Öffentlichkeit

GVU vs. ElRep: Erste Ergebnisse (4. Update)

Mario Sixtus berichtet in seinem Blog vom aktuellen Stand „In Sachen GVU„:

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Ich habe gestern Abend per Fax bei der GVU eine Erklärung für diesen Amoklauf eingefordert. Daraufhin meldete sich heute Vormittag Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU telefonisch bei mir. Leonardy erklärte, bei der Sperrung handele es sich um einen „Irrtum“, die Sperre sei von einem Dienstleister (der Firma Opsec Securities aus München) initiiert worden, der im Autrag der GVU handele. Man „bemühe“ sich derzeit um „Aufklärung“ und habe Vimeo bereits um eine Aufhebung der Sperren gebeten.

Diese „Erklärung“ reicht mir natürlich nicht. […] Die GVU, bzw. der von ihr beauftragte Dienstleister haben in meine Publikationsrechte eingegriffen und dabei ein Werkzeug missbraucht, das Vimeo zum Schutz der Rechte der Urheber – also meiner – eingerichtet hat. […] Ich habe Hernn Leonardy daher aufgefordert, eine rechtsverbindliche und strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben, […]

Die ganze Geschichte gibt es nebenan bei Mario. Fortsetzung folgt.

[13:02] … und zwar hier und jetzt in Form eines Updates.  Soeben ist die gemeinsame Presseinformation von OpSec und GVU in meiner Mailbox gelandet, die ich zunächst unkommentiert durchreichen möchte:

5 von 5 Millionen Löschungsaufforderungen im Namen der GVU

Branchenprojekt richtet sich gegen Portalseiten mit illegalen Inhalten

Berlin, München, 10. August 2010. Im Rahmen des branchenweiten Anti-Piraterie-Projekts „Portalschließungen“ wurde der Videohost Vimeo aufgefordert, vier Videos von Mario Sixtus und den Titel „Du bist Terrorist“ von Christian Lehmann zu löschen. Diese Aufforderungen erfolgten irrtümlich und eine Löschung der Titel war von der GVU weder gewünscht noch beabsichtigt. Deshalb ging  gestern um 22:59 Uhr eine weitere Mail an den Host Vimeo mit der Bitte, die Links zu den fraglichen Titeln wieder zu aktivieren.

Das Projekt „Portalschließungen“ richtet sich nicht gegen einzelne Hosts und somit nicht gegen Vimeo. Vielmehr werden ausgesuchte Portalseiten bekämpft, die als zentrale Plattformen zur Verteilung von illegal ins Internet gestellten urheberrechtlich geschützten Filmen identifiziert wurden. Die aktuelle Aktion richtete sich gegen die Portalseite „Monsterstream“. Neben den zahlreichen Links zu aktuellen Kinofilmen und TV Serien waren dort auch solche zu den genannten Titeln gepostet. Diese sind versehentlich mit erfasst worden. Die Ursache dafür wird gerade analysiert.

Die meistfrequentierten Portalseiten mit Links zu urheberrechtlichem Material werden von der Firma OpSec Security kontinuierlich gescannt. Anschließend werden Löschungsaufforderungen verschickt (notice-and-takedown-Verfahren). Im Rahmen des Projekts „Portalschließungen“ der deutschen Filmwirtschaft wurden seit 2008 für mehr als 5 Millionen Links Löschungsaufforderungen an verschiedenste Hoster weltweit versandt. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) ist als Anti-Piraterie-Organisation der Filmwirtschaft in das Projekt eingebunden. Die Anzahl der auf solchen Streaming-Portalseiten gelisteten illegalen Filmdateien stieg nach GVU-Erkenntnissen im vergangenen Jahr um 217 Prozent.

