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Stärkung von Fair Use auf YouTube: Google garantiert Gerichtskosten ausgewählter Videos

Google verkündete heute via Blog die Einführung einer „Fair Use Protection“ auf YouTube (meine Übersetzung):

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YouTube wird ab sofort einige der besten Beispiele für Fair Use auf Youtube beschützen, indem es diese vor Gericht verteidigen wird, sofern erforderlich. Wir bieten rechtliche Unterstützung ausgewählten Videos an, die zwar unserer Meinung nach klare Fälle von Fair Use darstellen, aber Gegenstand von DMCA-Abmahnungen wurden. Mit Zustimmung der Videomacher werden wir die Videos weiterhin auf YouTube in den USA zugänglich machen, sie im YouTube Copyright Center als gute Beispiele von Fair Use anführen und die jegliche Gerichtskosten im Klagsfall übernehmen.

Scheinbar ist Google durch das Urteil im Google-Books-Prozess auf den (Fair-Use-)Geschmack gekommen. Während in Europa kreative Remixes und Mashups quasi immer mit dem Urheberrecht kollidieren, erlaubt die flexiblere Fair-Use-Klausel des US-Copyrights unter bestimmten Voraussetzungen eine Veröffentlichung derartiger Werke auch ohne aufwändige – wenn nicht überhaupt unmögliche Rechteklärung. Bislang zeigte sich Google auf Youtube aber keineswegs Fair-Use-freundlich – eher im Gegenteil.

Screenshot-Fair-Use-Explanation-YouTube-Copyright-School

In einem schrillen Video der „YouTube Copyright School„, das mehrfache Urheberrechtsverletzer aufklären sollte, erwähnte Google Fair Use zwar, empfahl aber sich lieber nicht darauf zu verlassen und stattdessen besser einen Urheberrechtsanwalt zu kontaktieren (siehe auch Screenshot) oder gleich „original content“ hochzuladen. Als ob Remixkreativität, die unter Fair Use fällt, nicht ebenfalls „original“ wäre.

Das aktuelle Aufklärungsvideo ist zwar auch wieder schrill geraten, Fair Use kommt jedoch viel besser weg und wird nicht nur erwähnt, sondern ausführlicher erklärt (ab Minute 4:00):

Im YouTube Copyright Center ist der „Fair Use Protection“ ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort wird aber noch einmal betont, dass nur eine sehr kleine Auswahl in den Genuss des kostenlosen Rechtsbeistands kommt – und zwar nach dem Motto „rufen Sie nicht an, wir rufen Sie an“:

Please don’t contact us asking to protect your video; we’ll find you if we’re able to offer you this protection.

Während die Beispielvideos außerhalb der USA nicht bzw. nur via US-VPN abgespielt werden können, werden am Ende noch einige weitere Fälle von Fair Use auf YouTube angeführt, die teilweise auch in Europa verfügbar sind, wie z.B. der „Buffy vs. Edward: Twilight Remix„.

Auch wenn die Zahl der Videos unter „Fair Use Protection“ gering ist, von Bedeutung ist Googles Initiative und der damit verbundene Kurswechsel hin zu offensiver Verteidigung von Fair Use auch auf YouTube allemal. Dass die Videos nur in den USA zugänglich sind verdeutlicht und vertieft gleichzeitig den Graben, der Europa und USA in Sachen digitales Urheberrecht trennt. Im Ergebnis führt ein fehlendes Pendant zu Fair Use in Europa, z.B. in Form eines Recht auf Remix, vor allem zu weniger Remixkultur, schlechterem Zugang zu nicht-englischsprachigen Büchern und ganz allgemein geringerer Innovationsoffenheit.

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6 Kommentare
  1. Das reicht noch lange nicht. Das verkackte Urheberrecht muss von Grund auf reformiert werden.

