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Kampfdrohnen: Bundeswehr entscheidet sich angeblich für israelisches Modell „Heron“

Die von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzte Drohne in ihrer früheren Version "Heron 1".
Die von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzte Drohne in ihrer früheren Version „Heron 1“.

Laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat sich die Bundeswehr nunmehr auf einen Typ ihrer zukünftigen Kampfdrohne festgelegt. Demnach sei geplant, die von Israel Aerospace Industries (IAI) hergestellte „Heron“ in ihrer neuesten Baureihe „TP“ zu beschaffen. Die Meldung geht auf eine Aussage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tobias Lindner zurück. Lindner ist Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages, vermutlich stammt die Information von dort.


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Drei unbewaffnete Drohnen des Typs „Heron 1“ werden schon jetzt von der Bundeswehr im Einsatzgeschwader Masar-i Scharif in Afghanistan eingesetzt. Das Verteidigungsministerium hat hierfür einen Leasing-Vertrag mit der Militärsparte des Airbus-Konzerns abgeschlossen. Airbus hat seinerseits vier Drohnen von IAI erworben, von denen eine als Reserve vorgehalten wird. Mindestens drei „Heron“ haben bereits Totalschäden erlitten und mussten ersetzt werden. Die Drohnen werden von Airbus-TechnikerInnen gestartet und gelandet und erst in der Höhe von 1.000 Fuß an PilotInnen der Bundeswehr übergeben.

„Überbrückungslösung“ von bis zu zehn Jahren

Die finale Auswahlentscheidung für die neuen bewaffnungsfähigen Drohnen wird vom Generalinspekteur der Bundeswehr getroffen. Hierfür wurden im Verteidigungsministerium „Lösungskonzepte zur Realisierung einer Nachfolgelösung“ erstellt und bewertet. Eigentlich war die endgültige Festlegung auf ein Modell bereits für Ende Dezember angekündigt gewesen. Aus dem Pressebericht geht nicht hervor, ob die nun getroffene Entscheidung lediglich vom Verteidigungsministerium oder bereits vom Generalinspekteur erfolgte.

Es handelt sich bei der Entscheidung zunächst um eine „Überbrückungslösung“ von bis zu zehn Jahren. Bis dahin plant die Bundesregierung die Entwicklung einer „europäischen Lösung“ für bewaffnungsfähigen Drohnen. Nach mehreren Anläufen haben sich die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Italiens auf eine Vorstudie für eine solche Drohne der MALE-Klasse (Medium Altitude Long Endurance) geeinigt. Der Auftrag für dieses „multilaterale Drohnenprojekt“ ging an die Rüstungsunternehmen Airbus, Dassault Aviation und Alenia Aermacchi. Mittlerweile ist auch Spanien dem Projekt beigetreten.

Zur Auswahl einer „Überbrückungslösung“ standen lediglich die israelische „Heron TP“ und die US-amerikanische „Predator“, die von der Firma General Atomics hergestellt wird. Zunächst hatte das Verteidigungsministerium den Typ „MQ-9 Predator B“ geprüft, dem Modell jedoch Schwierigkeiten bei der Zulassung für den deutschen Luftraum attestiert. General Atomics hat deshalb eilig mit der Entwicklung einer Baureihe „Certifiable Predator B“ (CPB) begonnen.

Das Modell CPB soll 2017 in Serie produziert werden und hat kaum etwas mit der „Predator B“ gemein. Mehrere in den USA gefertigte elektronische Bauteile wurden durch europäische Geräte ersetzt, um dadurch das Zulassungsverfahren zu erleichtern. Hierzu gehört etwa die Funkverbindung, wozu die CPB nunmehr mit einem abhörsicheren und von der NATO zertifizierten Funkgerät der Firma Rohde & Schwarz ausgestattet ist.

