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Freedom-Index: Erleichterter Zugang zu Informationen über Menschenrechte

Die Arbeit im Menschenrechtsbereich wird durch die zunehmende Datenfülle im Cyberspace nicht einfacher. Um sprachenübergreifend Ordnung in den wachsenden Berg von Information zu bringen, gibt es jetzt den Freedom Index. Er soll helfen, mehr zu finden, als es übliche Suchmaschinen bisher erlauben.

Informationen zu sortieren ist der erste Schritt um mit ihnen zu arbeiten. CC-BY-NC 2.0 André Hofmeister

Dieser Artikel der NGO European Digital Rights (EDRi) erschien im Original unter dem Titel „The Freedom Index – easing access to information on rights issues“. Übersetzung aus dem Englischen von Alex Hiller.


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Ein breit aufgestelltes Bündnis zum Schutz der Menschenrechte in der EU hat ein ambitioniertes Projekt zur radikalen Neuorganisation von Informationen zu Menschenrechten gestartet. Sollte die Initiative Erfolg haben, wird sie ein System schaffen, das alle Daten zu Menschenrechten sprachübergreifend und fortlaufend registrieren und sichern kann. Die Arbeit an bestimmten Unterthemen soll durch die allgemeine Verfügbarkeit der Informationen zukünftig radikal verbessert werden.

Das neue Projekt „Freedom Index“ ist ein universales Indexierungskonzept, um alle Daten über Menschen- und Grundrechte zu katalogisieren. Das System aus zwölfstelligen Nummerierungen wird die Sichtbarkeit, Nachhaltigkeit und den Einfluss von publizierten Informationen aller Sprachen steigern.

Dazu weist das System Audio- und Videomaterial, Berichten, Gerichtsentscheiden, Webseiten, Gesetzen, Artikeln, Blogs, Foren, Forschungsmaterialien und vielem mehr Codes zu. Man muss es sich in etwa wie einen Bibliothekskatalog vorstellen, nur dass hier keine Einzelwerke, sondern winzige Themenfelder gelistet werden, insbesondere zu Menschenrechten und ihren über eine Million umfassenden Unterkategorien. So wird eine noch nie dagewesene Verknüpfung von Informationen geschaffen. Zum Beispiel könnte eine französische Menschenrechtsgruppe, die an einer Kampagne gegen das Filtern von Online-Inhalten arbeitet, Informationen über alle ähnlichen Kampagnen weltweit erfahren, völlig unabhängig von der Originalsprache des publizierten Materials. Aktuell sind die meisten Daten, die nicht in Englisch publiziert werden, für Suchmaschinen nahezu unsichtbar.

Die Idee zum Index kam von Simon Davies, dem Gründer von Privacy International sowie den Big Brother Awards. Im Projekt arbeitete er mit anderen Experten zusammen, wie Annie Machon (ehemals MI5-Mitarbeiterin, die Whistleblowerin wurde) und Robert Beens (Chef des Privacy-Unternehmens StartPage/Ixquick).

Warum der Index entstand

Die Projektplanung begann Anfang 2015 in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission, Amnesty International, der Ford Foundation, der Universität Amsterdam und der Agentur der EU für Grundrechte FRA. Mittlerweile ist die Initiative in den Niederlanden als Stiftung etabliert.

Annie Machon, Vorstandsmitglied des Freedom Index, befindet das Projekt als essentiell für eine funktionierende Zivilgesellschaft:

Ich glaube fest an die revolutionäre Kraft des Index – und das ist ein Attribut, das ich nur sehr selten benutze. Insbesondere das Überbrücken sprachlicher Barrieren interessiert mich daran. Wir bewegen uns momentan auf eine Datenkatastrophe zu, sollten nicht bald tiefgreifende Entscheidungen zum Schutz und der Bewahrung von Daten getroffen werden.

Ich bin an dem Projekt beteiligt, weil ich von seiner Nützlichkeit für die Entwicklung des Informationszeitalters und seinem Beitrag zum Schutz und Ausbau der Menschenrechte überzeugt bin. Wenn wir keinen Weg finden, um selbst Informationen zu organisieren, sind wir dem Belieben großer Unternehmen ausgeliefert. Kritische Informationen könnten so relativ schnell ‚verschwinden‘.

Simon Davies beschrieb das aktuelle Datenproblem für die Menschenrechte als „systematisch und gefährlich“:

Jeden Tag werden Millionen von neuen Punkten im Zusammenhang mit dem Menschenrecht online gestellt. Doch je mehr diese unfassbar große Menge an Daten weiter wächst und sich ausdifferenziert, desto komplizierter wird der öffentliche Zugang zu ihnen. Grob gesagt werden Informationen einfach so in den Cyberspace geworfen und die Publizierenden erwarten von Suchmaschinen dann eine verlässliche und zügige Präsentation der Informationen. Das tatsächliche Ergebnis ist aber weit von der Realität entfernt.

Zentrales Problem in der gegenwärtigen Onlinewelt ist, dass in beinahe allen Fällen die Kanäle, über die Onlineinhalte laufen, korrupt sind oder so unklar, dass die Nutzung von konventionellen Suchmaschinen nur mehr wenig bringt. Es ist gerechtfertigt festzustellen, dass zum Auffinden ‚weniger populärer‘ Punkte spezielles Vorwissen vorhanden sein muss oder der Zugang zu eigens für die Thematik eingerichteten Portalen. Für einen Großteil der Fälle existiert weder das eine noch das andere.

2 Kommentare
  1. Schade, leider ist deren Projektseite total leer. Ich finde es toll, dass hier immer wieder Projekte vorgestellt werden, die in den Kinderschuhen stecken und über reine Gedankenspiele noch nicht sichtbar hinaus gekommen sind – nützlich.

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