabhängig/autoritätsgläubig seid, die Einen mehr die Anderen weniger, lasst euch nicht verheizen.
    Für was denn? Wieviel Stress wird euch reingedrückt und was bekommt ihr dafür? Gut, einen garantierten Job, aber sonst? Kohle(-: ? Herrschen und Frauschen Minister und Polizeiführung lieben euch? Die Mehrheit der Bevölkerung sowieso(-:.

    Schaut euch an, wen ihr bei solchen Ereignissen zuerst beschützen sollt und dann erst die Bevölkerung?

  11. „Polizeigewalt hat es nicht gegeben“
    Hamburgs Bürgermeister hat vehement bestritten, dass die Polizei unverhältnismäßig gegen G20-Demonstranten vorgegangen sei.

    Wer hat Euch verraten?
    Es sind IMMER die Sozialdemokraten!

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