GVU und OpSec Security bedauern das Versehen und sind gemeinsam bemüht,  die Ursache zu klären, um derartige Versehen in Zukunft ausschließen zu können.“

[14:34] Ebenso wie Mario Sixtus hält auch Alexander Lehmann eine rechtswirksame Unterlassungserklärung der GVU zur Wahrung seiner Rechte für angemessen. Vertreten werden beide vom Düsseldorfer Anwalt Udo Vetter. Vetter schreibt in seinem Lawblog:

Wie Mario Sixtus verlangt auch Alexander Lehmann eine rechtswirksame Unterlassungserklärung von der GVU. Auch, um dafür zu sorgen, dass die GVU die offenbar im eigenen Haus oder bei ihren Dienstleistern herrschenden Missstände abstellt.

Wir haben für Mario Sixtus und Alexander die GVU angeschrieben und förmlich abgemahnt. Die GVU hat nun bis Donnerstag Zeit für eine Reaktion.

[19:05] In den Kommentaren zu diesem Blogbeitrag wurde die GVU bereits für ihre schnelle und professionelle Reaktion gelobt. Das ist ein Punkt, den man vielleicht noch einmal überdenken sollte, wen man liest, dass GVU-Sprecherin Christine Ehlers den beiden Betroffenen indirekt eine Mitschuld an der Löschung gibt.

Das Zitat stammt aus einem Bericht des Radiosenders on3 (Jugendsender des Bayerischen Rundfunks). Es geht dabei um die Frage, wie das mit den zahlreichen Kommentaren und Diskussionen ist, die bei Vimeo rund um Alexander Lehmanns Video entstanden sind. Die nämlich scheinen unwiderbringlich verloren, und damit auch ein beachtlicher Teil von Alexanders Reputation im Netz:

GVU-Sprecherin Ehlers weiß, darauf angesprochen, keine wirkliche Antwort – und gibt Lehmann und Sixtus indirekt selbst eine Mitschuld für den von der GVU verursachen Schaden: „Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen“, sagt sie im on3-Interview. […]

[Nachtrag, 03:55] Ich sehe gerade, dass sich bei Vimeo  zu beiden Sprachversionen von „Du bist Terrorist“ zahlreiche Kommentare finden, die „1 year ago“ verfasst wurde. Auch der Counter dürfte mit gut 780.000 Abspielvorgängen wieder einen realistischen Wert zeigen. Ob tatsächlich alle Kommentare und Diskussionen wiederhergestellt werden konnten, weiß ich nicht. Schön ist es trotzdem.

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56 Kommentare
  1. Wer mit automatisierten Kanonen auf Spatzen schießt, darf sich nicht wundern, wenn er auch den Wellensittich des Nachbarn vom Himmel holt. Dass der Nachbar nun die Rechnung präsentiert, ist selbstverständlich.

  2. Newsmeldung auf Monsterstream:

    \Werte User,

    wie einige von euch schon mitbekommen haben haben unsere Streams derzeit nur eine sehr kurze Lebensdauer. Derzeit werden viele Streams schon nach kurzer Zeit vom Hoster wieder gelöscht.

    Wir wollen euch nur darauf hinweisen das wir das Problem natürlich auch bereits kennen und versuchen eine Lösung zu finden. Wir bedauern sehr das einige User meist nur noch \removed\ Streams vorfinden. Das tut uns Leid.

    Wir hoffen das wir das Problem in den Griff kriegen und eventuell auch eine alternative finden. Solange hoffen wir das Ihr uns treu bleibt. Vielen Dank.

    Euer MonsterStream-Team.\

  3. Hey,
    nur so ne Frage nebenbei, bei sixtus.cc ist „Du bist Terrorist“ von Alexander Lehmann, in der Antwort von der GVU aber von Christian Lehmann. Was stimmt jetzt?
    Danke und Gruß
    Philipp

    1. Alexander stimmt meines Wissens.

      Peinlich, wenn man so schnell ne inhaltslose PM zusammen schustert und dann auch noch die Namen derer falsch schreibt denen sie ihr Urheberrecht absprechen, nur weil sie bei Seite XY verlinkt sind.

  4. Ich finde es interessant, dass man ganze Firmen damit beschäftigt (und bezahlt) um unerwünschtes Material zeitnah aus dem Netz zu fegen. Ländergrenzen scheinen da keine Rolle zu spielen. Wieso ist denn das alles bei KiPos so problematisch?