    Die automatische Erkennung von Rechtsverletzungen, bei YouTube, ist eine gigantische Enteignung und nur die wenigsten User raffen dass ihnen die Rechte an ihren eigenen Werken strittig gemacht wird.

    So sehr ich YouTube für sein technisches Design bewundern kann,
    YouTube ist eine verdammt üble Werbeschleuder. Diese Aktion kann nur leidlich darüber hinwegtäuschen. Wenn ich früher mal über RTL geschimpft habe, gucke ich heute mal auf eine nicht personalisierte Startseite von YouTube und dann kommt mir das RTL Programm der 80er Jahre inkl. 3D Titten mit Erdbeeren wie Bildungsfernsehen vor.

    scnr …

  2. Ein umstrittener Konzern spürt den Gegenwind der Netzgemeinde, die Google aus guten Gründen meidet und konsequent technisch blockt. Werbung und Tracking wurden zur Pest des Internet-Zeitalters. Im Mittelalter konnte die Pest durch Änderung der Lebensgewohnheiten und Bekämpfung von Ratten und anderen Nagern ausgerottet werden.
    Nun trifft es sich gut, wenn Gelegenheiten ergriffen werden, das angekratzte Image aufzupolieren. „Fair Use“ steht im krassesten Widerspruch zu den Geschäftsbedingungen, die Google (aka Alphabet) seinen Usern aufdrängt. Das Aufgreifen des Terms „Fair Use“ ist der Versuch, dass Google damit in Zusammenhang gebracht wird. Als Kämpfer für „Fair Use“ hofft Google künftig nicht als ein unfairer Konzern wahrgenommen zu werden. Viele werden diesem Greenwashing auf dem Leim gehen.
    Google versucht sich immer wieder als der Retter der Menschheit ins Gespräch zu bringen. Aber Google ist kein Wohltäter. Google ist weltweit ein eklatanter Steuerbetrüger und Parasit der in erster Linie seine eigenen Interessen verfolgt. Dazu passt „Fair Use“ wie die Faust auf Auge.

    1. Die Netzgemeinde benutzt AdBlocker und Privacy-Extensions, aber benutzt munter Google.

      Der Axel Springer-Verlag hat übrigens Programmierer von AdBlockern (und Leute die Youtubevideos über Adblocker drehen) abgemahnt, verklagt und angezeigt. Google würde nicht im Traum auf solche Strategien verlegen.

      Google ist ehrlich was Tracking betrifft, und wehrt sich nicht gegen Leute die sich deswegen wehren.

      1. > Die Netzgemeinde benutzt AdBlocker und Privacy-Extensions, aber benutzt munter Google.

        Ich weiß nicht zu welcher Netzgemeinde Du Dich zählst, aber nur die dümmsten aller Kälber wählen ihren Metzger selber. Es gibt gute Suchmaschinen, die nicht zu den großen Konzernen gehören. Ich jedenfalls zähle DAUs nicht zu einer kritischen Netzgemeinde. Durchschnitts-User sind nützliche Idioten, die man melken kann.

        > Google ist ehrlich was Tracking betrifft, und wehrt sich nicht gegen Leute die sich deswegen wehren.

        Das stimmt nicht. Google zieht alle Register, um die Suchmaschine ()und andere Services) so zu gestalten, dass sie mit radikalen Browser-Einstellungen nicht mehr nutzbar ist. Wenn mit Adblockern trotzdem Google’s Suchmaschine funktioniert, dann deshalb, weil der Konzern sich (gegen Zahlung) auf eine Whitelist hat setzen lassen.

        Google verkauft die Umstellung auf https als Sicherheitsgewinn für seine User. Was dabei verschwiegen wird ist, dass wegen der Verschlüsselung eine digitale Selbstverteidigung kaum mehr möglich ist. Ohne deep-inspection geht da nix mehr.

        Google ist Teil der Ad-Mafia, die das Internet mit Werbe-Spam befüllt, in einem Ausmaß dass die Bandbreite leidet.

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