Kultur

„Dialog Internet“: Drei kurze Empfehlungen

Christian „Mr. Topf“ Scholz hat, wie versprochen, einen umfassenden Bericht zur Auftaktveranstaltung des vom Familienministerium initiierten [1] „Dialog Internet“ verfasst. Auch wenn wir in unterschiedlichen Arbeitsgruppen waren, kann ich größtenteils unterschreiben, was Christian berichtet:


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Insgesamt fand ich die Veranstaltung und Zusammensetzung schon recht gelungen, vor allem, da man eben auch mit “der anderen Seite” mal ins Gespräch kam. So stehen die meisten wohl auch hinter ihrer Sache, kennen aber leider das Internet kaum. Allerdings gab es natürlich auch Lobbystimmen und Angst um Töpfe [2] […]

Auch die Einbindung der Öffentlichkeit hätte besser sein können. Es gab zwar ein Social Media-Team, das ein Monitoring durchgeführt hat, aber die Öffentlichkeit bekam ja kaum Input. […]

Wie schon erwähnt, war auch die Festlegung auf die Tische nicht ganz optimal, da man wenig Leute kennenlernte. Zudem hat man auch nur 1 Stunde konstruktiv gearbeitet, der Rest war so drumrum. […]

Ich bin also gespannt, wie es weitergeht und werde zusätzliche Fragen dann auch noch online eintragen (wobei das definitiv zuviel Geklicke ist auf der Site). […]

Vielleicht muss man das noch einmal erklären. Diskutiert wurde in 6 Arbeitsgruppen, bzw. an 6 Tischen. Eine Arbeitsgruppe bestand aus 8 nicht ganz zufällig zusammengesetzten Personen zzgl. Moderator. Die Redezeit war mit effektiv 2×30 Minuten (Ablaufplan, PDF) recht kurz, überraschenderweise wurden die Gruppen nach dem Tischwechsel bzw. Fokuswechsel auch nicht neu gemischt, sondern blieben zusammen.

Das „Drumrum“ sehe ich übrigens durchaus positiv. Es war auch einer der Gründe, warum ich überhaupt nach Berlin gefahren bin. Gerade bei einer Auftaktveranstaltung sind die Gespräche am Rande – z.B. mit Christian Stöcker, siehe unten – oft interessanter, als die eigentlichen Panels/Sessions. Man darf den Organisatoren da wohl Absicht unterstellen.

Liest noch einer mit? Gut, ab jetzt bitte zuhören. Und zwar diesen beiden Radio-Beiträgen von Philip Banse (Mache ich auch gleich, ich muss nur noch diese Zeilen fertig tippen). Da haben wir einmal den Podcast „Medienradio034: Christian Stöcker“ (Direkt-mp3):

Christian Stöcker ist stellvertretender Leiter des Ressorts Netzwelt bei Spiegel Online. Er war heute geladen zum “Dialog Internet” bei Familien-Ministerin Kristina Köhler. Wir haben uns unterhalten über den seit Monaten versuchten Dialog des Staates mit Protagonisten des neuen Politkfeldes Netzpolitik. Ist der Austauch ernst gemeint oder nur PR? Muss wirklich alles live übertragen werden?

… und dann noch einen Beitrag  für Deutschlandradio Kultur: (Direkt-mp3)

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat jetzt auch das Internet entdeckt. In dieser Woche startete sie den “Dialog Internet” im Rahmen einer Konferenz und parallel im Netz. Damit will sie die Online-Community in ihre Kinder- und Jugendnetzpolitik einbeziehen. Auch bei SchülerVZ und Facebook soll diskutiert werden. Was bringt´s? Philip Banse hat sich die Idee näher angeschaut.

Schönes Wochenende!

[1] Dazu vielleicht eine kurze persönliche Anmerkung, mit der ich mich hoffentlich nicht allzu sehr in die Nesseln setze. Ja,  das Konzept/die Idee der Veranstaltung stammt wohl noch aus der Amtszeit von Ursula von der Leyen und soll ursprünglich als Teil einer Appeasement-Kampagne entwickelt worden sein. Das ist zumindest ein Gerücht, das seit der Ankündigung im Februar immer mal wieder die Runde machte. Und ja, natürlich verfolgen alle Beteiligten eigene Interessen. Das ist legitim und bei Lobbyvertretern wenig überraschend. Auf der anderen Seite ist das – u.a. übrigens von Jürgen Ertelt, der als Pirat und Zensurkritiker einer Kollaboration mit dem Feind unverdächtig sein dürfte, und seinem Team entwickelte – Konzept zunächst hinreichend offen, um der Idee eine Chance zu geben. Wie auch immer: Die erste Runde hat sich gelohnt, dem weiteren Verlauf sehe ich, wie Christian, mit Spannung entgegen.

[2] Also Etats. Nicht um Mr. Topf ,)

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5 Kommentare
  1. Ich bin während einer Zigarettenpause mit Jürgen Müller, dem Büroleiter von Kristina Schröder, ins Gespräch gekommen. Er bestritt vehement, dass die Veranstaltung ihren Ursprung in der Von-der-Leyen-Ära hatte. Vielmehr sei das Projekt eine ureigene Idee Schröders. Sagte er.

  2. Diese Aussage dürfte so nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Unter von der Leyen sollte die Veranstaltung noch „Forum Internet“ heißen, alles war geplant und dann kam der plötzliche Wechsel.

  3. Danke für die Klarstellung mit den Töpfen. Wär ja noch schöner, wenn die Angst um mich hätten ;-)

    Ich habe auch Marios Fassung gehört und dass es umbenannt wurde, da die Domain nicht mehr frei war ;-)

    Aber ob nun das nun bei vdL startete, ist IMHO eigentlich egal, wichtig ist die Umsetzung jetzt.

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