  5. Zusammengefasst:
    Wenn ich jemanden Schaden zufügen will, zum Beispiel die GVU, brauche ich nur ein illegales Portal zu eröffnen, wo ich die ganzen „Filesharer-sind-Verbrecher“- Videos einbette oder nur verlinke…

    Verstehe ich das richtig?

  6. Sie haben also einen Bot benutzt, der aus einer Webseite alle Vimeo-Videos ausliest und diese ohne Kontrolle als illegal gekennzeichnet.
    Es sollte eine Unterlassungsaufforderung geben. Das ist doch unglaublich.

  7. Aber jetzt mal ehrlich. 5 Mio Löschungen aber ich kann auf kino.to trotzdem jeden Film sehen? Mit mehrerer mirrors und von mehreren Hostern???

    Irgendwann sollte man doch den Kampf gegen Windmühlen aufgeben. Ich meine man sollte mal ausrechenen, wieviel das alles kostet und reinbringt und wieviel man sich sparen könnte oder sogar einnehmen könnte, würde man einfach eine Videoflat einführen. Mit dem ganzen Geld könnten sicher mehrere Dörfer in Afrika jahrelang leben.

    Ich mein, verhungern die ganzen Hollywood-Stars etwa? Sind Urheber und deren fadenscheinige REchte wichtiger als Menschenleben?

    Greetz,
    GHad

    1. @14 GHad
      „Sind Urheber und deren fadenscheinige REchte wichtiger als Menschenleben?“
      Es geht hier nicht um die Urheber! Die Frage sollte lauten:
      Sind Verwerter und deren fadenscheinige Rechte wichtiger als Menschenleben?“
      Antwort: Ja. Zumindest bei unserer Regierung.

  8. Es ist schon erstaunlich wie sich GVU und dergleichen auf Rechte berufen, die eigentlich den Urheber schützen sollen.

    Nun, Fehler passieren überall, keine Frage. Aber wenn es ein so bedauerlicher Zwischenfall gewesen sein soll, dann sollte auch nichts gegen die Abgabe einer strafbewährten Unterlassungserklärung sprechen.

    Ich würde auch hier jetzt nicht klein beigeben wollen.

  9. Tja und mit der verratenen Vorgehensweise haben sie sich nun wohl auch ihr Geschäft keputtgemacht. Denn ich nehme mal an, dass alle illegalen Seiten nun zusätzlich auf genauso viele legale Angebote wie illegale Angebote verlinken werden. und damit ist eine automatisierte Löschung so nicht mehr möglich.

  10. @Bernhard

    Danke, stimmt dann. Leider offtopic, aber wenn unserer Regierung Menschenleben etwas wert wären (>6000€), wären wir schon längst aus Afghanistan drausen. Jetzt aber wieder zuürck zum Thema.

    Greetz,
    GHad

  11. Was soll man da sagen, da rudert ja die „Gesellschaft zur Verfolgung“ mächtig zurück. Bei allem Respekt vor Urheberrechten wundert mich, dass dies Vereinsangelegenheit sein soll.

    Ich überlege mal gerade was passiert wäre, wenn statt der Gesellschaft zur Verfolgung … der benachbarte Schützenverein beauftragt worden wäre. das hätte also ohne Rückfrage Tote gegeben?

    Wie dem auch sei, es bleibt eine Posse nur bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken, denn diese Vorzeichen deuten so böse auf Weiterungen in anderen Bereichen hin. An sich also eine Tendenz die man schon ausradieren müsste.

    Wann bekommen wir den „Verein zur Verfolgung undemokratischer Äußerungen” oder den „Verein zur zivilisierten Verfolgung Verfolgung von Terroristen”? So wie diese Nummer gestrickt ist, scheint mir das nur eine Frage der Zeit zu sein. Wer nimmt hier an welchen Stellen welche Rechte in in die Hand? Vorboten der Privatisierung unserer Justiz? Bedenklich!

    http://qpress.de/2010/08/10/freiheit-nicht-mehr-zu-retten/ … also nehmen wir es mal schwarz.

