Die Bundesregierung treibt die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung im Eiltempo voran. Vor genau einem Monat stellte Justizminister Maas seine Leitlinien vor, seitdem wird an einem Gesetzentwurf gearbeitet. Wir haben jetzt aus verschiedenen Quellen gehört, dass der Gesetzentwurf (pdf) in der Endphase der Abstimmung zwischen Justiz- und Innenministerium ist und bereits in wenigen Tagen beschlossen werden soll.
Am kommenden Dienstag, den 19. Mai, veranstaltet die SPD-Bundestagsfraktion einen „fraktionsoffenen Abend“ zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Dort werden die Abgeordneten mit Justizminister Maas und externen Spezialexperten wie BKA-Präsident Holger Münch und dem Landesdatenschutzbeauftragten Thilo Weichert diskutieren. Nach unseren Informationen wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass bereits dann und dort der konkrete Gesetzentwurf fertig ist und debattiert werden kann.
In zwei Wochen: Bundesregierung
Dann soll die Bundesregierung das Gesetz bereits auf ihrer Kabinettssitzung am Mittwoch, 27. Mai, auf den Weg bringen. Das bestätigten uns gleich drei Quellen unabhängig voneinander. Bis Ende Juni soll das Gesetz dann durch den Bundestag, damit es noch vor der Sommerpause am 3. Juli beschlossen werden kann – wie angekündigt.
(Das Justizministerium bestreitet diesen konkreten Zeitplan und sagte uns stattdessen nur: „Wir arbeiten dran, wir wollen das so schnell wie möglich.“ Die Glaubwürdigkeit von Anne Zimmermann könnt ihr selbst bewerten.)
Bis Ende Juni: Bundestag
Es ist also höchste Zeit, aktiv zu werden! Vor genau einem Monat schrieb Sascha Lobo in seiner Kolumne auf Spiegel Online: So wehren Sie sich gegen die Vorratsdatenspeicherung:
Versuchen Sie, in der Überwachung ein Instrument der Kontrolle zu sehen, das Ihnen und Ihrer Tochter vorschreiben wird, wie Sie zu handeln und nicht zu handeln haben. Wehren Sie sich dagegen.
Gehen Sie auf die Website http://bundestag.de/abgeordnete und finden Sie heraus, welche Abgeordneten für Sie zuständig sind. Schreiben Sie eine Mail, rufen Sie an oder am besten: Gehen Sie in die Sprechstunde. Internet hin oder her, Präsenz wirkt immer noch am besten.
Sagen Sie, dass Sie gegen die Vorratsdatenspeicherung sind, fordern Sie, dass Ihre Abgeordneten gegen die Vorratsdatenspeicherung stimmen. Weil sie – in Frankreich im Januar nochmals bewiesen – schlicht nicht gegen Terrorismus wirkt, aber sehr wohl ein Meilenstein auf dem Weg in die Kontrollgesellschaft ist. Die im Zweifel mit aller Datenmacht darauf hinwirken wird, Ihnen konformes Verhalten anzuerziehen. Und das möchten auch Sie nicht.
Dem können wir uns nur anschließen. Dabei kommt es vor allem auf die SPD an. Die Union ist ohnehin fast geschlossen dafür, die Opposition dagegen. Die SPD hat es in der Hand, die anlasslose Massenüberwachung sämtlicher Telekommunikation und Aufenthaltsorte zu verhindern und trägt hierfür die Verantwortung. Wie wir hören, gibt es durchaus eine Debatte innerhalb der Fraktion, leider nur noch über das „wie“, nicht über das „ob“. Es scheint nicht so zu sein, dass dutzende Abgeordnete dagegen Sturm laufen. Genau das braucht es aber.
Vorratsdatenspeicherung verhindern!
Also lest (und aktualisiert) die Argumente gegen die Vorratsdatenspeicherung und werdet aktiv. Kontaktiert eure Abgeordneten oder lasst euch andere Aktionen einfallen.
Die Vorratsdatenspeicherung ist nicht nur die Überschreitung der Grenze zur Überwachungsgesellschaft, der Umgang Deutschlands mit dem Thema hat auch Auswirkungen auf den Rest der Welt. Österreich, die EU und andere Staaten wie Brasilien blicken ganz genau auf die Debatte hierzulande. Kommt die anlasslose Massenüberwachung in Deutschland, kommt sie in großen Teilen der Welt.
Also lasst uns die Vorratsdatenspeicherung verhindern – wir haben es schon einmal geschafft!
Update: Das ging schnell: Wir haben den Referentenentwurf erhalten und veröffentlicht.
Update: Die SPD-Fraktion wird den Gesetzesentwurf am Dienstag diskutieren. Dieser Termin wird zentral für die Meinungsbildung der Abgeordneten und damit den weiteren Verlauf des Gesetzes. Wem es möglich ist, in den Reichstag zu kommen oder in Hör- bzw. Sichtweite zu protestieren: taucht dort auf und macht eure Ablehnung deutlich!
Dienstag, 19. Mai 2015, 18.00 bis 20.00 Uhr
Reichstagsgebäude, Otto-Wels-Saal, 3 S 001 (Fraktionssaal), Berlin
