Kampfdrohnen der Bundeswehr: Verteidigungsministerium hält Hintertüren in israelischer Verschlüsselung für möglich

Die Bundesregierung verrät Details zum geplanten Ort der Stationierung und zur möglichen Ausrüstung ihrer Kampfdrohnen. Auch die Aufgaben des Rüstungskonzerns Airbus im Grundbetrieb und im Einsatz werden benannt. Diesen Monat will Airbus ein Angebot vorlegen, dann steht der Preis fest. Erst im Februar wird die Klage des Konkurrenten General Atomics gegen die Vergabe ohne Ausschreibung verhandelt.

Die HERON TP in der Version "Eitan". Alle Angaben zur Bewaffnung hält das israelische Verteidigungsministerium geheim. (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)

Die HERON TP in der Version „Eitan“. Alle Angaben zur Bewaffnung hält das israelische Verteidigungsministerium geheim. (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)

Im Januar hatte sich die Bundeswehr für den Kauf bewaffnungsfähiger Drohnen von Israel Aerospace Industries (IAI) entschieden. Der Auftrag für fünf HERON TP soll ohne ein Vergabeverfahren erfolgen, vorausgegangen sind jedoch interne Studien und Marktsichtungen. Hauptauftragnehmer für das Komplettpaket ist der Rüstungskonzern Airbus. Weiterhin sind alle Informationen zur Bewaffnung der HERON TP von der israelischen Regierung „ohne Ausnahme“ mit der Einstufung „GEHEIM“ versehen. So soll verhindert werden, dass Details über die auch von der israelischen Luftwaffe geflogenen Kampfdrohnen bekannt werden.

Die deutschen bewaffneten Drohnen werden mit der üblichen Munition des israelischen Herstellers ausgeliefert. IAI produziert beispielsweise lasergesteuerte Luft-Boden-Raketen in Eigenregie. Noch Anfang des Jahres hatte die Bundesregierung erklärt, nicht einmal Details über Aufhängepunkte zur Bewaffnung der HERON TP zu kennen. Glaubwürdig war das nicht, denn das Verteidigungsministerium verhandelt spätestens seit längerem mit Israel zur möglichen Einrüstung mit Lenkbomben und -raketen („Effektoren“). Sie sollen einer neuen Antwort des Verteidigungsministeriums zufolge gegen „stationäre und bewegliche Punktziele“ eingesetzt werden und dabei „hochpräzise“ treffen.

Alle Drohnen sind bewaffnungsfähig

Bisher war unklar, ob alle fünf HERON TP bewaffnet werden sollen oder ob einzelne Drohnen lediglich Aufklärungssensorik tragen. Nun heißt es, alle HERON TP würden mit elektrooptischen Sensoren ausgerüstet und mit Aufhängepunkten für die mögliche Bewaffnung versehen. Zusätzlich zu den Sensoren im visuellen und infraroten Spektralbereich kann auch Radartechnolgie befördert werden, die entsprechenden Sensoren sind als Module konzipiert, um sie je nach Bedarf einzurüsten.

Die Aufklärungssensorik soll laut dem Bundesverteidigungsministerium von israelischen Firmen stammen, die zum Teil (etwa ELTA Systems Ltd) ohnehin zum Hersteller IAI gehören. Als weitere mögliche nennt das Ministerium die Firma Elbit Systems Ltd., die selbst Drohnen herstellt und an internationales Militär (etwa in der Schweiz) verkauft.

Die deutschen HERON TP würden auf der Luftwaffenbasis Tel Nof zwischen Jerusalem und Tel Aviv starten und landen. Dort sind auch Drohnen und Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe stationiert, Gerüchten zufolge lagern dort auch Atomwaffen. Die Luftwaffenbasis liegt zudem nahe dem Hersteller IAI. Das Verteidigungsministerium sieht darin einen Vorteil durch die mögliche „rasche und ressourcenschonende technische Unterstützung“.

Alltagserfahrung für Airbus bei Flügen mit bewaffneten Drohnen

Als Hauptauftragnehmer soll Airbus für die „technisch-logistische Betreuung“ der fünf HERON TP im „Stationierungsland Israel“ verantwortlich sein. Die Airbus-Sparte „Defence and Space“ ist bereits als luftfahrttechnischer Betrieb zugelassen, die Erweiterung dieser Zulassung auf die Drohne HERON TP wurde beantragt, aber noch nicht genehmigt.