  12. uiii! 217% … von was auch immer. 5 Millionen Löschaufforderungen – wieviel waren davon denn erfolgreich und noch viel wichtiger, berechtigt?

    Fragen über Fragen die nun in der Blogosphäre sicherlich auch unerfreuliche Antworten liefern.

  13. Eins muss man OpSec und GVU lassen: Sie haben schnell und kompetent reagiert, sprich: Alle Register gezogen, damit dieser Fall ihnen nicht aus den Händen gleitet und zum PR-Desaster wird. Auch wenn ich gegen diese Vereine eine Abneigung habe: Hut ab, PR-mäßig haben die ihre Hausaufgaben gemacht.

  14. Überhaupt sollte man mal die ganzen Strukturen und Geldflüsse aufdröseln. Also dieser „Men in Black“ GVU Verein (mal den Slogan auf dem Bild gelesen? Siehe #13) vergibt Aufträge im Namen der Filmindustrie an private Firmen oder wie?

    Geht das denn überhaupt mit rechten (also rechtsstaatlich korrekten) Mitteln zu und wenn ja, wer zum Teufel hat das eingeführt???

    Greetz,
    GHad

  15. Ich mein, verhungern die ganzen Hollywood-Stars etwa? Sind Urheber und deren fadenscheinige REchte wichtiger als Menschenleben?

    Gemach, gemach ;) Die Lage ist durchaus ein wenig komplexer. Das Problem sind dabei auch weniger irgendwelche „Hollywood-Stars“, sondern der Rest der Branche.

    Stark vereinfacht gesagt ist es wie bei der Musikindustrie, nur noch etwas extremer: Durch die Konzentration auf nur wenige Blockbuster pro Jahr/Studio wird das System extrem instabil.

    Floppt eine dieser Produktion, ist das jeweilige Studio so gut wie pleite (Und wir reden nicht von irgendwelchen Hinterhofstudios, sondern von einem der verbliebenen 5 großen US-Studios ..). Geht alles gut, können ein paar normale Produktionen, ggf. auch abseits des Mainstreams, durchgefüttert werden.*

    Auch wenn die deutsche Filmwirtschaft – nicht zuletzt dank Avatar – derzeit seit Monaten Erfolge feiert (der dieses Jahr kaum zu wiederholen sein wird), tanzt man im Prinzip seit Jahren am weitgehend selbstgeschaffenen Abgrund.

    *In Deutschland ist die Situation noch einmal andere. Da haben wir es vor allem mit Filmen zu tun, die von TV-Sendern finanziert und für eine spätere TV-Auswertung konzipiert werden. Wenige Ausnahme bestätigen die Regel, den Rest finanzieren wir alle über Filmfördermaßnahmen.

  16. @ghad:

    Geht das denn überhaupt mit rechten (also rechtsstaatlich korrekten) Mitteln zu und wenn ja, wer zum Teufel hat das eingeführt???

    Sicher dat. Das ist von der Politik sogar explizit so gewünscht. Das Prinzip nennt sich „Regulierte Selbstregulierung“ und soll den Staat bzw. seine Organe entlasten (im Bereich Filesharing/Abmahnungen sehen wir gerade, wie es nicht funktioniert). Ich schrieb da gestern schon:

    Ganz im Gegenteil, “Privatinitiativen” sind gerade auch bei bei der Politik beliebt.

    Sie entlasten die staatlichen Stellen und ermöglichen ein vereinfachtes Verfahren (vgl. das VeRI-Programm bei eBay). Die unweigerlich entstehenden Kollateralschäden nimmt man dabei in Kauf.

  17. Ah! Monsterstream. Kannte ich vorher nicht. Was gibt es denn da zu sehen? Das muss ich mir wohl mal genauer anschauen.

    Danke für den Hinweis, liebe GVU. Das nenne ich Service.