„Gesellschaftliche Debatte“ fiel aus

Die Entscheidung für die „Heron TP“ könnte politisch motiviert sein. Der israelische Hersteller hat große Schwierigkeiten, seine Drohnen in den boomenden Märkten in arabischen Ländern abzusetzen. Auch hier hat General Atomics mit einem eigens entwickelten Modell „XP“ die Nase vorn.

Das deutsche Verteidigungsministerium bemängelt seit Jahren die strikten Regelungen der US-Regierung zur Herausgabe wesentlicher Dokumente, die für Zulassungsverfahren der „Predator“ gebraucht würden. Die israelische Regierung sei demnach weitaus freigiebiger. Seit 2011 reisten die Wehrtechnische Dienststelle 61 und das Luftfahrtamt der Bundeswehr für eine „Besprechung zur Zulassbarkeit“ mehrmals nach Israel. An einer „firmeninternen“ Prüfung war auch der Rüstungskonzern Airbus (damals EADS) beteiligt. Airbus fungiert für die israelischen Drohnen als deutscher Contractor.

Eigentlich hatte die Bundesregierung vor der Beschaffung von Kampfdrohnen eine „gesellschaftliche Debatte“ versprochen. Diese beschränkte sich jedoch auf eine kurze Anhörung im Bundestag. Perspektivisch will die Bundeswehr bis zu 16 bewaffnungsfähige Drohnen kaufen, die dann in Jagel (Schleswig-Holstein) stationiert werden. Ein dortiger Militärflugplatz ist bereits entsprechend umgerüstet worden.

Entscheidung über Ausrüstung mit „Wirkmitteln“

Als nächstes wird die Frage der Bewaffnung geprüft. Laut dem Verteidigungsministerium sollen die Drohnen mit „angetriebenen und nicht angetriebenen Luft-Boden-Effektoren“ ausgerüstet werden. Auch Zielbeleuchtungsgeräte sollten montiert werden können. Gemeint sind Systeme, mit denen Ziele per Laser markiert werden um sie dann mit anderen Flugzeugen oder Drohnen zu bombardieren.

Auch die anvisierte „europäische Drohne“ wird Waffen tragen. Zu den Anforderungen heißt es, die Drohne solle über Aufhängepunkte für „Luft-Boden-Lenkflugkörper und Präzisionsbewaffnung“ verfügen. Die Waffen werden vage als „Effektortypen“ bezeichnet, früher sprach die Bundesregierung auch von „Wirkmitteln“.

10 Kommentare
  1. Auch wenn Netzpolitik für mich naturgemäß nicht die erste Quelle in Sachen Sicherheitspolitik ist, dieser Artikel ist mit das Beste was zu dem Thema veröffentlicht wurde.