Auch die Ausbildung soll in Tel Nof erfolgen. Zuständig wären die israelische Luftwaffe sowie die Rüstungskonzerne IAI und Airbus. Die Verantwortung für die erforderlichen Flugstunden für Trainings deutscher Soldaten obliegt Airbus als Auftragnehmer, die Freigabe der Lufträume erfolgt durch die israelische Luftwaffe. Auch die Wartung und Instandsetzung sowie die Ersatzteilversorgung würde Airbus im Einsatz übernehmen. TechnikerInnen des Konzerns dürften auch sogenannte Nachprüfflüge zur Überprüfung der Flugfähigkeit durchführen.

Die Stationierung in Israel soll die mögliche Verlegung in zwei Einsatzgebiete der Bundeswehr gewährleisten. Im Falle eines Einsatzes würde Airbus auch in den jeweiligen Gebieten die technisch-logistische Betreuung übernehmen. Erstmals erhielte der Konzern dadurch Alltagserfahrung bei Flügen mit bewaffneten Drohnen. Bis 2025 will ein Airbusgeführtes Konsortium eine europäische Kampfdrohne entwickeln. Die mit der Übergangslösung HERON TP gewonnene praktische Erfahrung mit Bewaffnung dürfte Airbus hier einen wesentlichen Vorteil verschaffen.

Satelliten und Server von Airbus

Airbus ist außerdem für das „Peripheriegerät“ zur Steuerung der Drohnen und Auswertung ihrer Daten zuständig. In der Antwort werden Kommunikationsanlagen zur Flug- und Missionssteuerung genannt, außerdem ein Notlandesystem, eine Schnittstelle zur Anbindung an eine „Datenverteil- und Auswerteanlage“ sowie am Boden benötigte Technik und Werkzeuge. Schon jetzt ist klar, dass eine „Datenverteilanlage“ von Airbus genutzt wird, die bereits für die drei in Afghanistan geflogenen Drohnen HERON 1 im Einsatz ist. Dabei handelt es sich um Server zur Verteilung von Videodaten und eine Datenbank zur Speicherung der Aufnahmen.

Zur Kommunikation mit der HERON TP im möglichen Einsatz sollen kommerzielle Satellitenkapazitäten gekauft werden. Airbus gilt als europäischer Marktführer und hat kürzlich seine „Weltraumdatenautobahn“ in Betrieb genommen. Laut dem Verteidigungsministerium ist aber auch denkbar, militärische Kapazitäten der „öffentlichen Auftraggeber“ (also der Bundesregierung bzw. der Bundeswehr) zu nutzen.

Einbau einer „nationalen Kryptierung“

Airbus soll auch für die Verschlüsselung der Daten zur Flug- und Missionssteuerung sorgen. Hierfür muss der infrage kommende Anbieter seine Kryptoalgorithmen offenlegen, der Auftrag an Airbus beinhaltet deshalb die Anpassung und Integration der Kryptomodule in das System HERON TP. Die Bundesregierung will sich nicht auf israelische Krypto-Produkte verlassen und befürchtet sogar eine Hintertür für die israelische Regierung (O-Ton: „bei ausländischen Produkten [ist] die Wahrung nationaler Souveränität über die Kryptierung nicht sichergestellt“). Das Verteidigungsministerium hat deshalb bereits Gespräche mit „Anbietern nationale Kryptierung“ geführt. Die Technik muss vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zugelassen sein. Vermutlich wird die Anlage vom deutschen Geheimdienstzulieferer Rohde & Schwarz gekauft.

Noch ist kein finaler Preis für das Komplettpaket der fünf HERON TP plus Anlagen am Boden sowie der Ausbildung bekannt, ein verbindliches Angebot von Airbus wird aber noch im Oktober erwartet.

Allerdings kann die Bundesregierung zunächst keinen Auftrag erteilen, denn der US-Rüstungskonzern General Atomics klagt gegen die geplante Vergabe ohne Ausschreibung an Israels IAI. Die Klage des Konkurrenten wurde im August von der 1. Vergabekammer des Bundes zurückgewiesen, jedoch hat General Atomics beim Oberlandesgericht Düsseldorf Rechtsmittel eingelegt. Die erste mündliche Verhandlung ist für den 15. Februar 2017 vorgesehen.

2 Kommentare
  1. Endlich mal Klartext! 6. Okt 2016 @ 13:34

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