  18. @Torsten:

    Klingt ja fast wie die lustig gemeinte GEMA-Vermutung von gestern: Alles, was auf “Monsterstream” verlinkt ist, muss ja illegal sein…

    Natürlich. Meine Glaskugel ist schließlich ein qualitativ hochwertiges Präzisionsinstrument!

  19. Ein Bot-Tool verwenden um automatisiert Hoster aufzufordern Inhalte vom Netz zu nehmen und dieses Tool nicht so gestalten, das es keine Versehen geben kann, ist schlicht vorsätzlich fahrlässig.

  20. Da ich das Thema nun schon ein wenig verfolgen konnte, stelle ich mir so manche Frage.
    Gerade im letzten Update, wo zu lesen ist, dass man selbst schuld sein muss, wenn ein Link innerhalb einer Tauschbörse/Linkliste gehandelt wird.

    Letztlich leben wir davon gefunden zu werden. Wir werden gefunden, wenn man uns häufig verlinkt. Die Angebote sind frei Sie stehen unter CC. Jeder kann Sie nutzen. Und jeder, der Sie nutzt hilft uns, bekannter zu werden. In meinen Augen ist es enorm Rufschädigend, was den beiden da passiert ist.

    Da frage ich mich, was aus dem 4-Augen Prinzip geworden ist. Schaut man nicht mehr nach, welcher Inhalt sich hinter einer URL verbirgt? Macht man es sich tatsächlich so einfach?
    Ist es gerechtfertigt, jemanden Reputation auf diese Weise zu „vernichten“?

    Es ist ziemlich makaber, dass als Kolleteralschaden abzutun. Letztlich scheint es System, automatisiert und ohne Kontrolle. Ohne Black- und ohne Whitelist. Ohne jemanden, der die 5 Millionen Links auch nur einmal angefasst zu haben scheint. Einfach übermittelt und zum Abschuss freigegeben. Ich nenne sowas nicht professionell, im Gegenteil. Bleibt die Frage offen, ob es sich bei den 5 gelöschten Videos um die einzigen Schäden handelt oder ob die Dunkelziffer wesentlich höher liegt.

    Mein Beileid an Sixtus und Alex. Ich hoff ihr packt die Videos schnell wieder rauf, bzw. bekommt eure Videos schnell wieder frei.

  21. Die Überschrift der Pressemitteilung ist an sich schon eine Frechheit.

    Was ich mich frage: ist sie denn zutreffend; gibt es unter den 5 Millionen „Löschanforderungen“ nur diese 5 Ausrutscher? Ist schwer vorstellbar… Sehr wahrscheinlich, dass etliche Fälle nicht bekannt werden, aber wie findet man das heraus?

  22. GVU-Sprecherin Ehlers weiß, darauf angesprochen, keine wirkliche Antwort – und gibt Lehmann und Sixtus indirekt selbst eine Mitschuld für den von der GVU verursachen Schaden: “Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen”, sagt sie im on3-Interview. […]

    Der erste Halbsatz sagt es bereits: Sie wissen keine Antwort. Das folgende Argument ist so absurd, dass sich eine Auseinandersetzung damit nicht lohnt.
    Und wo sachliche Argumente fehlen, wird hier dann zur Kriminalisierungsrhetorik gegriffen. Kennen wir ja.

  23. Das ist doch eine Steilvorlage für ein finanzielles DDOS gegen die GVU in 5 Akten:

    1. HD-Kamera auspacken
    2. Einen Vogel vor dem Haus filmen und mit Verweis auf Auftragsdienste hochladen
    3. Einen Link ins angegebene Forum posten
    4. Warten
    5. Nach Löschung abmahnen

    Ich habe bereits ein Patent dafür beantragt. Ich erwarte 10% Beteiligung.

  24. Ich rege mich immer noch auf über die dreiste Aktion der GVU. Es wird endlich Zeit, dass der Abmahnschleuder das HAndwerk gelegt wird.

    Trotzdem habe ich eine Frage, da ja die Creative Commons Lizensierung auch hier eine Rolle spielt.