    Den einzigen Punkt den ich ganz gehörig nicht verstehe ist:
    Wieso hat die Bundesregierung ihr Versprechen nach einer Gesellschaftliche Debatte nicht erfüllt und wieso soll eine Gesellschaftliche Diskussio ausgefallen sein?
    Meines Erachtens liegt dies nicht an der Regierung, es hat immer hin über 1 1/2 Jahre gedauert bis man sich nach der grundsätzlichen Entscheidungen, für bewaffnungsfähige Drohnen, auch dazu durchgerungen hat mit einem Bieter in Verhandlungen zu treten. D.h. selbst jetzt giebt es noch nicht annährend einen rechtkräftigen Leasing/ Kaufertrag für die Drohnen geschw. denn für die Bewaffnung. Es können also fröhlich weitere Stuhlkreise und Lichterketten veranstaltet werden.
    Der Öffentlichkeit wurden alle wichtigen Schritte die zum Betrieb einer MALE Drone führen könnten zeitig bekannt gegeben. ( Ganz einfach deshalb, weil das Thema die ganze Medienwelt Schanppatmen lässt, aber das ist ja nur meine Meinung) Es war also genug Zeit uns sicher ohne Schaden für die eingene Reputation, das Maul aufzumachen, wenn man das so sagen darf.
    Es liegt nicht an der Politk, dass sich die Öffentlichkeit nicht (… in dem scheinbar geforderten Maße in der geforderten Richtung … ) an der gesellschaftlichen Diskussion beteiligt hat. Manschmal stelle ich mir die Frage, wie man sich solch eine Gesellschaftliche Diskussion, über hoch spezifische Themen, überhaupt vorstellt? Ich habe manschmal das Gefühl, dass Begriff „Gesellschaftliche Diskussion“ ein Platzhalter für etwas ganz anderes ist. Es ist ja nicht so, als ob sich jetztm oder in der Vergangenheit niemand dazu geäußert hat, oder gar daran gehindert wurde. Alle politischen Kräfte haben sich dazu im Bundestag geäußert. Andere Gesellschaftliche Kreise auf Ihre Weise, Mansche auf einem Blog, andere auf der Synode. Was erwartet man denn mehr? Das die Bundesregierung eine 2te politische Bühne etabliert indem sie einen 2 wöchigen Kongress Veranstaltet, in dem Gegner und Befürworter im Verhältniss 1:1 vertreten sind? Und sich somit selbst deligitimiert!
    Nein, wenn eine gesellschaftliche Diskussion nicht stattgefunden hat, dann liegt das vor Allem daran, dass sich die Gesellschaft so gut wie garnicht sachlich oder wissenschaftlich mit dem Thema Sicherheitspolitk beschäftigt.
    Das zeigt sich dann symptomatisch auch z.B. daran das es eine Partei giebt, die nicht über einen „Sicherheitspolitischen Sprecher“ verfügen, sondern über einen scheinbar moralisch höherwertigen „Arbrüstungspolitischen Sprecher“.
    Oder das es für Zivilisten in Deutschland nur sehr begrenzt möglich ist, an einer Universität in Deutschland expliziet Strategic Studies zu betreiben, dafür fahren die Interessenten dann z.B. in die Niederlande oder nach Frankreich.

    Nun gut wenn auch die Gesellschaftliche Diskussion nicht besonders umfangreich gewesen, oder für einige fruchtlos geblieben sei, sie war dennoch vorhanden und hat auch spürbar Auswirkungen gehabt. So ist der Einsatz einer bewaffneten Drohne in Zukunft in eine Bundeswehr-Mandat expliziet zu erwähnen und begrenzen, auch wenn es sich dabei so wie so um einen Kampfauftrag handelt. So eine Regelung existiert bisher für kein anderes lethales Waffensystem. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um Mikromangement, aber nun gut. Ich halte mich schließlich auch nicht für den Nukleus eine Gesellschaftliche Diskussion die angeblich ausgefallen ist.
    Was für ein tolles Begriff: „fiel aus“. Manschmal denke ich das einige nicht aktzeptieren können, dass in einer Sache das Ergebnis auch so ausfallen kann, wie man es selbst eben nicht geren hätte.
    Aber sowas soll ja vorkommen.

      1. Ich wollte damit sagen, dass es sinnlos ist von Seiten der Regierung her eine gesellschaftliche Debatte zu fordern. Die Debatte muss die Gesellschaft schon selbst führen. Kritische Aspekte giebt es genug zu besprechen.
        Scheinbar ist das Interesse an dem Thema aber so gering, dass man nicht über klassisches CIA bashing und Moralapostelei hinauskommt.
        Milititärische Aspekte sind in einer gesellschaftlichen Debatte scheinbar expliziet verpönt.
        So ist den Drohnengegnern dann auch vollkommen unbekannt, dass auch von Seiten des Militärs, Drohnen nicht als das einzig wahre Allheilmittel gesehen werden.
        Bewaffnete Drohnen der MALE Klasse sind Hochkomplexe Systeme und bergen naturgemäß enorme Technische und Juristische Risken. Sie sind deshalb nicht nur teuer, sondern binden erhebliche Resurcen in den Bereichen Infrastruktur und Spezialpersonal. Außerdem sind . Alleine das Thama gesicherte Sattelitenkommunikation in Verbindung mit sogenannten ROVER Endgeräten zur Distribution von Aufklärungsinformationen sowie Kommados an die UAVs, in Echtzeit, über alle Führungsebenen, stellt eine enorme Herausforderung dar, welche letzten Endes wieder hohe Kosten verursachen.
        Daher giebt es durchaus ernstzunehmende Überlegungen zu bemannten Alternativen. Stichwort: Light Infantry Support Aircraft kurz LISA welches unterm Strich wesentlich effizienter den selben Nutzwert generieren könnte.

