Leseempfehlungen: Datenschutz im Zeitalter von IPv6 (Update!)

Sorry, falls ich bei den ganzen Beiträgen und Stimmen zum Thema Vorratsdatenspeicherung und „Quick Freeze“ inzwischen den Überblick verloren habe, aber: Hat eigentlich schon jemand auf die beiden Artikel von CCC-Sprecher Frank Rieger (im FAZ.net) und Torsten Kleinz (bei Zeit Online) hingewiesen? Rieger schreibt u.a.:

Mit der in den nächsten drei Jahren erfolgenden Umstellung des Internets auf das neue Adress-System „IPv6“ droht eine gravierende Änderung: die individuelle Verfolgbarkeit jedes unserer Online-Schritte über lange Zeiträume hinweg. Denn die neuen Internet-Adressen verändern sich fast nie – im Gegensatz zu der derzeitigen, veränderlichen Nummernzuteilung. […]

Eine uferlose Ausweitung des Quick-Freeze steht zu befürchten. Die immer noch nicht erfolgte Ausklammerung schutzwürdiger Berufe aus der Erfassung wird Folgen haben. Das endgültige Ende des investigativen Journalismus durch die kaum noch mögliche unentdeckte Kommunikation mit Informanten ist nur ein Beispiel.

Quelle: Das kommende Vorratsdatendrama (Frank Rieger, FAZ.net)

Ich finde ja, dass Frank Rieger ein wenig mit seiner Schreckensvision von der uferlosen Überwachung überzieht. Aber gut, lesenswert ist seine Kolumne allemal. Nimmt man dann noch den Text von Torsten Kleinz bei Zeit Online hinzu, wird klar, welche Probleme es zu lösen gilt:

Mehrere große Provider haben angekündigt, Ende 2011 das neue Internet-Protokoll Version 6 (IPv6) einzuführen. Das könnte die Arbeit der Internetfahnder wesentlich vereinfachen. […] „Ich rechne damit, dass mindestens zehn Jahre lang die alte und neue IP-Technik parallel betrieben werden“, sagt Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Verbands der deutschen Internetwirtschaft eco. […] Trotzdem bereiten sich Kritiker schon auf das Problem vor. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, ein bundesweiter Zusammenschluss von Datenschutz-Aktivisten, will ein Gesetz fordern, dass Provider zwingt, ihren Kunden auch in Zukunft wechselnde IP-Adressen anzubieten.

Quelle: Das Internet-Protokoll 6 verändert die Spielregeln (Torsten Kleinz, Zeit Online)

IPv6-Experte Lutz Donnerhacke hat übrigens in den Kommentaren versprochen, auch noch etwas zur Problematik zu schreiben. Prima!

Update, 12:08 Uhr: Alvar Freude legt in seinem Blog bei odem.org noch einmal nach:

Nun, so neu ist das was ich gesagt habe alles nicht. Quick Freeze halte ich schon immer für Augenwischerei, die Speicherung von IP-Adressen als Totalüberwachung zu bezeichnen schon immer für unsäglichen Unfug. Beides habe ich schon vor Jahren öffentlich geschrieben.

Daher beleuchte ich im Folgenden einige Punkte ein wenig genauer. Insbesondere sollte man unbedingt zwischen der Speicherung von IP-Adressen und der Speicherung von Kommunikationsdaten unterscheiden: […]

Und hier ist der Rest.

20 Kommentare
  1. Patrick H. 21. Jan 2011 @ 4:09
  2. Benimmregeln 22. Jan 2011 @ 0:27
  3. Lukas Fledermaus 22. Jan 2011 @ 9:56
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