    @Markus: Als Vertreter von CC in Deutschland: Wenn der Elektrische Reporter unter Creative Commons Lizenz „BY-NC-SA 3.0“ veröffentlicht wird, verstößt die Einbettung bei Monsterstream (http://www.monsterstream.info/?v=25760) nicht gegen die Lizenz und dürfte so ohne Namens- und Lizenznennung/-verlinkung nicht veröffentlicht werden? Wäre Monsterstream nicht sogar als „Kommerziell“ einzustufen?

    1. @TobiBo: Klar ist das eine Verletzung der Lizenz, aas ist eine Frage, die Alexander Lehmann und Mario Sixtus beantworten sollten und nicht die GVU, denn diese vertritt die beiden nicht in der Durchsetzung ihrer Urheberrechte.

  25. „Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen”, sagt sie im on3-Interview.“

    Wer nur schwarz weiß denkt, wird von einer Graustufe schon mal überrascht. Nicht auszumalen, was passiert, wenn Farbe ins Spiel kommt.

    @Horsts Steilvorlage: Je nachdem, wie die Bots arbeiten. Du solltest das Vogelvideo auf jeden Fall nach einem aktuellen Hollywoodfilm benennen. Viel Spaß beim Abmahnen :)

  26. @TobiBo Der von dir gelinkte Elektrische Reporter ist eine YouTube Einbettung. Bei YouTube wurde es vom Nutzer „zdf“ hochgeladen. Wenn der Acc dem ZDF gehört, kann man davon ausgehen, dass es rechtens ist. Schließlich hat auch das ZDF Rechte an dem Film. Die Frage wäre dann ehr: darf Monsterstream einfach das Viedeo von YouTube einbetten und Werbung davor schalten?

    Mal davon abgesehen, wenn man sich ansieht was es dort noch für Sachen gibt, ist denen das wohl relativ egal :)

  27. Auch nach dem dritten Update bleibe ich dabei: Die Reaktion von GVU und OpSec war schnell und professionell. Dass sich Ehlers in die Richtung geäußert hat, dass die GVU „verwundert sei“, dass man manche (legale) Angebote auf bestimmten Portalen findet, ist nicht scharf genug, um ein vernünftiges Feindbild aufzubauen.

    Letztendlich bleibt eins hängen: Sie haben den Fehler ziemlich schnell eingeräumt; Sie haben von sich aus Gegenmaßnahmen ergriffen und die Wiederzugänglichmachung des Links auf den entsprechenden Videoportalen angestoßen, ohne dass noch größerer Druck hätte aufgebaut werden müssen; Und sie haben die Videos in Bezug zu einer unglaublich hohen Anzahl unbeanstandeter Löschungsaufforderungen gesetzt, so dass man sich bei einer unbedarften Näherung an das Thema eigentlich nur denkt: Die Quote ist doch super, Fehler können immer vorkommen.

    Sicher sind GVU und OpSec für informierte Leute keine Sympathieträger. Aber hier abzustreiten, dass die PR-Abteilung gut gearbeitet hat, ist schon etwas gewagt. Auch wenn sie im gegnerischen Team spielen, kann man ihnen Respekt für einen sauber vorbereiteten Treffer entgegenbringen. Auch wenn das nicht ganz ohne Bauchschmerzen abläuft…

  28. @Karpatenhund: Es geht mir nicht darum, ein Feindbild aufzubauen. Ich sammle nur.

    Davon ab, eine Organisation („PR-Abteilung“ trifft es im konkret Fall wohl weniger) bereits dafür zu loben, dass sie zeitnah eine wachsweiche Entschuldigung raushaut, finde ich nicht weiter bemerkenswert.

    Sie haben den Fehler ziemlich schnell eingeräumt

    Alles andere wäre auch wenig glaubhaft gewesen.

    Sie haben von sich aus Gegenmaßnahmen ergriffen und die Wiederzugänglichmachung des Links auf den entsprechenden Videoportalen angestoßen

    Das Wiederzugänglichmachung dürfte eine der Kernforderungen im Fax von Mario Sixtus gewesen sein. Wir reden also von einer Reaktion.

