Wissen

Verdi veröffentlicht Urheberrechtspapier und verletzt zugleich CCPL

Ganz abgesehen von der enttäuschenden Einseitigkeit des bereits am Montag verabschiedeten Positionspapiers „Internet und Digitalisierung – Herausforderungen für die Zukunft des Urheberrechts“ (siehe zur Kritik hier und auch bei iRights.info und in der letzten Breitband-Sendung) hat Verdi es bei dessen Online-Veröffentlichung heute zugleich auch noch geschafft, die CC-Lizenz eines gewissen Pete Fletch zu verletzen, der das von Verdi verwendete Bild bei flickr eingestellt hat – jedenfalls wenn man realitätsnah davon ausgeht, dass die Verdi-Onlineredaktion nicht gesondert nachgefragt hat. Es hätte standardmäßig zumindest auch der Titel des Bildes und das Lizenzkürzel CC-BY-NC-ND mit Link auf die Lizenz angegeben werden müssen, das Cropping könnte zudem bereits Bearbeitung oder auch Entstellung des Werkes sein. Was soll man nun von einer Gewerkschaft halten, die sich zum Thema Urheberrecht im Internet erst inhaltlich sehr weit aus dem Fenster lehnt, dabei sogar CC-Lizenzen behandelt (und schon im Positionspapier als reine Verschenklizenzen fehlinterpretiert), sie dann selbst in Anspruch nimmt und letztlich nicht mal richtig liest/anwendet? Es passt allerdings gut dazu, dass Verdi auch die Kritik am Positionspapier bislang öffentlich vollkommen ignoriert hat.


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Update: Schon gestern abend war das Bild dann von der Verdi-Website verschwunden (vielleicht auf @Dirks Mail hin?). Netterweise hat David Pachali, der den Fehltritt auch als erster entdeckt hatte, die Sache bei iRights.info festgehalten.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
18 Kommentare
  1. Ausnahmsweise drücke ich an dieser Stelle einem noch unbekannten Abmahnanwaltsbüro die Daumen.

    Da kann Verdi gleich mal erleben, wie das ist, mit dem Urheberrecht…

    *Teufel-Beelzebub-Prinzip*

  2. Junge! Hoffentlich habt Ihr da richtig geraten und Verdi hat tatsächlich nicht nachgefragt. Sonst wär das nämlich nicht nur schlechter Journalismus („wir haben nicht gefragt, weil is ja eh klar“), sondern auch nocht richtig, richtig peinlich.

  3. Bei dieser @piratenweib-Geschichte neulich waren Abmahnungen im CC-Kontext noch Teufelswerk. Und plötzlich wünscht man hier einer vermeintlich unliebsamen Organisation genau das an den Hals. Das sowohl dem Autor als auch den (vielleicht ja trollenden) Kommentatoren zur Mahnung, wenn morgen mal wieder andersherum argumentiert wird. Häng mein Fähnchen in den Wind … lalala

    1. @Martin: Die Kommentare, die jetzt eine Abmahnung wünschen, verstehe ich auch nicht. Aber John hat dies im Artikel nicht gefordert. Es ist allerdings ziemlich dämlich von verdi, einerseits hartes Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzungen zu fordern und dann aber im gleichen Zug selber eine Urheberrechtsverletzung zu begehen. Wir weisen darauf in diesem Artikel hin.

  4. Eine Veröffentlichung dieser Tatsache reicht doch vollkommen um das Papier lächerlich zu machen. Man muss damit nicht noch Gerichte unnötig beschäftigen – es sei denn Ver.di wäre uneinsichtig. Was ich mir nicht vorstellen kann. Es ist ein peinlicher Fehler, wenn es stimmt. Aber wir müssen wieder dahinkommen, dass man Fehler korrigieren kann und sie nicht unter den Teppich kehren muss um rechtlichen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen.

    Für eine offene Fehlerkultur! Nicht nur bei Ärzten, sondern auch in der Politik und den NGOs! :-) Also steht zu Eurem Quatsch und versucht die Fehlerursachen zu beseitigen.

  5. @Matthias: Wie im Artikel gesagt „wenn man realitätsnah davon ausgeht, dass …“. Und wenn sie doch separat nachgefragt haben sollten, dann zeigt auch das ein deutliches Unverständnis der Ideen und Prinzipien hinter Jedermannlizenzen.

    @Martin: Berechtigte Abmahnungen sind sogar ein sehr wichtiges Instrument einer funktionierenden Rechtsordnung und werden erst problematisch, wenn sie missbräuchlich eingesetzt oder zum Massengeschäft werden. Bei der Piratengeschichte ging es dagegen um unberechtigte Abmahnungen.

    @Nomis: Da stimme ich zu. Immerhin hat Verdi die Quelle ja ‚irgendwie‘ genannt. Warum hier einige rechtliche Schritte anregen, verstehe ich auch nicht so ganz. Wichtiger finde ich, dass diese Geschichte den Eindruck verstärkt, bei Verdi würden in Sachen Urheberrecht im Netz Deutungsanspruch und tatsächliche Kompetenz ziemlich weit auseinanderfallen. Die Inhalte des Papiers (Stoppschilder ja, aber bitte ohne Überwachung; Forderung von Strafen, die es längst gibt …) gehen in dieselbe Richtung.

  6. …man kann natürlich auch die Rosinen im Weihnachtsstollen zählen, bevor man ihn futtert.

    Erbsenzähler mag ich nicht.
    Rosinen dito.

    Wenn es danach geht, könnte ich vielen Leuten in den Hintern treten, aber manchmal bin ich sehr kulant. Und das steht jedem gut zu Gesicht, wenn man in den Spiegel schaut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.