Wenn Politiker mit Ghostwriter twittern…?

Thorsten Schäfer Gümbel alias @tsghessen gilt als Paradebeispiel eines wahlkämpfenden Politikers auf Twitter, obwohl er weder der erste war, noch meiner Meinung nach besonders toll twitterte. Aber Authentizität wird ihm nachgesagt und als SPD-Spitzenkandidat in HEssen hat er viel mediale Aufmerksamkeit und auch Follower bei Twitter bekommen.

Nun stellt sich aber die Frage, ob das mit der Authentizität denn so stimmt oder ob da nicht viel Wahlkampf-Inszenierung war. Heute Morgen twitterte @tsghessen:

Hallo an die ersten 2004 Follower. Weil wir die Regierungsübernahme 2014 planen, lade ich Follower 2014 in Wiesbaden zum Essen ein

Einer seiner Wahlkampfberater twitterte denselben Tweet kurze Zeit davor, nur um ihn sofort wieder zu löschen. Dann erschien der „offizielle Beitrag“ beim richtigen Twitter-Account. Tilla Pe fiel das auf und schaute mal nach. Denn eigene Tweets kann man löschen, aber die Suchfunktion von Twitter zeigt diese trotzdem noch an.

Was meines Empfindens ein Datenschutz-Problem ist. In diesem Fall wirft es aber die Frage nach Authentizität auf. Immerhin wurde Thorsten Schäfer Gümbel als der Politiker präsentiert, der das alles alleine nutzt. Und nicht wie in der Regel bei anderen Politikern das meiste von den Büromitarbeitern eingestellt wird. Als ich den Link eben twitterte, bekam ich als Antwort von @oliverbarracuda , dass dies kein Ghostwriting gewesen sei, sondern nur „technische Unterstützung beim Senden von Tweets“. Das kann passieren, wenn man als Agentur zwischen Politiker und Tools als Mittler auftritt. Was wahr und was Inszenierung ist, kann ich in diesem Fall nicht genau sagen. In den Kommentaren bei Tilla Pe wurde angemerkt, dass man im Falle einer Vermittler-Rolle transparent darauf aufmerksam machen sollte. Da ist was dran, um solche Fehler zu vermeiden.

Aber wie die Realität nun auch in diesem Fall sein mag: Es ist ein schönes Lehr-Beispiel, was man beachten, bzw. welche Fehler man vermeiden sollte. Der Wahlkampf im Netz wird noch einige solcher Situationen bringen.

21 Kommentare
  1. Jens Hoffmann 28. Jan 2009 @ 9:53
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