Der Artikel von Bojan Perkov (Mitglied von European Digital Rights (EDRi) & SHARE Foundation) wurde im Original bei EDRi unter dem Titel „Running an algorithmic empire: The human fabric of Facebook“ veröffentlicht.
Das beliebteste soziale Netzwerk Facebook ist zweifellos zu einer der einflussreichsten Stellen in der vernetzten Welt geworden. Forscher*innen von SHARE Lab hatten bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Facebook mittlerweile als globale immaterielle Produktionsstätte angesehen werden muss. Einzige grundlegende Aufgabe der Nutzer*innen ist es dabei, so viele persönliche Daten wie möglich preiszugeben. Das Unternehmen Facebook, das diese Unmengen an Daten besitzt, wird aber immer noch von Menschen geführt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen im Unternehmen sowie zur IT-Industrie, Regierung und Zivilgesellschaft sind das Thema der jüngsten Forschung des SHARE Lab in Zusammenarbeit mit Tactical Tech.
Facebook wird als „Über-Kollektiv“ verstanden, das intransparent handelt in seiner Richtliniensetzung, der Datennutzung und dem Schutz der Privatsphäre, der Entwicklung, bei Nutzer*innenrechten und verschiedenen Formen der Zensur. Die vorliegende Analyse macht nachvollziehbar, warum der von Facebook eingeschlagene Weg der einzig mögliche ist, um als Unternehmen dieser Größe zu existieren. Zur Visualisierung der Verbindungen des Managements von Facebook, also der Vorstandsebene mitsamt ihren Beratern, hat SHARE öffentliche, durch offizielle Board- und Crunchbase-Webseiten zugängliche Informationen genutzt. Auf der Grundlage offizieller Lebensläufe wurde der Ausbildungs- und Berufshintergrund jeder einzelnen Person aus dem Management analysiert. Darüber hinaus wurden öffentliche Daten von LinkedIn genutzt, um beispielsweise mehr über den Bildungshintergrund, das Herkunftsland und die Arbeitserfahrung der Facebook-Mitarbeiter zu erfahren.
Alte Machtstrukturen im Rücken
Die Ergebnisse waren hochinteressant, da sich herausstellte, dass die meisten jetzigen Facebook-Mitarbeiter*innen vormals für die Konkurrenz gearbeitet hatten – Google, Amazon, Microsoft und Yahoo. Das könnte als Gefahr für das eher geschlossene „Ökosystem“ der Industrien betrachtet werden. Wie nicht anders zu erwarten war, lebt der Großteil der analysierten Personen in der San Francisco Bay sowie in der für Facebook zweitwichtigsten Stadt London. Ein Resultat der Forschung zu Facebook zeigte, dass Facebook meistens Menschen einstellte, die an US-Universitäten studiert hatten. Das bedeutet, das Unternehmen sieht trotz seiner weltweiten Nutzer*innen keine Notwendigkeit, auch im Personal global aufgestellt zu sein. Die Dominanz des US-amerikanischen Bildungshintergrundes ist sowohl im Vorstand als auch bei den Mitarbeitern eindeutig.
Die Sozialstruktur großer Unternehmen wie Facebook zu analysieren ist also wichtig, weil sich dadurch die Auswirkungen des globalen sozialen Netzwerkes auf Gesellschaft, lokale und globale Wirtschaft sowie Bürgerrechte besser nachvollziehen lassen. Außerdem ist es wichtig, zu verstehen, wie Kommunikationsinfrastrukturen und High-End-Technologie-Entwicklung mit der Anhäufung von politischer Macht und Kapital verknüpft sind.