    Die Verwendung des Begriffs „Link“ ist im konkreten Kontext allerdings grob irreführend.

    „Verlinkt“ wurde allenfalls von der inkrimierten Portalseite. Da diese Portalseite offenbar nicht direkt angegriffen werden kann, wandte sich die GVU mit dem (wahrheitswidrigen) Hinweis auf eine Urheberverletzung und dem offenbaren Ziel der Löschung an Vimeo.

    Dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden, ist schlicht selbstverständlich. Ob sie von Erfolg gekrönt sind, werden wir noch sehen.

    unglaublich hohen Anzahl unbeanstandeter Löschungsaufforderungen gesetzt,

    Das wissen wir nicht. Und wenn ich spekulieren darf: Die Kollateralschäden solcher Löschaktion dürften regelmäßig beachtlich sein.

    Die Quote ist doch super, Fehler können immer vorkommen.

    Vielleicht wäre das auch eine schöne Phrase für Duisburg gewesen?

    Auch wenn sie im gegnerischen Team spielen, kann man ihnen Respekt für einen sauber vorbereiteten Treffer entgegenbringen.

    Ich sehe die GVU weder als Gegner, noch kann ich einen Treffer, gar einen sauberen, erkennen.

    1. @Jörg-Olaf Schäfers:

      Wegen Fax und Reaktion: Sixtus hat erst um 0.17 Uhr am 10. August von dem Fax geschrieben was abgeschickt worden ist: http://twitter.com/sixtus/status/20741187379

      Die GVU in der Pressemeldung allerdings hervorgehoben, dass bereits um 22.59 Uhr am 9. August die Rückgängigmachung der Löschung auf den Weg gebracht wurde.

      Nach einer Reaktion auf das Fax sieht mir das nicht aus, zumal um die Zeit wohl kaum jemand im Büro sein sollte. Sixtus hat ja auch sicher auch telefonisch versucht jemanden zu erreichen – wohl vergeblich.

  29. @Jörg-Olaf Schäfers: Versteh mich nicht falsch. Ich sage nicht, dass die GVU keinen Fehler gemacht hat oder dass das Unternehmen durch die Reaktion auch nur einen Deut sympathischer wird.
    Die GVU hat die Folgen des Fehlers aber mit ihrer schnellen und professionellen Reaktion minimiert, es gibt viele Beispiele, in denen Firmen in der gleichen Situation wesentlich ungeschickter reagiert haben. Von einer zu späten Reaktion über das Minimum dessen, was eine Firma (rechtlich) tun müsste bis hin zu fehlenden Entschuldigungen lauern nach solchen Fehlern eine Menge Minenfelder, die man als Unternehmen besser umgehen sollte.

    Die Presseerklärung dürfte die Außenwirkung des Fehlers jedenfalls klein halten. Machen wir uns nichts vor: Die GVU schreibt ihre Presseerklärungen nicht für Leute, bei denen sie sowieso schon unten durch ist; Solche Pressemitteilungen dienen zumindest auch dazu, die Sache – sollte sie den Sprung von Nischen im Netz in die bei der breiten Bevölkerung etablierten Massenmedien schaffen – klein halten. Verloren hätte die GVU die Schlacht, wenn morgen auf Spiegel Online, in der Tagesschau, in der BILD oder in der FAZ stünde: „GVU lässt Aktivisten-Videos sperren“, kombiniert mit einem Artikel, der für die Bevölkerung keine nachvollziehbare Stellungnahme der GVU enthält.

    Das, was ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, wird das sein, was beim unbedarften Leser der Pressemitteilung hängen bleibt. Ganz unabhängig von der Faktenlage. Das ist klar eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Denn bei der kommt es nicht darauf an, ob das Unternehmen das tut, was es sagt; das ist zweitrangig, es kann auch in Bangladesch regelmäßig kleine Kinder verprügeln. Entscheidend ist dabei vielmehr, welches Bild das Unternehmen nach außen verkaufen kann.

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