        Sehr lehrreich ist hierzu das Buch „Drohnen“ von Kai Biermann und Thomas Wiegold.

  2. Wir wärs mal mit Schwerpunkt „Transportdrohne“? Damit kann man versuchen, lebensgefährlich verletzte Soldaten auch aus akut hoffnungslosen Situationen zu holen, man kann gefahrlos Nachschub schicken, und ganz nebenbei könnte man noch eingekesselte Zivilisten vor dem Hungertod retten. Apropos: was macht eigentlich das europäische GPS? ;D

    1. Die Mär, dass man mit Drohnen vornehmlich eingekesselte Zivilisten vor dem Hungertod rettet,steht bestimmt im Handbuch der Bundeswehr.
      Mit Napalm bewahrt man auch Zivilisten vor dem Erfrieren,wäre auch so eine Argumentation.

    2. Transporteinsatz unmittelbar in einer Kampfzone ist ein anderes Thema. Alles, was nennenswerte Transportkapazitaet hat oder gar Menschen transportieren kann, ist langsam und damit ein realtiv gutes Ziel.

      Die militaerische Logik fuehrte zu kleinen, schnellen und feuerkraeftigen Kampfdrohnen, die Transporter durch Niederhalten des Gegners schuetzen. Also ein Schwarm von relativ „billigen“ Drohnen, der alles ausserhalb der Landungszone und ohne Freund-Kennung zu vernichten sucht und den „teuren“ Transporter damit abschirmt. Die derzeit diskutierten Drohnen sind nur begrenzt fuer ein solches Einsatzprofil ausgelegt, aber die Aufklaerung/Luftunterstuetzungsfaehigkeit geht in die Richtung.

  3. Drohnen aus Israel erkennen den Schweiß ängstlicher Muslime. Sie spüren mühelos minderjährige Steinewerfer auf. Sie erkennen eine Tora und töten Palestinenser.

    Hat man die Wahl im Supermarkt, dann kann man Made in Israel vermeiden. Aber die Bundeswehr ist sicherlich stolz darauf, Waffen aus Israel über den Köpfen von Arabern und Muslimen einzusetzen.

    Ich nehme mal an, dass die Drohnen kein Gegen-Geschenk für deutsche U-Boote sind, die mit israelitischen Atombomben bestückt wurden.

  4. In Israel sorgen die Wünsche der Bundesregierung, Heron Drohnen gegen geschenkte deutsche Waffentechnik an Israel aufrechnen zu wollen, für große Empörung. „Israel hat beschlossen, seine Tür für deutsche Regierungsvertreter zur schließen“, sagte Vizeaußenministerin Tzipi Hotovely im israelischen Rundfunk. Das Ansinnen sei „eine Mischung aus Blindheit und politischer Dummheit“.

  5. „„Israel hat beschlossen, seine Tür für deutsche Regierungsvertreter zur schließen“, sagte“

    Natürlich, jetzt, nachdem man moderne deutsche U-Boot-Technik fast geschenkt bekommen hat……… .
    Es wäre lediglich -immer wieder- höchst komisch, wenn damit nicht schon wieder Kriegswaffen in ein Kriegsgebiet geliefert würden und diese Regierung eine Minderheit brutal gewalttätig unterdrücken und wirtschaftlich ausbluten lassen würde.

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